Streit ums Turbo-Abitur: Alles auf Anfang

DPAViele Eltern, Schüler und Lehrer sind genervt vom Turbo-Abitur, deswegen bietet ein Bundesland nach dem anderen wieder das alte G9-Modell an. Der Andrang ist groß: Die Gymnasiasten scheinen sich danach zu sehnen, ein Jahr mehr Zeit zu haben - nicht nur im Westen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-875612.html
  1. #1

    Na endlich mal eine positive Entwicklung im Schulbetrieb.
  2. #2

    Weicheier

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Eltern, Schüler und Lehrer sind genervt vom Turbo-Abitur, deswegen bietet ein Bundesland nach dem anderen wieder das alte G9-Modell an. Der Andrang ist groß: Die Gymnasiasten scheinen sich danach zu sehnen, ein Jahr mehr Zeit zu haben - nicht nur im Westen.

    Streit ums Turbo-Abitur: Länder kehren teilweise zu G9 zurück - SPIEGEL ONLINE
    Also ich hab damals, 1997, auch das "Turbo-Abitur" nach 12 Schuljahren gemacht. Das hieß damals allerdings noch nicht "Turbo", sondern war das ganz normale Abi. Zumindest ich hab mich keineswegs vom "Schulstress" überfordert gefühlt und hatte damals auch noch massig Zeit für außerschulische Aktivitäten. Im Hinblick auf die Prüfungsergebnisse ging es den meisten in meiner Jahrgangsstufe ähnlich.
    Sicher, ein paar waren dabei, die sich gerade so durchgequält haben, aber die hätten, meiner Meinung nach, nicht auf Gymnasium gehört, sondern eher auf die Realschule, mussten sich aber dem Druck der Eltern beugen.
  3. #3

    Und dafür mussten sich einige Hunderttausend Schüler ein paar Jahre lang durch ein schlecht geplantes, schlecht durchgeführtes und von Anfang an von allen Seiten kritisiertes System quälen.

    Ein Armutszeugnis für unsere Bildungspolitiker (mal wieder)!
  4. #4

    Zitat von Artikel
    Die Folgen: Stress und Unmut bei den Eltern, zusätzliche Kosten für Nachhilfe.
    Problem dürfte hierbei die Wissensvermittlung sein und nicht die verkürzte Lernzeit. In anderen Ländern geht es ja auch. Ergo gehört u. a. der Lehrplan aufgeräumt, Unterrichtsausfall minimiert und die Kinder auf eine passende Schule geschickt.

    Zitat von Artikel
    Außerschulische Aktivitäten bleiben auf der Strecke. Vor allem Eltern aus dem Bildungsbürgertum klagen, dass ihre Kinder kaum noch Zeit für Tennis, Musikunterricht, Theaterspiel oder Sport haben.
    Das klingt ja eher nach Luxusproblemen und hat mir der Realität wenig zu tun. Wie hoch ist der Prozentsatz von Kindern, die denn Tennis spielen (oder gar Golf?) und Musikunterricht nehmen? Wohl eher ist hier die Zeit für den Bolzplatz gemeint.

    Zitat von Artikel
    Der Schulforscher Klaus-Jürgen Tillmann sagt: "Wir wissen aus unserer jüngsten Emnid-Umfrage, dass knapp 80 Prozent der Eltern im Westen und rund 50 Prozent im Osten eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren wünschen."
    Früher war alles besser - auch die Zukunft. Hätte man rechtzeitig eine umfassende Reform, ggf. auf Bundesebene durchgeführt, dann wäre alles halb so wild. Aber so ist es halt in Deutschland: auch bei der Bachelor/Master-Umstellung der Studiengänge hat man gepennt. Statt den Lehrplan anzupassen, hat man einfach den Stoff aus dem Diplom-Studiengang in einen Bachelor-Studiengang gepresst und ein Semester abgeschnitten. Das freut auch den Staat: ein Jahr weniger BAföG zahlen.
  5. #5

    Wo ist die Gewerkschaft für Schüler und Kinder?

    Wir müssen langsam feststellen, dass die Regierungen damals dem Druck der Wirtschaft nachgegeben haben und Deutschland seine Schüler auf dem Altar der Bildung geopfert hat.
    Es gab von Anfang an Kritiker an diesem Turbo-Abitur. Diese hat man aber nicht hören wollen, man sah nur die Vorteile des schnelleren, billigeren Bildungssystems. Die guten Jahre sind bald vorbei und wir werden auf einem Haufen der Tränen sitzen bleiben, den uns kriminell-dumme Bildungspolitiker (mit unserer betrügerischen Frau SChavan) eingebrockt haben. Auch die Studienkurse Master und Bachelor gehören auf den Prüfstand. Hier wurde wohl der Wirtschaft zu viel angedient und sich zu sehr verneigt. Das ist im Grunde nichts Neues, weiß man doch, dass selbst der vom Kanzler Kohl so gelobte Jungunternehmer inzwischen mehrmals Konkurs angemeldet hat und -das glaube ich gehört zu haben- auch schon im "Hotel Gitter" gewesen ist. Da ist wirklich viel glänzender Lack abgefallen von den Erfolgen der Regierung Kohl, Schröder und Murksel. Wen wundert das?
  6. #6

    Der Fisch stinkt vom Kopfe

    Politisch "geplant" indem man praktisch identische Gesammtstundenzahl un weniger Jahre packt, damit auch ganz sicher der selbe Stoff behandelt wird? Möglich das man auch einfach verpennt hat schon ab der ersten Klasse das Tempo anzuziehen... aber man muss ja rücksicht auf NICHTLEISTER nehmen. Damit ergibt sich leider ein Problem, diejenigen die es könnten bremmst man anfänglich aus, diejenigen die es nicht könnten schleppt man als Ballast mit. Dazu kocht jedes Bundesland sein Süppchen, Leistungen sind nur schwer oder gar nicht vergleichbar.
    Ach ja, es geht nicht um Schüler, es geht um Politik... zum Schaden des Volkes!
  7. #7

    Was ein Quatsch! Nur weil Eltern konservativ sind und die Umsetzung schlecht ist, da Lehrer wie alle Menschen vor Mehrarbeit scheuen und einige Sachen nicht ordentlich geplant/durchdacht wurden, ist ein Abitur in 12 Jahren nicht schlechter.

    Ich habe selbst mein Abitur gemütlich in 12 Jahren gemacht. Nach meinem Daführhalten sollte man mal eine ORDENTLICHE Reform machen und das Abitur sogar auf 11 Jahre verkürzen! Das reicht völlig aus für alle Grundlagen. Die wichtigen Sachen lernt man eh erst im wahren Leben und im Job. Warum also so lange in der Schule rumblödeln? (Es sagt keiner, dass man hinterher nicht durch die Welt blödeln darf und wahrscheinlich lernt man da immer noch mehr als in der Schule.) Alle die es in der Zeit nicht schaffen haben eh nix auf dem Gymnasium verloren.
  8. #8

    optional

    Absurd ist gar kein Ausdruck. Das hätte jeder wissen können! Aber es zeigt einmal mehr, das der Mensch hierzulande immer öfter als Verfügungsmasse und Mittel für Zweck gesehen wird. Am besten Max-Plank-Insitut und Fraunhofer-Gesellschaft entwickeln für unsereWirtschaft und die lieben Politiker den Instant-Mensch in Dosen, in unterschiedlichen Ausbildungsstufen. Der kann dann bei Bedarf schnell aufgegossen werden und wenn man ihn nicht mehr braucht, dann kann man ihn ins Klo kippen. Aus dem Auge, aus der Bilanz. Schöne, neue, globale, neoliberale Welt!
  9. #9

    -

    Die Umsetzung von G8 ist wie so viele Reformen im Schulbereich mal wieder eine Katastrophe gewesen.
    Da wurde gesagt, dass im europäischen Vergleich deutsche Studenten zu alt sind, weil sie in der Regel erst 19 sind, wenn sie das Abitur ablegen.
    Aber man hat nicht beachtet, woran das eigentlich liegt. In anderen Ländern fangen Kinder bereits früher an, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, mit vier oder fünf Jahren. Insgesamt werden sie also nicht kürzer beschult.
    In Deutschland hat man nur aufs Alter geschaut und dementsprechend die Gymnasialzeit verkürzt.

    Ich finde allerdings nicht, dass 17 Jahre per se zu jung sind, um das Abi abzulegen und zu studieren. Es gibt ja auch 15-, 16- und 17-Jährige, die bereits in der "normalen" Erwachsenenwelt arbeiten müssen, weil sie eine Ausbildung machen. Das wäre ja dann eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.

    Deutschland ist schon seltsam. Einerseits ist es eher kinderfeindlich, andererseits möchte man die lieben Kleinen am besten bis zum Alter von sieben spielen lassen. "Lasst sie doch Kinder sein", heißt es dann. Kinder können aber viel mehr. Man kann mehr fordern und erwarten. Dann wäre auch kein "Turboabi" mehr nötig, sondern es liefe, wie es in anderen Ländern ja auch funktioniert.