Aus Kuba nach Deutschland: Crashkurs in Selbstvermarktung

An der Uni in Havanna verliebte sich die Kubanerin Mayelin Konrad in einen deutschen Studenten - und folgte ihm nach Berlin. Hier erzählt sie, warum sie in Bussen die Diskriminierung von Schwarzfahrern vermutete und wieso sich Vorstellungsgespräche anfühlen wie im Haifischbecken zu schwimmen.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...-a-874989.html
  1. #1

    Kapitalismus...

    Die Bewertung des Kapitalismus hätte die sympathische Dame besser weg gelassen. Im kapitaistischen Flugzeug bekommt das Essen ja nicht als Sozialleistung sondern weil man mit seinem Ticket dafür gezahlt hat. Und dass der Kapitalismus "schwarze" Fahrgäste doch nicht diskriminiert ist auch kein Grund in Begeisterung auszubrechen. Dass unsere Welt im Westen schön bunt ist das wissen wir auch schon. Das Ganze ist von einer so rührenden Naivität dass man sich schon fragt was dieser Beitrag hier zu suchen hat.
  2. #2

    Zitat von der-denker Beitrag anzeigen
    Das Ganze ist von einer so rührenden Naivität dass man sich schon fragt was dieser Beitrag hier zu suchen hat.
    Ganz vielen Dank für diese zutreffende Bewertung. Naiv ist die gleich in beide Richtungen. Ich habe in Kuba gelebt und kann versichern: Auch da gibt es Berufe, die beliebter sind als andere - und was es da für Bewerbungsschlachten gibt, ist mit nichts vergleichbar, was ich in Europa erlebt habe. Jobs im Tourismus etwa sind enorm begehrt. Ein Bartender in einem durch ausländische Touristen frequentierten Hotel kann an einem Abend an Trinkgeldern das Geld machen, das ein Durchschnittskubaner in einem Jahr verdient. Solche Jobs gehen gewöhnlich nur durch Beziehungen weg oder durch Gefälligkeiten aller Art.

    Und dann ist da noch die allgegenwärtige Bespitzelung durch die Kommittees zur Verteidigung der Revolution - das übrigens ebenfalls herangezogen wird, um Bewerber zu beurteilen. Also: die Selbstvermarktung mag hier eine andere sein. Eine schlimmere ist sie nicht.
  3. #3

    ...noch ueberfluessiger ist Ihr Kommentar...

    Mir hat der Beitrag sehr gut gefallen. Und der letzte Satz "Sie haben Spaß daran, von unserem Überfluss zu kosten, wissen aber auch, dass er sie nicht glücklicher macht" ist, meiner Meinung nach, sehr treffend.
    Schade, dass es immer wieder diese Kommentare gibt, die ueber andere urteilen, vom Verfasser wahrscheinlich fuer unglaublich clever gehalten werden und voellig ueberfluessig sind.
    Und ich bin auch noch so bloed und lese sie!
  4. #4

    Vielen Dank...

    ...für diesen erfrischenden Bericht, der in einer so schön offenen Weise erzählt wird, dass es eine Freude war, ihn mit allen Details zu lesen. Schön, dass die Eltern der Autorin trotz des blendenden Überflusses wissen, dass Glücklich sein damit nicht verbunden ist.
  5. #5

    Wie typisch

    Da berichtet eine Kubanerin über ihre erste Reise nach Europa und die Deutschen wissen alles besser.
  6. #6

    Vieles kommt mir bekannt vor!

    Kopfschüttel! Der Autorin ging es nicht darum den Kapitalismus irgendwie zu bewerten, (obwohl das wohl niemand besser kann, als jemand der in beiden Welten mal gelebt hat) der Autorin ging es eher darum zu zeigen, wie naiv Sie war, weil sie jahrelang durch die einseitige Propaganda in Ihrem Land beeinflußt wurde. Kubaner werden ganz bewußt von der restlichen Welt ausgeschlossen, es gibt kein für jeden frei zugängliches Internet, keine ausländisches Fernsehsender, Zeitungen etc.. und dadurch entsteht oft ein merkwürdiges Bild von der Welt. Ich habe auch eine kubanische Freundin und die sieht sich hier in einer deutschen Kleinstadt, obwohl Sie aus einer Großstadt kommt und gebildet ist, auch oft als "Guajira". Teilweise liegt es natürlich auch am technischen Fortschritt, der in Kuba immer etwas verzögert einfällt.

    Sehr schön fand ich den Vergleich mit dem hinter dem Bus herlaufen. Das zeigt herrlich den Unterschied zwischen der deutschen und der kubanischen Mentalität.

    Zitat von der-denker Beitrag anzeigen
    Die Bewertung des Kapitalismus hätte die sympathische Dame besser weg gelassen. Im kapitaistischen Flugzeug bekommt das Essen ja nicht als Sozialleistung sondern weil man mit seinem Ticket dafür gezahlt hat. Und dass der Kapitalismus "schwarze" Fahrgäste doch nicht diskriminiert ist auch kein Grund in Begeisterung auszubrechen. Dass unsere Welt im Westen schön bunt ist das wissen wir auch schon. Das Ganze ist von einer so rührenden Naivität dass man sich schon fragt was dieser Beitrag hier zu suchen hat.
  7. #7

    kann ich nur zustimmen

    Zitat von socketuning Beitrag anzeigen
    Da berichtet eine Kubanerin über ihre erste Reise nach Europa und die Deutschen wissen alles besser.
    Ich kann mich zu gut erinnern welche Kulturschocks ich hinter mir hatte als ich fuer laengere Zeit in China und Russland gearbeitet und gelebt habe.
    Mir hat der Bericht gut gefallen und kann mich nur zu gut in all die kleinen Ueberraschungen hineinversetzen die taeglich auf einen zukommen wenn man in einem total neuen Land ankommt.
  8. #8

    Schöner Bericht. Aber warum reist sie komplett ohne Bargeld?
  9. #9

    Zitat von der-denker Beitrag anzeigen
    Die Bewertung des Kapitalismus hätte die sympathische Dame besser weg gelassen. Im kapitaistischen Flugzeug bekommt das Essen ja nicht als Sozialleistung sondern weil man mit seinem Ticket dafür gezahlt hat. Und dass der Kapitalismus "schwarze" Fahrgäste doch nicht diskriminiert ist auch kein Grund in Begeisterung auszubrechen. Dass unsere Welt im Westen schön bunt ist das wissen wir auch schon. Das Ganze ist von einer so rührenden Naivität dass man sich schon fragt was dieser Beitrag hier zu suchen hat.
    Sie vergassen anzumerken, dass in dem Aufsatz:
    - Sozialkritik
    - das Wort "Gendergerechtigkeit"
    - das Wort "Nachhaltigkeit" oder aktueller "Achtsamkeit"
    - eine generelle Verteufelung der Kreditwirtschaft
    und nicht zuletzt
    - eine persönliche Abneigung der FDP
    eklatant fehlen. Wie kann es sich die Dame nur erdreisten solcherlei elementare Dinge einfach wegzulassen?!? Und das in SPON!!!!einseinseinselfelf!

    *plonk*