Ein rätselhafter Patient: Kaiserschnitt zwischen Leben und Tod

Getty ImagesVier Kinder hat die 43-jährige Frau schon geboren, ohne Probleme und auf natürlichem Weg. Doch jetzt holen Ärzte mit einem Not-Kaiserschnitt ihr fünftes Kind. Wegen heftiger Blutungen war die Schwangere in die Klinik gekommen - kurz nach der Geburt bleibt das Herz der Mutter stehen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-874946.html
  1. #10

    Zitat von Martin Franck Beitrag anzeigen
    Aus Wikipedia: In Großbritannien ist die Fruchtwasserembolie die vierthäufigste Ursache für mütterliche Todesfälle...Innerhalb der ersten Stunde sterben 25 bis 34 % der Mütter. Nur 16 bis 20 % der Mütter überleben letztlich ein solches Ereignis. 70 % aller Fruchtwasserembolien ereignen sich unter der Geburt, 11 % nach der vaginalen Entbindung und 19 % während eines Kaiserschnitts nach Entwicklung des Kindes...Die Mechanismen bei der Entstehung der Fruchtwasserembolie sind nur in Teilen bekannt...Als prädisponierende Faktoren für das Krankheitsbild gelten die Uterusruptur, Geburtsverletzungen (z. B. hoher Scheidenriss, Zervixriss), manuelle Plazentalösung, vorzeitige Plazentalösung, vaginal-operative Entbindungen, ein erhöhter intrauteriner Druck (z. B. bei großem Kind, Mehrlingen oder Polyhydramnion), die Kristellerhilfe (durch die Stempelwirkung)...Die prädisponierenden Faktoren erhöhen zwar das Risiko einer Fruchtwasserembolie, können jedoch nicht als deren Ursache angesehen werden. Das Krankheitsbild gilt als unvorhersehbar.

    Zwar wäre sie mit höherem Alter eine Risikopatientin, aber es hätte jede Frau treffen können. Sie hatte wie gesagt Glück. Die Schlussfolgerung, bei einer Hausgeburt wäre es durch Selektion unmöglich, lässt sich nicht aus dem Text ableiten.

    Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil.
    Das Krankheitsbild mag als nicht vorhersehbar gelten, die erhöhten Risiken bei gewissen Dispositionen lassen aber sehr wohl die behandelnden Ärzte zu einer Entbindung uU mit Kaiserschnitt im Krankenhaus raten.
  2. #11

    Chefarztbehandlung

    Zitat von strixaluco Beitrag anzeigen
    ... kannn es schon passieren, dass das den Blickwinkel etwas eineingt. Das scheint mir bei Ärzten häufig zu sein. Gibt es irgendeinen Zusammenhang zwischen dem, was in dem Artikel geschildert ist, und Hausgeburten? - Offensichtlich nicht!.....
    Offensichtlich doch! Schon für Kinder ist der Geburtsvorgang statistisch der gefährlichste Moment in ihrem Leben. Natürlich lassen sich Risiken durch Voruntersuchungen reduzieren aber eben nicht ausschließen. Komplikationen während einer Geburt treten eben auch unvorhersehbar auf und sind dann fast immer dramatisch. Kenne leider zu viele Paare mit Ihrer Einstellung, die nachdem nur etwas schief lief, beim nächsten Mal auf Chefarztbehandlung in einer Universitätsklinik bestanden.
  3. #12

    Ironie

    Zitat von madicus Beitrag anzeigen
    Eine Hausgeburt mit einer ECMO-ausgebildeten Hebamme? Und eine Hausgeburt ist vorzuziehen, ausser man will auf "den damaligen Standard" zurueckfallen???
    Schon einmal etwas von Ironie gehört? Natürlich schließt die Hebamme im ersten Ausbildungsmonat nicht mal schnell die Schwangere an die ECMO an. Abgesehen davon, dass es nicht so viele Krankenhäuser gibt, die eine ECMO und das notwendige Team vorrätig haben.

    Um es einmal ganz ohne Ironie zu sagen: Eine Frau mit Fruchtwasserembolie in dem Ausmaß wäre bei einer Hausgeburt, oder in einem Geburtshaus verstorben. Sie wäre auch in vielen kleineren Krankenhäusern verstorben.

    Da auch eine sonst gesunde Frau eine Fruchtwasserembolie erleiden kann, muss jede Schwangere selbst entscheiden was wichtig ist.
  4. #13

    Es gibt immer ein Risiko

    Zitat von Tubus Beitrag anzeigen
    [...] Kenne leider zu viele Paare mit Ihrer Einstellung, die nachdem nur etwas schief lief, beim nächsten Mal auf Chefarztbehandlung in einer Universitätsklinik bestanden.
    Der entscheidende Punkt ist für mich: Es gibt _immer_ ein Risiko. Für Ärzte ist es leicht, Eltern die Schuld zuzuschieben, wenn bei einer Hausgeburt etwas schief geht. Man hätte ja können... Das ist entsetzlich zynisch und gefühllos! Wenn Sie sich in Elternforen im Internet umsehen, werden Sie genauso Fälle finden, in denen die Chefarztbehandlung im Fiasko endete. Der entscheidende Punkt ist: Sorgfalt aller Beteiligten einmal vorausgesetzt, wiegen sich die Risiken ab einem gewissen Punkt auf - und die Risiken sind, dass einmal zu viel getan wird (Narkose - auch ein Risiko, Manuelle Hilfe beim Gebären und beim Austreiben der Placenta, sich-auf-die-Geräte verlassen, etc. pp.) oder im anderen Fall das nicht schnell genug sein kann. - Vielleicht wäre das Risiko am geringsten, stünde das Geburtshaus immer direkt neben dem Krankenhaus. Dass Ärzte sich insgesamt für die einzig tragbare Alternative halten, ist aber ein großes Problem - erstens ist das gegenüber Hebammen entsetzlich arrogant (die sich von Ärzten dementsprechend distanzieren) und zweitens löst es auch irrationale Gegenbewegungen von Eltern aus, die dann oft deutlich zu weit gehen und tatsächlich untragbare Risiken hinnehmen.
  5. #14

    Zitat von strixaluco Beitrag anzeigen
    Der entscheidende Punkt ist für mich: Es gibt _immer_ ein Risiko. ......
    .....und das Leben ist lebensgefährlich! Das nenne ich zynisch, vor allem, wenn es einen selbst nicht betrifft. Was Ärzte von sich oder anderen halten, oder was Sie ihnen unterstellen ist unerheblich. Entscheidend ist das Ausmaß von Risiken für Mutter und Kind und die zum Teil entsetzlichen Folgen, die im Einzelfall hätten vermieden werden können in einer vielleicht nicht ganz so heimeligen Krankenhausathmosphäre.
  6. #15

    periparale Kardiomyopathie

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Vier Kinder hat die 43-jährige Frau schon geboren, ohne Probleme und auf natürlichem Weg. Doch jetzt holen Ärzte mit einem Not-Kaiserschnitt ihr fünftes Kind. Wegen heftiger Blutungen war die Schwangere in die Klinik gekommen - kurz nach der Geburt bleibt das Herz der Mutter stehen.

    Wiederbelebung: Herz-Kreislauf-Stillstand nach Kaiserschnitt - SPIEGEL ONLINE
    Die Beschreibung dieses Falls trifft auf eine seltene und gefährliche Komplikation bei werdenden Müttern zu, die als peripartale Kardiomyopathie (PPCM) bezeichnet wird. Dabei kommt es kurz vor, während oder in den ersten Monaten nach der Geburt zu einer plötzlich auftretenden Herzschwäche, häufig, wie beschrieben mit einem normalen EKG. In vielen Fällen erholt sich die betroffene Patientin unter Herztherapie, vorallem wenn wie im beschriebenen Fall frühzeitig therapiert wird. Die Ursache für die Erkrankung ist unbekannt, insbesondere auch ob Kontakt mit dem Fruchtwasser eine Rolle spielt.
    Patientinnen mit peripartaler Kardiomyopathie haben laut den Daten unseres Zentrums für PPCM an der Medizinischen Hochschule in Hannover häufiger per Kaiserschnitt entbunden. Gefährlich an einer solchen Episode ist, dass sie auch bei vollständiger Erholung Mikroschäden am Herzen zurücklassen kann, die bei jeder folgenden Schwangerschaft das Risiko für eine PPCM erhöhen. Die Häufigkeit der Erkrankung wird in der westlichen Welt auf 1 auf 2000 bis 4500 Geburten geschätzt. Literatur zur Erkrankung: Patten et al. Nature 2012, Sliwa et al. Eur J Heart Fail. 2010, Hilfiker-Kleiner et al. Cell 2007.
  7. #16

    Meine Geschichte?

    Ehrlich gesagt erinnert es mich teilweise an mich...? PPCM ist das "Stichwort" (Peripartum Kardiomyopathie = Herzschwäche in der Schwangerschaft/bis zu 6 Monate nach der Schwangerschaft die urplötzlich bis zum Tode einer gesunden Frau/Mutter führen kann!) Meine Schwangerschaft endete leider auch mit Notkaiserschnitt u vollständigem Herzversagen bis auf 8% Herzleistung, lag vier Wochen im Koma. Galt bis zur Geburt als gesund! Wurde an die ECMO angeschlossen, aber leider musste mir dann ein Linksherzunterstützungsgerät eingebaut werden, was mich bis heute (19 Monate nach der Geburt) am Leben hält. Unser Sohn ist gesund! Der Ausgang ist leider ungewiss... Transplantation?
  8. #17

    Zitat von Brillalein Beitrag anzeigen
    Schon mal was von 'Heim-Kaiserschnitten' gehört? Ich nicht.
    Aber sehr wohl von einer ärztlichen Schwangerschaftsbegleitung, in der über Risiken und Möglichkeiten von Hausgeburten/Krankenhausgeburten aufgeklärt wird, auch im Zusammenhang mit dem gesundheitlichen Zustand der Schwangeren.

    Ich denke, durch die vorherigen Blutungen und die Lage der Placenta war von vorne herein klar, das die Dame keine Hausgeburt haben wird. Weiterhin sind da die Blutungen, auf Grund derer sie ins Krankenhaus ging, was dann zum Kaiserschnitt führte.

    Wer lesen kann ist ein deutig im Vorteil.
    Danke!

    Denn was fast alle der Hausgeburt-Verfechter vergessen: stellt eine Hebamme bei den Voruntersuchungen zu einer Hausgeburt fest, dass die Plazenta an einer ungünstigen Stelle liegt, wird sie eine Hausgeburt kategorisch ablehnen und die Schwangere an ein Krankenhaus zum Zwecke eines Kaiserschnittes verweisen.
    In früheren Zeiten sind ein Großteil der Frauen, die eine Plazenta mit ungünstiger Lage hatten, meisten während oder nach der Geburt gestorben. Die Säuglinge überlebten ebenfalls nicht.

    Mal abgesehen davon, dass eine Fruchtwasserembolie nicht durch den Kaiserschnitt, sondern durch die Geburt - egal, ob im Krankenhaus oder im Geburtshaus oder im eigenen Wohnzimmer - ausgelöst werden kann.

    Wie Sie schon treffend feststellten: wer lesen kann, ist klar im Vorteil (und damit ist der von Ihnen zitierte Forist gemeint).
  9. #18

    @ Nr. 8 strixaluco - Klagefreudige Eltern im Kreissaal

    " Das ist aber nicht nur die Schuld irgendeines "Öko-Romantizismus", sondern auch die von Ärzten, die sich mehr um ihre juristische Sicherheit als das Wohl ihrer Patienten sorgen. Die Psyche der Eltern spielt auch eine Rolle bei Geburten, denn mit ihren Erlebnissen muss die ganze Familie weiterleben. "

    Eben. DIe juristische Sicherheit ist deswegen so hoch geschätzt bei Ärzten, weil Eltern sie verklagen. Und dann spielt die Psyche der Eltern und der Familie - nämlich die der Ärzte eine entscheidende Rolle, wenn so ein ungewisser Prozeßausgang die Psyche und Karriere stark behindert. Im Grunde ist es laut Rechtssprechung (BGH) ganz einfach: DIe Ärzte klären über sämtliche Risiken auf (dieses Recht haben sich Pat. erstritten) und die Eltern entscheiden, nicht die Ärzte. Nur: Nach der Aufklärung wählt kaum noch ein Elternpaar eine natürliche Geburt.
  10. #19

    @ Tubus

    Dass "das Leben lebensgefährlich ist, habe nicht ich gesagt, sondern Sie", und wenn Sie das zynisch finden, sollten Sie in den Spiegel schauen! - Was ich gesagt habe, ist, dass es bei allen medizinisch relevanten Ereignissen im Leben ein Restrisiko gibt, und dass sich dieses in gewissen Fällen, wie einer Geburt weder durch die An-noch durch die Abwesenheit eines Arztes hundertprozentig ausschließen lässt - leider. Wenn Sie Menschen, gerade werdenden Eltern, dass Gegenteil vermitteln, sei es nun implizit oder explizit, verletzen Sie sie im Zweifelsfalle mehr, als wenn Sie die Risiken ehrlich und verhältnismäßig kommunizieren. Und was meine persönliche Erfahrung und die mir nahestehender Menschen ist, lassen Sie einmal meine Sache sein - wenn ich nicht wüsste, worüber ich schreibe, würde ich es im Übrigen lassen.
    Ich würde Ihnen außerdem vorschlagen, sich einmal anzusehen, was die WHO für eine normale Geburt empfiehlt und wie sie die Risiken einschätzt. Das, was viele Ärzte hier in Deutschland praktizieren, entspricht dem leider nicht. Dass Sie von einem Extremfall wie dem im Artikel beschriebenen gleich zum Thema Hausgeburt springen, das damit in keinerlei Zusammenhang steht, spricht auch dafür, dass Ihre Wahrnehmung etwas verzerrt ist. Ich kann das verstehen, wenn Sie tragische Fälle erlebt haben. Das ist aber, objektiver betrachtet, kein Grund, in jeder normalen Geburt gleich eine Extremsituation zu sehen. Es ist, leider, eben auch nicht so, dass man alles hätte verhindern können, auch nicht wenn der beste Spezialist mit der neuesten Technik direkt daneben steht. Letztlich konstruieren Sie mit so einer Annahme sogar einen sehr verletzenden Schuldvorwurf an Familien, in denen jemand unter der Geburt Schaden genommen hat. Man hätte es besser machen können... so kann sich jemand jahre-und jahrzehntelang schmerzhaft im Kreis drehen. Informieren Sie sich bitte über die tatsächlichen Risiken! Akzeptieren Sie bitte, dass andere Menschen diese Daten auch nicht genauso sehen müssen wie Sie; wenn es nicht um "Wahnsinnstaten" (Kind allein ohne Hife einer Hebamme zur Welt bringen wollen) geht, sollten Sie Anderen ihre mündige und informierte Entscheidung vielleicht einfach selbst überlassen.