Ein rätselhafter Patient: Kaiserschnitt zwischen Leben und Tod

Getty ImagesVier Kinder hat die 43-jährige Frau schon geboren, ohne Probleme und auf natürlichem Weg. Doch jetzt holen Ärzte mit einem Not-Kaiserschnitt ihr fünftes Kind. Wegen heftiger Blutungen war die Schwangere in die Klinik gekommen - kurz nach der Geburt bleibt das Herz der Mutter stehen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-874946.html
  1. #1

    Hausgeburt

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Um Herz und Lunge zu ersetzen, schließen sie die Patientin an eine Herz-Lungen-Maschine (ECMO), die so lange das Blut mit Sauerstoff anreichert und durch den Körper pumpt, bis die Organe der Mutter sich erholt haben.

    Bereits nach einer Nacht auf der Intensivstation können die Ärzte die Herz-Lungen-Maschine wieder ausstellen, das Herz der Patientin schlägt wieder.
    Deshalb sollte man auch eine Hausgeburt vorziehen. Vier Kinder hatte die Frau schon geboren, ohne Probleme und auf natürlichem Weg. Die Hebamme konnte also von einem problemlosen Verlauf ausgehen, und hätte schnell mal eben die ECMO angeschlossen.

    Bei einer Schwangerschaft kommt es erstens anders, und zweitens als man denkt. Das Argument, dass früher eine Geburt auch ohne High-Tech möglich war, zieht nicht. Außer man will auf den damaligen Standard zurück fallen.
  2. #2

    Hochinteressanter Fall...

    ...zeigt er doch, wie ein an sich natürlicher Vorgang schnell zur Lebensbedrohung für Mutter und Kind werden kann...mit bestem Gruß an Hausgeburten und Geburtshäuser!
  3. #3

    Spinalanästhesie ist keine Narkose!

    Da der Autor, wie ich, Facharzt für Anästhesiologie ist, sollte er eigentlich wissen, daß eine Spinalanästhesie eben keine Narkose ist! Narkose ist das Synonym für Allgemeinanästhesie. Deshalb gibt es auch keine Teil- oder Vollnarkosen. Der Oberbegriff ist Anästhesie. Man unterscheidet Lokal- und Regionalanästhesien von Allgemeinanästhesien (Narkosen). Folglich ging es in dem referierten Fall auch nicht um Narkosefolgen, sondern um Anästhesiefolgen.
  4. #4

    Glück gehabt

    Da hatte die gute Frau Glück, dass sie quasi schon auf dem OP-Tisch gelegen hat. Meine Mutter war wegen einer Trombose im Krankenhaus, die sich zu einer Embolie entwickelte und hat dadurch einen Herzstillstand erlitten während der behandelnde Arzt zur Visite an ihrem Bett war. Die Wiederbelebung dauerte über eine halbe Stunde, am Ende war durch die Unterversorgung das Gehirn so stark geschädigt, dass sie erst eineinhalb Jahre lang im Wachkoma lag und seitdem schwer behindert im Bett liegt.

    Ihr Langzeitgedächtnis ist durcheinander, vieles ist einfach weg. Sie erinnert sich an ihre Ausbildung nicht mehr, erkennt mich als ihren Sohn nicht wieder. Und sie vergisst fast alles wieder, was vor 10 Minuten war. Ihre linke Körperhälfte ist gelähmt und verkrampft. Sie hat immer wieder Halluzinationen und Flashbacks bei denen sie von jetzt auf gleich anfängt zu weinen und zu schreien und man sie kaum in die Realität zurück holen kann. Sprechen fällt ihr schwer, sitzen geht ohne Hilfe gar nicht, alleine Essen nur mit Mühe. Die gute Frau war Anfang 50 als sie den Herzstillstand hatte.

    Damals war ich froh, dass sie dem Tod so knapp von der Schippe gesprungen ist. Heute denke ich es wäre für uns besser gewesen sie hätte nicht überlebt. Ich mag meine Mutter aber sie ist nur noch ein Schatten von dem was sie mal war und hilflos zuzusehen wie sie in unserem unterbezahlten und unterbesetzten Pflegesystem vor sich hin vegetiert tut weh. Da ist es fast tröstend wenn sie mich alle 10 Minuten fragt wer ich bin oder mich mit einem ihrer Exfreunde verwechselt und mich nicht für eine ihrer Halluzinationen hält.
  5. #5

    Bms

    Zitat von DarkSpir Beitrag anzeigen
    Da hatte die gute Frau Glück, dass sie quasi schon auf dem OP-Tisch gelegen hat.
    Sie hatte außerdem Glück gehabt im Massachusetts General Hospital gelegen zu haben. Nicht umsonst wurde im House of God die Harvard Medical School als BMS (Best Medical School) bezeichnet.

    Zitat von dochooli Beitrag anzeigen
    ...zeigt er doch, wie ein an sich natürlicher Vorgang schnell zur Lebensbedrohung für Mutter und Kind werden kann...mit bestem Gruß an Hausgeburten und Geburtshäuser!
    Am Ende sind sie noch für Impfungen und nehmen keine Globuli?

    Vielleicht würden Sie bei der Auswahl des Kreissaals danach fragen wie denn die Besetzung mit Anästhesie und Kinderarzt ist, und die Ausstattung mit Intensivbetten?

    Dabei ist es doch wesentlicher zu wissen, ob auch Akupunktur angeboten wird, und die Farbe der Zimmer harmoniert.
  6. #6

    Zitat von Martin Franck Beitrag anzeigen
    Deshalb sollte man auch eine Hausgeburt vorziehen. Vier Kinder hatte die Frau schon geboren, ohne Probleme und auf natürlichem Weg. Die Hebamme konnte also von einem problemlosen Verlauf ausgehen, und hätte schnell mal eben die ECMO angeschlossen.

    Bei einer Schwangerschaft kommt es erstens anders, und zweitens als man denkt. Das Argument, dass früher eine Geburt auch ohne High-Tech möglich war, zieht nicht. Außer man will auf den damaligen Standard zurück fallen.
    Schon mal was von 'Heim-Kaiserschnitten' gehört? Ich nicht.
    Aber sehr wohl von einer ärztlichen Schwangerschaftsbegleitung, in der über Risiken und Möglichkeiten von Hausgeburten/Krankenhausgeburten aufgeklärt wird, auch im Zusammenhang mit dem gesundheitlichen Zustand der Schwangeren.

    Ich denke, durch die vorherigen Blutungen und die Lage der Placenta war von vorne herein klar, das die Dame keine Hausgeburt haben wird. Weiterhin sind da die Blutungen, auf Grund derer sie ins Krankenhaus ging, was dann zum Kaiserschnitt führte.

    Wer lesen kann ist ein deutig im Vorteil.
  7. #7

    Lesen

    Zitat von Brillalein Beitrag anzeigen
    ..ärztliche... Schwangerschaftsbegleitung, in der über Risiken und Möglichkeiten von Hausgeburten/Krankenhausgeburten aufgeklärt wird.
    Aus Wikipedia: In Großbritannien ist die Fruchtwasserembolie die vierthäufigste Ursache für mütterliche Todesfälle...Innerhalb der ersten Stunde sterben 25 bis 34 % der Mütter. Nur 16 bis 20 % der Mütter überleben letztlich ein solches Ereignis. 70 % aller Fruchtwasserembolien ereignen sich unter der Geburt, 11 % nach der vaginalen Entbindung und 19 % während eines Kaiserschnitts nach Entwicklung des Kindes...Die Mechanismen bei der Entstehung der Fruchtwasserembolie sind nur in Teilen bekannt...Als prädisponierende Faktoren für das Krankheitsbild gelten die Uterusruptur, Geburtsverletzungen (z. B. hoher Scheidenriss, Zervixriss), manuelle Plazentalösung, vorzeitige Plazentalösung, vaginal-operative Entbindungen, ein erhöhter intrauteriner Druck (z. B. bei großem Kind, Mehrlingen oder Polyhydramnion), die Kristellerhilfe (durch die Stempelwirkung)...Die prädisponierenden Faktoren erhöhen zwar das Risiko einer Fruchtwasserembolie, können jedoch nicht als deren Ursache angesehen werden. Das Krankheitsbild gilt als unvorhersehbar.

    Zwar wäre sie mit höherem Alter eine Risikopatientin, aber es hätte jede Frau treffen können. Sie hatte wie gesagt Glück. Die Schlussfolgerung, bei einer Hausgeburt wäre es durch Selektion unmöglich, lässt sich nicht aus dem Text ableiten.

    Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil.
  8. #8

    Wenn man zu viel gesehen hat...

    ... kannn es schon passieren, dass das den Blickwinkel etwas eineingt. Das scheint mir bei Ärzten häufig zu sein. Gibt es irgendeinen Zusammenhang zwischen dem, was in dem Artikel geschildert ist, und Hausgeburten? - Offensichtlich nicht! die Frau wäre aufgrund ihrer Komplikationen (Placenta praevia) _nie_ in einem Geburtshaus gelandet - so viel Vernunft besitzen auch Hebammen! Es gibt sogar Komplikationen, die "krankenhausspezifisch" sind, weil sie durch Medikamente oder Eingriffe dort verursacht werden. Bei vernünftiger Handhabung (Voruntersuchungen, Ausschließen bestimmter Risiken wie Placenta praevia oder Herzfehler des Kindes) ist eine Haus-oder Geburtshausgeburt eben _nicht_ wesentlich riskanter als eine Krankenhausgeburt! Sie ist sogar für Mutter und Kind häufig wesentlich entspannter und würdevoller. Viele werdende Mütter fühlen sich durch das Verhalten von Klinikärzten bevormundet bis entwürdigt. Im Extremfall sind sie durch die erste Geburt derart traumatisiert, dass sie beim nächsten Mal am liebsten jegliche medizinische Hilfe ablehnen würden - was natürlich völliger Wahnsinn ist. Das ist aber nicht nur die Schuld irgendeines "Öko-Romantizismus", sondern auch die von Ärzten, die sich mehr um ihre juristische Sicherheit als das Wohl ihrer Patienten sorgen. Die Psyche der Eltern spielt auch eine Rolle bei Geburten, denn mit ihren Erlebnissen muss die ganze Familie weiterleben. Ich kenne mehrere Fälle, in denen Frauen durch Schwangerschafts- und Geburts-bezogenes gefühlloses Verhalten von Ärzten erhebliche psychische Probleme erlitten haben! Und das sollten Ärzte bei ganz normalen Geburten, also denen, die nicht wie in dem Artikel geschilderten Fall von vornherein dramatisch verlaufen, eben auch bedenken!
  9. #9

    Was denn nun?

    Zitat von Martin Franck Beitrag anzeigen
    Deshalb sollte man auch eine Hausgeburt vorziehen. Vier Kinder hatte die Frau schon geboren, ohne Probleme und auf natürlichem Weg. Die Hebamme konnte also von einem problemlosen Verlauf ausgehen, und hätte schnell mal eben die ECMO angeschlossen.

    Bei einer Schwangerschaft kommt es erstens anders, und zweitens als man denkt. Das Argument, dass früher eine Geburt auch ohne High-Tech möglich war, zieht nicht. Außer man will auf den damaligen Standard zurück fallen.
    Eine Hausgeburt mit einer ECMO-ausgebildeten Hebamme? Und eine Hausgeburt ist vorzuziehen, ausser man will auf "den damaligen Standard" zurueckfallen???

    Selten habe ich so einen Unsinn gelesen!