Knast-Kinofilm "Cäsar muss sterben" : Theater des Tötens

CaminoUnd wer spielt den Mörder? Ein Mörder natürlich. "Cäsar muss sterben" entführt die Kinozuschauer in einen römischen Knast, in dem Schwerverbrecher das Shakespeare-Drama "Julius Cäsar" auf die Bühne bringen. Der Gewinner-Film der Berlinale glaubt an das Gute im Menschen - vielleicht zu sehr.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/ca...-a-874404.html
  1. #1

    Ziemlich beschränkt.

    "Wenn man im Nachspann liest, dass aus entlassenen Strafgefangenen Buchautoren und Schauspieler wurden, möchte man ihrem Glauben gern folgen - jedenfalls bis zum Kinoausgang." Eine erstaunlich ehrliche Aussage, während die dahinter stehende Beschränktheit nun wieder kein bisschen überraschend ist. Vermutlich muss man eine Zeit lang im Strafvollzug gearbeitet haben, um diese Borniertheit und den Glauben daran, man selbst hätte selbstverständlich niemals so enden können, abzulegen.
  2. #2

    Danke allerseits: Bin neugierig auf den Film jetzt!

    Denn sie wissen genau, was sie tun, die fratelli Taviani.

    Doch an dieser Stelle erst einmal Dank an den Autor, überhaupt davon berichtet zu haben. Das gesagt, fiel auch mir ein irritierend hämisch-arroganter Unterton des Schreibers auf. Unangemessen, auf jeden Fall.
    Schliesse ich mich daher diesem Kommentar an:

    Zitat von jorgeG Beitrag anzeigen
    "Wenn man im Nachspann liest, dass aus entlassenen Strafgefangenen Buchautoren und Schauspieler wurden, möchte man ihrem Glauben gern folgen - jedenfalls bis zum Kinoausgang." Eine erstaunlich ehrliche Aussage, während die dahinter stehende Beschränktheit nun wieder kein bisschen überraschend ist. Vermutlich muss man eine Zeit lang im Strafvollzug gearbeitet haben, um diese Borniertheit und den Glauben daran, man selbst hätte selbstverständlich niemals so enden können, abzulegen.
    Prima gesagt. Denn Kriminelle hinter Gittern, die den Mut haben, sich auf eine solche Arbeit überhaupt ein zu lassen - grosser Respekt.

    Der Autor ist scheinbar auch noch nicht wirklich mit den Realitäten all der Leute in Kontakt gekommen, die an den vielzitierten Rändern der Gesellschaft leben und dort mit oft unglaublicher Tapferkeit und Kreativität (sic!) die irrsten Zustände meistern müssen. Anders kann ich mir nicht erklären, was diese faszinierend Aussage soll: "Aus Kriminellen Kreative zu machen, ist bestimmt eine sinnvolle Sache."

    Und nein, dafür muss niemand im Strafvollzug arbeiten - Licht an im Oberstübchen beim Laufen durch unsere Städte illustriert die Sache bereits recht deutlich.

    Doch der Autor wollte vielleicht sagen: Wenn schon, denn schon - lasst sie dann nicht den abstrakten Julius C. anderer Zeiten spielen, sondern lasst sie doch viel realistischer, zeitgemässer erzählen, aus ihrer eigenen Geschichte?

    Hätte er einen interessanten Punkt damit. Denn diesee Methode hat sich ebenfalls bewährt. Ein solcher Film, 'Mery per sempre', wurde von Marco Risi in 1989 gedreht - ein Juwel, um es kurz zu machen. Hat eine Menge Staub aufgewirbelt seinerzeit.
    Hier eine feine und herrlich kreative (!) Szene daraus, die keiner übersetzung ins Deutsche bedarf:
    Mery Per Sempre - La Scena Del Pallone (con Tony Sperandeo) - YouTube

    die wunderbar illustriert, was 1001 schicke Diskussionen nicht besser vermitteln: Die Realität ist enorm komplex, die Grenzen zwischen 'gut' und 'boese' und brilliant und fatal dumm - sind so schnell überschritten, in beide Richtungen, von ein und demselben Charakter, dass es weh tut.

    Nochmals danke fürs Berichten deshalb, bester Autor, ich werde mir den Film bald garantiert anschauen!
  3. #3

    Also

    Ich finde es schon problematisch, dass man in Europa einen Menschen meucheln darf, und danach hat man die Chance, in einem presgekroenten Film zu erscheinen. Generell bin ich der Ansicht, in den Randbereichen muss der Strafvollzug in Europa verschaerft werden. Es kann nicht angehen, dass wir Menschen, die ihre mangelnde Befaehigung zur Teilhabe an der Gesellschaft auf eine so wirkungsvolle Weise wie Mord unter Beweis gestellt haben, solche Chancen bekommen und in der Gesellschaft praesent sind. Wer gemordet hat, vielleicht gar mehrfach, gehoert lebenslang in Haft. Vor allem aber muss lebenslang wirklich lebenslang heissen. Aber es ist muessig, darueber zu reden.
  4. #4

    Guten Rutsch