Studie über Promotionen: Jeder zweite Doktorand zweifelt

picture alliance / dpaPromovieren kann hart sein. So hart, dass fast die Hälfte der Doktoranden gelegentlich Abbruchgedanken wälzt. An den harschen Abschlussnoten liegt das allerdings kaum, zeigt eine aktuelle Umfrage. Viele Doktoranden finden die Noten zu milde.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...-a-874998.html
  1. #1

    Das eigentlich Problem

    ... ist wohl, dass die wenigsten Doktoranden reflektiert eine Promotion angehen. Nach meinen persönlichen Erfahrungen werden 80% aller Promotionen aus dem Grunde angefangen, dass die Person keine Ahnung hat, was sie nach dem Studium anfangen soll. Man drückt sich quasi vor dem Arbeitsmarkt - In der Uni bleiben ist da meist der einfachere Weg. Erfolgreiche Promoventen haben sich überwiegend vorher über eine Tutorenstelle oder einer studentischen Hilfskraftsstelle mit einer wissenschaftlichen Arbeitsstelle auseinandergesetzt oder machen ihre Doktorarbeit parallel zum Beruf bzw. für ein Unternehmen. Eine gute Abschlussberatung, eine Berufsberatung oder ein Praktikum gegen Ende des Studiums würde die im Text erwähnte Problematik deutlich verringern.
  2. #2

    Gewisse Wahrheiten will man nicht hören

    Die Promotion war schon vor xx Jahren DIE Exclusivausgabe der kaschierten Arbeitslosigkeit. Eine Promotion hat mit Führungsfähigkeit usw überhaupt nichts zu tun oder ist gar eine Art Mittel ,daß die Firmen schnell zu Patentlösungen kommen. Man kann dies sehr schon bei Firmen a la Bosch sehen , wo man schon eine Dr braucht als Team- oder Gruppenleiter .... Die wirklich guten Ingenieure werden von den Auswahlkommitées gar nicht erkannt oder gar mit dümmlichen - internetbekannten Sprüchen abgebürstet.
  3. #3

    Zweifel...

    Zweifel an einer Promotion sollte man schon haben, nämlich ob sie auch einen weiteren Sinn hat als lediglich der eigenen Eitelkeit zu schmeicheln. Tatsächlich brauchte niemand einen Titel, er öffnet aber Türen und bringt so manche anderen Vorteile. Nicht zu vergessen ist der gesellschaftliche Gewinn, denn Herr Dr. Schmid klingt noch immer besser als Herr Schmid. Manche versteigen sich sogar so weit, daß sie bei der Anrede auf ihren Dr. verweisen und verlangen, so angesprochen zu werden. Wer wirklich etwas kann, der braucht keinen Titel. Alle Meriten kann man auf andere Weise transportieren. Ein Titel bietet keineswegs die Gewissheit, daß damit überragende Kenntnisse verbunden sind. Und nicht vergessen sollte man die Inflation bei diesen Titeln. Wer hat sich nicht alles einen Titel gekauft oder erschlichen? Bei Licht betrachtet ist ein Titel heute kaum mehr was wert, so ziemlich jeder könnte einen irgendwie erwerben.
  4. #4

    .

    Bei solchen Umfragen frage ich mich immer, wer da befragt wird. Während in einigen Fachbereichen die Doktoranden bis zur Promotion zig Fachveröffentlichungen vorweisen können (und sich dabei der weltweiten Konkurrenz erfolgreich gestellt haben), sind in anderen Fachbereichen Doktore ohne eine einzige Fachveröffentlichung die Regel. Inhaltlich und von den Anforderungen liegen so Welten zwischen den einzelnen Fachbereichen. Insofern kann man nicht behaupten, dass die Qualität der Dissertationen in Ordnung geht.

    Zweifel am Promotionsvorhaben sind dann normal, wenn das Promotionsvorhaben Neuland betritt. Wer kann da schon wissen, was auf einen zukommt? Wer an seiner Promotion nicht zweifelt, der hat vermutlich auch keine hohen Ansprüche zu erfüllen.

    In meinem Fachbereich steckt die Industrie sehr viel Geld in Forchungsvorhaben. Dissertationen, die mit 300000 Euro und mehr gefördert werden, müssen qualitativ hochwertig und von Fachleuten anerkannt sein. Dafür gibt es die sehr guten Noten. Verdientermaßen.
  5. #5

    .

    Zitat von smartphone Beitrag anzeigen
    Die Promotion war schon vor xx Jahren DIE Exclusivausgabe der kaschierten Arbeitslosigkeit. Eine Promotion hat mit Führungsfähigkeit usw überhaupt nichts zu tun oder ist gar eine Art Mittel ,daß die Firmen schnell zu Patentlösungen kommen. Man kann dies sehr schon bei Firmen a la Bosch sehen , wo man schon eine Dr braucht als Team- oder Gruppenleiter .... Die wirklich guten Ingenieure werden von den Auswahlkommitées gar nicht erkannt oder gar mit dümmlichen - internetbekannten Sprüchen abgebürstet.
    In manchen Bereichen hat jeder Mitarbeiter einen Doktorgrad. Auch wenn das viele gar nicht bekannt geben. Dass dann ein Team- oder Gruppenleiter einen Doktorgrad hat, ist zwangsläufig.
  6. #6

    Dr. zeigt Befähigung zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten

    Zitat von smartphone Beitrag anzeigen
    Die Promotion war schon vor xx Jahren DIE Exclusivausgabe der kaschierten Arbeitslosigkeit. Eine Promotion hat mit Führungsfähigkeit usw überhaupt nichts zu tun oder ist gar eine Art Mittel ,daß die Firmen schnell zu Patentlösungen kommen. Man kann dies sehr schon bei Firmen a la Bosch sehen , wo man schon eine Dr braucht als Team- oder Gruppenleiter .... Die wirklich guten Ingenieure werden von den Auswahlkommitées gar nicht erkannt oder gar mit dümmlichen - internetbekannten Sprüchen abgebürstet.
    Während eines Promotionsstudiums erwirbt man die Fähigkeit, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten. Entsprechend belegt ein Doktorgrad die Befähigung zum eigenständigen Forschen und wissenschaftlichen Arbeiten.

    Wo wird denn behauptet, eine Promotion habe unmittelbar mit Führungsfähigkeit zu tun?

    In der industriellen Forschung und Entwicklung müssen insbesondere Gruppen- oder Teamleiter natürlich die Befähigung haben, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten. Schon deshalb liegt es nahe, dass promovierte Wissenschaftler für solche Tätigkeiten eingesetzt werden. Ausserdem hat ein Promovierter während seiner Dissertation weiter Fähigkeiten ausgeprägt, die für solch einen Job von Nutzen sind, wie z.B. systematisches Arbeiten, Problemlösungsfähigkeit, Informationsmanagement, strukturiertes Denken etc.

    Das heißt natürlich nicht, das jemand ohne Promotion diese Fähigkeiten nicht auch haben kann.

    Tatsächlich sind für Mitarbeiterführung noch ganz andere Kompetenzen wichtig, die man während einer Promotion typischerweise nicht erlernt. Diese Führungskompetenzen und strategisches Denken werden mit höheren Führungspositionen jenseits der Gruppenleiter immer bedeutender.
  7. #7

    Naja...

    Zitat von schnitti23 Beitrag anzeigen
    Zweifel an einer Promotion sollte man schon haben, nämlich ob sie auch einen weiteren Sinn hat als lediglich der eigenen Eitelkeit zu schmeicheln. Tatsächlich brauchte niemand einen Titel, er öffnet aber Türen und bringt so manche anderen Vorteile. Nicht zu vergessen ist der gesellschaftliche Gewinn, denn Herr Dr. Schmid klingt noch immer besser als Herr Schmid. Manche versteigen sich sogar so weit, daß sie bei der Anrede auf ihren Dr. verweisen und verlangen, so angesprochen zu werden. Wer wirklich etwas kann, der braucht keinen Titel. Alle Meriten kann man auf andere Weise transportieren. Ein Titel bietet keineswegs die Gewissheit, daß damit überragende Kenntnisse verbunden sind. Und nicht vergessen sollte man die Inflation bei diesen Titeln. Wer hat sich nicht alles einen Titel gekauft oder erschlichen? Bei Licht betrachtet ist ein Titel heute kaum mehr was wert, so ziemlich jeder könnte einen irgendwie erwerben.
    Das sehe ich anders. Sicherlich ist nicht jeder Doktortitel Gold, auch eher mäßig begabte und kompetente Personen erlangen Doktortitel und manche tragen ihn sicherlich auch nur aus Eitelkeit oder haben ihn sich erschummelt. Nichtsdestotrotz hat es für einen Arbeitgeber sicherlich eine Aussagekraft, wenn jemand eigenverantwortlich eine mehrjährige Forschungsarbeit geplant, organisiert und erfolgreich durchgeführt hat. Neben dem wissenschaftlichen Fortschritt, der damit zwangsläufig verbunden ist, gehen damit ja auch eine Reihe sog. "soft skills" einher, die sich verbessern. Hinsichtlich Führungsqualität z.B. ist es ja so, dass sehr viele Promovierende Lehrverpflichtungen haben, die sicherlich hilfreiche Erfahrungen mit sich bringen. Darüber hinaus müssen i.d.R. Vorträge gehalten, Fachartikel, Essays oder was auch immer (je nach Fachrichtung) geschrieben, usw. usw...,
    Es ist vor Allem so, dass man als Promovierender langfristig eigenverantwortlich planen, organisieren und arbeiten muss, denn wie im Artikel erwähnt, ist die Betreuung in Deutschland oft eher mäßig.
    Als Arbeitgeber wüsste ich daher schon sehr gut, was ich an einem Doktor im Gegensatz zu einem Master o.Ä. habe. Der Master mag klüger, zuverlässiger, gebildeter, besser ausgebildet etc... sein, er hat noch nicht bewiesen, dass er sich im Wissenschaftsbetrieb behaupten und ein großes, langfristiges Projekt zumindest durchhalten und zu Ende bringen kann. So gesehen macht der Titel auch Sinn, da er mir als Arbeitgeber genau solche Informationen gibt, trotz aller unrühmlichen Ausnahmen.
  8. #8

    Studie mit wenig Aussagekraft

    Natürlich fragt sich jeder irgendwann, ob das der richtige Weg ist. Aber das ist Teil der Grunderfahrung einer jeden sinnvollen Promotion, da man immer Neuland betritt, und nie weil ob der gerade Weg zum Ziel führt oder eben doch nach Links oder Rechts abgebogen werden muss. Klar, es gibt vielleicht verschulte Arbeiten in einigen Fachbereichen, die aber nur wenig wissenschaftlichen Wert haben. Und die Note, ach ja die Deutschen und ihre Liebe zur Note. In den USA z.B wundert man sich darüber sehr. Da gibt es nur ein bestanden oder nicht bestanden. Benotet wird da nichts. Die Qualität einer Arbeit wird sowieso nicht nach dem bestanden, also dem Titel, beurteilt, sondern viele Veröffentlichungen in wichtigen Journalen herausgekommen sind. Wenn ich jemanden nach der Promotion anstelle, frage ich nicht nach der Note.
  9. #9

    Offensichtliche Unkenntnis

    "Zweifel an einer Promotion sollte man schon haben, nämlich ob sie auch einen weiteren Sinn hat als lediglich der eigenen Eitelkeit zu schmeicheln."

    Ja, so wird es oft dargestellt in den Unterhaltungsmedien. Offensichtlich blieben ihnen allerdings tiefere Einblicke in Universitäten verwehrt. Tatsache ist, dass Schätzungsweise 98% meiner ehemaligen Kommilitonen NICHT aus Eitelkeit promovieren, sondern weil es in vielen Fächern einfach dazugehört. Und mal ehrlich, wer z.B. einen Diplom- oder Master-Abschluss in Biologie, Biochemie oder einer verwandten Fachrichtung hat hat von der wissenschaftlichen Realität oft noch keinen Schimmer. Die Promotion ist ein Teil der Ausbildung.