Umziehen für den Beruf: Die neue Heimat war ein Schock

Wer für den Job umzieht, muss mit der neuen Stadt erst warm werden. Da drohen Einsamkeit und Enttäuschungen. Und wenn der Jeck nicht zum Karneval kommen kann, kommt der Karneval eben zum Jecken. Das klappt sogar in Bayern. Drei Zugereiste erzählen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-871684.html
  1. #1

    Kein Umzug mehr für den Job

    Bin 2007 wegen meines Jobs von Berlin nach München gezogen, ahbe es aber schnell bereut und kaum dort ertragen. Zu altbacken, zu viele Scheuklappen unter den Münchnern, Sprachterrorismus miit "Grüß-Gott-Zwang" sonst wird man beim Bäcker nicht bedient, Kein Handynetz in der U-Bahn, Hohe offen getragene Feindlichkeit gegenüber Ostdeutschen (meine Frau ist in Ost Berlin aufgewachsen - darum hat mich das noch fuchsiger gemacht) und dazu null Subkultur. Münschen war sozusagen das gegenteil von berlin, Verschlossen und verklemmt dstatt offen und lebenslustig - ich habe es dort drei Monate ausgehalten, dann habe ich gekündigt und bin nach Berlin zurück.Ist ja schön, wenn sich in Münschen Leute wohl fühlen und sich an die Verklemmtheit dort gewöhnen können, aber für mich war das einfach nichts. Ich kam mir ständig vor wie in einer Glaskugel, die 1989 stehengeblieben ist.

    Aus diesem Grund würde ich mir einen weiteren Umzug für den Job gut überlegen. Hamburg und Köln kenn ich schon von besuchen und weiß, dass es da die Lebensqualität ähnlich hoch ist wie in Berlin, trotzdem würd ich es mir dreimal überlegen.

    Man gibt sein Umfeld, seine Freunde, sein "Netzwerk" komplett auf, nur um der Firma zur Verfügung zu stehen.. das sehe ich inzwischen als unzureichenden Grund, selbst bei hohem Lohn. Kein Arbeitgeber kann ersetzen, was einem dabei verloren geht.
  2. #2

    Zitat von karaokefreak01 Beitrag anzeigen
    Zu altbacken, zu viele Scheuklappen unter den Münchnern, Sprachterrorismus miit "Grüß-Gott-Zwang" sonst wird man beim Bäcker nicht bedient, Kein Handynetz in der U-Bahn, Hohe offen getragene Feindlichkeit gegenüber Ostdeutschen (meine Frau ist in Ost Berlin aufgewachsen - darum hat mich das noch fuchsiger gemacht) und dazu null Subkultur.
    Wohne jetzt seit drei Jahren in München, das einzige was nervt, sind die Ladenöffnungszeiten dort. Nach 20:00 Uhr werden die Bordsteine hochgeklappt.

    "Grüß-Gott-Zwang"? Unsinn! Auch mit nem "Moin" werde ich hier immer nett bedient.
    "Ostdeutschen-Feindlichkeit"? Äh da kommt wohl eher die eigene Paranoia gepaart mit geringem Selbstwertgefühl wieder durch... ^^

    Und Subkulturen heißen aus einem ganz bestimmten Grund "Sub...", den Zugang findet man vielleicht nicht im ersten Monat.
    Alles (nicht mal) halb so schlimm...
  3. #3

    ..........

    Vielleicht hängt es auch davon ab, ob man nur den Wohnort wechselt, aber in den Region bleibt- oder gleich quer durch die Republik verzieht.
    Die "Mentalitäten" sind da doch sehr unterschiedlich.
    Wir sind vor 15 Jahren wegen des neuen Jobs meines Mannes umgezogen- allerdings nur 250 Kilometer, vom norddeutschen Binnenland direkt an die Nordseeküste.

    Vorher pendelte mein Mann ein halbes Jahr täglich, aber zum einen begann der Arbeitgeber dann mit dem Drei-Schicht-System, und diese Zockelei ( die Autobahnanbindung ist hier eher schlecht) nach der Nachtschicht war mir nicht geheuer, irgendwie. Und der Tankwart hatte schon damals ein Dollarzeichen in den Augen, wenn mein Mann anrollte...damals konnte man an Tankstellen noch auf Rechnung tanken, unsere monatliche Benzinrechnung war...beeindruckend.
    Bereut hats keiner von uns- weder mein Mann oder ich, noch unsere Große, die damals gerade 6 Jahre alt war. Unsere beide Jüngsten sind schon hier geboren.
    Für mich wars am Anfang schwierig, ich bin ohnehin "Heimwehkind", war ich schon immer, und da ich mit Umzug auch in Mutterschutz ging, danach erstmal mit dann zwei und kurz danach drei Kindern zu Hause war, musste ich mir halt einen neuen Bekanntenkreis in Eigenregie aufbauen.
    Aber mittlerweile ist es so, daß keiner von uns mehr zurück wollte in unseren Heimatort.
  4. #4

    Mir gehts umgekehrt...

    ... bin 2007 für den Job von München nach Berlin gezogen, und habe es rasch bereut. Unsere Hauptstadt ist ein chaotischer, sozial verwahrloster, ichbezogener, pseudotoleranter, provinzieller, arbeits- und leistungsunwilliger Ort ohne Bürgersinn. Berlin ist der Fluchtort für alle die glauben sich mit ihrer hedonistisch-avantgardistischen Attitüde ein Leben auf Kosten der arbeitenden Mitmenschen, gern Spießer genannt, zu führen. Diese Stadt, die soviel sein könnte, steht kurz vor dem inneren Kollaps. Man hat den Eindruck, viele dort wirken genau darauf hin.
  5. #5

    Verbindung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wer für den Job umzieht, muss mit der neuen Stadt erst warm werden. Da drohen Einsamkeit und Enttäuschungen.
    Rechtzeitig in eine Studenten- bzw. Studentinnenverbindung eintraten.
    In nahezu jeder größeren Stadt gibt's nen Ortszirkel.
    Sofort hat man das Entree in die gehobenen Kreise.
  6. #6

    Fremdenfreundliches Berlin?

    Zitat von karaokefreak01 Beitrag anzeigen
    Bin 2007 wegen meines Jobs von Berlin nach München gezogen, ahbe es aber schnell bereut und kaum dort ertragen. [...] Münschen war sozusagen das gegenteil von berlin, Verschlossen und verklemmt dstatt offen und lebenslustig - ich habe es dort drei Monate ausgehalten, dann habe ich gekündigt und bin nach Berlin zurück.[...]
    Das ist mit Berlin natürlich überhaupt nicht zu vergleichen, wo sich insbesondere zugezogene Schwaben kaum vor Gastfreundlichkeit retten können, ganz zu schweigen von den freundlichen Bus- und Taxifahrern :/

    Man gibt sein Umfeld, seine Freunde, sein "Netzwerk" komplett auf, nur um der Firma zur Verfügung zu stehen.. das sehe ich inzwischen als unzureichenden Grund, selbst bei hohem Lohn. Kein Arbeitgeber kann ersetzen, was einem dabei verloren geht.
    Das ist allerdings völlig richtig!!
  7. #7

    Zitat von immanuelkanns Beitrag anzeigen
    [...]Unsere Hauptstadt ist ein chaotischer, sozial verwahrloster, ichbezogener, pseudotoleranter, provinzieller, arbeits- und leistungsunwilliger Ort ohne Bürgersinn. Berlin ist der Fluchtort für alle die glauben sich mit ihrer hedonistisch-avantgardistischen Attitüde ein Leben auf Kosten der arbeitenden Mitmenschen, gern Spießer genannt, zu führen. Diese Stadt, die soviel sein könnte, steht kurz vor dem inneren Kollaps. Man hat den Eindruck, viele dort wirken genau darauf hin.
    Ganz so schlimm ist es (noch) nicht, aber es geht eindeutig in die Richtung infrastruktureller Kollaps: öpnv-Chaos, BER, Dreck, Gewalt...

    Ich wohne seit etwas über zwei Jahren dort. Ich finde zwar immer noch, dass die Stadt einiges zu bieten hat, aber m.E. geht der Trend definitiv nicht in die richtige Richtung...
  8. #8

    Und das soll Europa werden

    Ein Europa, mehrere Sprachen,noch mehr Dialekte
    und noch mehr Mentalitaeten.
    Das war doch schon immer so,
    Kommst Du nach Sueden aus dem Norden
    bist Du der Fischkopp.
    Und es wird immer schlimmer, frueher traf man auf Gleichgesinnte und Neugierige. Heute macht jeder
    seine Tuere zu, selbst Nachbarn findet man kaum
    noch, Jeder fuer sich selbst.
    Und je ungebildeter desto schlimmer der Fremdenhass!! Muss wohl eine urdeutsche
    Eigenheit sein.
    Seltsam, meine beiden Jungs, beide im Sueden
    geboren, sprachen nur hochdeutsch, so wie ich!
    Und das in Baden Wuerttemberg.

    Im Beruf hatte ich keine Schwierigkeiten. da waren die meisten Kollegen auch Importe.
  9. #9

    Blödsinn

    Zitat von immanuelkanns Beitrag anzeigen
    ... bin 2007 für den Job von München nach Berlin gezogen, und habe es rasch bereut. Unsere Hauptstadt ist ein chaotischer, sozial verwahrloster, ichbezogener, pseudotoleranter, provinzieller, arbeits- und leistungsunwilliger Ort ohne Bürgersinn. Berlin ist der Fluchtort für alle die glauben sich mit ihrer hedonistisch-avantgardistischen Attitüde ein Leben auf Kosten der arbeitenden Mitmenschen, gern Spießer genannt, zu führen. Diese Stadt, die soviel sein könnte, steht kurz vor dem inneren Kollaps. Man hat den Eindruck, viele dort wirken genau darauf hin.
    Ich wohne und arbeite seit 13 Jahren in Berlin und kann nicht eine Ihrer Aussagen bestätigen. Klar muss man sich etwas mehr anstrengen als in München um einen guten Job zu finden, dann ist das Umfeld und die Kollegen alles andere als leistungs- und arbeitsunwillig. Man arbeitet hier garantiert mehr Stunden als in Süddeutschland, hat weniger Feiertage und am Freitag geht auch keiner um 13 Uhr ins Wochenende. Sozial verwahrlost verstehe ich wenn Sie in Zehlendorf oder Steglitz wohnen, dort ist sich jeder selbst der Nächste, die Stadt ist allerdings so gross, dass es genügend andere sehr wohnenswerte Bezirke gibt. Und wo die Stadt vor dem inneren Kollaps steht wüsste ich auch gerne, klar ist Berlin anders drauf als das eher behäbige München, dafür ist die Stadt auch dreimal so gross, ich vergleiche ja auch nicht Chemnitz mit Köln. Die Vorteile hier überwiegen allemal : kein Föhn, die Trottoirs werden nicht um 19.30h runtergeklappt, bessere Öffnungszeiten, grössere Internationalität, viel besseres Kunst- und Kulturangebot, mehr Start-ups als bräsige Grossunternehmen, bessere und billigere Wohnungen, überlegener Nahverkehr und last but not least ist es als Zugezogener viel einfacher neue Kontakte zu machen als in Bayern wo noch die dritte Generation als "Preussen" gilt.