Türmer mit Trompete: Fenster auf, ich muss arbeiten

DPAWenn Josef Thöne in seine Trompete bläst, hören jeden Tag Tausende zu. Sein Publikum sieht er aber nur in Ameisengröße. Denn beim Musizieren steht er als Türmer auf dem Hamburger Michel, in knapp 100 Metern Höhe. Für den Job ist viel Puste gefragt - schon für den Weg zur Arbeit.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-874293.html
  1. #1

    optional

    Klettert er wirklich hinauf?
    Oder nimmt er doch eher den Fahrstuhl, und klettert , eh, steigt er ~180 Stufen hinab zur Arbeit? Um dann die erstgenannten 279 Stufen zum Verlassen der Turmes nach unten zu nehmen.
    ;-]
  2. #2

    Lange ist´s her

    Witzig, nach über 20 Jahren einen Artikel über meinen früheren "Trompeten-Lehrer" zu lesen...

    Aber, lieber Josef, den Gesang der Meerjungfrauen aus der Oper Oberon kann ich noch.. :-)
  3. #3

    Nicht einzigartig in Europa

    Schlecht recherchiert, Frau Große-Wilde. Der Turm der Marienkirche in Krakau ist zwar nur 54m hoch, aber dennoch läutet dort seit dem 14ten Jahrhundert ein Feuerwehrmann zu jeder vollen Stunde die Sturmglocke und bläst ein Trompetensignal (Hejnał) in alle vier Himmelsrichtungen, dann bricht er mitten im Spiel ab. Das soll an den Tatarenangriff im Jahr 1241 erinnern, bei dem ein Trompeter beim Blasen des Alarmsignals von einem Pfeil getötet worden war, die Stadt aber rettete. Im Übrigen überträgt Radio Krakau das Signal zur Mittagszeit seit 1927. Die älteste ständig ausgestrahlte Radiosendung der Welt.
  4. #4

    Auf nach Krakau

    Maetze hat recht, der Turmbläser vom Hamburger Michel ist eben nicht einmalig in Europa. Das Trompetensignal vom Turm der "Mariacka" in Krakau ist auch eine Touristenattraktion. Doch auch sonst lohnt sich eine Reise in Polens "heimliche Hauptstadt", für mich eine der schönsten und lebendigsten Städte Europas. Aber das Urteil "schlecht recherchiert" unterschreibe ich trotzdem nicht. Auch gute Journalisten können nicht alles wissen und auch nicht jede Geschichte bis in jedes Detail recherchieren. Das nennt man dann totrecherchieren. Außerdem: Polen ist zwar unser direkter Nachbar, im Bewusstsein der meisten Deutschen aber immer noch mindestens so weit weg wie Usbekistan. Also: Auf nach Krakau. es gibt Direktflüge von Berlin und inzwischen auch von Hamburg.
  5. #5

    Sein Kollege Horst Huhn ...

  6. #6

    Gruß vom Aushilfsbläser

    Ob er nun gut recherchiert war oder nicht, der Artikel hat mich schon zum Lächeln gebracht, denn ich habe die Ehre, den Job so um 1990 herum auch mal einen Monat lang verrichtet zu haben. Ich war in derselben Brass Band wie er damalige Türmer, und er hat mich gefragt, ob ich ihn nicht während seines Urlaubs vertreten wolle. Na klar wollte ich! Erstens spielte ich gern Kirchenmusik, zweitens war's doch mal was ganz Besonderes, und drittens kam mir als armem Studenten die Bezahlung sehr gelegen, die (glaube ich) auf eine Stiftung aus dem 19. Jahrhundert zurück geht.
    Puste brauchte man nur zum Blasen, denn man konnte den Aufzug direkt zum Bläserboden steuern - der deutlich niedriger als die Aussichtsplattform liegt, aber trotzdem hoch genug. Das Gesangbuch war schon da, und man hatte die freie Wahl, welches Lied man spielen wollte. Seine Auswahl notierte man in einem Kalender, damit sich ein Lied nicht aus Versehen nach kurzer Zeit wiederholt. Nach dem Aufwärmen wurde es ernst: das Fenster nach Osten öffnen, Flügelhorn nach draußen richten, und kräftig doch mit Gefühl einen Vers spielen. Das Ganze dann noch dreimal wiederholen, am Süd-, West- und Nordfenster.
    Die Musik ist trotz des Lärms der Innenstadt erstaunlich weit zu hören.
    Für den Türmer ist es immer schön zu hören, dass seine Musik gut angekommen sei. Eine Extrabelohnung war immer der Blick über Hamburg, einmal auch der Turmfalke, der vor dem Fenster saß.

    Mehr Einzelheiten bei Wikipedia unter "Michel-Türmer".
  7. #7

    wikipedia hilft

    meine heimatstadt münster hätte auch noch nen türmer zu bieten.