Praxissemester in Australien: Tee trinken und Warane jagen

REUTERSSie zog für ein Praxissemester in die australische Ödnis, um Aborigines einen gesunden Lebensstil beizubringen. Doch dann merkte Johanna Wagner, dass ihre deutsche Denke bei den Ureinwohnern gar nicht ankommt. Nun lässt sie sich treiben.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...-a-873714.html
  1. #1

    Am deutschen Wesen...

    ich schreib das ohne zynisch sein zu wollen.

    Laßt die Menschen einfach in Frieden. Solange sie nicht um Hilfe bitten, haben "Sozialarbeiter/Weltverbesserer" dort nichts zu suchen.
  2. #2

    @ gernot999

    Sozialarbeiter ist also gleich Weltverbesserer - "ohne zynisch sein zu wollen". Gottseidank haben wir Studenten, die sich noch für die Misere auf der Welt interessieren. Und dabei selbstkritisch sind. Helfen ist eine Kunst - nicht jeder geht ins Museum oder ins Konzert. Ich finde es großartig, wenn junge Leute darüber nachdenken, ob die Welt gerecht ist. Von "Weltverbesserern" in dem Zusammenhang zu sprechen ist eng im Denken und so bescheuert wie pazifistische jüdische Kriegstdienstverweigerer im Ersten Weltkrieg "Drückeberger" zu nennen. Liebe Autorin, versuch noch mal mit den Frauen im Busch einen Waran zu jagen und in zu grillen, das bleibt im Gedächtnis hängen ... Selbst jagen und dann essen - war gibt es besseres für die Tierwelt.
  3. #3

    interkulturelle Kommunikation

    Wer als Studentin derartige Erfahrungen macht, konzipiert seine Projekte im Berufsleben später vielleicht anders. Aber das Rad muss nicht mit jedem Kleinstprojekt neu erfunden werden. Interkulturelle Kommunikation heißt das Zauberwort und ist wahrlich kein Geheimtipp. Wie begegne ich einer fremden Kultur mit Respekt, auf Augenhöhe, was bewegt die Menschen, wie ist das Umfeld. Sowas muss doch Bestandteil der Projektvorbereitung sein.
  4. #4

    Zitat von Christofkehr Beitrag anzeigen
    Sozialarbeiter ist also gleich Weltverbesserer - "ohne zynisch sein zu wollen". Gottseidank haben wir Studenten, die sich noch für die Misere auf der Welt interessieren. Und dabei selbstkritisch sind. Helfen ist eine Kunst - nicht jeder geht ins Museum oder ins Konzert. Ich finde es großartig, wenn junge Leute darüber nachdenken, ob die Welt gerecht ist. Von "Weltverbesserern" in dem Zusammenhang zu sprechen ist eng im Denken und so bescheuert wie pazifistische jüdische Kriegstdienstverweigerer im Ersten Weltkrieg "Drückeberger" zu nennen. Liebe Autorin, versuch noch mal mit den Frauen im Busch einen Waran zu jagen und in zu grillen, das bleibt im Gedächtnis hängen ... Selbst jagen und dann essen - war gibt es besseres für die Tierwelt.
    Bei den Aborigines sind die Männer für die Jagd verantwortlich und nicht die Frauen. Alleine daran sieht man schon dass Sie (wie so vielen anderen auch) für andere Kulturen nichts als Ignoranz übrig haben. Wenn Sie schon anderen Kulturen gegenüber so wenig Interesse und Verständnis entgegenbringen, was erwarten Sie dann von den anderen? Das man Sie bejubelt nur weil Sie sich als der tolle deutsche "Gutmensch" ungefragt in die Lebensart von anderen einmischen? In vielen (sogar den meisten) Kulturen gilt es übrigens als ausgesprochen anmassend anderen zu helfen wenn sich diese gar keine Hilfe erbeten haben. Und immer daran denken: das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint.
  5. #5

    Warum eigentlich Australien?

    Weshalb gehen eigentlich die meisten nach Australien?
    Die Welt hat doch noch so viele andere schöne Ecken zu bieten, wo man vielleicht auch noch Pionierarbeit leisten kann.
    Im Lebenslauf ist das doch kaum mehr beeindruckend, weil jeder andere auch schon da war.
    Mal abgesehen davon wird es von Chefetagen gern als "Partyland" betrachtet...
    Tibet, Mongolei, Peru...damit kann man punkten. Studenten wollen doch immer gern individuell sein ;)
  6. #6

    Missionare der Neuzeit....

    ziehen in alle Welt um anderen Völkern die westliche Kultur zu bringen. Nix gelernt...

    Den Ur-Australiern ging es gut bevor britische Ex-Sträflinge mit Krankheiten und Alkohol wie ein Fluch über den Kontinent zogen.
  7. #7

    Endlich, endlich

    "Das Zentrum soll indigenen Frauen und deren Kleinkindern ein zweites Zuhause bieten, in das sie sich vor häuslicher Gewalt flüchten können."
    Aha, das also brauchen die Aborigines. Danke für dafür, darauf haben die Aborigines bestimmt schon jahrelang gewartet; bestimmt auch ein selbstverwaltetes Frauenprojekt. Hallo geht's noch! Die Arroganz mit der hier den Menschen etwas übergestülpt wird, ist nicht zu überbieten.

    "Auch nach drei Monaten warte ich oft vergebens auf die Projektteilnehmer...". Ja das hat auch schon Siddharta festgestellt, WARTEN ist eine der wichtigsgten Kulturtechniken. Wie es aussieht auch das VERGEBLICH WARTEN!

    Aber bestimmt ist dieser Ausflug ins Outback für die Autorin ein nie wieder erlebbares Abenteuer. Dafür wünsche ich ihr auch in Zukunft viel Glück. Und ich bewundere es, wie schnell sie gemerkt hat, dass die westliche Arroganz und Hetze im Outback fehl am Platze ist. Vielleicht ist das das beste Ergebnis des Praxissemesters.
    Ein schöner Bericht, aber lasst die Aborigines ihr Leben leben, wir haben da nix rumzupfuschen.
  8. #8

    Etwas dazu gelernt

    Ich war vor kurzem selbst in Australien und hatte das Glück, auf einem abgeschiedenen Campingplatz einen Redakteur der Zeitschrift "Australian Geographic" kennen zu lernen. Er schreibt immer wieder Artikel über verschiedene "aboriginal communities" und er erzählte mir, wie schwierig und aufwändig die Kontaktaufnahme sich manchmal gestaltet. Es fängt damit an, dass der "chief" der jeweiligen Gruppe um Erlaubnis gebeten werden muss bevor man das Stammesgebiet betritt. Hat man diese erhalten,kann man mitunter mehrere Tage wortlos mit einem Stammesältesten an einem Feuer sitzen, bevor man als Freund akzeptiert wird. Die überwältigende Mehrheit der weißen Australier ignoriert diese Gebräuche oder kennt sie schlicht und einfach nicht. Viele soziale Projekte in Australien sind daher auch eher einem schlechten Gewissen der weißen Bevölkerung gegenüber den Ureinwohnern geschuldet, die in der Vergangenheit vertrieben, misshandelt und teilweise getötet wurden. Es sind gut gemeinte Zeichen der Wiedergutmachung aber keine ernst gemeinten Versuche, sich mit der reichhaltigen Kutur der Aboriginies auseinander zu setzen.
    Dass man als deutsche Studentin da zwischen die Räder gerät ist eigentlich logisch. Wer dann noch nach schnellen Ergebnissen ruft handelt als Studienbetreuer unverantwortlich.
  9. #9

    Was Australien...

    ...und der Rest der Welt am wenigstens gebrauchen kann, sind dt. Sozialarbeiter. Am überflüssigsten Sozialpädagogen.
    Missionare hatten wir schon.
    Es gab eine Zeit, da waren Deutsche ÜBERALL gern gesehen, weil sie angepackt und etwas auf die Reihe bekommen haben. Heute heutigen überstudierten Nachfahren kommen mit ihren überflüssigen Weisheiten.