Der richtige Reifen für den Oldtimer: Neue Gummis für Opa

DPAWer sich einen Young- oder Oldtimer kauft, achtet dabei vermutlich auf alles mögliche, nicht aber auf die Reifen. Dabei kann die Suche nach einem Ersatz mitunter ziemlich kompliziert werden - und vor allem teuer.

http://www.spiegel.de/auto/fahrkultu...-a-871939.html
  1. #30

    auch wenn...

    Zitat von expendable Beitrag anzeigen
    ...bis ihr für eure 15 Jahre alte Premiumprotzkiste ein Motorsteuergerät braucht, in dem Chips verbaut sind, deren Hersteller vor 10 Jahren Pleiteging...Eine ganze Reihe hochpreisiger Nobelyoungtimer sind so schon zu Stehzeugen degradiert.
    ... ihr Neidkommentar überflüssig und zu obigem Thema auch völlig unangebracht ist, haben Sie in Bezug auf die Elektronik recht.
    Ich habe seit 20 Jahren beruflich mit Halbleitern zu tun, und kann definitiv bestätigen: so gut wie kein Auto, welches nach 1995 entwickelt wurde, wird in 30 Jahren noch fahren.

    Entweder gibt es die Chips und Platinen nicht mehr, oder man kann den Ersatz nicht mehr zahlen. Reparieren geht aufgrund der schieren Masse an verbauter Elektronik auch nicht endlos.

    Nur deshalb habe ich 2007 meine reichlich mit Elektronik verbaute 1992er Youngtimer-Sport-"Protzkarre" gegen das (bis auf die Motorsteuerung elektronikfreie) Vorgängermodell von 1986 getauscht... Gottseidank...!
  2. #31

    ...

    Genauso wie für Reifen werden sich auch im Elektronikbereich in Zukunft Lösungen finden, der Markt ist ja da und die Nachfrage wird ohne Zweifel kommen. Fahrer teurer Autos deutscher Nobelmarken können deshalb wahrscheinlich recht entspannt in die Zukunft blicken, denn für ihre Großserienprodukte werden viele Ersatzteile nachgefertigt werden. Problematischer allerdings sind die Brot- und Butter-Autos, deren geringerer Wert auch in restauriertem oder Orginalzustand teure Nachfertigungen aus ökonomischen Gründen eigentlich nicht zulässt. Ebenso schwierig haben es künftige Generationen von Motorradrestauratoren. Die im Vergleich verschwindend geringen Produktionszahlen werden die Nachfrage nach nachgefertigter Elektronik gar nicht erst aufkommen lassen. Darüberhinaus spielen in vielen Fällen die TÜV-Prüfstellen eine äußerst unrühmliche Rolle beim Finden von Ersatzlösungen für nicht mehr erhältliche Verschleiß- und Ersatzteile. Meiner Erfahrung nach werden fast alle Änderungen - und seien sie noch so winzig - mit dem Verweis auf fehlende Gutachten rigiros abgelehnt.
  3. #32

    Zitat von statussymbol Beitrag anzeigen
    Selbst für meinen ehemaligen Youngtimer, ein extrem seltenen japanischen Sportwagen von dem in Deutschland aktuell noch ~250 Stück zugelassen sind kam man problemlos an Steuergeräte aus Schlachtfahrzeugen, Altbeständen usw.
    "extrem selten" ist angesichts der geschilderten Situation wohl ein bißchen hochgegriffen. Wenn die Teilesituation derart komfortabel ist, dann dürfte es sich lediglich um eine besondere Version eines Massenmodells handelt. Wenn die Technik schon übernommen werden kann, dann ist alles halb so wild.

    Anders sieht es bei Fahrzeugen untergegangener Hersteller aus, oder bei Modellen, die außerhalb des Konzernbaukastensystems liefen. Da hilft nur noch das persönliche, über Jahre hinweg geknüpfte Beziehungsgeflecht, viel Geduld sowie das Quentchen Glück, wenn man es braucht.
    Erst recht, wenn es sich nicht um die hier vielzitierten "Premiumprotzkisten" handelt. Wenn man ohne Ahnung, ohne Beziehungen und ohne Interesse am Clubleben oder gar an Eigeninitiative Oldtimer fahren will, sollte man sich wirklich nur in diese Richtung orientieren. Premiumprotzkistenhersteller haben nämlich üblicherweise eine engagierte Klassikerabteilung, wo man einfach einkaufen geht. Das ist zwar nicht billig, aber dafür ist Vieles lieferbar.
    Bei Butter-und-Brot-Massenware ist das nie der Fall. Da können sich Dramen abspielen, wenn nur eine Zierleistenhalteklammer benötigt wird.
  4. #33

    Zitat von maturin001 Beitrag anzeigen
    Darüberhinaus spielen in vielen Fällen die TÜV-Prüfstellen eine äußerst unrühmliche Rolle beim Finden von Ersatzlösungen für nicht mehr erhältliche Verschleiß- und Ersatzteile. Meiner Erfahrung nach werden fast alle Änderungen - und seien sie noch so winzig - mit dem Verweis auf fehlende Gutachten rigiros abgelehnt.
    Da hilft nur, ein derart seltenes und/oder altes Stück fahren, was auch altgediente Prüfer nicht mehr kennen. Und sich beim Termin natürlich jeglichen Kommentars enthalten, es sei denn, es wird etwas zum eigenen Nachteil notiert wie "Hupe defekt", weil der Prüfer den Schalter nicht finden kann.
  5. #34

    Och Joh!

    Zitat von tlatz Beitrag anzeigen
    ....

    Der W-123 wird dann an ihnen vorbei fahren, denn an ihm gehen höchstens mechanische Komponenten kaputt, die man zur Not sogar auf ner Drehbank oder Fräse nachfertigen könnte.

    Ich habe einen BMW E38 (728i) von 1996, also exakt einen der von Expendable geschmähten 15jährigen Protzkarren und ich weiß genau: Der Wagen hat erst 150tkm runter, ist immer bestens gewartet worden und wird mechanisch nochmal 15 oder 20 Jahre halten. Aber wenn mir dann in 20 Jahren das Motorsteuergerät kaputt geht und ich dafür keinen Ersatz mehr finden kann, dann werde ich ihn nur noch in die Schrottpresse stecken können. Elektronik ist scheiße (Sagt ein E-Technik-Ingenieur!)
    Wer kann den in 10-20 Jahren noch mit einer Drehbank oder Fräsmaschine haltbar und passgenau irgendwelche Teile nachfertigen? Die entsprechenden Lehrberufe wurden schon vor Jahren als irrelevant ausgemustert!
    Hinsichtlich der Fahrzeugelektronik, ist es derzeit zwar fraglich, wie diese über die Jahre am laufen gehalten werden kann. Allerdings stimmt mich meine persönlich genutzte Alltagselektronik der 80ger doch eher versöhnlich. Diese ist bis dato stets für Mini-Beträge am Leben zu erhalten. Insbesondere ältere Steuergeräte sind doch oftmals durch banales Messen und Löten wieder zu beleben.

    Vermutlich wird es allerdings in Zukunft nur noch einige ganz wenige exclusive Betriebe geben, so wie heutzutage bereits Schuhmacher, die ihr wahres Können nur noch für teures Geld realisieren werden.
  6. #35

    Zeit zum Legendenkillen...

    Zitat von JeeperWH Beitrag anzeigen
    Übrigens sind Autohersteller dazu verpflichtet für MINDESTENS 10 Jahre eine Ersatzteilversorgung zu garantieren.
    Die Autohersteller sind keineswegs verpflichtet, eine Ersatzteilversorgung über 10 Jahre zu garantieren - hierbei handelt es sich sich lediglich um eine freiwillige Selbstverpflichtung bestimmter Hersteller ohne jeden rechtlichen Wert.

    Um eines von vielen Beispielen zu nennen: der Bezugstoff für die Sitze des Sondermodell "Biker" des Passat Variant Bj. 95 war bereits drei Jahre später nicht mehr regulär im ETKA gelistet. Und für viele koreanische Fahrzeuge endet(e) eine reguläre Ersatzteilversorgung in D/EU abseits der Verschleißteile schon kurz nach dem Auslaufen aus dem Modellprogramm, selbst wenn das Fahrzeug noch für andere Märkte weiterproduziert wurde.

    Was das Problem passender Reifen für Young- und Oldtimer betrifft, darf man nicht nur dem TÜV die Schuld für die Misere zuschreiben. Sondern speziell auch denen, die aus "matching numbers" und "nur original" einen Kult betreiben, der sich für diejenigen, die ihr Schätzchen nicht nur zum "einmal-im-Jahr-aus-der-Halle-holen" besitzen in vielfacher Hinsicht zum Nachteil auswächst.
  7. #36

    Zitat von tzdv9000 Beitrag anzeigen
    Was das Problem passender Reifen für Young- und Oldtimer betrifft, darf man nicht nur dem TÜV die Schuld für die Misere zuschreiben. Sondern speziell auch denen, die aus "matching numbers" und "nur original" einen Kult betreiben, der sich für diejenigen, die ihr Schätzchen nicht nur zum "einmal-im-Jahr-aus-der-Halle-holen" besitzen in vielfacher Hinsicht zum Nachteil auswächst.
    Jeder Originalfanatiker sollte natürlich unbenommen seiner Leidenschaft nachgehen, deshalb hat man ja solch ein Hobby. Ich sehe nicht, wie dies ignorante TÜV-Prüfer negativ beeinflussen sollte, die ja meist aus blanker Unkenntniss jede Änderung ablehnen. Besonders Motorradreifen kriegen sie halt in Deutschland kaum ohne Gutachten eingetragen, selbst wenn der Unterschied zum Orginalreifen nur mm beträgt. Deutschland ist meines Wissens das einzige Land mit einer derartigen Praxis, in vielen anderen Ländern sind viele Bereiche der Fahrzeugmodifikation völlig freigegeben und den Besitzern überlassen. Meine Royal Enfield Bullet läuft in ca 200 Ländern mit tausend verschiedenen Reifenkombinationen - in Deutschland jedoch gibts ohne Gutachten keine anderen Größen. Wenn es nun tausende Bullets in Deutschland gäbe, würden die Reifenhersteller vermutlich selbst die Gutachten erstellen, doch für einen Exoten lohnt sich das nicht. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß eine derartige Praxis die Verkehrssicherheit auf unseren Strassen erhöht. In technischer Hinsicht darf hierzulande niemand Eigenverantwortung übernehmen - völlig pervers angesichts der Tatsache, daß es in 98% aller Fälle die Fahrweise ist, die einen Unfall produziert.
  8. #37

    Off topics

    Zitat von Wiedereinaussteiger Beitrag anzeigen
    ....
    Noch schlimmer rosten die W210 1996-2002. Bei denen wurde das Verfahren des Kantenentgratens geändert, mit der Folge eines Korrosionsdesasters, das ein Ruf-Desaster nach sich zog. ....
    Der iss gut, der Witz. Tatsächlich wurde das Entgraten wohl ganz abgeschafft. Okay, ist auch eine "Veränderung" ...

    :):)