Referendum in Ägypten: Opposition kündigt neue Proteste gegen Verfassung an

REUTERSDie Muslimbrüder von Präsident Mursi feiern ihren Sieg beim Verfassungsreferendum in Ägypten. Doch die Opposition gibt sich nicht geschlagen. Sie will das Ergebnis anfechten und den Protest erneut auf die Straße tragen.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-874558.html
  1. #1

    Auch der eitle Straßenlärm wird die Eiferer in Ägypten nicht aufhalten können

    Daß die liberalen Städter in Ägypten nun derart unmäßig gegen ihre neuen und überaus religiösen Herren und Meister lärmen und toben wird ihnen nichts nützen, denn die besagten Glaubenseiferer haben 70% der Stimmen erhalten und verfügen über eine streitbare und wohl organisierte Anhängerschaft, mit der sie sich wohl mühelos im Straßenkampf behaupten dürften. Doch haben sie gelernt geduldig und verschlagen zu sein, da sie lange Jahre von der alten Regierung verfolgt und unterdrückt worden sind und daher lassen sie sich nun auch nicht zu übermäßiger Gewalt verleiten, sondern warten geduldig ab, denn schon bald wird das Volk ihrer neuen Staats- und Rechtsordnung seinen Segen geben und dann wird der Widerstand gegen diese wohl auch ganz erheblich strenger bestraft werden; auch haben die Eiferer sich wohl noch nicht das Militär untertan gemacht und dieses könnte daher größere Unruhen und Ausschreitungen noch immer als Vorwand für einen Staatsstreich benützen und daher hat man eben Geduld.
  2. #2

    Westerwelle sollte ruhig sein

    Auch wenn er inhaltlich nicht ganz falsch liegt, aber auf diese oberlehrerhaften Ratschläge sollte man in Deutschland mal verzichten. Die Ägypter machen was die Ägypter wollen, und nicht was wir meinen was sie "müssen". Westerwelle kann sich ja gerne mal wieder auf dem Tahir-Platz blicken lassen...
  3. #3

    Na ja 30% Beteiligung davon 70%

    das sind 21% der Bevoelkerung ... fuer eine neue Verfassung.. nicht ueberzeugend.
  4. #4

    Mehrheit?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Muslimbrüder von Präsident Mursi feiern ihren Sieg beim Verfassungsreferendum in Ägypten. Doch die Opposition gibt sich nicht geschlagen. Sie will das Ergebnis anfechten und den Protest erneut auf die Straße tragen.

    Ägypten: Opposition kündigt neue Proteste gegen Verfassung an - SPIEGEL ONLINE
    ... Zweidrittel der Wähler, oder zweidrittel der Wahlberechtigten die Wählen dürften oder wollten? Die Wahlbeteiligung war mit ca. 31% erwartungsgemäß sehr niedrig und das reflektiert auch schon die Stimmung hier in Ägypten. Die Leute sind es leid von einer Minderheit, die von den USA gesponsort wird drangsaliert zu werden. Die MB hat keine Zukunft hier ... niemand will sie und sie ist weit entfernt davon eine Volksbewegung zu sein.
  5. #5

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Muslimbrüder von Präsident Mursi feiern ihren Sieg beim Verfassungsreferendum in Ägypten. Doch die Opposition gibt sich nicht geschlagen. Sie will das Ergebnis anfechten und den Protest erneut auf die Straße tragen.

    Ägypten: Opposition kündigt neue Proteste gegen Verfassung an - SPIEGEL ONLINE
    Sieht unsere bzw. EU Aussenpolitik nicht,dass wir den falschen Weg gehen..?
    Am Beispiel Ägypten sieht man wie schwer und wie ernst die Lage in der Region ist,sogar Islamisten streiten sich in Kairo über die Verfassung..in Syrien sind es mehrere Konfessionen und diese Konfessionen werden bis zu letzt kämpfen.
    In Irak hat man es nicht geschafft die Kurden,Sunniten und Shiiten zu versöhnen aber in Syrien will man es besser machen und mit der Hilfe der Söldner aus aller herren Ländern ,möchte man Regime Assad stürzen ...mit halben Dutzend Konfessionen und Minderheiten...da wird es Massaker geben und keine Frieden.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Muslimbrüder von Präsident Mursi feiern ihren Sieg beim Verfassungsreferendum in Ägypten. Doch die Opposition gibt sich nicht geschlagen. Sie will das Ergebnis anfechten und den Protest erneut auf die Straße tragen.

    Ägypten: Opposition kündigt neue Proteste gegen Verfassung an - SPIEGEL ONLINE
    Während der Wahlen gab es keine Opposition,wo war Al Baradei damals..
    Da hat Mursi gegen irgendjemanden gewonnen und dieser irgendjemand ist am nächsten Tag aus dem Land geflohen,am übernächsten Tag hatte er eine Anklage am Hals..,wie kann es sein?
    Jetzt reden unsere Politiker von Ägypten der zerspalten ist,als ob sie es vor 2 Jahren nicht wussten. Es war von Anfang an klar wer da auf die Strasse geht aber man hat es hier bei uns ignoriert..Jetzt haben wir für die nächsten 20-30 Jahre einen "Hotspot" an unserer EU Grenze..
  7. #7

    Falsch...

    ... @ Onkel Karl, nicht die Moslembrüder und Islamisten geschweige denn Salafisten sind damals auf die Straße gegangen sondern die Bewegung 6.April, also die Jugendbewegung. Die Moslembrüder waren an der Revolution mal gar nicht beteiligt, die haben sich erst hinterher aus ihren "Mäuselöchern" getraut, soviel Angst hatten die damals wenns schief geht das sie dann noch strenger verfolgt werden. Diese Typen die jetzt meinen ihr "Maul" soweit aufreißen zu können sind einfach nur feige Trittbrettfahrer leider hat dies die Bevölkerung erst jetzt erkannt, allerdings noch rechtzeitig wie man an den Reaktionen sehen kann. Ich wohne selbst in Ägypten und egal mit wem ich geredet habe und rede, alle wollen Mursi und die Moslembrüder am besten morgen wieder weghaben.
  8. #8

    Zitat von 2wwk Beitrag anzeigen
    das sind 21% der Bevoelkerung ... fuer eine neue Verfassung.. nicht ueberzeugend.
    Wobei man davon ausgehen kann, dass die Bartträger alle zur Wahl brachten, was zu faul war, sich zu rasieren.

    Die Ägyptische Bevölkerung ist mehrheitlich eher liberal. Man hätte ihnen aber vorab sagen müssen, dass es zumindest eine theoretische Chance gegeben hätte, die Abstimmung zu gewinnen und damit tatsächlich was zu ändern.

    Natürlich hätte sich kurzfristig nichts geändert, aber Mursi hätte derart offen manipulieren müssen, dass er auf Dauer nicht zu halten gewesen wäre.

    Boykottaufrufe waren halt schon immer falsch.
  9. #9

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Muslimbrüder von Präsident Mursi feiern ihren Sieg beim Verfassungsreferendum in Ägypten. Doch die Opposition gibt sich nicht geschlagen. Sie will das Ergebnis anfechten und den Protest erneut auf die Straße tragen.
    Ohne Zweifel kann sich die Abstimmung in Ägypten angesichts der Verstöße nicht mit echten demokratischen Verfahren im Westen messen, dennoch dürfte der Ausgang nicht erheblich durch diese Vorgänge beeinflusst worden sein. Die Proteste der Opposition sind legitim, auch wenn die Versuche zur Wahlbeeinflussung durch die Muslimbrüder eher ... amateurhaft ... waren.

    Etwas anderes ist viel entscheidender: Mursi wird durch das Referendum entscheidend geschwächt. Ja, die Muslimbrüder haben das Verfassungsgericht durch Drohungen außer Funktion gesetzt. Ja, die Muslimbrüder haben durch Versprechungen und Drohungen die Wähler beeinflussen wollen. Ja, die Muslimbrüder haben Gewalt ausgeübt, um das Referendum überhaupt durchdrücken zu können. Ja, die Muslimbrüder haben betrogen, indem sie ihre Mitglieder als Richter ausgaben und ohne wirksame Kontrollen ihren Willen durch Drohung und Erpressung durchgesetzt.

    Un trotz aller dieser Maßnahmen haben nur ein Drittel der ägyptischen bevölkerung überhaupt an der Abstimmung teilgenommen. Trotz aller dieser Maßnahmen waren von diesem Drittel nicht einam zwei Drittel für Mursis Verfassung. Tatsächlich haben irgendwo zwischen um die 25 % der ägyptischen Bevölkerung die Islamisten gestützt. Die Legitimationsbasis dieser Volksabstimmung ist so lächerlich, dass selbst Islamisten, welche sich morgens in den Spiegel sehen wollen, ihre Gesichter nicht für dieses Zerrbild hergeben wollen. Mursi musste schon all seinen persönlichen Einfluss geltend machen, um zu verhindern, dass um ihn herum seine wertvollsten Vertrauten ihn durch Rücktritte vor der Abstimmung blamierten.

    Diese Volksabstimmung ist ein Zeichen eklatanter Schwäche des Präsidenten. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie gut organisiert und schlagkräftig die Islamisten in Ägypten sind. Die Volksabstimmung hat gezeigt, dass ihre tatsächliche Machtbasis - und dazu zählen offenbar einfache konservative Ägypter vom Lande nicht wirklich - nicht einmal ein Viertel des Landes mobilisieren kann.

    Mursi hätte nach dem Wahlboykott der Reformer einen Erdrutschsieg erringen müssen. Die Zahlen von 64 % auf dem Lande und 54 % in den Städten aber sprechen dafür, dass seine Politik auch viele einfache Ägypter entfremdet hat, zumindest aber nicht mobilisieren konnte.

    Diese Verfassung ist durch das Referendum zu einer Farce geworden und umso stärker wird sich in Ägypten ein Machtkampf zwischen Reformern und Muslimbrüdern entwickeln. Mursi herrscht über Muslimbrüder und Wendehälse in der Bürokratie. Die Masse des Staatsapparates und der Eliten aber hat er gegen sich aufgebracht. Ob sein dreister Griff nach der Macht gelingt, bleibt abzuwarte, aber seine Hand ist für den Einsatz, den er spielt, nciht gut genug.

    Mursi ist nicht trotz, sondern wegen des Verfassungsreferendums zu einem Phantasiepräsidenten geworden.