Als Stotterer im Journalismus: "Das Diktiergerät ist schneller voll"

DPAWenn die Gehirnhälften nicht so zusammenspielen, wie sie sollen, kann sich die Zunge verheddern. Ist es klug, wenn jemand mit einem starken Sprachfehler ausgerechnet in einen Sprachberuf will? Benedikt Becker hat sich für den Journalismus entschieden. Und findet das ganz logisch.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-873737.html
  1. #1

    Sie sind ein Revoluzzer, sozusagen, BOCKIG halt!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wenn die Gehirnhälften nicht so zusammenspielen, wie sie sollen, kann sich die Zunge verheddern. Ist es klug, wenn jemand mit einem starken Sprachfehler ausgerechnet in einen Sprachberuf will? <i>Benedikt Becker </i>hat sich für den Journalismus entschieden. Und findet das ganz logisch.

    Stottern: Mit Sprachstörung in den Sprachberuf Journalismus - SPIEGEL ONLINE
    Hier will ich eintauchen in das Thema. Einer von meinen vielen Kinder war Stotterer geworden, merkbar ab dem Alter von 4 Jahren. Einen Buchstaben wie A dauerte 8 A`s um das Wort zu bilden. Ich verbrachte ihn nicht in den Kindergarten, der ja bei vielen Kindern meist sowieso nicht notwendig ist. Er kam in die "Behandlung" einer Logopädin und nach 2 1/2 Jahen konnte er sprechen wie andere Menschen auch.

    Besonders interessant ist für mich, dass er heute (nun 13 Jahre) selbst darüber sagt, er gar nicht wußte, warum er zu der Frau ging und da gerne hinging weil sie so toll mit ihm spielte.

    Er war übrigens sehr sprachbegabt, hat alle Gedichte von Max und Moritz mit 8 Jahren auswendig aufgesagt (ohne Zwang) und schon in der Grundschule "Bücher" geschrieben. Er will übrigens Autor werden und davor eine Maurerlehre absolvieren.

    Ich finde das sehr spannend und ich glaube nicht mehr an die 2gehirnhälften.

    Ich finde es ganz toll was Sie tun!!

    MFG
  2. #2

    Stottere auch und das im Verkauf!!

    Bin aber ausgewandert und so faellt das nicht so auf!!!
  3. #3

    Großartig

    Genau solche Artikel würde ich gerne jeden Tag lesen können. Danke an den Autor und SPON!
    Frohes Fest
  4. #4

    Stress pur...

    Berufsleben bedeutet für nicht gerade Überqualifizierte oft Stress - und das nicht im geringen Ausmaß. Wer sich zusätzlichen antun will, sucht sich etwas aus, was seine Probleme vervielfacht. Falls Stotterer im Streß das Stottern ablegen, meinen Glückwunsch. Ansonsten: Laden sie sich nur auf die Schultern, was sie vermutlich auch wirklich tragen können...
  5. #5

    an Betty

    Ich hoffe Ihre Schultern können Ihre Überheblichkeit tragen. Jeder sollte den Job machen in dem er gut ist und sich nicht von einzelnen Defiziten abhalten lassen. Die Summe der Fähigkeiten zählt !!!
  6. #6

    Kann's gut nachvollziehen, hab's selber genauso gemacht

    Ich kann diese Einstellung sehr gut nachvollziehen. Ich stottere selber seit meiner Kindheit, habe mein Studium dennoch mit Prädikat abgeschlossen und zudem promoviert. Zu allem Überfluss arbeite ich als Berater in einem Marktforschungsunternehmen, lebe also mit der täglichen Herausforderung.
    Ob man sich dies allerdings antun möchte, muss jeder für sich entscheiden, denn es werden einem schon erhebliche Hindernisse in den Weg gelegt.
    Ich bewundere allerdings jeden, der diesen Weg geht, und möchte alle, die mit diesem Handicap leben müssen, ermuntern, seine Mitmenschen mit dieser Problematik zu konfrontieren, denn für sie ist der Umgang mit diesem Thema auch nicht "ohne".
  7. #7

    Ich bin zu einer Zeit (1956 bis 1968) in die Schule gegangen, da war Linkshändigkeit nicht gern gesehen. Also wurde ich zumindest beim Schreiben auf Rechtshändikeit "umerzogen". Das war der Beginn meines Sprachfehlers. Ich kann Sie aber nur bestärken, immer wieder in die Öffentlichkeit zu gehen. In meinen vielen Tätigkeiten als Führungskraft habe ich sehr oft vor einem großem Auditorium sprechen müssen und gelernt, die Worte so zu wählen, dass mein Handicap dem Zuhörer so wenig wie möglich auffällt.
    Stotterer können sogar König werden (Film: The King's Speech)
  8. #8

    optional

    Zuerst dachte ich, das sei der Typ von damals an meiner Schule, der Klassensprecher und Redakteur bei der Schülerzeitung wurde, weil er dieses "jetzt erst recht" irgendwie brauchte. Ich masse mir kein abschließendes Urteil darüber an, das mag jeder für sich selber beurteilen und mit Urteilen der Zeitgenossen leben, die immer zwischen Wohlwollen und Genervtheit schwanken werden.
  9. #9

    Mein Dank an alle, die Stotterer als normal einstufen

    Gratulation!

    Wenn man erst mal den Mut aufbringt, sich furchtlos anderen gegenüber mit seinem Sprachfehler zu präsentieren, dann hat man sehr viel gewonnen, für sich und für seine Zukunft. So erging es mir. Danach ging es steil bergauf.

    Schon Jahre vorher und auch 30 Jahre danach hatte (hat) mich nie mehr jemand wegen meines Sprachfehlers verspottet - doch, einer, nur einer, ein einziger.

    Ein evangelischer Pastor........


    Das Verständnis bei den Mitmenschen für einen Stotterer ist m.E. wirklich erfreulich hoch - insofern ist ein gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein seitens des Stotterers doch die beste Voraussetzung für ein gutes Verständnis miteinander UND für die Verbesserung der eigenen Sprachfähigkeit.

    Danke an alle in meinem Leben, die trotz des Defektes „Sprachfehler“ hinaus mich unterstützt haben und / oder denen ich trotz Sprachfehler seit jeher als normaler Kumpel/ Freund/ Schulfreund/ Geschäftspartner o.ä. galt und gelte.

    DANKE