Umstrittene Haaranalysen: US-Ermittler stützten sich jahrelang auf fragwürdige Beweis

REUTERSIn den USA müssen womöglich Tausende von Strafprozessen neu aufgerollt werden müssen: Laut "Washington Post" hat das FBI Hunderte lokale Ermittler mit fragwürdigen Methoden geschult. Die Beweiskraft von Haarvergleichen soll gravierend übertrieben worden sein.

http://www.spiegel.de/panorama/justi...-a-874518.html
  1. #50

    Zitat von usr Beitrag anzeigen
    Die Jury besteht aus Leuten, die sich mit CIS-Folgen schulen. Die werden also pauschal allem vertrauen, woran irgend ein Hightech-Hokuspokus vom schlichten Mikroskop an aufwärts beteiligt ist. Für die formale Zulassung von Beweisen dürfte zwar trotzdem der Richter zuständig sein (kenne mich da leider genau so wenig aus), aber wenn die Geschichte mit dem Haar erst mal erzählt wurde ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und irgendwelche Mahnungen des Richters bezüglich eingeschränkter Beweiskraft werden den Einfluss der Haaranalyse auf die Jury nicht rückgängig machen können.
    Das ist in Europa ähnlich den USA. Was "Beweiskraft" hat wird letztlich in Europa durch die Gesetze - also in Deutschland Merkel festgelegt , in den USA gilt das Beispielrecht, sprich ein Richter kann im ersten Falle alles akzeptieren - und alle anderen bauen darauf - bis ein höheres Gericht entscheidet das diese Beweise eben nicht ausreichen!

    Problematisch daran ist aber in beiden Fällen das als "Beweis" meistens das verwendet wird was nach "das haben wir schon immer so gemacht, also kann es doch nicht falsch sein" argumentiert wird!

    Ist ziemlich stark mit dem "Ach gestern konnte ich auf einem Pferd reisen , warum sollte das mit einem Auto anders sein" Schema aufgebaut. Das aber 95% unserer Welt längst nicht mehr mit der von 1950 auch nur ansatzweise vergleichbar sind - ausser das noch Menschen da leben wird dabei irgnoriert - und das egal ob es um Mord oder Geld - um Arbeit oder Wirtschaftsystem geht!
  2. #51

    Haarspalterei

    Ob das wohl dabei bleibt?
    Da gibt es in der Justiz vieler Länder noch gravierendere
    Beweismittel, zum Beispiel Zeugenaussagen, nachdem zwischen Tatzeit
    und Prozess schon einige Jahre verstrichen sind.
    In den Vereinigten Staaten wurden im letzten Jahrhundert nachweislich über tausend Todesurteile vollstreckt, deren Rechtsmäßigkeit im nachhinein von der Justiz in Frage gestellt wurden.
    Das dürfte sicher etwas mit der Haarspalterei zu Tun haben .
  3. #52

    Zitat von dr.christian.wittig Beitrag anzeigen
    Abgesehen von dem Umstand, dass diese Fehler das valideste Argument gegen die anachronistische und korrektional sinnlose Todesstrafe darstellt, die oftmals nur niederen Rachegefühlen entspringt, so vergrößert das amerikanische Präzedenzrecht implikativ durch Auswirkungen auf abhängige Urteile das entstandene Unrecht, natürlich unter der Voraussetzung, daß in beiden Fällen kriminaltechnisch geschlampt worden war. Die missionarische Überheblichkeit der USA hat einen erneuten Rückschlag erlitten. Immerhin hatte die isomorphe DNA-Panne des Bundeskriminalamtes keine unmittelbaren Justizfehler zur Folge.
    Ähm, hatte nicht? Woher wissen sie das ? Weil das BKA wie das FBI behauptet da ist alles korrekt abgelaufen?
    Wir wissen schlicht nicht viele Wattestäbchen gestern heute oder morgen kontaminiert sind oder waren - auch da verläßt man sich auf "Aussagen von Regierung" und Behörden!

    Und das präzidensfallrecht der Amis hat enorme Vorteile - dort kann keine Regierung irgendwie den Lauf der Juristerei mal eben ändern durch ein neues Gesetz - wohingeben bei Merkel einfach Juristische Tatbestände "weggesetzt" werden.

    Wie war das grad mit "Mann in Heilanstalt" stecken weil ein Gutachter ihm "Unzurechnungsfähigkeit" bescheinigt? Sagen wir doch - der Störte - das ist eherlicher , und das in Deutschland die NSU natürlich absolut friedlich war das haben doch die Verfassungschützer auch bestätigt!

    Soviel besser ist es in Europa auch nicht - die Methoden der "falschen Beweise" und ihre Durchsetzung ist nur trickreicher - aber besser auf keinen Fall!
  4. #53

    Wau Wau !

    Bekannt ist das schon lange. Schlimm, dass jetzt erst gehandelt wird.
  5. #54

    Zitat von Izmir.Übül Beitrag anzeigen
    Das ist doch Haarspalterei.

    Präzise - mit "Haarspalterei" hat man den USA tausende verurteilt - und einige sogar per Todesstrafe ermordet! Ein klares Indiz dafür das man auf solche Mittelalterlichen Regelungen absolut zu verzichten hat!
  6. #55

    Zitat von bloßich Beitrag anzeigen
    In den meisten Fällen wird der Vorsatz gefehlt haben.
    Na ja , wer sich anmaßt über andere zu urteilen hat schon den Vorsatz andere zu verurteilen - so ganz "zufällig" macht man das ja auch nicht mit!

    Es fehlt da einfach auch die Verantwortlichkeit von Richter und Zeugen - ihre eigene Entscheidungfindung zu prüfen , und ob das Wissen, Können und Fähigkeiten ausreichen einfach den Stab über jemand anderen brechen zu dürfen. Aber bei Überheblichkeit haben die Menschen insgesamt leider den Spitzenplatz - Sieht man an all denen die "Leistungsträger und Experten" sein wollen - die keine Kretik an sich selber dulden - und die dadurch mehr als oft total daneben liegen!
  7. #56

    Unsicherheiten

    Nicht mal DNA-Tests sind sicher. Eineiige Zwillinge können nicht identifiziert werden und empfangene DNA, z.B. durch Knochenmarkspende, kann die DNA verändern. Selbst eine 99,9%-ige Sicherheit heißt, dass es eben nicht zu 100% sicher ist und damit Zweifel bestehen. Und im Zweifel heißt, es ist für den Angeklagten zu entscheiden.
  8. #57

    Verkehrte Schlagzeile

    Ich find's merkwürdig, dass in erster Linie (wie u. a. an der Titelzeile des Artikels zu sehen) auf den Ermittlern 'rumgehackt wird.

    Die Bewertung der Bweisführung nimmt doch die Richterschaft vor. Wenn Richter fragwürdige Beweise anerkennen, dann sind gefälligst - hauptsächlich und vor allem - die Richter zu schelten.

    Die Schlagzeile hätte also lauten müssen: "Umstrittene Haaranalysen: US-Richter stützten sich jahrelang auf fragwürdige Beweise".
  9. #58

    Rechtsmittel

    Zitat von bloßich Beitrag anzeigen
    Es gilt zwar die freie Beweiswürdigung, aber ein Richter muss sein Urteil schon begründen. Im Zweifel kann auf Rechtsmittel zurückgegriffen werden - und kein Richter hat ein Interese daran sein Urteil regelmäßig durch die nächst höhere Instanz um die Ohren gehauen zu bekommen ....
    Letzteres ist sicher wahr, aber welche Rechtsmittel sollten wohl wirksam einsetzbar sein, wenn z.B. die fragliche haarsträubende Zeugenaussage nicht wörtlich protokolliert werden muss? Und welcher Verteidiger, der nicht gerade zu den Großverdienern seiner Zunft gehört, wird sich mit dem Richter, von dem er regelmäßig Pflichtmandate zugeschanzt bekommt, anlegen?
  10. #59

    Welche Schuld

    Zitat von kumi-ori Beitrag anzeigen
    Ich hoffe doch sehr, dass die amerikanischen Gesetze für Richter, Geschworene, Gefängniswärter und Henker, die einen Unschuldigen bestraften, die gleichen drakonischen Strafen verlangen, wie für den unschuldigen Delinquenten.

    Außerdem muss dafür gesorgt sein, dass, wie beim Verurteilten selbst, ihre Namen und Wohnorte überall in der Presse zu lesen sein werden.
    Welche Schuld bitte trifft denn Bedienstete im Strafvollzug?
    Die erstellen keine urteilsrelevanten Gutachten, richten und verurteilen nicht. Und die meisten der von Ihnen sog. "Wärter" betreuen die Gefangenen in guter Weise. Dass es da gelegentlich auch schwarze Schafe gibt, berechtigt in keiner Weise dazu, diesen schweren und verantwortungsvollen Beruf zu diskreditieren.