Mobbing unter Jugendlichen: "Die Schule wurde meine persönliche Hölle"

Frank GrätzGemobbt zu werden, fühlt sich mies an - zu mobben auch, aber manchmal erst viel später. Dem Jugendmagazin "Spiesser" haben zwei Täter und ein Opfer erzählt, wie sie ausgeteilt haben und was sie einstecken mussten.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...-a-873794.html
  1. #10

    Zitat von Alexander Axt Beitrag anzeigen
    Auch ich wurde in meiner Schulzeit gemobbt. Das ist längst vergessen und ich habe dadurch gelernt. Es ist mir nie wieder passiert. Als man es während meiner Grundausbildung erneut versuchte, setzte es ein paar gut gezielte Nasenstüber.
    Tja, leider läuft das nicht immer so folgenlos. Und Leute, die ihre Mobber körperlich verletzen können, sind auch ein bisschen geschützter dagegen als die durchschnittlichen Mobbingopfer.

    Ich hatte den Spaß anderthalb Jahre auf der OS zu ertragen. Ich war gerade neu dort, hatte noch keine Freunde in der Stadt und die alten zurücklassen müssen. Was es noch spaßiger macht, gleich zum Klassenarsch erkoren zu werden. Es verging kaum ein Tag, an dem man mir nicht zu verstehen gab, wie scheiße ich doch sei; den Sportunterricht hab ich regelmäßig geschwänzt - zu viel Potential für weitere Demütigungen. Lehrer hat das nicht groß interessiert. Der Klassenlehrer wollte nur, dass alles gefälligst seinen ordnungsgemäßen Gang hat, es kam nur kurz vor Ende mal raus, als es um die Sportnoten ging.

    Ich hab es überlebt, aber es hat mir zwischenmenschliche Kontakte für die nächsten paar Jahre versaut. Ich wurde selbst unfreundlich, abweisend, ja paranoid. Meine einzigen Freunde in der Zeit hatte ich im Internet (früh genug für Online-Communitys, zu früh für Soziale Netzwerke und Cyber-Mobbing)... und es hat Jahre gedauert überhaupt wieder so weit sein dass ich wieder mit anderen Personen zu tun haben wollte.
  2. #11

    Eine Ursache ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gemobbt zu werden, fühlt sich mies an - zu mobben auch, aber manchmal erst viel später. Dem Jugendmagazin "Spiesser" haben zwei Täter und ein Opfer erzählt, wie sie ausgeteilt haben und was sie einstecken mussten.

    Mobbing im Internet und in der Schule: Täter und Opfer erzählen - SPIEGEL ONLINE
    ... liegt mit Sicherheit in der zunehmenden Infantilisierung der Jugend, heisst Jugendliche im Alter von 15/16 benehmen sich so als wenn sie erst 5/6 Jahre alt wären.

    Von Kindesbeinen an bestimmen die Eltern und Organisationen in die Sozialisation der Kinder und Jugendlichen. Selbstbestimmte Entwicklung findet so gut wie nicht mehr statt. Der Terminplan der Kinder ist heite so voll, dass das "Spielen auf der Straße" nur noch in wenigen Fällen stattfindet.

    In der Kita findet auch nur gelenkte Sozialisation statt, da die allgegenwärtigen Kindergärtnerinnen alles im Blick haben und mittlerweile sogar Entwicklungsprotokolle über die Kinder schreiben müssen.

    Selbst Oliver mit 5 Jahren diskutiert mit seiner Mutter (oder politisch Korrekt auch mit seinem Vater), ob er wenn es kalt ist, Handschuhe anziehen muss. Kindern werden heute Entscheidungen zugemutet, die nicht altersgemäß sind und keine Leitplanken geben, in denen sich das Kind entwicklen kann. Dazu stellen Eltern ihre Bedürfnisse zurück. Wie sollen Kinder vor diesem Hintergrund erkennen, wo die Grenzen in zwischenmenschlichen Beziehungen liegen, wenn Chantal wie eine Erwachsene behandelt wird und Mutti die gleichen Klamotten anzieht.

    Warum läßt man Kinder nicht Kinder sein und billigt ihnen einen altersgemäßen Entwicklungsraum mit anderen Kindern zu ohne Kontrolle auszuüben.

    Jugendliche werden so nicht in die Lage versetzt, wirklich zu erkennen, welche Auswirkungen Mobbing in Schule und Internet auf andere haben, wenn kein Gefühl dafür entstanden ist, wo die Grenzen des anderen sind.
  3. #12

    Was tun die Lehrer?

    Das Schlimme ist, dass die Lehrer Mobbing meist sehr lange ignoriren. Und wenn sie etwas tun, dann sagen sie zum Opfer Das es sich ändern soll. Weil es leichter ist eine Person zu belehren als eine ganze Klasse. Was natürlich schwachsin ist. Den das Opfer kann nichts dafür, das es gemobbt wird
  4. #13

    Ja, man vergisst nie...

    Das man Mobbingopfer gewesen ist...
    Nach all den Jahren tut es immer noch weh...
    Man versucht sich eine Art Hassliebe zum Täter/ zur Täterin einzureden.
    Als Erwachsener weiss man eigentlich, das es Kinder waren, die irgendwie ihre Unreife und ihre Minderwertigkeitskomplexe ausgelebt haben und eigentlich nur arme Würstchen waren...
    Und doch fällt man heute noch manchmal in alte Muster , wenn man sie wiedersieht.
    Mir hat damals eine Klassenkameradin, gesagt, dass sie garnicht verstehen könne, dass ich mich nicht umgebracht habe, so wie die anderen mich geqüält haben...
    Das schlimmste war, dass alle sich benommen haben, als hätte ich Lepra , ohne Hoffnung für mich auf das Gefühl, OK zu sein und ein bisschen Nettigkeit... oder normales Leben.
    Auf dem Gymnasium 5. Klasse fing es an und da beim Schulwechsel zur Realschule meinen Mobberin mit mir die Schule wechselte, ging alles weiter und wurde sogar noch schlimmer. Ich wurde gedemütigt, und gezwungen zu kuschen , und habe einmal sogar gegen meinen Willen einen anderen Mitschülern mit einer " ich will Euch gefallen"- Aktion sehr gekränkt, ja selbst als Streber gemobbt , was ich heute noch sehr entsetzlich finde.
    Beim erneuten Wechsel auf ein weiterführenden Gymnasium ging ein Mädchen aus meiner Parallelklasse mit, die mein Mobbing gewohnt war. Ausserdem hatte durch das Jahrelange Mobbing mein Selbstwertgefühl so gelitten, das es schon auf den ersten Blick zu erkennen war und alles an mir zu sagen schien: Auf mich kann man draufhauen...Insofern fing alles wieder von vorne an. Sogar in die schulischen Ausbildung wechselten die Mobber mit mir.
    Erst durch Umzug und den Antritt einer Arbeitsstelle weit weg kam endlich die Erlösung.
    Es hat mir keiner geholfen, auch die Lehrer nicht, alle haben weggeschaut.
    Meine Schulzeit war die Hölle.
    Heute bin ich 43 und habe fünf Kinder und aus meinem Leben trotz der Widrigkeiten was gemacht.
    Es geht mir heute gut, ich bin einfühlsam und stark geworden.
  5. #14

    .......

    Ich kenne dieses "Hänseln und Triezen" aus meiner eigenen Schulzeit- und ja, das vergisst man nicht wirklich. In meinem Fall war es so, daß ich mit kupferroten Haaren, einer blöden Kassenbrille und einer Zahnspange "gesegnet" war- zudem war ich als junges Mädchen auch noch rappeldünn. Also- dumme Sprüche gabs en masse.
    Aber- war ich zu Hause oder die zwei, drei Sprücheklopfer nicht in Sichtweite, dann hatte ich meine Ruhe. Das Internet war noch nicht erfunden, und das ist, glaube ich, der Unterschied.

    Unter blöden Sprüchen, dummen Kommentaren leidet man- aber irgendwann hat man die Schulzeit hinter sich gelassen und man ist die Übeltäter "los". In meinem Fall war es so, daß die Zahnspange irgendwann verschwand, die Kassenbrille tauschte ich gegen ein schöneres Modell aus, mit meiner Haarfarbe schloß ich Frieden und meine Figur veränderte sich von alleine in Richtung schlank, aber gut proportioniert.
    Aber ich gebe gerne zu, als ich vor einigen Jahren in meinem Heimatdorf einen stark übergewichtigen, glatzköpfigen Herren beim Bäcker traf, der mir eher verwundert mit " Huch, Sasapi, bist Du es ? Du hast Dich aber verändert!" begrüsste, ich erst nach langem Überlegen den arroganten, sprücheklopfenden Schülerinnenschwarm von damals wiedererkannte- das erfüllte mich durchaus mit Genugtuung...

    Richtiges Mobbing, über Monate, nicht nur im RL, sondern auch über Internet, das ist mit solchen Erlebnissen wie zu meiner Schulzeit nicht vergleichbar, finde ich.
  6. #15

    Hier ist nicht der Gesetzgeber ...

    Zitat von BettyWuth Beitrag anzeigen
    Für den Tatbestand des Mobbings fehlen deutsche Gesetze, die ein solches Tun deutlich und massiv unter Strafe stellen. Hier sind die Rechtshüter gefordert. Und nicht morgen, sondern am liebsten noch vorgestern! Denn was den betroffenen Opfern hiermit angetan wird, ist in keinem Falle hinzunehmen.
    ... gefordert. Der rechtliche Rahmen ist eindeutig. Üble Nachrede, Beleidigung und das Recht am eigenen Bild geben i.d.R. genügend Handhabe. Wichtig wäre Bewusstsein zu wecken, konkret gegen Mobbing vorzugehen. Dazu muss man das Thema konkret benennen und dann konsequent handeln. Das betrifft sowohl die Schule, als auch die Eltern des Mobbers und des Mobbing Opfers. Vor allen Dinden ist es wichtig, dass der Mobber die Folgen spürt und nicht das Mobbing Opfer z.B. die Schule wechseln muss! Leider verdeckt unsere "Political Correctness" die Konflikt in der Gesellschaft und bringt eine Pseudotoleranz hervor, die Toleranz schon mal gar nicht fördert. Durch die PC ist unsere Gesellschaft mittlerweile auf dem Tripp der Pseudo-Konformitat, die bei Jugendlichen dazu führt, dass ein "anders sein" nicht mehr akzeptiert wird.
  7. #16

    Wie wahnsinnig dieses ganze Mobbing eigentlich ist, sieht man hier an Anlässen und Ursachen der Täterinnen. Die falschen Schuhe gekauft? Viel Spaß in der Hölle. Was muss in so einem Mobber-Gehirn eigentlich falsch laufen?

    Im Namen der kosmischen Gerechtigkeit hoffe ich, dass Sie liebe Jana und Sie liebe anonym auch irgendwann ein mal dran sind. Wenn Sie dann dran gewesen sind, schreibt auch jemand bei Spon darüber, dass er einfach überemotional war.

    Aber soll ich ihnen was verraten? Sie waren einfach richtig schlechte Menschen (Kraftausdrücke spare ich mir wegen der SPON-Zensur), ich hoffe für Sie, dass Sie es nicht mehr sind.
  8. #17

    Die Schule war immer schon ...

    ... ein Ort für Mobbing - nur der Begriff ist neu. Gemobbt wird immer, wer von der "Klassennorm" abweicht. Besonders diejenigen, die entweder körperlich auffallen (zu dick, zu dünn etc.) oder durch eine höhere Sensibilität. Letztere wird oft allgemein, auch von vielen Lehrern als Schwäche empfunden. Fließen gar sehr oft Tränen (weil im Inneren und auch im Außen eine Hölle brennt), ist man hoffnungslos verloren. Ich gehörte zu der letzteren Gruppe, bis ich 16 Jahre alt war. In all den Jahren hat sich in mir ein großer Menschenhass entwickelt. Ich hatte auch keine Freunde oder Freundinnen. Als ich 16 wurde, beleidigte und mobbte mich ein Mitschüler auf dem Pausenhof, gegenüber einigen Mädchen. Auch einem, das ich sehr mochte. Als ich die Beherrschung verlor, schlug ich ihm mit aller Kraft meine Faust ins Gesicht (nachdem er mich fünf Jahre lang jeden Tag beleidigt hatte). Er fiel nach hinten, gegen eine Mauer. Als Ergebnis hatte er ein kleines Loch im Kopf, und ich durfte zum Rektor. Eine riesige Standpauke war das Ergebnis. Ich sei ein brutaler und unbeherrschter Kerl usw.. Mein Vater musste kommen und mich abholen. Das positive Resultat war aber, dass mit diesem einen Schlag aller Hass aus mir verschwunden war. Von da an habe ich begonnen, Menschen zu lieben (ein Wunder!!).
    An den Schulen hat sich nicht viel geändert. Viele Lehrer sind unsensibel für das Thema, haben Angst, oder verdrücken sich aus Bequemlichkeit. Ich kann es nur als großes Wunder bezeichnen, dass es so selten zu Amokläufen oder anderen Echos an unseren Schulen kommt. Denn für die Betroffenen ist jeder Tag in der Schule ein neuer Tag in der Menschenhölle.
    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gemobbt zu werden, fühlt sich mies an - zu mobben auch, aber manchmal erst viel später. Dem Jugendmagazin "Spiesser" haben zwei Täter und ein Opfer erzählt, wie sie ausgeteilt haben und was sie einstecken mussten.

    Mobbing im Internet und in der Schule: Täter und Opfer erzählen - SPIEGEL ONLINE
  9. #18

    Zitat von BettyWuth Beitrag anzeigen
    Für den Tatbestand des Mobbings fehlen deutsche Gesetze, die ein solches Tun deutlich und massiv unter Strafe stellen. Hier sind die Rechtshüter gefordert. Und nicht morgen, sondern am liebsten noch vorgestern! Denn was den betroffenen Opfern hiermit angetan wird, ist in keinem Falle hinzunehmen.
    Das ist eine schöne Phantasie, aber bedenken Sie die Umsetzbarkeit. Mobbing besteht aus zahllosen Kleinigkeit, ausgeübt von mehreren Personen, gegen ein einzelnes Opfer. Solange Aussage gegen Aussage steht, gewinnt normalerweise die zahlenstärkere Seite... und das wären die Mobber.
    Echte Belege gibt es bestenfalls beim Cybermobbing; ansonsten kann man von einem Mobbingopfer in der Realwelt wohl kaum erwarten, dass es minutiöse Protokolle von jedem Vorfall, samt Beteiligten, Beweissicherung und Tatortfotos anfertigt.

    Nein, das Ganze in die Gerichtssäle zu tragen würde wohl kaum klappen. Eigentlich müsste man nur mal den Eltern klar machen, was ihre Sprösslinge da tun (auch wenn man erstmal mit "Ist mir doch egal, was der Kevin in der Schule macht." oder "Das würde unsere Veronique-Chantal doch nie tun!" oder "Nee, das haben die mir alles erzählt, das hat dat Güllekind doch selbst verdient, wenn es immer nur gute Noten schreibt!" kämpfen müsste). Die Eltern haben als Einzige die Macht, da einzugreifen.

    Wenn ich Kinder hätte und wüsste, dass die Jemanden mobben, würde ich ihnen androhen, sie regelmäßig selbst in ihrer Schule zu blamieren, bis sie den Mist lassen. Ich komme höchstpersönlich vorbei und trage ihnen ihr Pausenbrot ("...natürlich mit Bärchenwurst, Du magst doch die lustigen Gesichter so gerne.") hinterher, diskutiere mit dem Lehrer lautstark vollkommen fiktive Probleme ("Und dass Sie mir ja auf der Klassenfahrt aufpassen! Er hat bis vor zwei Jahren noch die Betten genässt!") oder hänge peinliche Babyfotos ans schwarze Brett. Wenn Status unter Teenies alles ist, dann muss man genau das bedrohen.
  10. #19

    mobbing aus neid

    neid ist die ehrlichste form der anerkennung. so einfach kann man das sehen.