Irische Abtreibungsdebatte: Nachgeben, wenn's gar nicht mehr anders geht

APDie Republik Irland hat nach drei Jahrzehnten Debatte Schwangerschaftsabbrüche legalisiert. Allerdings nur in extremen Ausnahmefällen. Ein zutiefst konservativer Katholizismus prägt bis heute Gesellschaft und Politik. Nur europäischer Druck erzwingt Änderungen.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...-a-873994.html
  1. #10

    Religion und Politik

    Herr Thierse hat erst vor kurzem in einem Interview beklagt dass die Religion so an Einfluss verloren hat in der deutschen Politik. Hier sieht man was passiert so bald man der Religion freie Hand lässt. Es geht flott zurück ins Mittelalter, bzw. man verharrt da nach Kräften.
    In Deutschland ist das Bild der Kirche, versüßlicht durch unseren zart lispelnden Herrn Ratzinger und die Tatsache dass der Kirche die Zähne gezogen sind. Wozu sie in der Lage ist hat die Vergangenheit gezeigt, wirklich geändert hat sie sich natürlich nicht. Die Dogmen sind nach wie vor irrational und werden es auch bleiben.
  2. #11

    Exakt !

    ..."Wenn irische Intellektuelle ihren Staat und ihre Gesellschaft mit anderen vergleichen, blicken sie oft nach Osten, und zwar sehr weit: Analogien finden sie häufig in islamisch geprägten Gesellschaften - wegen der Toleranz und Fortschritt verhindernden Verquickung von Staat und Religion...."

    Sehr schön auf den Punkt gebracht !
  3. #12

    Rom

    Zitat von Herr Hold Beitrag anzeigen
    Es gab schon immer Ungleichgewichte in der EU. Irland war das damalige Problemkind. Lange hat die "Annäherung" gedauert. Aber was soll's ( neudeutsch:yolo) man muss nur lange genug warten, dann werden schon alle wollen.
    Es gibt auch "Ungleichgewichte" in Deutschland. Wäre Bayern ein Einzelstaat geblieben und nicht im vorletzten Jahrhundert von Preussen-Deutschland geschluckt worden, hätten wir heute dort vermutlich ähnliche Verhältnisse wie in Irland. Wobei aber ganz klar herauszustellen ist: Die Schuld trifft nicht die Iren (die ich als äußert freundliche und tolerante Gatsgeber kennengelernt habe) und auch nicht die Bayern. Es ist der Katholizismus, der immer noch versucht, jeden Fortschritt in den Köpfen zu verhindern.
  4. #13

    Alles braucht seine Zeit

    Die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze erfolgt in Irland analog zur ökonomischen Entwicklung, wobei diese - wie in fast allen Ländern - mehr Dynamik aufweist.
    Aber warum will Europa den Iren sein Modell aufzwingen?
    In Deutschland werden jedes Jahr über 100 000 Kinder abgetrieben, das sind Millionen von Kindern seit der Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Kann das ein Vorbild für Irland sein?
  5. #14

    Rechnen

    Zitat von intelligenzbestie22 Beitrag anzeigen
    Aber warum will Europa den Iren sein Modell aufzwingen?
    In Deutschland werden jedes Jahr über 100 000 Kinder abgetrieben, das sind Millionen von Kindern seit der Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Kann das ein Vorbild für Irland sein?
    Schätzungen zufolge fahren noch immer jedes Jahr zwischen 6000 und 12.000 irische Frauen nach Großbritannien, um dort einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Die Irish Family Planning Association geht von mindestens 138.000 solchen Schwangerschaftsabbrüchen seit 1980 aus.
    Bei 4,5 Mio Bevölkerung ist das recht heftig, finden Sie nicht?
    Gar so gottesfürchtig und handlungsunfähig scheint mir eine Irin nicht zu sein.
  6. #15

    optional

    Ich lebe in irland (Galway) seit 1969 mit unterbrechung, und kann vieles bestaetigen. Aber gesetze sind gesetze und werden stets umgangen. Ich habe hier standesamtlich in 1981 geheiratet. Kondome waren ohne Schwierigkeiten erhaeltlich gegen eine kleine Spende an die Familienplanung (Vergleich Eintritt zu einem Pornofilm in Deutschland wo man fuer Suessigkeiten oder aehnlich bezahlte). Pille war auch kein Problem "zur Zyklusregulierung". Von Verurteilungen wegen Homosexualitaet hoerte man nicht und es waren einige Prominente bekannt. ("Weil nicht sein kann was nicht sein darf"). Die Gesellschaft ist viel weiter als die Gesetze. Der erwaehnte Fall in Galway wird hoffentlich die Regierung bewegen, die Kirche hat ausgespielt.
  7. #16

    Zitat von roana Beitrag anzeigen

    Man denke nur an die vielen Gewissenskonflikte, die Frauen, die abgetrieben haben durchleiden müssen.
    Da sollten wir in Deutschland mal die Füße still halten. Hierzulande entscheidet eine werdende Mutter völlig allein ob das werdende Leben ausgetragen wird, oder eben auch nicht. Die Gewissenskonflikte des werdenden Vaters werden komplett ignoriert. Ohnehin beschränkt sich das Mitspracherecht des werdenden Vaters auf die Größe eines Kondoms. Für ihn gilt i.d.R. "Verhüten, und mit dem Ergebnis abfinden.". Würde man gleiches Recht auch für werdende Mütter anwenden, müßte die Abtreibung eigentlich untersagt werden.
    Achja, selbst von erwachsenen Frauen vergewaltigte Jungs genießen keinerlei Rechtsschutz und müssen mit Ablauf des 18. Lebensjahres Unterhalt zahlen, höchstrichterlich bestätigt.
    So gesehen gibt es bei uns mindestens soviel Reformbedarf wie bei den Iren, auf die wir bei der Abtreibungsfrage oft mit dem Finger zeigen.
  8. #17

    Schuld sind natürlich nicht die Iren

    Ich lach mich schlapp. Wie kann man den Katholizismus beschuldigen und die gläubigen Katholiken freisprechen? Träger des Bibelmärchens sind Personen, egal ob sie es tun, weil sie dafür bezahlt werden oder dafür bezahlen. Der Mensch ist frei, nachzudenken und sich zu entscheiden. Und wer meint, dass Gott seinen Sohn am Kreuz hat verrecken lassen, der darf wohl auch eine Mutter nicht im Kindbett retten. Schuld sind, wenn überhaupt, nur die Iren... Doch dass ist für SPON wohl wieder zu viel des Bösen...
  9. #18

    Sehr richtig!

    Zitat von Izmi Beitrag anzeigen
    Es gibt auch "Ungleichgewichte" in Deutschland. Wäre Bayern ein Einzelstaat geblieben und nicht im vorletzten Jahrhundert von Preussen-Deutschland geschluckt worden, hätten wir heute dort vermutlich ähnliche Verhältnisse wie in Irland. Wobei aber ganz klar herauszustellen ist: Die Schuld trifft nicht die Iren (die ich als äußert freundliche und tolerante Gatsgeber kennengelernt habe) und auch nicht die Bayern. Es ist der Katholizismus, der immer noch versucht, jeden Fortschritt in den Köpfen zu verhindern.
    Es sei in diesem Zusammenhang auf die "Hexenprozesse von Memmingen" (SPIEGEL) hingewiesen, die 1988/89 stattfanden: Memminger Prozess . Gisela Friedrichsen hat ein empfehlenswertes Buch darüber geschrieben. Wer im Glashaus sitzt,.......
  10. #19

    Gedankenlos

    Zitat von Taske Beitrag anzeigen
    Sehr richtig!

    Wird allerhöchste Zeit, dass die Iren sich am deutschen Hedonismus (und einer "Nettoreproduktionsrate" von 0,67) ein Beispiel nehmen!
    ....und Liberalisierung ist Fortschritt. Gedankenloser wie in diesem Artikel kann man auch noch nach 40 Jahren den 68iger Quark nicht formulieren.