Stasi-Streit auf Hiddensee: Bürgermeister contra Schülerzeitung

Jakob SkottEigentlich wollte Elisa Skott, 16, nur wissen, ob die Gerüchte stimmen: Hat der Bürgermeister von Hiddensee für die Stasi gearbeitet? Also interviewte sie ihn für die Schülerzeitung. Nun eskaliert auf der Insel ein Streit, der schon lange schwelt, und die Schülerin fragt sich: Was habe ich falsch gemacht?

http://www.spiegel.de/schulspiegel/h...-a-873767.html
  1. #110

    Ich (keiner Partei angehörend) wurde vor ca. 20 Jahren mal von Redakteuren einer Schul- oder Schülerzeitung interviewt, weil ich mich zu einer bestimmten Problematik in unsrer leider einzigen Tageszeitung kritisch geäußert hatte.

    Meine Bedingung war: Es läuft ein Tonband mit. Was gedruckt war, hat mir nicht so ganz gefallen, weil z.T. aus dem Zusammenhang gerissen. Das habe ich in einem persönlichen Gespräch kritisiert und das wars dann.

    Ich schrieb es bereits: Urheberrecht und Recht am eignen Bild gelten NICHT für "Personen der Zeitgeschichte" - und das ist nach der REchtsprechung schon ein Polizist im Dienst. Und wenn das Bild wirklich von der Gemeinde-Homepage stammt, ist es quasi "öffentliches Eigentum".

    Liebe Verteidiger dieses schrägen Vogels: Es ist schon bedenklich, was Sie hier teilweise schreiben. Wie ich schon schrieb: Obelix würde sagen "Der spinnt, der Gens"

    Jedenfalls hat er jetzt dier bundesweite Aufmerksamkeit, die er sicherlich NICHT wollte!

    Schönen Abend noch!
  2. #111

    Zitat von kkl Beitrag anzeigen
    Fakt ist: Gens HAT sich zu allem geäußert. Mehrfach.
    Herr Gens ist ganz sicher nicht das personifizierte Böse und hat sicher auch gute Seiten bzw. gute Dinge für seine Insel vollbracht. Aber darum geht es nicht. Negatives kann nicht durch positives aufgewogen werden.

    Wenn Herr Gens seine DVU-Mitgliedschaft und vor allem seine Posten dort (die er ganz sicher nicht innerhalb von 3 Monaten erhalten hat) beim Eintritt in die CDU nicht mitteilt, dann ist dies nicht korrekt. Es wird leider auch nicht mehr geheilt dadurch, dass man es im Nachinein zugibt. Und ehrlich war er diesbezüglich auch im Interview mit Frau Skott nicht. Von politisch orientiert kann wohl keine Rede mehr sein, wenn man es zum Vorsitzender des DVU-Kreisverbandes Nordvorpommern und zum geschäftsführenden Landesvorsitzenden bringt. Da halte ich eine Aussage wie "politisch orientiert" für verharmlosend und, aus meiner Sicht, für falsch. Und dies darf man so auch ruhig in der Öffentlichkeit und in der Presse so sagen bzw. schreiben auch ohne dass man den Rest seines Lebens beleuchtet.

    Im Interview hört sich seine stasivergangenheit bzw. seine Stasikontakte danach an, als ob er einmal (oder nur wenige Male) von Leuten in der Schule befragt wurde. Und weil man als 15-jährige da sicher nicht sehr souverän ist und vielleicht auch Angst hat, sagt man halt, was die hören wollen. Aber so war es dann doch wohl nicht. Er soll ja Jahre für die Stasi, auch während seiner Wehrpflicht, gearbeitet haben und ein entsprechenden Vertrag/ein entsprechendes Dokument unterzeichnet haben (war damals im NDR-Beitrag zu sehen).

    Nochmals: Wenn ein Journalist sich ausschließlich mit der Vergangenheit von Herrn Gens beschäftigen will, dann kann er dies und auch entsprechende Artikel veröffentlichen. Das Interview war umfangreicher. Wie es genau lief, wissen wohl nur Frau Skott und Herrn Gens (und die anderen Beteiligten). Der jungen Dame hier einen Hinterhalt zu unterstellen, halte ich für sehr gewagt, wenn sie keine Informationen dazu haben. Aber selbst wenn, ist der Rest des Interviews unerheblich. Falls ich mit dem Veröffentlichenten nicht zufrieden bin, kann ich ja eine Gegendarstellung verlangen. Hier aber so die Schülerzeitung, die Schule und insbesondere die junge Frau Skott anzugehen, ist wenig souverän und unpassend. Jemand hat es schon geschrieben: das hat einen Beigeschmak. Warum hat er denn nicht einfach den Abdruck des ganzen Interviews in einer der folgenden Ausgaben gefordert und auf die rechtlichen Problem hingewisen? Nein, stattdessen zieht man die Gegenseite in den Dreck und droht mit rechtlichen Schritten. Frau Skott tat dies im übrigen nicht. So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus, Herr Gens.

    Und ganz egal was für ein toller Mensch der Herr Gens sonst so ist und was er gutes für die Insel getan haben mag, wenn jemand so mit seiner Vergangenheit umgeht, von links nach rechts, zur Mitte und sonstwohin driftet und sich wenig souverän gegenüber einer, mit Verlaub, käseblättrigen Schülerzeitung zeigt, der scheint mir für die Aufgabe eines Bürgermeistern vollkommen ungeeignet. Ein Teil der Insulaner scheint gleicher Meinung zu sein.
  3. #112

    Der deutsche Restfaschismus bis 1989...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eigentlich wollte Elisa Skott, 16, nur wissen, ob die Gerüchte stimmen: Hat der Bürgermeister von Hiddensee für die Stasi gearbeitet? Also interviewte sie ihn für die Schülerzeitung. Nun eskaliert auf der Insel ein Streit, der schon lange schwelt, und die Schülerin fragt sich: Was habe ich falsch gemacht?

    Hiddensee: Bürgermeister Thomas Gens streitet mit Schülerzeitung - SPIEGEL ONLINE
    .... war ja nicht mit dem Mauerfall erledigt. Auch die Bundesrepublik Deutschland hat ja mitnichten 1945 sofort den rechten Wege gefunden, das hat dann halt auch noch fast 30 Jahre gedauert. Ich denke, so lange wird es auch dauern, bis unsere strammen Preußen-Brüder und Schwestern jenseits der Elbe gelernt haben, wie Demokratie geht. Wenn das Mädchen mal eine eigene Familie hat ist, sollte es wo weit sein, schätze ich. Bis dahin haben sich Probleme wie dieser Bürgermeister dann ohnehin biologisch erledigt haben. Im Westen hat es letztendlich auch nur so funktioniert.
  4. #113

    Was hat das jetzt mit Preußen zu tun? Wie auch immer, der Mann scheint ein charakterliches Problem zu haben und muss sich hoffentlich bald von seinem Amt verabschieden.
  5. #114

    Zitat von MetalunaIV Beitrag anzeigen
    Auch, dass ein Interview auf Wunsch noch einmal zur Autorisierung vorgelegt werden muss und es dazu eine dokumentierte Freigabe geben soll.
    Das ergibt sich nochmal woraus? Ein Link zu einem Bundes- oder MeckPom-Landesgesetz würde mir genügen.

    Oder verwechseln Sie hier eine Einschleimtechnik, die Hofberichterstatter praktizieren, um von den großen Staatsmännern und -frauen auch mal auf tolle Flugreisen mitgenommen zu werden, mit grundlegenden demokratischen Rechten wie Presse- und Meinungsfreiheit.
  6. #115

    War im Osten wirklich nicht alles schlecht?

    Nachdem ich 5 Jahre in Thüringen gelebt habe (bin in Frankfurt aufgewachsen) deckt sich vieles mit meinen Erfahrungen: Dem Zwang zur Integrität sind doch viele Westdeutsche garnicht gewachsen. Was wäre in der DDR aus einem Hausbesetzer und Sponti geworden? Wohl kaum ein Außenminister. Er wäre rechtskräftig verurteilt worden. Und die Bundesrepublik ist definitiv ein Rechtsstaat. Auf seine Integrität gegenüber dem Gesetz zu achten, das musste diese Gesellschaft lernen, auch wenn wir heute die Rechtsstaatlichkeit im damaligen Osten stark anzweifeln. ...und jetzt wird's richtig perfide: die Leute aus den rechten Kreisen im Osten haben eben auch gelernt, sich nichts nachweisen zu lassen. Während nun einige eben. SED-Altkader gut aufgestellt sind, kommen einige ehemalige Opfer auf keinen grünen Zweig. Aus dem Westen kommt dann allenfalls ein "im Osten war doch nicht alles schlecht"
    Da sind wir jetzt wieder: ein Teenager wird mundtot gemachte, weil man ihm einen Regelverstoß nachweisen kann, aber die meisten Touristen auf Hiddensee erfreuen sich der wilden Schwäne und dass es heute mehr als Goldbroiler gibt. Ich für meinen Teil habe im Osten gelernt: Auch wenn der ältere Herr am Fenster, der Falschparker aufschreibt, der leibhaftige Göring oder Mielke wäre, wenn da Parkverbot ist, wirst du den kürzeren ziehen. Für uns Kuschel-68er schwer nachvollziehbar.
  7. #116

    Guter Journalismus

    Hut ab vor dieser jungen dame. Sie tut genau das richtige. guter Journalismus, nachgefragt, dokumentiert und das Wesentliche publiziert.
    Der Bürgermeister verhält sich lachhaft. Sicher die Verwendung des Bildes war unerlaubt, aber was wäre der Schaden bei einer Zeitung mit einer Auflage von 50? 5 Euro?
    Nur nicht unterkriegen lassen kann man dem Mädchen sagen. Mal sehen, wie lange dieser Bürgermeister noch sien Amt hat und wann ihn die Wut der Massen erreicht.
  8. #117

    Eine Runde Mitleid ...

    Zitat von Das Auge des Betrachters Beitrag anzeigen
    ...ein regional schwellender und nicht vorankommender Konflikt, mit Hilfe einer durchtriebenen Göre in die weitere Öffentlichkeit getragen.
    Deshalb ist diese Diffamierungskampagne hier genau richtig aufgehoben.
    Natürlich hat das arme , kleine Mädchen , dass ganz unschuldig die "richtigen" Fragen stellte ganz bitterlich geweint und der Delinquent, der hat Kinder im Irak aus ihren Brutstätten gerissen.
    Das der Osten nicht rechts sondern SED und Stasi ist, sage ich schon lange, aber das wird hier seltsamer Weise nie veröffentlicht.
    Passt wohl nicht in die gezielten Kampagnen.
    ... für unsere missverstandenen ostdeutschen Brüder und Schwestern.

    Ihre Schreibe ist verabscheuungswürdig.

    Das Mädchen hat sich etwas gedacht, das nennt man Intelligenz. Aus dem Alter, sich nur für Pferde und Kaninchen zu interessieren ist sie eben raus. Und sie hat sich halt mal nicht an den drei Idolen vieler Deutscher orientiert - den drei Affen.

    Interessant wie die getroffenen Hunde immer wieder bellen. Ganz egal, ob sie nun Kiesinger oder Filbinger hießen oder ob ihnen nun im Osten die Biedermannmaske entrissen wird.

    Achja, und so wenig, wie alle vor '45 Nazis waren, so gab wenig es in der DDR nur SED und Stasi.
    Doch wenn es alle taten, dann war's ja nicht so schlimm, oder?
  9. #118

    Zwei Verschwörungstheoretiker unter sich

    Zitat von trackerdog
    Wenn sie bei einer der großen überregionalen Zeitungen arbeiten würde, dann dürfte sie nur noch über Rechtsextremismus berichten.
    "Elisa tat, was ein Journalist tun muss: Sie hat aus dem Gespräch das Interessanteste ausgewählt." Genau das darf oder will heute kein Journalist mehr.
    ...
    Der deutsche Journalismus ist eine Schande für die ganze Zunft! Angepaßt, politisch Korrekt und bis zur Selbstaufgabe unkritisch!
    Die hauptamtlichen Schreiber sind zu Verkündungsbeamten ohne Biss verkommen - alles gleichgeschaltet mit den "Eliten".

    Zitat von fuzzi-vom-dienst Beitrag anzeigen
    Bedauerlicherweise muss ich Ihnen Recht geben!
    ...
    Aber an die jüngere deutsche Geschichte und die alten SED-Seilschaften wagt sich (auch) der SPIEGEL nicht ran.
    ... Ganz besonders bestimmte Berliner Bezirksämter und Gerichte (!) arbeiten "schlimmer als zu DDR-Zeiten", wie einige unsrer Mitstreiter gerade aus Berlin und Brandenburg berichten. Und in MV scheints nicht anders zu sein!
    Wer eine interessante Story hat, der wird sie in den Zeiten des WWW leicht unter die Leute bringen. Und wenn dann noch was interessantes oder neues dran ist, der wird sie auch in den größeren Blättern und Sendungen finden. Ansonsten müsst ihr das eben ohne große Publicity hinkriegen.

    Also bekommt euch mal wieder ein. Nicht jeder Ex-Stasi-Fuzzi ist überregional interessant. So wenig, wie euch unsere Skandale von CDU/CSU-Seilschaften hier im Süden oder die der SPD in NRW ehedem interessieren, oder?
  10. #119

    Wie immer ...

    Zitat von kkl Beitrag anzeigen
    Die Schülerin Elisa soll also als Journalistin rundum ernst genommen werden, und so eine Zeitung soll auf das Leben vorbereiten - aber ansonsten ist es ja "nur" eine Schülerzeitung, und die muß sich nicht mit Persönlichkeitsrechten abgeben und kann drucken, wie und was sie will und weglassen, wie und was sie will? Und der Bürgermeister darf keine kritische Meinung dazu haben, muß sich aber einmal mehr selbst wieder auf Stasi und DVU reduzieren lassen, auf Vorwürfe, die über 20 Jahre alt sind? Donnerwetter, welch ein Demokratieverständnis...
    Verharmlosen und Diffamieren.

    Persönlichkeitsrechte wurden bis zum Beweis des Gegenteils keine verletzt.

    Und selbstverständlich darf ein Redakteur, ob Schülerzeitung oder Spiegel, im Artikel von dem, was er recherchiert hat, schreiben oder weglassen, was er will.
    Niemand muss sich ein angemeldetes Interview nachträglich autorisieren lassen. Das hat sich eingebürgert, weil man als Redakteur auch nochmal wieder kommen will und deshalb, wo vertretbar, Kompromisse eingeht. Das es auch anders geht hat hierzulande eine eh. BM'in für Justiz erfahren müssen.

    Und hinsichtlich des Bürgermeisters: es geht ja nicht nur um seine Vergangenheit, sondern auch auch um seinen Umgang mit derselben. Und um die Konsequenzen die er daraus zieht, oder eben nicht zieht.