Psychotherapie: Das ignorierte Leiden der Männer

CorbisBisher behandeln Psychotherapeuten Frauen und Männer gleich - doch jetzt regt sich Widerstand, immer mehr Wissenschaftler erforschen geschlechtsspezifische Seelenleiden. Von ihren Erkenntnissen könnten vor allem männliche Patienten profitieren.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-870021.html
  1. #1

    Neuigkeit? Eher nicht.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bisher behandeln Psychotherapeuten Frauen und Männer gleich - doch jetzt regt sich Widerstand, immer mehr Wissenschaftler erforschen geschlechtsspezifische Seelenleiden. Von ihren Erkenntnissen könnten vor allem männliche Patienten profitieren.

    Gender-Psychotherapie: Männer leiden anders als Frauen - SPIEGEL ONLINE
    Das einzige erstaunliche ist, dass das hier wie eine geradezu sensationelle Neuigkeit verkauft wird.

    Zumindest bei jenen psychischen Störungen mit einem relativ hohen genetischen Risikoanteil (wie Depressionen, Bipolar, ADHS, Alkoholismus und andere Suchterkrankungen) gehen doch gerade Insider jener Szenen seit mindestens 20 Jahren davon aus, dass die biologische Basis dafür im Grunde schon bei der Geburt, spätestens aber mit Ende des ersten Lebensjahres, vorhanden ist (z.T. genetisch begründet, z.T. in der Entwicklung des Embryos, z.T. in frühkindlichen Traumatas). Auch wenn aus einer solchen biologischen Vorraussetzung nicht unmittelbar ein Störungs- oder gar Krankheitscharakter erwächst, zumindest führt sie bereits in frühem Alter zu leichten biochemischen Imbalancen, die z.T. gewisses Unwohlsein bewirken, dem dann durch kompensatorisches Verhalten intuitiv entgegengewirkt wird.

    Beschreibt man jene Kompensationsversuche systematisch, merkt man schnell, dass das Geschlecht einen enormen Unterschied ausmacht. Und neben dem Geschlecht sind es vor allem Alterstufen, wo die Auffälligkeiten entsprechend gemeindsam und typisch sind. Wobei der Wechsel dieser Altersstufen wiederum mit den alterstypischen Umstellungen der Sexualhormone zusammenfällt. Ganz zu schweigen, dass Frauen, die Psychopharmaka mit Kurzzeitwirkungen einnehmen, fast immer berichten, dass deren Wirksamkeit stark von ihrem Monatszyklus abhänge, d.h. an bestimmten wenigen Tagen stärker, und an einigen wenigen anderen Tagen fast gar nicht wirke.

    Der Einfluß von Alter und Geschlecht auf psychische Krankheiten und deren Erscheinungsbild ist eigentlich unstrittig. Schade ist, dass der mögliche dritte Parameter (Seitigkeiten a'la Behan-Gschwind-Galaburda-These) mittlerweile in Vergessenheit geraten ist.
  2. #2

    Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bisher behandeln Psychotherapeuten Frauen und Männer gleich - doch jetzt regt sich Widerstand, immer mehr Wissenschaftler erforschen geschlechtsspezifische Seelenleiden. Von ihren Erkenntnissen könnten vor allem männliche Patienten profitieren.

    Gender-Psychotherapie: Männer leiden anders als Frauen - SPIEGEL ONLINE
    Die gibt es doch gar nicht, wenn man neo-Feministinnen Glauben schenken mag.

    Spaß beiseite.

    Es wird Zeit für eine Rückbesinnung auf die Tatsache, dass wir zwar alle gleichwertig und gleichberechtigt aber eben nicht gleich sind!
  3. #3

    Pech gehabt

    "Auf diesen Gedanken hätten Experten allerdings schon früher kommen können. Denn in Studien zeigt sich seit Jahrzehnten, dass Männer und Frauen nicht in gleichem Ausmaß und auch nicht von denselben Störungen gleichmäßig stark betroffen sind."

    Sicher doch, aber das auszusprechen war genderpolitisch nicht korrekt.

    Da nimmt man doch lieber das Leid der Patienten in Kauf, als die politisch-berufliche Ächtung.
  4. #4

    erschütternd

    "Dabei nähmen die Fälle von Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Probleme vor allem bei männlichen Angestellten stark zu. Zwischen 1994 und 2003 habe sich die Zahl bei Männern um 82 Prozent erhöht, bei Frauen um 57 Prozent."
    Ist das wirklich wahr? 82 bzw. 57 % mehr Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Probleme? Da muss man sich doch fragen was dieser Druck und diese Arbeitsethik in unserer Gesellschaft am Ende wirklich bringen. Und wer dafür bezahlt. Denn das alles sind Kosten, die letztlich von der Gemeinschaft (der Versicherten in dem Fall) getragen werden müssen. Nicht von den Unternehmen in deren Arbeitsabläufen diese Menschen krank werden.
  5. #5

    Danke Spon!

    Es ist wichtig, in diesen schweren Zeiten (siehe die Berichte zu Armut&Krise, zu Suicid in Griechenland) darauf hinzuweisen, dass Depression eine KRANKHEIT ist. Sie ist daher auf individueller Basis zu behandeln, der Onkel Doktor steht hier schon bereit.
    Depression ist also keinesfalls ein gesellschaftliches Phänomen. Sie ist auch kein existentielles Problem, hängt also nicht mit diesem Scheiss-Leben zusammen, in dem man sich für nix abrackert, sich nicht mal mer die Pflege leisten kannk, nur um sich dann in die Kiste zu legen, während andere den Reibach machen.
    Depression hängt nicht damit zusammen, dass man -so man Kinder mag- diese besser erst gar nicht in diese Welt setzt.
    Depression hat nichts damit zu tun, dass man ausgegrenzt ist und in seiner Gesellschaft keinen Fuss mehr auf den Boden bekommen kann.
    Wenn Leute wie Fromm etwa von "kranker Gesellschaft" faseln, dann ist das völliger Stuss.
    Depression IST eine Krankheit und damit höchst individuell. Die Ursache ist also biologisch-medizinisch im Hirn zu suchen, ersatzweise können wir an den Transmittern rumrühren.
  6. #6

    Nichts Neues.

    Therapeuten bringen das auf eine ganz einfache Formel: Frauen landen im Extremfall in der Psychiatrie, Männer im Knast.
  7. #7

    Na ja ...

    Zitat von schna´sel Beitrag anzeigen
    ... Ist das wirklich wahr? 82 bzw. 57 % mehr Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Probleme?
    Das Angebot regelt in diesem Fall die Nachfrage: Auch aus dem Hort der "letzen Rettung", dem Krankenhaus ist ein Lifestyle-Unternehmen geworden - getreu dem Motto, "wo ich Versicherungsprämien zahle, muss ich ja irgendwann auch wieder etwas herausbekommen".
  8. #8

    Beleg für eine qualitativ bessere Psychotherapeuten-Ausbildung

    Wenn die zitierten Befunde tatsächlich zuträfen, wären sie als erneuter Beleg dafür zu werten, den Anteil an eingehender Selbsterfahrung in der Psychotherapieausbildung erheblich zu vergrößern und vor allem in der Qualität zu steigern. Meiner Erfahrung und Ansicht nach ist die Selbsterfahrung von Therapeuten qualitativ dann höher, wenn sie (1) genügend Zeit umfaßt und (2) vor allem der eigene neurotische und traumatisierte Anteil so bearbeitet werden kann, daß nicht ständig die künftige Profession im Mittelpunkt steht, sondern die Aufhebung des eigenen persönlichen Leidens. Das ist nach meiner Überzeugung ausschließlich in psychodynamisch-psychoanalytisch orientierten Settings der Fall. Eine ausführliche Selbstanalyse vorausgesetzt, sollten die hier gefundenen Effekte nicht mehr auftreten. Es ist mir seit Jahrzehnten selbstverständlich, daß Männer und Frauen unterschiedliche, vor allem affektive Erlebnis- und Verarbeitungsweisen haben. Darauf ist einzugehen, und daran muß und kann jeder Therapeut für sich und seine therapeutische Technik arbeiten.
  9. #9

    optional

    Halodri73 schreibt: "Die gibt es doch gar nicht, wenn man neo-Feministinnen Glauben schenken mag. Spaß beiseite."

    War zwar be ihm nicht ernst gemeint, aber nur vorsorglich, bevor jetzt hier wieder bei einigen das Geheule losgeht, die Feministinnen seien alles schuld:

    Feminismus heißt, geschlechterbedingte Benachteiligungen aufzuheben -- einschließlich der von Männern. Und übrigens: Hätte es den Feminismus der Siebziger und Achtziger nicht gegeben, wären die Menschen -- und das waren auch zum großen Teil Frauen -- nie drauf gekommen, dass man auch Männer aus der Genderperspektive betrachten kann und soll (und dass es auch noch andere Achsen der Diskriminierung und Benachteiligung gibt, die man mit Geschlecht zusammen denken muss). Ergo: Ohne Feminismus keine Männerstudien. Ist Fakt.

    Bisschen Anerkennung hat der Feminismus dafür schon verdient, finde ich. Auch von Männern.