Uni-Crashkurs: Wie bereite ich mich auf mündliche Prüfungen vor?

SPIEGEL ONLINEDie schlechte Nachricht: Mündliche Prüfungen laufen unsystematisch ab, chaotisch und unfair. Die gute: Sie bringen deutlich bessere Noten als Klausuren. Wie das funktioniert, erklärt Oliver Vornberger, seit 25 Jahren Professor, in seiner SPIEGEL-ONLINE-Sprechstunde.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-873296.html
  1. #1

    So leicht sind sie noch nie zu einer 1 gekommen!

    Jawoll!
    Fachwissen, Zuversicht und gute Laune mitbringen.
    Und wenn der Prof fragt welches Fachgebiet am meisten gefallen hat, nie mit 'Nix hat mir gefallen' antworten.
    Nie!
    Das war jetzt alles echt wertvoll, irgendwie...
    Ich hatte schon befürchtet das man nur Gemeinplätze erzählt bekommt.
  2. #2

    .

    Zitat von laurent1307 Beitrag anzeigen
    Jawoll!
    Fachwissen, Zuversicht und gute Laune mitbringen.
    Und wenn der Prof fragt welches Fachgebiet am meisten gefallen hat, nie mit 'Nix hat mir gefallen' antworten.
    Nie!
    Das war jetzt alles echt wertvoll, irgendwie...
    Ich hatte schon befürchtet das man nur Gemeinplätze erzählt bekommt.
    Dank diesen exzellenten Tipps werde ich nie wieder in meinem Leben Probleme in einer mündlichen Prüfung haben!

    ... jetzt mal im Ernst. Das war wirklich nichts... Mündliche Prüfungen brauchen in meinen Augen eine deutlich intensivere Vorbereitung als Klausur. Hier funktioniert selten das Motto "Auf Lücke lernen". Wenn der Professor das merkt, dann kann dieser nachhaken, was bei einer Klausur nicht geht. Da hilft nicht nur gute Laune...höchstens Mitleidspunkte zur 4.0, wenn der Student anfängt in der Prüfung zu weinen.

    Die besseren Noten resultieren meist daraus, dass das die meisten wissen und sich dementsprechend besser darauf vorbereiten...
  3. #3

    Sympathischer Prof

    aber wozu braucht man für drei Begriffe einen Zettel.
  4. #4

    Alle Prüfer ticken unterschiedlich, das macht die Angelegenheit kompliziert. Es ist sicherlich wichtig, auch auf die Form der eigenen Präsentation zu achten; Fachwissen kann das aber nicht ersetzen. Nichts hasst ein Prüfer mehr als Kandidaten, die jovial daherkommen und eigentlich keine Ahnung vom Thema haben.
    In aller Kürze folgende Tipps: 1) Versuchen Sie, den Prüfer einzuschätzen: Ist es jemand, der kurze, präzise Fragen stellt oder eher eine Person, die Sie reden lässt? Im zweiten Fall hätten Sie die Möglichkeit, selbst das Gespräch auf Themen zu lenken, bei denen Sie sich gut auskennen. 2) Falls Sie mal eine falsche Antwort gegeben haben, versuchen Sie nicht, im Nachhinein eine Erklärung oder Ausrede dafür zu präsentieren. Versuchen Sie eher, mit einem "Ja, da haben Sie recht" (oder so ähnlich) zu reagieren, um schnell zum nächsten Thema zu kommen und Ihren Prüfer dabei nebenbei zu bestätigen. 3) Die meisten Prüfer haben eigentlich keine Lust, Sie zu prüfen. Wenn Sie eine Möglichkeit haben, das Gespräch etwas aufzulockern, sollten Sie in gut dosierter Weise davon Gebrauch machen. 4) Beobachten Sie, wie lange der Prüfer Sie antworten lässt. Wenn er Sie ständig unterbricht, sollten Sie darauf reagieren und bei der nächsten Antwort etwas schneller zum Punkt kommen.
  5. #5

    In gewisser Weise hat er ja recht

    Viele Studenten haben vor mündlichen Prüfungen eine viel stärkere (unbegründete) Angst als vor schriftlichen Klausuren, obwohl man in einer mündlichen Prüfung oftmals viel eher an eine gute bis exzellente Note kommt. Weiß man in einer Klausur bei einer der Aufgaben partout nicht weiter, ist es mit der 1,0 schon vorbei - in einer mündlchen Prüfung hingegen kann man kleinere Wissenslücken ruhig auch mal zugeben (sofern es nicht um elementare Grundlagen geht) und der Prof wird darüber hinwegsehen, wenn das Gesamtbild ansonsten stimmt. Auch Professoren sind ja nicht allwissend und müssen mal ein paar Details nachschlagen.

    Im Gegensatz zu einer Klausur bietet die mündliche Prüfung auch dem Professor die Möglichkeit, sich auf die individuellen Stärken des Prüflings einzustellen - daher auch die beliebte Einstiegsfrage, was einem denn besonders gut gefallen hat: Zu diesem Gebiet wird dann nämlich in der Regel auch die erste Fachfrage kommen. Beantwortet man diese dann zur Zufriedenheit des Professors (aber bewusst nicht erschöpfend!), fragt er in der Regel auch in die selbe Richtung noch einmal weiter. So kann man von Beginn an die Prüfung geschickt in das Themengebiet lenken, in dem man sich am sichersten fühlt. Und hat man dann die ersten paar Fragen gut beantwortet, hat man schon so gut wie gewonnen. Der erste Eindruck ist hier sehr wichtig. Wenn der stimmt, wird der Professor kaum noch Interesse haben, einen mit bohrenden Fragen auflaufen zu lassen, sondern freut sich, einen kompetenten Gesprächspartner zu haben, der gut vorbereitet ist.

    Der Nachteil einer mündlichen Prüfung ist natürlich, dass man zu einer Frage jetzt sofort und unmittelbar etwas kluges sagen muss, ohne lange Bedenkzeit zu haben. Hier ist die Kernkompetenz "sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit" gefragt. In einer schriftlichen Klausur kann man eine Frage, zu der einem spontan nichts einfällt, erstmal vertagen und woanders weitermachen, um dann später darauf zurückzukommen, wenn die einfacheren Aufgaben erledigt sind. Das geht in einer mündlichen Prüfung nur in Ausnahmefällen.
  6. #6

    Fragen, die man nicht beantworten kann

    Noch ein Nachtrag zu Fragen, die man nicht beantworten kann: Es geht der Mehrzahl der Prüfer natürlich darum, nicht einfach Fachwissen abzurufen, sondern zu ergründen, wo der Prüfling an seine Grenzen stößt. Um diese zu ergründen, stellt mancher Professor auch schonmal eine Frage, von der er genau weiß, dass selbst ein Einserkandidat die Antwort nicht unbedingt kennt. Das ist in dem Fall aber überhaupt nicht schlimm und man sollte dann (wenn man sich sicher ist, dass nicht erwartet wird, dass man die Antwort darauf wirklich kennt) ruhig offen sagen, die Antwort nicht zu kennen. Wer hier jedoch in der Lage ist, sich mit fachlichen Methoden der Antwort zu nähern und beispielsweise einen Weg vorschlägt, wie man diese ergründen kann, hat schon so gut wie gewonnen. Derjenige, der stattdessen versucht, die vermeintliche Wissenslücke geschickt zu überspielen, zeigt dabei dann ganz offen, dass er eigentlich keine Ahnung hat.

    Ich habe beispielsweise einen Mathematikprofessor erlebt, der auch schonmal einen Satz bzw. ein Theorem aufschreibt, das in der Form falsch ist, und dann den Studenten bittet, es zu beweisen. Wem der Widerspruch auffällt, der hat seine 2 so gut wie sicher, wer darüber hinaus auch noch ein Gegenbeispiel nennen kann, ist auf dem besten Weg zur 1. Wer sich jedoch minutenlang im Versuch festbeißt, das Theorem zu beweisen, obwohl ihm eigentlich auffallen müsste, dass dies nicht möglich ist, kann sich sicher sein, vier Wochen später nochmal antanzen zu dürfen.
  7. #7

    Mein Gott das ist ja was völlig neues

    Das ist ja Wahnsinn, seit wann muss man sich die Themen nochmal angucken, bevor man eine Klausur schreibt. Das ist ja so geil, das ich es jetzt erfahren konnte. Oder das man sich nicht zu sehr unter Druck setzen sollte.
    Danke lieber Professor, jetzt kann ich jeden Test bestehen. Echt Affengeil.
  8. #8

    worst case - wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Abschließendes mündliches Magister-Examen: Der Beisitzer (der den Termin bestimmt hat!) taucht zunächst nicht auf. Anruf. In der Wartezeit werde ich vom Professor gefragt, was denn die beiden Prüfungsthemen seien. Ich möchte ihm eine Kopie mit Themen und Bilbliographie geben, er erwidert: nicht nötig. Beisitzer erscheint nach 30 min. und behauptet, nicht informiert worden zu sein (2 Mails beweisen das Gegenteil, s.o.). Prüfung beginnt. Ich verstehe die Deutsch-Idiome meines Professors nicht, der erst kurz zuvor aus über Neuseeland aus den USA nach Heidelberg gekommen war. Sein Deutsch war also schlecht und seine Fragen waren all zu oft absolut unverständlich. Ich schlage vor, die Prüfung auf Englisch zu machen - Antwort: Das kriegen wir auch so hin. Und weil der Prof. meine Kopie nicht haben wollte, kennt er auch die Bibliographie nicht, die zu den Themen ausgemacht war. Also werde ich über Details und Ansätze gefragt, die ich gar nicht wissen muss und das in einer Sprache, die ich nicht verstehen kann... Am Ende der Prüfung hatte ich dennoch den Eindruck, mich recht gut geschlagen zu haben. Ich bekam eine "drei". Begründung: "Sie haben zu wenig gewusst".
    Der Dekan der Fakultät war "bestürzt" und schickte mich zum Studiendekan. Dort gab es (einige Zeit später) ein Gespräch, bei dem auch jener Prof. dabei war und dieser sowohl die mangelnden Sprachkenntnisse wie auch seine nicht voranden gewesene Vorbereitung bestätigte. Außerdem meinte er, er habe mich eigentlich durchfallen lassen wollen... Allerdings blieb es bei der Drei, auch nach 2 weiteren Unterhaltungen mit dem Studiendekan. Der Prof. und sein Beisitzer mussten lediglich eine Entschuldigung schreiben. Übrigens: dieser Prof. schreibt gerne Bücher über "shared humanity" und "justice".
  9. #9

    Aus Prüfer's Sicht

    Zitat von sirhumphrey Beitrag anzeigen
    Nichts hasst ein Prüfer mehr als Kandidaten, die jovial daherkommen und eigentlich keine Ahnung vom Thema haben.
    Stimmt, kann ich als Prüfer durchaus bestätigen. Aber mal ehrlich: Die meisten Studis sind gut bis sehr gut vorbereitet und bekommen dann auch entsprechend gute Noten.

    Was mir allerdings immer wieder auffällt: Leider verstehen sich viele Kollegen nicht als Lehrer. Sprechzeiten? Wer brauch das schon. Zeit für Studis? Das bringt doch eh nichts. Bei sowas schäm ich mich für meinen Berufsstand. Natürlich bringt das was!!! Und wo sollen die Leute denn sonst hin, wenn es für die Veranstaltung z.B. keine Tutoren gibt? Grrr...

    Nach dem es sich nach einigen Semstern rumgesprochen hat, dass man bei Frau ice945 wirklich in die Sprechstunde kommen darf UND dann sogar noch Antworten auf Fragen bekommt, herrscht zu den Zeiten Hochbetrieb in und vor meinem Büro. Wichtig finde ich nur, dass die Leute mit konkreten Fragen kommen. Schließlich kann ich nur dann konkrete Antworten geben. Aber auch das hat sich rumgesprochen und inzwischen läuft das wie am Schnürchen. Und wer zur Sprechstunde nicht kann? Es gibt diese tolle Erfindung, nennt sich E-Mail...entweder Fragen lassen sich so auf schrifltichem Wege klären, oder man kann einen zusätzlichen Termin auskaspern.

    Ein weitere Vorteil: Gerade Studis mit einer gewissen Prüfungsangst hilft es, dem Prüfer schon einmal vorher in engere Runde begegnet zu sein. Das nimmt der Situation schon einmal den größten Schrecken. So kann ich vorher den Ablauf besprechen: Wer sitzt wo? Was muss ich mitbringen? Wie läuft so eine Prüfung im Allgemeinen ab? Meist sagen meine Studis dann: "Eigentlich ja gar nicht so schlimm, oder?" Dann kann ich sagen: "Nee, eigentlich nicht."

    Natürlich ist jeder vor so einer Prüfung nervös. War ich als Student doch auch. Bin ich heute doch als Prüfer auch noch. Eine gewisse Nervosität gehört dazu, ist ja schließlich keine Routine, auch für den Prüfer nicht. Schließlich muss ich mich auf hundert verschiedenen Leute einstellen. Meine Fragen vielleicht anders formulieren, damit wir uns gegenseitig verstehen. Zusehen, dass ich nicht jeden das gleiche Frage aber die Prüfungen vom Schwierigkeitsgrad her trotzdem vergleichbar sind. Das erfordert auch von meiner Seite her viel Vorbereitung, die sich meines Erachtens aber immer wieder lohnt.

    Macht mich das zur Ausnahme? Gefühlt leider ja. Aber ich bin halt HochschulLEHRERIN und es ist mein Job meinen Studis die Inhalte meines Fachs näher zu bringen und sie im Idealfall sogar dafür zu begeistern. Mir macht mein Fach schließlich Spaß. Warum sollte ich dann diesen Spaß nicht auch weitervermitteln?