Kritik an Neurocans: "Hirnforscher sollten nicht überreizen"

CorbisHirnscans sind in der Neurowissenschaften inzwischen allgegenwärtig - doch welchen Erkenntniswert haben die bunten und medienwirksamen Bilder? Der Psychopharmakologe Felix Hasler wettert im Interview gegen die Arroganz mancher Kollegen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-867591.html
  1. #1

    Interessant

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hirnscans sind in der Neurowissenschaften inzwischen allgegenwärtig - doch welchen Erkenntniswert haben die bunten und medienwirksamen Bilder? Der Psychopharmakologe Felix Hasler wettert im Interview gegen die Arroganz mancher Kollegen.

    Kritik an fMRT-Hirnscans: Interview mit Felix Hasler - SPIEGEL ONLINE
    Wow, danke für dieses Interview. Schön, dass man in den letzten zwei Wochen auf SPON mal wieder mehrere "kritische Interviews" lesen konnte, statt immer nur den selben prominenten Figuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft das Wort zu überlassen.
  2. #2

    Bravo!

    Sehr interessantes Interview, gerade im Kontext mit den letzten Bemuehungen bei der A.I., extrem grosse neuronale Netze nach dem Vorbild von Saeugetierhirnen zu simulieren. Das hatte jemand mit den Bemuehungen verglichen, durch Imitation des Vogelflugs Flugzeuge zu entwickeln, da hat man den Ansatz mit Fluegelschlag und Federn ja auch irgendwann gegen Alu und Propeller ausgetauscht. Leider wurde Herr Hasler nicht naeher nach seiner Meinung zu Freiem Bewusstsein und Quantenereignissen, etwa in den erwaehnten Ionenkanaelen, befragt.
  3. #3

    Grenzwissenschaft

    Leider müssen wir feststellen, dass die Psychologie sowie die Neurowissenschaft eigentlich keine Wissenschaften sind.
    Es wird beobachtet und interpretiert und weiter beobachtet und interpretiert.
    Und mit jedem kleinen Ergebnis wird laut gerufen, dass sich mit diesem Wissen neue Medikamente in Zukunft herstellen lassen ..........
    Nach den Grundsätzen von Popper ist das schier vernichtend.
    In der Physik wird eine Reproduzierbarkeit von > 99%
    gefordert. Siehe dazu die Messdatenreihen zum Higgs Bosom.
    Wir wissen nun, das wir eher ahnen, wer wir eigentlich wirklich sind!
    Wer nimmt wahr, wenn wir wahrnehmen,dass wir wahrnehmen?
    Wo ist der Wahrnehmer?
    Und wer fühlt, wenn wir wahrnehmen,dass wir fühlen?
    Aber keine Bange!
    Niemand ist deshalb ab heute weniger als gestern.
    Beobachten wir also weiter, was die Beobachter der Beobachtenden weiter so rausfinden.
    Wenn viele Anmassungen der Psychiater nicht so grausam wären, könnte man laut darüber lachen.
  4. #4

    Danke Felix Hasler

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hirnscans sind in der Neurowissenschaften inzwischen allgegenwärtig - doch welchen Erkenntniswert haben die bunten und medienwirksamen Bilder? Der Psychopharmakologe Felix Hasler wettert im Interview gegen die Arroganz mancher Kollegen.

    Kritik an fMRT-Hirnscans: Interview mit Felix Hasler - SPIEGEL ONLINE
    Sie werden sich hiermit keine Freunde gemacht haben.
    Ich begrüsse Ihren Mut. Er kann zu neuen Denkansätzen führen.
  5. #5

    Was sind um Himmels Willen 'Neurocans'??

    Was sind um Himmels Willen 'Neurocans'??
  6. #6

    ...

    Die Lachsstudie war echt sehr gut.

    Daneben gilt...

    Wenn sich die Neurowissenschaft nicht von ihren überzogenen Welterklärungsansprüchen verabschiedet, bekommt sie ein Glaubwürdigkeitsproblem.

    ...allgemein, z.B. auch für Klimaforscher, die gerne Gott spielen würden. Meiner Meinung nach sind solche Allmachtsphantasien Ausdruck eines jungen Forschungsfeldes, in dem es gerade mal die ersten paar Durchbrüche gegeben hat und noch nicht die jahrzehntelang folgenden Frustrationen im Klein-klein...dann glaubt man für einen Moment, man könne mit den bereits bekannten Erkenntnissen einfach so weitermachen und schnell weitere Durchbrüche erzielen.

    Generell muß man auch Forscher und Forscher unterscheiden. Neurowissenschaftler bedienen zuerst einmal meistens auch nur Geräte, die sie selber nicht verstehen. Das ist kein echter Vorwurf, die meisten Wissenschaftler, auch Physiker und Chemiker arbeiten so, und ohne das wäre auch gar kein Fortschritt möglich. Es rächt sich aber manchmal, wenn man auf neues Gebiet vorstösst. Jedenfalls ist es immer leichter "irgendetwas" zu messen und "irgendwie" zu interpretieren, als wirklich auf fundamentaler Ebene Messdaten in allen schmutzigen Details auf Fehler zu überprüfen, richtig zu korrigieren usw. Oft genug wird das erstbeste Bild, das aus der Maschine kommt, meistens auch noch graphisch aufgehübscht, für den ersten Fachartikel verwendet. Und oft genug auch für den zweiten und dritten, und den Review usw.
  7. #7

    Wieder eine neue Wunderwaffe

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hirnscans sind in der Neurowissenschaften inzwischen allgegenwärtig - doch welchen Erkenntniswert haben die bunten und medienwirksamen Bilder? Der Psychopharmakologe Felix Hasler wettert im Interview gegen die Arroganz mancher Kollegen.

    Kritik an fMRT-Hirnscans: Interview mit Felix Hasler - SPIEGEL ONLINE
    Viel Rauch um nichts.
    Würde man eine Computerfestplatte von außen mit einem Flughafen-Scanner scannen.
    Wären die Daten dann sichtbar?
    Die chronischen Krankheiten breiten sich rasant aus.
    Immer mehr Menschen sind davon betroffen.
    Die Medizin kann mittlerweile nur noch Pillen verschreiben und Krankheiten verwalten.
    Nur die Medien werden nicht müde uns neue Bahnbrechende Wunderwaffen zu präsentieren.
  8. #8

    Danke für dieses Buch!

    Der Gipfel der Arroganz in der Neurobiologie besteht für mich in der Behauptung, dass Bewusstsein ausschliesslich das Produkt elektro-chemischer Prozesse im Gehirn sei. Bei dieser Behauptung handelt es sich um eine sogenannte "unproven assumption" für die es nicht einen einzigen hieb- und stichfesten Beweis gibt, aber es wird so argumentiert, als handle es sich um eine längst bewiesene wissenschaftliche Tatsache. Das ist nicht mehr Wissenschaft (Science) sondern Scientism.
  9. #9

    Mythos 100% Humansteuerung

    Als Kommunikations- und Marktforscher sehe ich oft eine ungeheure Magie von Hirnscans bei meinen Marketing-Kunden. Da gibt es auch Interessante Experimente, dazu etwa was im Gehirn passiert, wenn man Cola mit oder ohne Markenlabel sieht. ABER, ABER: sobald ich Kreative inhaltlich und semiotisch unterstützen soll, wie Verbals, welche Visuals in eine Anzeige "arbeiten", geht es nicht ohne das Handwerkszeug der klassischen Emotionsforschung. Wir sind da schnell bei dem guten Herr Wundt aus dem 19. Jhrt. und brauchen die Sprache. Es ist der Mythos, alles an und im Menschen mechanisch steuern zu können, der diesen Neuro-Hype befördert und die neue, spannende, wichtige Disziplin so langfristig diskreditiert, wenn deren Adepten nicht einen PR-Gang runterschalten.