Sind Grimms Märchen für Kinder noch wichtig?

Viele Generationen wuchsen mit den bekanntesten Werken der Brüder Grimm auf, den "Kinder- und Hausmärchen". Keine Frage, dass zu Zeiten, als elterliches oder großelterliches Erzählen noch die wesentliche Informationsquelle des Nachwuchses darstellte, auch die Bedeutung von Märchen und Sagen ungleich höher war. Das ist heute etwas anders: Schon Kinder beherrschen den Umgang mit zeitgenössischen Medien und Inhalten recht gut. Inhalt bleibt natürlich wichtig, aber sind heute Grimms Märchen für Kinder noch wichtig?
  1. #1

    Ja, das sind sie.
    Schließlich wiederholt sich in modernen Erzählungen der Fantasy oftmals das Schema von gut und böse. Durch das verweisen auf diese alten Märchen kann somit ein Zusammenhang auf ältere Darstellungen und damit auf die Geschichte geleistet weden.

    Solange diese (mittelalterlichen) Zustände.... nicht überwunden werden können, soll das Angebot bestehen bleiben, naturalistische und mythologische Parallelen aus den Jahrhunderten wiederzuerkennen.

    Die böse Steifmutter/ der Stiefvater wurde derzeit durch die Patchworkfamilie ersetzt, doch gibt es diese Muster damit nicht mehr?
  2. #2

    Zitat von GinaBe Beitrag anzeigen
    Ja, das sind sie.
    Schließlich wiederholt sich in modernen Erzählungen der Fantasy oftmals das Schema von gut und böse. Durch das verweisen auf diese alten Märchen kann somit ein Zusammenhang auf ältere Darstellungen und damit auf die Geschichte geleistet weden.

    Solange diese (mittelalterlichen) Zustände.... nicht überwunden werden können, soll das Angebot bestehen bleiben, naturalistische und mythologische Parallelen aus den Jahrhunderten wiederzuerkennen.

    Die böse Steifmutter/ der Stiefvater wurde derzeit durch die Patchworkfamilie ersetzt, doch gibt es diese Muster damit nicht mehr?
    Hallo Gina,

    ich halte den Nebeneffekt von Märchen für sehr wichtig, denn Märchen erzählen, kann Begeisterung für Sprache wecken und durch die Diskussion über Märchen das Gefühl für Sprache fördern und den Kontakt zwischen den Familienmitgliedern verstärken.

    Ich musste bis zum 15.-16. Geburtstag den Hort besuchen und weil ich da als so eine Art Kindergartentante mit half, habe ich da den Kleinen vorgelesen und Kasperletheater aufgeführt. Das hat mir viel Spaß gemacht, selbst Eltern haben mich für einen Erzieher gehalten, so dass Alle davon einen Vorteil hatten.

    MfG. Rainer
  3. #3

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Hallo Gina,

    ich halte den Nebeneffekt von Märchen für sehr wichtig, denn Märchen erzählen, kann Begeisterung für Sprache wecken und durch die Diskussion über Märchen das Gefühl für Sprache fördern und den Kontakt zwischen den Familienmitgliedern verstärken.

    Ich musste bis zum 15.-16. Geburtstag den Hort besuchen und weil ich da als so eine Art Kindergartentante mit half, habe ich da den Kleinen vorgelesen und Kasperletheater aufgeführt. Das hat mir viel Spaß gemacht, selbst Eltern haben mich für einen Erzieher gehalten, so dass Alle davon einen Vorteil hatten.

    MfG. Rainer
    Hallo Rainer,
    habe Dich schon lange nicht gesehen! gehst Du nicht mehr ins Cafe`?

    Zurück zum Thema! Sicher transportieren Märchen wie jedes andere Genre auch Sprache und Kultur. Die Frage dahinter ist wohl die, ob es erwünscht ist oder nicht, die auf Religion und Mythen aufgebaute Europäische Ideologie weiterhin weitergeben und somit an die nächste generation vererben zu wollen.

    Für Dich freut es mich im Nachhinein, wie Du als junger Mensch solch schöne Arbeit mit Kindern hast leisten können.
  4. #4

    Sind Grimms Märchen für Kinder noch wichtig?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Generationen wuchsen mit den bekanntesten Werken der Brüder Grimm auf, den "Kinder- und Hausmärchen". Keine Frage, dass zu Zeiten, als elterliches oder großelterliches Erzählen noch die wesentliche Informationsquelle des Nachwuchses darstellte, auch die Bedeutung von Märchen und Sagen ungleich höher war. Das ist heute etwas anders: Schon Kinder beherrschen den Umgang mit zeitgenössischen Medien und Inhalten recht gut. Inhalt bleibt natürlich wichtig, aber sind heute Grimms Märchen für Kinder noch wichtig?
    Auch Grimms Märchen sind für Kinder außerordentlich wichtig. Weshalb wollen wir den Kindern die Fantasie und das Staunen rauben? ich halte Eltern, die ihren Kindern jeden Glauben - auch den an den Weihnachtsmann - unter 6 Jahren rauben für herzlos. Wenn die Kinder eingeschult werden , dann erzählen diese sich schon selbst, was sie glauben oder nicht.
    Aus den Märchen lernt man gut und böse zu unterscheiden und die heutigen Informationsquellen mit zeitgenössischem Unsinn , der oft nur langweilig ist, ist da 2.Sieger. Unsere Großneffen, der eine 11 Jahre alt, der Kleine 6 Jahre alt, haben von uns Märchenbücher geschenkt erhalten und der Kleine ist ganz begeistert und der Große darf, da die Eltern arbeiten, dem Kleinen etwas vorlesen. Es gibt ncihts Schöneres, als wenn das kleine Kind mit großen Augen mir vom Weihnachtsmann erzählt, mit so einer Inbrunst, wie es nur Kinder können. Laßt doch den Kleinen solange es geht, ihre Träume.
  5. #5

    Dreamteam

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Generationen wuchsen mit den bekanntesten Werken der Brüder Grimm auf, den "Kinder- und Hausmärchen". Keine Frage, dass zu Zeiten, als elterliches oder großelterliches Erzählen noch die wesentliche Informationsquelle des Nachwuchses darstellte, auch die Bedeutung von Märchen und Sagen ungleich höher war. Das ist heute etwas anders: Schon Kinder beherrschen den Umgang mit zeitgenössischen Medien und Inhalten recht gut. Inhalt bleibt natürlich wichtig, aber sind heute Grimms Märchen für Kinder noch wichtig?
    Schon der Theologe Eugen Drewermann hat in seinen Arbeiten zum tiefenpsychologischen Inhalt der Bibel und somit zu weiteren Märchen die Wichtigkeit für die gesunde Geistesentwicklung dargestellt/hervorgehoben. Eltern heute haben nun die Mammutaufgabe, den Cyberkids ein ausgewogenes Verhältnis von modernen und tradierten Märchen zu präsentieren, und auf die Ausgewogenheit in diesen Konsum zu achten!
  6. #6

    Grimms Märchen

    Zitat von annemarie5 Beitrag anzeigen
    Aus den Märchen lernt man gut und böse zu unterscheiden und die heutigen Informationsquellen mit zeitgenössischem Unsinn , der oft nur langweilig ist, ist da 2.Sieger.
    Bei einigen Grimmschen Märchen, wie etwa "Von dem Machandelbaum" und "Das Totenhemdchen" oder das "Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen", ist es für mich schon fraglich, ob die Erzählungen bei Kindern eher Ängste hervorrufen, als daß sie eindeutige Wertevorstellungen fürs Leben hinterlassen. Auf jeden Fall läßt sich festhalten, daß in den Grimmschen Märchen fast alles Böse von den Frauen ausgeht.

    Tatsache ist auch, daß Schwarz-Weiß Denkschablonen, die Welt in Gut und Böse einzuteilen, heute erfolgreich von den Medien benutzt werden, um ein primitives Weltverständnis beim Großteil der Bevölkerung zu unterhalten.

    Die Grimmschen Märchen liefern keinen Wertekanon, der geeignet wäre sich in der heutigen Welt zu orientieren. Sie schulen keine systemischen Denkweisen und bilden keine interkulturelle Kompetenz. Das Bild der Frau entspricht dem zur Zeit der Hexenverfolgung.

    Ich halte moderne Märchen, wie etwa Prinzessin Mononoke (aus Japan), oder Momo (von Michael Ende), oder auch Larry Brent - Atomgespenster (Gruselhörspiel für ältere Kinder) für pädagogisch wertvoller.

    Man kann Kindern auch komplexe Sachverhalte einfach vermitteln, so wie hier: Terrorism 101 with Little Jones - YouTube

    Das ist mehr, als die meisten Erwachsenen wissen. ;)

    „Einige Menschen bekamen sogar eine kleine Spiegelscherbe ins Herz, und
    das war am ärgsten; das Herz wurde nämlich einem Eisklumpen gleich.“
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Generationen wuchsen mit den bekanntesten Werken der Brüder Grimm auf, den "Kinder- und Hausmärchen". Keine Frage, dass zu Zeiten, als elterliches oder großelterliches Erzählen noch die wesentliche Informationsquelle des Nachwuchses darstellte, auch die Bedeutung von Märchen und Sagen ungleich höher war. Das ist heute etwas anders: Schon Kinder beherrschen den Umgang mit zeitgenössischen Medien und Inhalten recht gut. Inhalt bleibt natürlich wichtig, aber sind heute Grimms Märchen für Kinder noch wichtig?
    Nein, denn es gibt neue Märchen von großen Siegen.

    PressTV - Militants in Syria recruit children, footage shows
  8. #8

    Zitat von Snedronningen Beitrag anzeigen
    ....Auf jeden Fall läßt sich festhalten, daß in den Grimmschen Märchen fast alles Böse von den Frauen ausgeht.

    Tatsache ist auch, daß Schwarz-Weiß Denkschablonen, die Welt in Gut und Böse einzuteilen, heute erfolgreich von den Medien benutzt werden, um ein primitives Weltverständnis beim Großteil der Bevölkerung zu unterhalten.

    Die Grimmschen Märchen liefern keinen Wertekanon, der geeignet wäre sich in der heutigen Welt zu orientieren. Sie schulen keine systemischen Denkweisen und bilden keine interkulturelle Kompetenz. Das Bild der Frau entspricht dem zur Zeit der Hexenverfolgung.

    Ich halte moderne Märchen, wie etwa Prinzessin Mononoke (aus Japan), oder Momo (von Michael Ende), oder auch Larry Brent - Atomgespenster (Gruselhörspiel für ältere Kinder) für pädagogisch wertvoller.

    Man kann Kindern auch komplexe Sachverhalte einfach vermitteln, so wie hier: Terrorism 101 with Little Jones - YouTube

    Das ist mehr, als die meisten Erwachsenen wissen. ;)

    „Einige Menschen bekamen sogar eine kleine Spiegelscherbe ins Herz, und
    das war am ärgsten; das Herz wurde nämlich einem Eisklumpen gleich.“
    Allerdings IST inhaltlich Kritik wirklich angebracht, inwiefern ideologische Werte transportiert werden, die durch diese Vermittlung weitergereicht werden und sich als Naturgegebenheiten in die jungen Seelen einprägen.

    Das Frauenbild ist die eine Sache, die Vorherrschaft von Monarchie und Adel bei oft bitterer Armut des Volkes die andere.

    Gut, über Mystifikation von Naturwesen und Fantasy wird auch Magie verbreitet, Zauberwelten kreiert, die oft nicht vergleichbar ist mit wahrhaft irdischen Dingen, der sogenannten Realität, doch spiegeln Grimmsche Märchen davon einiges mehr wieder als diese Produktionen.

    Auch in modernen Märchen sind Elemente wiederzufinden, die sich bzgl. Frauen- und Mädchenbild an früheren Zeiten anlehnen, eine selbstbewußte Entwicklung gar nicht in Erwägung ziehen, sondern ein Weibchenbild herstellen, welches sich nach wie vor an die starken Schultern eines Helden lehnen will.

    Pippi Langstrumpf wurde allein deswegen verteufelt, weil die kleine Annika im Nebenhaus sehr angepasst erzogen ist- Klischees aus den 50er Jahren wiederspiegelnd.

    Für diese moderne Welt müssen wohl neue Märchen geschrieben, erfunden werden...
  9. #9

    Grundlagen

    Zitat von GinaBe Beitrag anzeigen
    Allerdings IST inhaltlich Kritik wirklich angebracht, inwiefern ideologische Werte transportiert werden, die durch diese Vermittlung weitergereicht werden und sich als Naturgegebenheiten in die jungen Seelen einprägen.

    Das Frauenbild ist die eine Sache, die Vorherrschaft von Monarchie und Adel bei oft bitterer Armut des Volkes die andere.

    Gut, über Mystifikation von Naturwesen und Fantasy wird auch Magie verbreitet, Zauberwelten kreiert, die oft nicht vergleichbar ist mit wahrhaft irdischen Dingen, der sogenannten Realität, doch spiegeln Grimmsche Märchen davon einiges mehr wieder als diese Produktionen.

    Auch in modernen Märchen sind Elemente wiederzufinden, die sich bzgl. Frauen- und Mädchenbild an früheren Zeiten anlehnen, eine selbstbewußte Entwicklung gar nicht in Erwägung ziehen, sondern ein Weibchenbild herstellen, welches sich nach wie vor an die starken Schultern eines Helden lehnen will.

    Pippi Langstrumpf wurde allein deswegen verteufelt, weil die kleine Annika im Nebenhaus sehr angepasst erzogen ist- Klischees aus den 50er Jahren wiederspiegelnd.

    Für diese moderne Welt müssen wohl neue Märchen geschrieben, erfunden werden...
    Solche "Märchen" wie Matrix, mit einer Trinity, oder eher Solche wie der Herr der Ringe? Die alten Märchen, wie sie die Gebrüder Grimm gesammelt haben, können heute wie klassische Musik betrachtet werden, oder klassische Sprachen. In ihnen eine Ideologie zu vermuten, nach den heutigen Gebräuchen, halte ich als für diese Zeit weit vorbei gedacht. Im 18. Jh. war das Frauenbild eben genau so, und was hält uns davon ab, nach einer Märchenstunde darüber mit den Kindern/Jugendlichen zu diskutieren/vergleichen? Aber das reine Vorlesen dieser Märchen kann auch ganz ohne Hintergrund oder Vorsatz geschehen, einfach weil sie schön sind, fast immer gut enden, und zum Träumen und Phantasieren einladen- das ist weit weg von heutigem Funktionalitätsdrill und Killerspielen, und ganz weit von Orks im IT-Design, realitätsnah wie nie, wie die Filmindustrie immer jubelt. Da braucht sich niemand mehr was vorzustellen, alles wird vorgekaut, und ist angstauslösend, weil im Unterbewusstsein durch die visuelle Darstellung Bezüge zum Heute hergestellt werden. Wollen wir Killer, oder Träumer?