Diplomaten: Im Ausland ein Fürstchen, zu Hause ein Würstchen

CorbisEr wollte in den diplomatischen Dienst - und scheiterte. Nun hilft Ernst von Münchhausen Bewerbern durch die Prüfungen und lästert gern über den Job in der Fremde. Im Interview verrät der Jurist, wie Botschafter die Wahrheit elegant verschweigen. Dazu der Test: Haben Sie das Zeug zum Attaché?

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...-a-872236.html
  1. #40

    Zitat von bicyclerepairmen Beitrag anzeigen
    Das war in der Vorinternetzeit um kein Jota anders.

    War man nicht für bundesdeutsche Aussenhandels Highperformer wie Siemens, Mercedes, Mannesmann-Ferrostaal et.al. unterwegs wurde man aufs höchste blasiert, arrogant und geringschätzig behandelt.
    Übelgelaunter Service, Infomaterial über Land und Leute nicht up to date etc.
    Rasanz kam nur ins Spiel sobald irgendwelche bundespolitischen Papnasen auftauchten oder exquisite Sightseeingtouren für erlebnisshungrige MdB's auf Steuergelder organisiert werden mussten.
    Dann konnte es durchaus sein das zur Mittagspause in den üblichen Shoppingmalls die dort angetroffenen Volontäre und sonstige Assis sich nicht in den Feierabend verabschiedeten und tatsächlich noch eine Nachmittagsschicht einlegten.

    Und ja, ich konnte hervorragend vergleichen, mit meinem dänischen Arbeitskollegen.

    Dort jeden Monat formloser Umtrunk nebst Treffen mit dem Botschafter ( in Hemdsärmeln = shocking ), zeitnah aktualisierte Telefonkette aller im Land lebender Dänen ( Auskunft bei der dt. Botschaft wegen evtl. Pendant unsererseits: SIE haben wohl noch nie etwas vom Datenschutz gehört..) zwecks Erreichbarkeit bei Unfällen, Naturkatastrophen ( Erdbeben, Tsunami etc. wie eingetroffen ) oder politischer Instabilität ( wie eingetroffen ), diverse, durch die Botschaft organisierte Freizeitaktivitäten etc.

    Sorry, mein damaliger, vielleicht auch subjektiver Eindruck, es war ein arroganter, sich selbstüberschätzener Sa...haufen.
    Ja, klar, alles faule Säcke, die mittags Feierabend machen und von nix ne Ahnung haben. So sauer, dass Sie keiner auf ´ne Party eingeladen hat?
    Leute gibt´s....

    BTW: Was sie "Landsleute" betrifft.
    1. Könnte es sein, dass in dem Land, von welchem Sie berichten weniger Dänen als Deutsche lebten-daher die Koordination bei letzteren schwieriger sein dürfte?
    2. Datenschutz-aber hallo! Es EXISTIERT eine Liste von Landsleuten, die in Krisensituationen zu kontaktieren sind -solches haben wohl die Auslandsvertretungen aller Nationen. Nur bei uns ist der Eintrag auf diese Liste freiwillig! Und wer sich nicht meldet, steht da eben nicht drauf. Nix wissen, aber ablästern....
  2. #41

    Peinlich, liebe Redaktion...

    Im Ausland ein Fürstchen, zu Hause ein Würstchen
    Das war schon mal die Überschrift für einen Artikel über Expats in der Wirtschaft.

    Könnt Ihr euch kein Skript mehr leisten, das aktuelle Überschriften mit dem Archiv abgleicht ?
  3. #42

    Mythenspinnerei

    Es ist immer wieder interessant und amüsant zu lesen, wie viel Mythen um einen im Endeffekt "normalen" Beruf gesponnen werden. Sogenannte Diplomaten sind am Ende den Großteil ihres Lebens normale Ministerialbeamte. Das Auswahlverfahren ist hart, hinein schafft man es nur mit einer soliden Grundbildung, einem Mindestmaß an sozialer Kompetenz, ein bisschen Fleiß, und einem ordentlichen Quäntchen Glück. Trotzdem gibt es auch im AA kompetentere und weniger kompetente Menschen. Wie in jedem Unternehmen, in jedem Ministerium, in jeder Institution. Dass "Diplomaten" von den einen derart in den Himmel gelobt werden, und von den anderen verunglimpft werden, kann man sich nur mit Unwissenheit und kindlicher Faszination erklären. Und genau diese Unwissenheit und kindliche Faszination machen es zu einem lukrativen Geschäft Vorbereitungskurse für die Auswahlverfahren anzubieten, und Anekdoten über das Diplomatenleben als Buch zu veröffentlichen. Dabei wird der ganz große Teil der Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes einfach ausgeblendet. Die Ortskräfte, der mittlere und der gehobene Dienst. Ohne diese Menschen könnte ein Deutsche im Ausland kein normales Leben führen. Das wir aber einfach ausgeblendet, um sich ein wenig im Glamour des angeblich so besonderen Diplomatendaseins zu suhlen. Oder man verunglimpft wegen einiger schwarzer Schafe, die mit dem sozialen Prestige des Berufes nicht umgehen können eine ganze Berufsbranche. Im Endeffekt ein ziemlich sinnloser Artikel...
  4. #43

    Zitat von Celestine Trueheart Beitrag anzeigen
    Ja, die gibt es, aber das sind die Ausnahmen. Vielleicht habe ich einfach viel mehr Erfahrung damit als Sie. Ich saß ein paar Jahre mit den Gattinnen der Botschafter in einem Spendenausschuss, welcher darüber entschied, in welchen Einrichtungen.....
    Sie wollen das also auf Basis von ein paar Frauenkontakten pauschalisieren?
  5. #44

    Zitat von Celestine Trueheart Beitrag anzeigen
    Ja, die gibt es. Ich hatte damit nie etwas am Hut. Ich habe mich ausgeklinkt und mein eigenes Ding gemacht. So etwas ist für mich nur Eines: Big *gähn*. Aber Sie scheint das doch ungemein zu interessieren. Vielleicht sind Sie kein guter Beobachter. Oder Sie haben da einfach mitgemacht? Sie sind doch ein Topp-Leistungsträger, nicht wahr? Ich hoffe, dass Sie immer eingeladen sind/waren.

    ;-)))
    Interesse? Nein, ich hinterfrage einfach Ihre Pauschalisierungen. Da ich kaum Kontakt zu "expats" habe, bin ich da auch nicht eingeladen. Da bleibt dann auch mehr Zeit fuer Freunde :-)
  6. #45

    Botschaft Accra hat mir 2 Jahre gestohlen,

    weil sie die Ausgabe eines Visums für meine afrikanische Frau hintertrieb. Nur durch eine Klage konnte sie nach D. kommen. Verstörend war die absolute Willkür, mit der man diesen Leuten ausgeliefert ist, und der dahinterstehende Wunsch, alles abzuwimmeln, von Menschenfreundlichkeit keine Spur.
    In der Botschaft hing ein Plakat mit lachenden Menschen, das zeigen sollte, wie freundlich D. gegenüber Ausländern ist. Es hätte besser darauf stehen sollen: Haut bloß ab, wir wollen euch nicht!
  7. #46

    Zitat von Celestine Trueheart Beitrag anzeigen
    Nun, wir hatten im Ausland auch mit der dänischen Botschaft zu tun. Ich kannte natürlich auch die Finnen. Dort sind genau die gleichen Lackaffen nebst arroganten Gattinnen beheimatet, kein Unterschied. Was erwarten Sie denn von Menschen, die noch mit "Your Excellency" angesprochen werden? Nicht alle besitzen das Format, damit umzugehen.
    So verschieden sind die Erfahrungen. Deswegen schrieb ich ja auch .....subjektiv.

    Meine beiden einzigen ofiziellen Einladungen zum dt. Botschafter, alles sehr formell, ohne damalige Freundin oder Arbeitskollegen ( "Haben Sie nicht die Einladung gelesen !") zum mehrfachen, als undeklarierter Anhang zu den Skandinaviern unterschied sich gewaltig.
    Geändert von ( um Uhr)
    Mit schönen Grüssen aus Hamburg/Barmbek
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  8. #47

    Zitat von wrdlmpfd Beitrag anzeigen
    Ja, klar, alles faule Säcke, die mittags Feierabend machen und von nix ne Ahnung haben. So sauer, dass Sie keiner auf ´ne Party eingeladen hat?
    Leute gibt´s....
    Eben.

    Zitat von wrdlmpfd Beitrag anzeigen
    BTW: Was sie "Landsleute" betrifft.
    1. Könnte es sein, dass in dem Land, von welchem Sie berichten weniger Dänen als Deutsche lebten-daher die Koordination bei letzteren schwieriger sein dürfte?
    Na sicher gab's weniger Dänen, dafür war die Mannstärke bei der dt. Botschaft auch x-mal größer. Das ändert nix an der Tatsache das solche Notfalllisten, Exit-Pläne etc. ..

    Zitat von wrdlmpfd Beitrag anzeigen
    2. Datenschutz-aber hallo! Es EXISTIERT eine Liste von Landsleuten, die in Krisensituationen zu kontaktieren sind -solches haben wohl die Auslandsvertretungen aller Nationen.
    ..bei den Deutschen damals eben nicht vorhanden waren. Man konnte sich nirgendwo eintragen und traf sich zufällig in der Nachbarschaft.. Also, null Liste, Null Möglichkeit zu Kontakten etc. On top deren Geschwafel von Datenschutz.

    Aber als die Jungs mit den Hackmessern auf den Strassen rumliefen und nach Bules und Chinesen suchten ging allen der Kackstift.
    Man war auf so etwas gar nicht vorbereitet.

    Harmloseres Beispiel, einer der Expats baute Nachts einen heftigen Motorradunfall und brauchte dringends Blutspenden. Na, was glauben Sie welche Telefonkette da stand ?

    Zitat von wrdlmpfd Beitrag anzeigen
    Nur bei uns ist der Eintrag auf diese Liste freiwillig! Und wer sich nicht meldet, steht da eben nicht drauf.
    Ach was ? Aber genau deswegen war ich auch beim..

    Zitat von wrdlmpfd Beitrag anzeigen
    Nix wissen, aber ablästern....
    Expat Fussi lieber bei den Rotweißen in der Mannschaft als bei den bundesdeutschen Besserwissern. Da gab es auch zumindest ein ordentliches Bier in der Halbzeit...
    Geändert von ( um Uhr)
    Mit schönen Grüssen aus Hamburg/Barmbek
    falls diese Nachricht ins Forum gelangt
  9. #48

    Schön zu lesen

    Ich möchte an dieser Stelle mal den Kolleginnen und Kollegen danken, die sich mit den Strukturen des AA auskennen und hier versucht haben die Sache mal in das richtige Licht zu bringen. Allen anderen kann ich nur dazu gratulieren auf diesen Artikel einzugehen und einem Tagträumer glauben zu schenken.
    Es ist wie es ist, jede Botschaft, jedes GK ist ein kleines Rathaus für die im Ausland lebenden Deutschen und muß im Gegensatz dazu mit viel weniger Personal mehr Aufgaben bewältigen.
    Die Ausbildung der MitarbeiterInnen ist weit gefächert, um flexibel eingesetzt zu werden.
    So kann ein Sachbearbeiter für Passangelegenheiten auch Visaanträge bearbeiten, was ein Mitarbeiter in einer Kommunalbehörde nicht kann.
    Zumindest bin ich froh, dass es diese Institutionen im Ausland gibt.
    Und was die Visaerteilung zur Familienzusammenführung angeht, so entscheidet nicht die Botschaft, sondern die für den deutschen Wohnsitz zuständige Ausländerbehörde. Hier wird auch wieder alles in einen Topf geworfen und drauf losgeschlagen.
    Aber es ist natürlich einfach den Überbringer einer Nachricht anzumachen, als den Absender.
    Im englischen Sprachraum gibt es da ein schönes Sprichwort zu:
    Don't shoot the messanger
  10. #49

    erschreckendes unwissen

    ...offenbart sich sowohl im artikel als auch in so manchem kommentar. war der herr von und zu denn wirklich mal im praktikum an einer vertretung? bezweifle ich doch sehr.

    die hier so vielgescholtenen sind wohl mit die letzten wirklichen generalisten. am einen dienstort kulturarbeit, am nächsten wirtschaft, am übernächsten konsulararbeit...oder an der kleinvertretung gleich alles auf einmal. das gilt sowohl für den höheren als auch für den gehobenen aD.
    da steht dann z.b. in der konsularabteilung erst jemand mit einem staatsangehörigkeitsproblem, dann kommt jemand zur anmeldung einer geburt, als nächstes ruft eine frau an, deren mann sie mißhandelt ("ich nehme die kinder und fliege nach hause!"), dann kommt ein alter herr mit kz-tätowierung, inzwischen ruft die örtliche polizei an und hat einen deutschen in u-haft genommen, die psychiatrie hat heute zwei deutsche psychisch kranke (die heimgeschafft werden sollen) und auf dem kreuzfahrtschiff im hafen gibt es einen toten, der nach hause gebracht werden soll. dann kommt die ortskraft mit den 400 visa des heutigen tages. zwischendurch eine frage zum jugendaustausch und eine dazu, wie das schulwesen im gastland so ist (denn der sachbearbeiter vertritt gerade auch die kultur-kollegin). und dann noch die übliche kiste mit paßanträgen und die zweite mit den kfz-abmeldungen, ach ja, und da will noch jemand einen erbscheinsantrag beurkunden lassen.

    versuchen sie das mal bei einem einzigen deutschen inlandsbeamten. viel erfolg.

    wie war das: mitleid gibts umsonst, neid muß man sich verdienen?