Leistungsvergleich der Grundschüler: Stoppt den Reformwahn

dapdDeutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-872240.html
  1. #20

    ein bitteres Lachen

    Zitat von keinewerbunginfilmen Beitrag anzeigen
    Seit Jahren stellen wir in der Realschule fest, dass immer mehr Kinder nicht mal richtig ihren Stift halten können, geschweige denn leserlich schreiben; von einer einheitlichen Schreibschrift mal ganz abgesehen.
    Wir müssen außerdem zuerst Grundsätzliches wie Heftführung und Büchereinbinden, einen Tafelanschrieb sauber ins Heft übernehmen, Ordnung in einer Schultasche und auf dem Tisch usw. vermitteln, bevor wir uns überhaupt an weitere "Kompetenzen" begeben können.
    ...
    die sozialen Kompetenzen .... Und die werden also auch ausgebremst? Von mir bestimmt nicht! Denn in den Jahren ist die Förderung dieses Bereichs zu einer meiner Hauptaufgaben geworden.
    ...
    ;D
    Ich lache.
    Einerseits für Sie selbst, denn unter diesen Bedingungen ist das Lehrer-Dasein sicher kein Vergnügen.

    Wenn man Ihren Text liest, dann ist das Lachen über die Beschreibung jener Kinder für die Eltern solcher Kinder aber noch viel bitterer. Denn, was Sie da schreiben, das ist Classic-ADHS. Vielleicht sollten Sie sich mal unbefangen darüber informieren - also nicht medizinische Diagnose-Kriterien studieren, sondern Literatur lesen, in denen sich betroffenen selbst beschreiben, z.B. Eine andere Art, die Welt zu sehen - ADD: Hartmann oder Zwanghaft zerstreut oder Die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein: Hallowell
    Ich bin sicher, alle - Ihre Schüler und vor allem auch Sie selbst - könnten enorm davon profitieren.

    Und wenn Sie Gegner solches Schubladendenkens und Labelings sind. auch ok. Es gibt da eine einfache Regel: In Sachen Emotionalität (Verkraftung von Enttäuschungen, sachliche Kritik als Kritik der eigenen Person empfinden, usw.) sowie Selbstorganisation (Büchertasche, Hausaufgaben, Pünktlichkeit, ...) immer 1/3 ihres Lebensalters abziehen, dann haben Sie ihren Entwicklungsstand. D.h entweder Sie verzichten auf bestimmte Anforderungen - das wäre aber ungerecht gegenüber den anderen - oder aber Sie müssen zusammen mit den Eltern einen Kontrollrahmen im Hintergrund dieses Kindes schaffen, der andere Kinder in dem Alter eher in der Entwicklung ihrer Selbständigkeit stören würde.

    Mit der Schrift ist es schwieriger. Das geht nur an extrem guten Tagen, und selbst da auch nur für wenige Minuten. Für gute Schrift müßten Sie die Eltern das Kind schon medikamentieren lassen. Aber Sie wollen doch sicher nicht die eigene Arbeitserleichterung "gutes leserliches Schriftbild" dadurch erkaufen, dass Sie das Kind unter "Drogen" setzen lassen. Falls Sie entspannter damit umgehen können und mit den Eltern dieser Kinder vorurteilsfrei diskutieren, umso besser.

    Sie können es aber auch so machen, wie so mancher Ihrer Kollegen an den Gymnasien: "So ein Kind gehört nicht auf unsere Schule!" Und schwupp-die-wups fahren Sie es an die Wand. Da wird es sich schon bald so benehmen, dass jeder sieht, dass es in der Tat nicht mehr tragbar ist für diese Schule. Was aus dem Kind wird? "Nicht meine Aufgabe, ich trage an seinem Schicksal keine Schuld."
  2. #21

    optional

    Ich wäre froh, man würde bei uns auch den Reformwahn der Politiker stoppen, alles auch viele gute und bewährte Lehrpläne werden noch vor ihrem richtigen einarbeiten konstant und von oben herab (Lehrministerium) konstant verändert weil man den Spitzenplatz bei Pisa um jeden Fall erhalten will. Das Resultat ist eine landesweite Verunsicherung. Deshalb hoffe ich, dass die Welle des Protestes gegen diese konstanten und oft unnützen aber teuren Veränderungen auch nach Finnland überschwappt. Vielen Dank für ihren Artikel.
  3. #22

    Sie armes Opfer

    Zitat von NorthernOak Beitrag anzeigen
    man gibt ein positives Vorbild an die naechste Generation ab, die ja ich nenne es, Tugenden vorlebt, die in der Regel das kuenftige Leben bestimmen.

    Genauso faerben Negativverhalten ab, vielleicht noch staerker und trueben die Aussichten fuer Nachkoemmlinge es anders als die Eltern oder bei alleinerziehenden, die Mutter, machen zu wollen.
    Durch Fleiss, Disziplin, Ordnung voranzukommen.

    Gleichmacherei auf niederem Niveau erzeugt Vebloedung.
    Bei Ihnen scheint dieses Prinzip schon voll durchgeschlagen zu haben, wenn man Ihre beiden Posts in diesem Thread liest. Vielleicht können Sie ja diesen Satz so umformulieren, dass er vage an Deutsch erinnert: "Genauso faerben Negativverhalten ab, vielleicht noch staerker und trueben die Aussichten fuer Nachkoemmlinge es anders als die Eltern oder bei alleinerziehenden, die Mutter, machen zu wollen.
    Durch Fleiss, Disziplin, Ordnung voranzukommen."

    Außerdem sollten Sie einmal insoweit in der Realität ankommen, dass es auch alleinerziehende Väter gibt.

    Aber als echte nordische Eiche werden Sie sich ja nicht darum kümmern, wenn sich die Wildsau an Ihnen reibt.

    Ich hoffe nur, dass die zunehmende Wildschweinpopulation sich in Zukunft von Ihren braunen Wurzeln ernährt.
  4. #23

    Kinder in der Schule,

    bekommen je nach Umsetzung der Politischen Zukunftsprognosen was den Machtwechsel angeht, automatisch den größten Mist beigebracht und werden in der Schule gezüchtet. Warum ist China und Russland spitze? Weil dort schön in die Köpfe der Kinder gehämmert wird. Hier ist das nicht anders! Schade nur, das man hier den Bezug zur Realität verloren hat. Man spricht die Wahrheit und wird zum Staatsfeind!
  5. #24

    Stellen Sie doch mal Ihre Prioritäten in Frage

    Zitat von keinewerbunginfilmen Beitrag anzeigen
    Seit Jahren stellen wir in der Realschule fest, dass immer mehr Kinder nicht mal richtig ihren Stift (der Füller verschwindet sowieso) halten können, geschweige denn leserlich schreiben; von einer einheitlichen Schreibschrift mal ganz abgesehen.
    Wir müssen außerdem zuerst Grundsätzliches wie Heftführung und Büchereinbinden, einen Tafelanschrieb sauber ins Heft übernehmen, Ordnung in einer Schultasche und auf dem Tisch usw. vermitteln, bevor wir uns überhaupt an weitere "Kompetenzen" begeben können.
    Leserlich schreiben? OK. Einheitliche Schreibschrift? Wozu?

    Heftführung? Ich könnte k...

    Bücher einbinden? Wenn es der Bildung dient, warum nicht (das ist aber wie mit dem Aufstehen vor Gericht, das auch nicht der Wahrheitsfindung dient).

    Ein Ergebnis der Studie, die Gegenstand dieses Artikels ist, ist, dass es nicht genug "Überflieger" in deutschen Grundschulen gibt.

    Das ist auch absolut nicht verwunderlich, wenn die Heft- oder Mappenführung benotet wird und mit 20 bis 30 Prozent in die Gesamtnote eingeht.

    So haben selbst absolute Genies in einem Fach keine Chance auf eine Eins, wenn sie in dieser Beziehung etwas chaotisch sind. Und das ist Schwachsinn!

    "Tafelanschrieb" (Glückwunsch, Sie haben gerade ein neues Wort erfunden) sauber in ein Heft übernehmen? Wozu, wenn man sich diesen Tafelanschrieb auch merken kann?

    Ich habe eine Sauklaue, habe in der Schule und der Uni zusammen keine 5 Seiten freiwillig geschrieben (also nur Tests und Klausuren zwangsweise), bin in der Regel mit einer Plastiktüte ins Gymnasium spaziert und habe mein Abi mit 1,1 und meinen Uniabschluss mit Summa cum laude gemacht.

    Das Problem der Schule ist, dass man viel zu sehr auf die so genannten Sekundärtugenden achtet und die primären Fähigkeiten an den Rand drängt.

    Hauptsache alle schreiben schön!
  6. #25

    Vergleich der Grundaussage

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.

    Iglu und Timss: Kommentar zum Grundschulvergleich - SPIEGEL ONLINE
    Mehrere Jornalisten, mehrere Meinungen, ich muss aber sagen, dass die Süddeutsche die Ergebnisse der Studien ergeblich differenzierter -und vor allem aus meiner Sicht berechtigt- kritischer hinterfragt...

    Leistungsvergleich - Wenn soziale Gerechtigkeit in der Grundschule endet - Bildung - Süddeutsche.de

    Internationale Bildungsstudien - Deutsche Grundschüler lassen nach - Bildung - Süddeutsche.de

    Tricks der Berliner Bildungsbürger - Apartheid an Grundschulen? - Bildung - Süddeutsche.de
  7. #26

    Schulministerien

    Zitat von Tatsache Beitrag anzeigen
    Das würde so einiges erklären! Aber ernsthaft, der Abstand zwischen denen, die vor Ort unterrichten und den geschlosenen Grüppchen in den Kultusministerien, die die Rahmenbedingungen vorgeben ist zu gross geworden. Während der Wende in der DDR habe ich mal ein Plakat gesehen, auf dem stand " Stasi in die Produktion". Es wäre dringend notwendig die Bürokraten aus den Ministerien mal für 4 Wochen an eine Schule zu versetzen. Der ein oder andere würde einem Herzinfarkt erliegen, aber insgesamt hätte der Realitätsschock sicherlich positive Konsequenzen.
    Guter Vorschlag, nur leider nicht umsetzbar. Die wenigsten Mitarbeiter in den Schulministerien verfügen über eine Lehrbefähigung. Auf gut deutsch, in den Ministerien gibt es kaum Lehrer.

    Vieles von dem, was in Schulministerien an Reformen umgesetzt wird, kommt von außen. Maßgeblichen Einfluss auf Veränderungen in der Bildungslandschaft sind auf Überlegungen der Bertelsmann Stiftung zurückzuführen. Für die benötigten Konzepte bedient man sich bei den üblichen Bildungsexperten, die auf Hochstühlen sitzen. Diese gewinnen ihre Erkenntnisse in der regel nicht durch eigene Unterrichtserfahrungen sondern aus Unterrichtsbeobachtungen. Sie werten Filmsequenzen aus realem Unterricht aus. Anschließend werden auf der Grundlage der wissenschaftlichen Untersuchungen dieser Unterrichtssequenzen Metastudien erstellt und ausgewertet.

    Die Ergebnisse solcher Metastudien sind dann die Grundlage für Reformideen, deren erstes Interesse die "effektivere Nutzung" der Ressourcen ist. Das heißt, wie kann durch eine veränderte Unterrichtsorganisation Geld eingespart werden, gleichzeitig die Studierendenquote und das durchschnittliche Notenniveau gerhöht werden, um in den OECD-Rankings besser auszusehen.

    Die notwendigen Referentenentwürfe erstellt die B.-Stiftung. Aufgabe des Schulministeriums ist es ledigglich die beschlossenen Schulgesetzänderungen zu administrieren. Die Umsetzung müssen ohnehin andere machen.
  8. #27

    Einschulungsalter berücksichtigen!

    Warum schneiden die deutschen Schüler bei den Grundschulvergleichen immer recht gut ab, während sie später eher im Mittelfeld landen?

    Ein wesentlicher Grund dafür könnte in den Untersuchungsbedingungen selbst liegen: Bei Iglu werden Viertklässler verglichen. Bei Pisa sind es 15-Jährige.

    Warum ist das problematisch? Weil in Deutschland das Einschulungsalter vergleichsweise hoch ist. Das bedeutet: Die deutschen Viertklässler sind in der Regel etwas älter als die anderen Viertklässler.
    Nehmen wir an, unsere zehnjährigen deutschen Viertklässler spielen gegen neunjährige japanische Viertklässler Fußball. Beide haben vier Jahre Training hinter sich. Wenn die Zehnjährigen dann gewinnen, heißt das nicht zwingend, dass deren Training besser war. Oder?
    Bei PISA kann die späte Einschulung ein Nachteil sein, weil hier 15-Jährige verglichen werden. In anderen Ländern haben diese 15-Jährigen bereits zehn Jahre Training hinter sich. In Deutschland eher nur neun.
    Dass der Autor dies bei seinen gewagten und hochspekulativen Thesen außer Acht lässt, ist schon sehr fahrlässig.
  9. #28

    Entwicklung

    Zitat von bybybonn Beitrag anzeigen
    ... Unsere Gundschulen stehen heute relativ gut da, weil dort schon seit Jahrzehnten Schritt für Schritt und ohne wilde parteipolitische Debatten reformiert wurde, während in den weiterführenden Schulen immer noch ein erheblicher Reformstau besteht, und zwar nicht in Fragen wie 'acht oder neun Jahre?', sondern in der Frage, wie man bei Teenies Lust aufs Lernen weckt oder erhält.
    Natürlich ist es wichtig, den Unterricht interessant zu gestalten, unabhängig von der Altersstufe. Allerdings ist es ein Phänomen, dass in den erfolgreichen Ländern sehr häufig der sog. Drill den Erfolg bringt und nicht die Ausrichtung nach dem Lustprinzip.
    Fragen Sie mal deutsche Teenager danach, was ihnen denn gerade Spaß macht. Eigentlich nichts, was mit Schule zu tun hat. Da kann man sich als Lehrkraft ein Bein ausreißen und es ist trotzdem nicht gut genug. Das hängt einfach damit zusammen, dass für diese Altersgruppe andere Dinge viel wichtiger sind. Und das war auch schon immer so.
    Wenn man überlegt, was früher anders war, kommt man schnell zu dem Schluss, dass der Unterricht sogar viel, viel langweiliger war, aber man das akzeptiert hat, weil man wusste, dass man trotzdem etwas tun musste. Es wurde einem nämlich nicht ständig erzählt, dass Schule Spaß machen muss.
    Deutsche Jugendliche können doch gar nicht anders, als erwarten, dass es im Unterricht danach gehen muss, worauf sie gerade Lust haben.
    Ich frage mich immer wieder, wie ich eigentlich so gut durch die Schule kommen konnte, wo doch von Klasse 7 bis 10 fast alles total öde, blöd und sinnlos war. Wenn es doch danach gehen sollte, was Jugendliche wollen, damit sie auch lernen, dann ist mein Werdegang und der vieler anderer eigentlich ein Wunder.
  10. #29

    Wo ist das Problem?

    Zitat von widower+2 Beitrag anzeigen
    Leserlich schreiben? OK. Einheitliche Schreibschrift? Wozu?
    Heftführung? Ich könnte k...
    Bücher einbinden? Wenn es der Bildung dient, warum nicht (das ist aber wie mit dem Aufstehen vor Gericht, das auch nicht der Wahrheitsfindung dient).
    Ein Ergebnis der Studie, die......
    Sie sind doch trotz der unmöglichen Forderungen an Sie so gut durchgekommen.
    Die wenigsten Lehrkräfte regen sich darüber auf, dass sehr gute Schüler auf die Sekundärtugenden pfeifen. Da wird eher bewundernd darüber gesprochen, dass Schüler XYZ trotz seines "Chaos" so gut ist.
    Sekundärtugenden sind etwas für die meisten anderen, die eben klare Strukturen brauchen.
    Ob man nun Schönschreiben als Bewertungskriterium ansetzen sollte, ist allerdings fraglich. Wichtig ist eigentlich nur, dass andere noch lesen können, was jemand schreibt.