Leistungsvergleich der Grundschüler: Stoppt den Reformwahn

dapdDeutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-872240.html
  1. #10

    Erkenntnisverweigerung

    Die Grundschulen "profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen." Damit ist schon fast Alles gesagt. In keinem Bereich werden Fakten so konsequent ignoriert wie im Bildungswesen. Ich frage mich immer wieder, ob das von verklärten Sozialromantikern verursacht wird, oder ob Leute am Werke sind, die uns unseren einzigen "Rohstoff" zerstören wollen. Da wir keine Bodenschätze haben, sind unsere gut Ausgebildeten Kinder und spätere Erwachsene, das Einzige, das unseren Lebensstandard erhalten kann. Wenn man Deutschland wirklich Schaden zufügen wollte, müsste man nur die "Bildungs"-Politik wie in den letzten dreißig Jahren weiter betreiben. Kein feindlicher Geheimdienst kann bei uns größeren Schaden anrichten.
  2. #11

    gleiches Horn

    Zitat von dilithiumschrubber Beitrag anzeigen
    Die Grundschulen sind nicht trotz der Reformen erfolgreich, sondern gerade wegen der Reformen.
    Sie sind wegen der Reformen gut, sie sind trotz der Reformen gut, sie sind unabhängig von Reformen gut. Alles Unsinn.
    Sie sind gut. Unsinn.
    Sie sind schlecht. Unsinn.

    Die Studie sagt, dass die Schüler in den gemessenen Leistungen im Schnitt im Vergleich zu den Kindern in anderen Ländern relativ gut sind.

    Und sonst NICHTS.

    Also interpretieren Sie, egal von welcher Seite, Ihre Ansichten nicht in die Studie hinein. Haben Sie Ansichten, diskutieren Sie - aber missbrauchen Sie dazu die Studie nicht. Als Wissenschaftler muss man ja verzweifeln, wenn man das liest.
    Aber der Autor des Artikels hat schliesslich auf Niveaunulllevel angefangen.
  3. #12

    Sehr richtig

    Zitat von zila Beitrag anzeigen
    In Nordamerika spielt der Wohnbezirk fuer die oeffentliche Elementary School (Grundschule) eine entscheidende Rolle. Man hat hier ueber offizielle Rankings recht gute Moeglichkeiten, das Leistungsniveau der meisten Schulen ueber Jahre hinweg im Vergleich etwa einer Provinz zu verfolgen.
    Natuerlich kann ein engagierter Lehrer selbst an einer schlechten Schule trotzdem fuer individuelle Kinder sehr foerderlich sein, aber die Rankings sind schon ein starker Indikator. Zusammen mit den Rankings kann man sich auch demographische Daten ueber die Eltern und Schueler einer Schule ansehen, etwa durchschnittliches Familieneinkommen. Die Kaufentscheidung fuer ein Haus basiert oft auf dem Ruf der Schule, und wer da als Kaeufer nicht seine Hausaufgaben gemacht hat erlebt mitunter ein boeses Erwachen.

    Spannend wird es, wenn in zwei Jahren die ersten kanadischen Kinder in Ontario mit Full Day Kindergarten an solchen Tests teilnehmen - die sind dann theoretisch zwei Schuljahre weiter als deutsche (oder englische) Grundschueler.
    habe dem nichts hinzuzufügen!
  4. #13

    ...

    Uninteressante Statistiken. Die führenden Länder - vor allem in Asien - haben kaum nennenswerte Einwanderung und daher auch keine der Sprache nicht mächtigen Schulversager in 2 oder 3 Generation.

    Entsprechende Aufschlüsselungen zu PISA in Deutschland liegen ja bereits vor, selbst der Vorsitzende des Philologenverbandes hat sich mal entsprechend geäußert. Kann ja auch jeder täglich in der U-Bahn oder auf den Straßen deutscher Städte hören.

    Sowas gibt es beispielsweise in Japan, Korea, HK oder Taiwan einfach nicht. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Schulabgänger dort definitiv nicht gebildeter oder irgendwie kompetenter sind als deutsche oder britische. Die Schwerpunkte sind anders, das wars. Und es fehlt der oben beschriebene, chancenlose Bodensatz.
    Eigentlich ein Witz, was dahingehend ordnungspolitisch seit Jahrzehnten bei uns abläuft.
  5. #14

    Von wegen keine Reformen...

    Ich spreche mal für NRW und die letzten 7 Jahre:
    - Auflösung des Schulkindergartens
    - Vorgezogenes Einschulungsalter (DANKE FDP für diesen Riesenmist!)
    - Neue Richtlinien und Lehrpläne mit verbindlichen Bildungsstandards
    - Neue Arbeitspläne in den Schulen
    - Englisch in der Grundschule, mittlerweile ab Klasse 1
    - Jahrgangsübergreifendes Lernen
    - Inklusion! Hurra, wir kommen!
    - an der Notengebung wird immer wieder rumreformiert, zum Glück steht es momentan wieder ziemlich frei, wann man sie geben will.

    Die Grundschulen sind bereits seit Jahrzehnten die pädagogischen Think-Tanks der Republik und außerdem die Reformversuchskaninchen schlechthin.
    Erst seit G-8 hat sich auch an den weiterführenden Schulen was getan - natürlich zum Schlechteren.

    Ansonsten interessiert viele herzlich wenig, wie z.B. an den Grundschulen Englisch gelernt wird. Dann wird am Gymnasium erstmal ein Vokabeltest geschrieben, der sich gewaschen hat, damit die Kids merken: Ihr könnt gar nix!! So ein Mist.

    Bildungschancen:
    Es ist halt so: Wenn die Eltern sich kümmern (und zwar sobald das Kind geboren ist), läuft es gut, wenn nicht, dann nicht.
    Pflichtdeutschkurse und Erziehungskurse für Eltern wären ein probates Mittel, um den Schulen mehr beschulbare Kinder zuzuführen.

    Der Autor hat ebenfalls nichts von der Freiheit der Wahl der Schule mitbekommen. Die soziale Auslese startet - wenn möglich - also natürlich bereits in der GS. Lieber fahr ich mein Kind 5 km durch die Stadt als es zur Brennpunktschule um die Ecke zu schicken.

    Längeres gemeinsames Lernen?
    Wurde in Niedersachsen abgeschafft, soll in NRW womöglich bald als neues Wundermittel wiederkommen.
    Ergebnis: Die Starken verlernen das Lernen, weil sie immer auf die Schwachen warten müssen.

    Inklusion:
    Die Politker freuen sich natürlich über die Steilvorlage der UNO zum Geldsparen:
    Wir schließen die teuren Förderschulen und packen die Kinder einfach alle in die Grundschulen, die werden da schon irgendwie mit fertig.

    Bisher sind wir auch mit fast allem fertig geworden.

    Aber bald macht es WIRKLICH keinen Spaß mehr.
  6. #15

    Dass ich nicht lache ...!

    Zitat von dilithiumschrubber Beitrag anzeigen
    An den Grundschulen soll es beschaulich zugehen? Gerade in diesem Bereich wurde in den letzten Jahren reformiert, ...
    Die Grundschulen sind nicht trotz der Reformen erfolgreich, sondern gerade wegen der Reformen. Leider bewegt sich an den weiterführenden Schulen nicht genug, viele erworbene Kompetenzen liegen nach der 4.Klasse brach. Daher ist es auch kein Wunder, dass die PISA-Ergebnisse stagnieren.
    ... Erworbene Kompetenzen lägen brach, behaupten Sie?
    Welche sollten das denn sein?
    Seit Jahren stellen wir in der Realschule fest, dass immer mehr Kinder nicht mal richtig ihren Stift (der Füller verschwindet sowieso) halten können, geschweige denn leserlich schreiben; von einer einheitlichen Schreibschrift mal ganz abgesehen.
    Wir müssen außerdem zuerst Grundsätzliches wie Heftführung und Büchereinbinden, einen Tafelanschrieb sauber ins Heft übernehmen, Ordnung in einer Schultasche und auf dem Tisch usw. vermitteln, bevor wir uns überhaupt an weitere "Kompetenzen" begeben können.
    Dieses unsägliche "in Englisch durften wir die Wörter schreiben, wie wir wollten" raubt uns zusätzlich Nerven, und die Kinder werden in ihrer Motivation für dieses Fach gebremst, weil es ja jetzt nicht mehr so viel Spaß macht, wenn plötzlich so viele Fehler ins Spiel kommen.
    Habe meine 4 weiteren Beispiele in anderen Fächern gelöscht, die ebenfalls nur das Gleiche zeigen: In der weiterführenden Schule findet in Klasse 5 als erstes eine Aufholjagd statt, die keinem viel Spaß macht.
    Und mit dem Wegfall der Grundschulempfehlungen ist ja jetzt die Heterogenität in der einzelnen Klasse noch gestiegen.
    Da kann mir keiner erzählen, dass es das Niveau hebt, wenn die besseren Schüler jetzt noch mehr und noch länger den schlechteren helfen "dürfen".
    Meine Erfahrung ist eine andere.

    Und bei meinen ganzen Ausführungen habe ich mit noch keinem Wort die sozialen Kompetenzen erwähnt. Und die werden also auch ausgebremst? Von mir bestimmt nicht! Denn in den Jahren ist die Förderung dieses Bereichs zu einer meiner Hauptaufgaben geworden.

    Aber vielleicht sagen Sie mir, in welcher Grundschule die Kompetenzen so gefestigt sind, vielleicht lasse ich mich mal in die nächste RS bei Ihnen versetzen.
    Und versprochen: Kompetenzen liegen bei mir nicht brach.
    ;D
    Ich lache.
  7. #16

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.

    Iglu und Timss: Kommentar zum Grundschulvergleich - SPIEGEL ONLINE
    Der Vorteil von Grundschulen kommt doch nur dann zum tragen, wenn die Schule auf dem Land liegt und dementsprechend kleinere Schülerzahlen hat. Da Grundschullehrer auch noch günstiger sind als z.B. Gymnasiallehrer sind Politiker auch hier eher bereit kleine Klassen zu akzeptieren.
    Dann noch die bessere Vernetzung mit den Eltern, ohne die üblichen Reibungspunkte (Noten können bequemer angepasst werden und in dem Alter geiern Eltern noch nicht nach dem 1,0 Abi fürs Medizinstudium) und nicht zu vergessen, der Unterricht ist nach der 4 Stunde (maximal) zu Ende. Viel Zeit also um Backen, Basteln und Ausflüge vorzubereiten.
    Hinzu kommt dann noch natürlich der Umstand, dass in der Grundschule internationale Vergleichstests noch eher möglich sind. Da muss noch nicht über das Klonen, vom ethischen und biologischen Standpunkt aus, diskutiert werden. Da reichen noch Grundkenntnisse in Mathe und Deutsch.

    Ganz anders an den folgenden Schulen. PISA hat den Deutschen eingeredet, dass ihre Schulen "enorm" schlecht sind und damit natürlich genau den Nerv einer jeder Mutter getroffen, die der felsenfesten Überzeugung ist, dass ihr Sohn eigentlich ein Einstein ist, wäre da nicht der inkompetente Lehrer.
    Anstatt jetzt zu überlegen, dass wir zu Zeiten von Tafelunterricht und "mein-Pult-ist-mein-Schild"-Pädagogik noch als Ingenieursnation betitelt wurden, dass in den ersten PISA Tests noch Aufgaben vorkamen, die nie in der Tiefe (wenn überhaupt) im Curriculum festgeschrieben waren und das das PISA-Konsortium mittlerweile nur noch die Ergebnisse veröffentlicht aber nicht die Aufgaben, haben es sich unsere Bildungspolitiker natürlich nicht nehmen lassen, in den Zug einzusteigen und auf dem Rücken der Lehrer Wahlkampf zu machen.

    Dann gibt es natürlich die anderen Politiker, die sich zwar nie für Bildung interessiert haben aber für jede Einsparung dankbar sind (denn Leistung muss sich ja bekanntlich wieder lohnen). Die finden es super wenn die teueren Förderschulen abgeschafft werden und die behinderten Kinder ab der 10. Klasse zwangsgeheilt sind von jeglichen Ansprüchen gegenüber dem Staat.

    Unterstützt werden natürlich alle von einer Horde von Erziehungswissenschaftlern, die zwar selber zugeben, dass empirische Befunde schwierig sind und alle bisherigen Pädagogiken rein normativ Begründet sind aber trotzdem felsenfest der Meinung sind IHR Modell (Inklusion, partizipativer Unterricht, Gemeinsame Schule usw.) würde die Probleme lösen.
    Wahrscheinlich sind das ebenfalls alles Eltern von kleinen Einsteins, die den Welthunger lösen könnten, wenn da nicht der inkompetente Lehrer wäre...
  8. #17

    Amokläufer

    Solange die "Verantwortlichen" in den Kultusministerien ihren Ideologiewahn weiterhin ungebremst ausleben dürfen, wird sich alles ungebremst verschlechtern. In NRW kommt jetzt wieder mal eine Neuordnung für die Berufskollegs, über die jeder erfahrene Pädagoge fassungslos den Kopf schüttelt. In meinem Hörsaal stand auf einem Tisch der Spruch "Realität ist etwas für Leute, die nicht mit Drogen umgehen können". Die Tatsache, dass die Realität von der Politik im Bereich Schule vollständig ignoriert wird, lässt mich vermuten ..... .
    Das würde so einiges erklären! Aber ernsthaft, der Abstand zwischen denen, die vor Ort unterrichten und den geschlosenen Grüppchen in den Kultusministerien, die die Rahmenbedingungen vorgeben ist zu gross geworden. Während der Wende in der DDR habe ich mal ein Plakat gesehen, auf dem stand " Stasi in die Produktion". Es wäre dringend notwendig die Bürokraten aus den Ministerien mal für 4 Wochen an eine Schule zu versetzen. Der ein oder andere würde einem Herzinfarkt erliegen, aber insgesamt hätte der Realitätsschock sicherlich positive Konsequenzen.
  9. #18

    hauptsache was gesagt

    bischen beliebig was hier geäußert wird in dem artikel. wer was mit pädagogik zu tun hat, fragt sich hier ob das motto war "einfach mal was gesagt"?
    eine qualifizierte auseinandersetzung mit der thematik sieht anders aus. das die trennung in der vierten klasse gesellschaftliche brüche erzeugt ist das eine, das nur in der schule die möglichkeit besteht gesellschaftliche brüche noch recht einfach zu flicken das andere.
  10. #19

    Verwunderlich

    Mich erstaunt zweierlei:
    Das man es in Dtld mittlerweile für ein gutes Ergebnis hält, wenn unsere Grundschüler etwa im Lesen nicht nur hinter Finnland, Singapur und Hongkong liegen, also Ländern die in PISA auch immer weit vor uns stehen, sondern auch schlechter abschneiden als Kroaten oder Russen. Aber es mag ja ein Vorurteil sein, wenn ich das Schulsystem der letztgenannten Länder nicht sonderlich hoch eingeschätzt habe.

    Vor allem aber verwundert mich der Schluss, die Grundschule sei 'so gut' weil wenig reformiert worden wäre. Wenn ich heutige Grundschulen betrachte, wird dort völlig anders gearbeitet als zu meiner Schulzeit. Vor allem im grundlegenden pädagogischen Ansatz. Nur eben nicht erst seit gestern.
    Betrachte ich hingegen etwa Gymnasien, kann ich weit weniger entscheidende Unterschiede entdecken.
    Ich bin kein Freund jeder am Gymnasium versuchten Reform, aber meine Gegenthese lautet:
    Unsere Gundschulen stehen heute relativ gut da, weil dort schon seit Jahrzehnten Schritt für Schritt und ohne wilde parteipolitische Debatten reformiert wurde, während in den weiterführenden Schulen immer noch ein erheblicher Reformstau besteht, und zwar nicht in Fragen wie 'acht oder neun Jahre?', sondern in der Frage, wie man bei Teenies Lust aufs Lernen weckt oder erhält.