Leistungsvergleich der Grundschüler: Stoppt den Reformwahn

dapdDeutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-872240.html
  1. #1

    Schüler aus Arbeiter und Akademikerhaushalten

    werden laut dem Bericht in der Grundschule gemeinsam unterrichtet. Die Behauptung kann jedoch nur für den ländlichen Raum gelten! Dank der fortschreitenden Gentrifizierung der urbanen Lebensräume sitzen Kevin und Justin nur selten neben Alexander und Marie.
  2. #2

    Unbezahlte Sozialarbeiter?

    "Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter."

    Der Autor sollte nicht von etwas schreiben, von dem er nichts versteht. Alle Studien in diese Richtung bestätigen, dass gerade die "Besseren" von einem solchen Schülerhelfersystem profitieren!





    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.

    Iglu und Timss: Kommentar zum Grundschulvergleich - SPIEGEL ONLINE
  3. #3

    Ich erinnere mich gerne an meine Schulzeit in der DDR. Wir waren 26 Schüler in der Klasse. Die Lehrer hatten 22 Stunden wöchentlich (zzgl. 2 variabler h) zu leisten. Im September d. J. wurden in Greifswald 30,4 Schüler pro Klasse eingeschult. Die Lehrer müssen 27 h/Woche rackern. Es naht aber Hoffnung: Der Minister hat reformiert. So gründlich, daß die Lehrer bald weniger arbeiten müssen. Die Linke hat`s ausgerechnet: Im Durchschnitt 9 Minuten/Woche.
  4. #4

    optional

    weil hier Kinder aus Arbeiter- und Akademikerfamilien oft noch gemeinsam lernen.
    Dieser Faktor gehört sicherlich genannt. Und zwar weil er viel zu selten genannt wird. Solange "Arbeiterfamilienkinder" ihr soziales aber auch ihr Lernverhalten von - im Schnitt schlechteren - "Arbeiterfamilienkindern" abschauen, wird es schwierig diese Diskrepanz zu lösen. Allerdings würde ich mein Kind wohl auch lieber auf die bezahlte Privatschule schicken, in der Hoffnung dass es dort eine bessere Bildung erfährt. Und damit bin ich einer von denen der eine Zweiklassengesellschaft in puncto Lernverhalten noch befeuert. Was also tun? Was muss ich tun um mich davon zu überzeugen, dass alle Kinder die gleichen Chancen benötigen, was logisch auch zu gleicher Schulbildung führt? Oder sollte ich es eher so sehen, Arbeiterfamilienkind hat eh schon verschi**en, weil es nie die Möglichkeiten eines Mittelstandkindes erfahren wird? (Gemäß dem Motto: da der Pöbel im Schnitt Pöbel bleibt, brauch ich ihm nicht im gleichen Maße zum Akademiker verhelfen, wie Kindern einer höheren sozialen Stufe?) Aber da der Mittelstand schwindet und die Einkommensschere immer größer wird, fallen die Top 100 sowieso früher oder später eh aus solchen Test (Dank privatem Unterricht, Auslandsinternat, etc.) und man hat nur noch eine Grundmasse. Hurra, hat die Zeit wieder meine Probleme gelöst.
  5. #5

    Sozialpolitik auf dem Rücken der Kinder

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    [...] Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter. [...]

    Iglu und Timss: Kommentar zum Grundschulvergleich - SPIEGEL ONLINE
    Ich stelle mir vor, dass mein Kind, welches vielleicht einfach nur in der Schule gut ist, irgendwelche schlecht erzogenen Rotzlöffel mit nach oben ziehen soll, weil deren Eltern auf ganzer Linie versagen oder das Geld für wichtigere Dinge ausgeben, z.B. für Zigaretten oder den nächsten iPad. Das ist Sozialpolitik auf dem Rücken der Kinder, weil die Erwachsenen einfach zu feige sind, ihre Aufgabe als Erzieher zu Hause und in der Schule nachzukommen. Wenn ich sehe, was auf unseren Schulen los ist, kommt mir das Grauen. Die Gleichmacher an allen Fronten sorgen für gleichen Niveau, wenn auch ganz unten. Bei uns wurde das Problem Hauptschule gelöst, indem sie einfach abgeschafft wurde, als wären die Arbeitgeber blöd und könnten ein schlechtes Zeugnis von der Sekundarschule von einem schlechten Zeugnis von der Hauptschule nicht unterscheiden, als würden lernresistente junge Leute bei einem Einstellungstest nicht genauso versagen, wie vorher auch.

    Bei dem Thema wird mir schlecht.
  6. #6

    Beschaulich?

    An den Grundschulen soll es beschaulich zugehen? Gerade in diesem Bereich wurde in den letzten Jahren reformiert, was das Papier hergibt. Neue Bildungs-und Erziehungspläne, Kompetenzorientierung statt Lernzielen, Lesekonzepte, schuleigene Curricula und und und... Die Grundschulen sind nicht trotz der Reformen erfolgreich, sondern gerade wegen der Reformen. Leider bewegt sich an den weiterführenden Schulen nicht genug, viele erworbene Kompetenzen liegen nach der 4.Klasse brach. Daher ist es auch kein Wunder, dass die PISA-Ergebnisse stagnieren.
  7. #7

    Na klar doch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Jene Schulform also, die Deutschlands Schulpolitiker kaum angetastet haben. Und die gerade deshalb recht gut funktioniert.
    Weshalb aufwändige wissenschaftliche Untersuchungen treiben, wenn der Autor ja schon die Gründe kennt. Gerade weil die Schulpolitiker die Grundschule kaum antasten funktioniert sie gut. Aha. Der Nächste schreibt "obwohl...", der Übernächste "unabhängig davon," dann fordert der Erste, gar nicht mehr zu steuern, der Zweite, intensiver zu steuern, und der Dritte zuckt mit den Schultern.
    Diese Rankings haben zunächst NICHT den Zweck, etwas über Ursachen herauszufinden, und es ist unredliche Kaffeesatzleserei, diese hineinzudeuteln.
    Oder: that's only data, stupid
    Daten, über die man sich aber auch gerne mal freuen darf.
  8. #8

    Inklusion und das liebe Geld

    Richtig! Sie erwähnen, dass Inklusion, sinnvoll und für alle Beteiligten bereichernd, nur dann erfolgreich sein kann, wenn die entsprechenden personellen und materiellen Ressourcen von den Politikern hierfür zur Verfügung gestellt werden. Wir erleben aber jetzt schon, dass immer mehr behinderte Kinder (körperlich, geistig oder auch deutlich entwicklungsverzögert oder schwer verhaltensauffällig und erziehungsschwierig) in den normalen Regelschulen unterrichtet werden, ohne dass hierfür allerdings zusätzliches Personal in Form von Sonderpädagogen eingestellt würden. Die Schulleitungen können zwar diese Fachkräfte anfordern, andererseits wird dafür aber aufgrund des feststehenden Personalschlüssels eine Lehrkraft abgezogen! Diesen Weg schlagen natürlich viele Schulleiter, die ihr jetzt schon aufopferungsvoll arbeitendes Kollegium zusammen halten wollen nicht ein.
    Will sagen: Die Inklusion wird jetzt schon ohne zusätzliche Investitionen vollzogen, die Politiker werden später sagen, dass es ja auch ohne zusätzliches Geld geht - und die vorhandenen Lehrkräfte gehen "auf dem Zahnfleisch" und werden ausgepresst wie die Zitronen.
    Da die Lehrkräfte auch in diesem Zusammenhang nichts weiter als Spielball der Gesellschaft und Politiker sind, kann man ihnen in Zukunft nur wünschen, ohne gesundheitlich Schaden zu nehmen einigermaßen gut durchzuhalten und sich ein dickes Fell anzuschaffen.
  9. #9

    In Nordamerika spielt der Wohnbezirk fuer die oeffentliche Elementary School (Grundschule) eine entscheidende Rolle. Man hat hier ueber offizielle Rankings recht gute Moeglichkeiten, das Leistungsniveau der meisten Schulen ueber Jahre hinweg im Vergleich etwa einer Provinz zu verfolgen.
    Natuerlich kann ein engagierter Lehrer selbst an einer schlechten Schule trotzdem fuer individuelle Kinder sehr foerderlich sein, aber die Rankings sind schon ein starker Indikator. Zusammen mit den Rankings kann man sich auch demographische Daten ueber die Eltern und Schueler einer Schule ansehen, etwa durchschnittliches Familieneinkommen. Die Kaufentscheidung fuer ein Haus basiert oft auf dem Ruf der Schule, und wer da als Kaeufer nicht seine Hausaufgaben gemacht hat erlebt mitunter ein boeses Erwachen.

    => Es gibt eindeutige Zusammenhaenge: je hoeher das Familieneinkommen desto besser die Schule, man muss lange Suchen, um eindeutige Ausnahmen von dieser Regel zu finden.
    Andere Faktoren wie Migrationshintergrund sind eng mit dem Familieneinkommen verflochten. Es ist irgendwie interessant, wenn man als Migrant darauf achtet, dass moeglichst nicht zuviele Kinder mit (starkem) Migrationshintergrund in die Schule des eigenen Kindes gehen.
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    Spannend wird es, wenn in zwei Jahren die ersten kanadischen Kinder in Ontario mit Full Day Kindergarten an solchen Tests teilnehmen - die sind dann theoretisch zwei Schuljahre weiter als deutsche (oder englische) Grundschueler.