Entwicklungshilfe im Wandel: Welt-Verbesserung für Profis

Viele wollen querweltein Gutes tun, aber pro Jahr werden nur gut 100 deutsche Entwicklungshelfer gesucht. Westliche Organisationen stehen vor einem Umbruch. Olga Almqvist, 28, arbeitet für die Welthungerhilfe in Haiti, Bernhard Meier zu Biesen seit vier Jahrzehnten in Afrika.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...-a-872097.html
  1. #1

    Umgekehrter Schuh

    "Seine Entwicklungshilfe-Organisation hat zum Ziel, sich selbst überflüssig zu machen - wenn der Hunger besiegt ist, braucht es keine Welthungerhilfe mehr."

    So wie ich "Hilfs"organisationen kennengelernt habe, ist das genaue Gegenteil der Fall, auch wenn nach außen hin natürlich das Gegenteil behauptet wird.
    Menschen möglichst abhängig von einem, sich selbst unverzichtbar machen, immer mehr Geld verlangen.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele wollen querweltein Gutes tun, aber pro Jahr werden nur gut 100 deutsche Entwicklungshelfer gesucht. Westliche Organisationen stehen vor einem Umbruch. Olga Almqvist, 28, arbeitet für die Welthungerhilfe in Haiti, Bernhard Meier zu Biesen seit vier Jahrzehnten in Afrika.

    Weltverbesserer: Berufseinstieg für junge Entwicklungshelfer - SPIEGEL ONLINE
    Ich wundere mich schon etwas, daß über das Thema überhaupt berichtet wird. Man bekommt dieser Tage jede Menge Aufrufe, zu helfen. Die einzige Art der Hilfe, die erwünscht ist, besteht aus Geldspenden. Wenn man auf andere Art helfen will, ist dies leider nicht möglich. Der Artikel sagt es klar und deutlich: ohne Beziehungen keine Aufnahme in den Elitenklub, und wenn man noch so 'qualifiziert' ist.
  3. #3

    Die Kolonien werden entwickelt

    Zitat von matthias_b. Beitrag anzeigen
    "Seine Entwicklungshilfe-Organisation hat zum Ziel, sich selbst überflüssig zu machen - wenn der Hunger besiegt ist, braucht es keine Welthungerhilfe mehr."

    So wie ich "Hilfs"organisationen kennengelernt habe, ist das genaue Gegenteil der Fall, auch wenn nach außen hin natürlich das Gegenteil behauptet wird.
    Menschen möglichst abhängig von einem, sich selbst unverzichtbar machen, immer mehr Geld verlangen.
    Es wäre ein leichtes einheimische Entwicklungshelfer anzustellen. Das Gehalt würde dem des Landes entsprechen. Kindermädchen, Küchenhilfe, Chauffeur und Dinstwagen entfallen.
    Und vor allem: Es wäre der Anfang zur echten Selbständigkeit.
    Und wie sieht die Realität aus?
    "Experten" aus dem deutschen Wohnzimmer werden rekrutiert. Deutsches "High Tech" verwendet.
    Das Wissen von "Entwicklungshilfe" wird dominiert von Theoretikern der ersten Welten.
    Mein Rat: Kein Geld mehr für diesen Unsinn.
  4. #4

    Weltbevölkerung

    1,5 MRD Menschen als mein Großvater geboren wurde
    2,2 MRD Menschen als mein Vater geboren wurde
    4 MRD Menschen als ich geboren wurde
    7 MRD Menschen als mein Sohn geboren wurde

    Bin mal gespannt wie viele Menschen es gibt wenn ich einen Enkel bekomme und wie die Welt dann aussieht. Das ist das Problem die Entwicklungshilfe mäkelt ein bisschen an den Symptomen rum damit sich die Gutmenschen Gut fühlen können...
  5. #5

    Der unterschied

    ....zwischen staatlicher (bi-) lateraler HIlfe wie durch GIZ, UN etc ist, dass diese sich in der Tat als Zielsetzung von HILFE ZUR SELBSTHILFE verabschiedet haben und sich a.) für ihren überteuerten Aufwand (>75% der Kosten von UN Programmen geht an UN und Mitarbeiter selbst) legitimieren wollen oder b.) zur Spielwiese und Reisedienst von Politikwissenschaftlern und Soziologen wurden (bar jeglicher Fachlichkeit, verlängerter Arm der STIFTUNGEN), die meinen durch Studytours mit Repräsentanten korrupter lokaler Eliten Weltpoltik zu betreiben. In der Tat bewirken diese nichts.
    NGOs wie Welthungerhilfe dagegen, arbeiten noch vor Ort, teilweise mit Projektitis aber immer und teilweise schaffen wenigstens regional Strukturen.
    Stoppt den staatlichen UNSINN!
    Zitat von matthias_b. Beitrag anzeigen
    "Seine Entwicklungshilfe-Organisation hat zum Ziel, sich selbst überflüssig zu machen - wenn der Hunger besiegt ist, braucht es keine Welthungerhilfe mehr."

    So wie ich "Hilfs"organisationen kennengelernt habe, ist das genaue Gegenteil der Fall, auch wenn nach außen hin natürlich das Gegenteil behauptet wird.
    Menschen möglichst abhängig von einem, sich selbst unverzichtbar machen, immer mehr Geld verlangen.
  6. #6

    Es muss sich was bei der "entwicklungshilfe" ändern

    Zitat von fritzkraut Beitrag anzeigen
    Der Unterschied ....zwischen staatlicher (bi-) lateraler HIlfe wie durch GIZ, UN etc ist, dass diese sich in der Tat als Zielsetzung von HILFE ZUR SELBSTHILFE verabschiedet haben …
    Das stimmt nicht. Das war nie das Ziel dieser Organisationen. Der Ansatz ist aber geeignet, eine „Erfolgsmessung“ einzuführen. Denn zu Zeiten, als die „rote Heidi“ das Entwicklungshilfeministerium leitete, galt als Erfolg, wenn das kameralistische Prinzip abgearbeitet war: alles Geld wurde im vorgegebenen Zeitfenster ausgegeben. Wie auch immer.
    Zitat von fritzkraut Beitrag anzeigen
    die meisten staatlichen Hilfsorganisationen … a.) für ihren überteuerten Aufwand (>75% der Kosten von UN Programmen geht an UN und Mitarbeiter selbst) legitimieren wollen …
    Das stimmt – aber vor allem bei Ländern der westlichen Welt, mit Ausnahme der Schweiz und Kanada. Asiatische Länder legen Wert auf nachhaltige Hilfe mit Blick auf den ROI.
    Zitat von fritzkraut Beitrag anzeigen
    .... in vielen Fällen ist die „Hilfe" verkommen … b.) zur Spielwiese und Reisedienst von Politikwissenschaftlern und Soziologen … (bar jeglicher Fachlichkeit, verlängerter Arm der STIFTUNGEN), die meinen durch Studytours mit Repräsentanten korrupter lokaler Eliten Weltpoltik zu betreiben. In der Tat bewirken diese nichts. …
    Das trifft leider 100% zu.
    Zitat von fritzkraut Beitrag anzeigen
    NGOs wie Welthungerhilfe dagegen, arbeiten noch vor Ort, teilweise mit Projektitis aber immer und teilweise schaffen wenigstens regional Strukturen. …
    Auch das ist eine höfliche Umschreibung für den laufenden Unsinn.
    Man muss keine Zyniker sein, um sich über die Aktivitäten der Asiaten – allen voran die Chinesen und Koreaner – zu freuen. Sie bauen nachhaltige Strukturen auf, die ihnen selbst nützen – ABER AUCH DEM LAND, in dem sie tätig sind.
  7. #7

    Wer suchet, der findet

    Zitat von emaillesikhs Beitrag anzeigen
    Ich wundere mich schon etwas, daß über das Thema überhaupt berichtet wird. Man bekommt dieser Tage jede Menge Aufrufe, zu helfen. Die einzige Art der Hilfe, die erwünscht ist, besteht aus Geldspenden. Wenn man auf andere Art helfen will, ist dies leider nicht möglich. Der Artikel sagt es klar und deutlich: ohne Beziehungen keine Aufnahme in den Elitenklub, und wenn man noch so 'qualifiziert' ist.
    Es gibt genügend NGOs, bei denen Sie jederzeit tätig werden können. Nur sollten Sie vergessen, dass Sie da - wenn überhaupt - viel verdienen ...
  8. #8

    @kabian -zitat von matthias_b

    Genauso sehe ich es auch, nachdem ich jahrelang Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt ehrenamtlich begleitet habe. Ausserdem: Besonders grosse und mittlere Organisationen betreiben das Geschaeft, um selbst ein Einkommen zu haben. Und wo Hilfsorganisationen und Spendengeber ihre Dienste anbieten, ist Missbrauch auf der Nehmerseite (manchmal sogar bei den Gebern) vorprogrammiert.
  9. #9

    Ich habe einen großen Teil der letzten 32 Jahre in einer philippinischen Landgemeinde verbracht und in dieser Zeit zahlreiche Entwicklungshilfe Projekte mit eigenen Augen gesehen und kann die Folgen für die Bevölkerung abschätzen.

    Am augenfälligsten sind die Infrastrukturprojekte die durch staatliche Entwicklungshilfe realisiert wurden. Es gibt jetzt in unserem Ort, ca. 50.000 Einwohner verteilt auf 110 km2, u.a. eine flächendeckende Wasserversorgung mit Mineralwasserqualtät nebst Hydranten und Feuerwehr. Dadurch sind die Durchfallerkrankungen rapide zurückgegangen und die Feuerschäden tendieren gegen Null.

    Dann wurden fast alle alten Holz-Strommasten durch Metallkonstruktionen ersetzt, seitdem gibt es kaum noch Stromausfälle, auch nicht nach Starkregen oder leichten Taifunen bis Kategorie 2. Es wurden jede Menge neue Straßen gebaut, zementiert, bis in die Aussenbezirke. Bestehende Strassen und vor allem Brücken wurden taifunfest erneuert.

    Es gibt ein Schularztsystem und eine Notfallklinik, Müllabfuhr im Stadtzentrum, flächendeckendes Wlan und eine Art minimale Sozialhilfe für wirklich arme Leute. Für die Bauern wurden mehrere Trockenanlagen und Lagerhäuser gebaut, man kann Traktoren und andere Maschinen Stunden- oder Tageweise mieten.

    Durch all diese Maßnahmen sparen die Menschen enorme Summen an Krankheitskosten und Nachernteverluste, die Hektarerträge steigen rapide, Kinder mit Hungerbäuchen gibt es schon seit 20 Jashren nicht mehr.

    Entgegen der Meinung von "Sofa-Entwicklungshelfern" haben all diese Verbesserungen nicht zu einer Bevölkerungszunahme geführt, die Geburtsraten gehen vielmehr seit ca. 30 Jahren kontinuierlich zurück.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Tigaon,_Camarines_Sur

    Bei all diesen Projekten waren nur ganz selten ausländische Entwicklungshelfer vor Ort. Das ist m.M. nach der Hauptgrund für die hohe Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor sind die lokalen Politiker. Die Gegend wird seit über 100 Jahren von einem Oligarchen-Clan beherrscht. Ich behaupte nicht dass es bei denen keine Korruption gibt, sondern dass die sich in engen Grenzen hält. Völlig korruptionsfrei kann bei diesen gesellschaftlichen Verhältnissen kein Projekt durchgezogen werden.

    Vereinfacht ausgedrückt: Die Politiker haben erkannt dass erfolgreiche Projekte eine Menge Geld und Nerven beim nächsten Wahlkampf sparen. Skandale sind da nur kontraproduktiv.