Prägt Ikea die Wohnkultur der deutschen Gesellschaft?

"Ich krieg' einen Anfall!" - das sei die eigentliche Bedeutung der Buchstabenkombination Ikea, scherzte einst Harald Schmidt. Doch trotz Zusammenbau-Problemen und Verkehrschaos vor den Filialen wurde Ikea zum liebsten Möbelhaus der Deutschen. Dinge zum Wohnen, preiswert und durchaus schön bis stylisch, die den Begriff 'Möbel' ganz neu definierten, zieren heute viele Wohnzimmer, Küchen und Bäder. Keine Frage: Ikea trifft den Geschmack von immer mehr Deutschen. Prägt das Möbelhaus unsere gesamte Wohnkultur?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Ich krieg' einen Anfall!" - das sei die eigentliche Bedeutung der Buchstabenkombination Ikea, scherzte einst Harald Schmidt. Doch trotz Zusammenbau-Problemen und Verkehrschaos vor den Filialen wurde Ikea zum liebsten Möbelhaus der Deutschen. Dinge zum Wohnen, preiswert und durchaus schön bis stylisch, die den Begriff 'Möbel' ganz neu definierten, zieren heute viele Wohnzimmer, Küchen und Bäder. Keine Frage: Ikea trifft den Geschmack von immer mehr Deutschen. Prägt das Möbelhaus unsere gesamte Wohnkultur?
    Ja, IKEA trifft den Geschmack von immer mehr Deutschen, allerdings sind das solche,
    - die möglichst wenig Geld für Einrichtung ausgeben wollen/können,
    - die keinen Wert auf ewiges Leben von Möbelstücken legen,
    - die auf begrenztem Raum leben müssen/wollen,
    - die ihr Hab und Gut möchlichst offen immer im Blick haben möchten,
    - denen der Inhalt des Schrankes mehr wert ist als das Möbel sebst,
    - die die Dürftigkeit von Gelenken, Wandstärken usw. nicht auffällt,
    - die noch keinen bestimmten Geschmack entwickelt haben,
    - die öfters mal unverhofft umziehen wollen/müssen,
    - die sofort mitnehmen möchten und nicht auf Lieferung warten wollen,
    - die momentan schick und in eingerichtet sein wollen.

    AAber nein, deswegen "prägt IKEA keineswegs unsere gesamte Wohnkultur" - unsere (zu Hause) schon mal gar nicht, und die "gesamte" bestimmt nicht!
    - Die Liebhaber von Stilmöbeln, Antikmöbeln usw. wenden sich schonmal ab mit Grausen; das sind nicht allzu viele, aber immerhin.
    - In wertvollen neuen Häusern werden vorzugsweise auch starke, wertvolle, großdimensionierte, extravagante Einrichtungen, incl. Musikinstrumenten, Arbeitsplätzen usw. bevorzugt.
    - Und dann die vielen Wohnungen, in denen geerbte gut erhaltene Stücke, wie Ausziehtische, Bücherschränke usw. ein dauerhaftes Dasein haben.
    - Und dann die derben Landhausstilmöbel, die riesigen Wohnküchen in Stein, Metall und Glas, die modernen Formen für repräsentative Zwecke und und und...

    Es ist kein Wunder, dass IKEA mal aus dem ostdeutschen Brettl-Land beliefert worden ist. Mögen Formen und Farben heute anders sein - viel besser als damals sind sie nicht.
  2. #2

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Ja, IKEA trifft den Geschmack von immer mehr Deutschen, allerdings sind das solche,
    - die möglichst wenig Geld für Einrichtung ausgeben wollen/können,
    - die keinen Wert auf ewiges Leben von Möbelstücken legen,
    - die auf begrenztem Raum leben müssen/wollen,
    - die ihr Hab und Gut möchlichst offen immer im Blick haben möchten,
    - denen der Inhalt des Schrankes mehr wert ist als das Möbel sebst,
    - die die Dürftigkeit von Gelenken, Wandstärken usw. nicht auffällt,
    - die noch keinen bestimmten Geschmack entwickelt haben,
    - die öfters mal unverhofft umziehen wollen/müssen,
    - die sofort mitnehmen möchten und nicht auf Lieferung warten wollen,
    - die momentan schick und in eingerichtet sein wollen.

    Und das sind die Allermeisten, treuer Berg!

    Ergo: prägt nicht IKEA "die Wohnkultur", sondern der durch Werbung manipulierte Mensch in seiner gesellschaftlichen Stellung & seinem Geldbeutel selbst.

    Mit Geschmack hat das allerdings wenig zu tun- eher mit praktischer Momentaufnahme und der einhergehender Ahnungslosigkeit beim Kauf von Möbel.

    Im übrigen macht IKEA meiner Meinung nach, gefühlten "Meistumsatz" eher mit Teelichtern, Kleiderbügel und anderen billig Krams, als mit "Möbel".

    Ich beobachte das mit Graus, denn wir haben so eine blau-gelbe Ramschbude mit extra Bushaltestelle- die auch noch IKEA heißt- in 3km Entfernung.

    Noch schlimmer wird es einem, wenn man beobachtet, wie die IKEA Kunden ihre PKW's regelrecht beim Transport demolieren- mit dem Papp- und Pressholzmüll.

    Das Beste jedoch an IKEA ist, dass es dort schwedische Spezialitäten und die schmackhaftesten Hot Dogs gibt- das war es dann aber auch...;)

    Da lebe ich lieber als "wohnen" mit Giftmüll aus Asien.
  3. #3

    Hauptsache günstig

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Ich krieg' einen Anfall!" - das sei die eigentliche Bedeutung der Buchstabenkombination Ikea, scherzte einst Harald Schmidt. Doch trotz Zusammenbau-Problemen und Verkehrschaos vor den Filialen wurde Ikea zum liebsten Möbelhaus der Deutschen. Dinge zum Wohnen, preiswert und durchaus schön bis stylisch, die den Begriff 'Möbel' ganz neu definierten, zieren heute viele Wohnzimmer, Küchen und Bäder. Keine Frage: Ikea trifft den Geschmack von immer mehr Deutschen. Prägt das Möbelhaus unsere gesamte Wohnkultur?
    Ist es nicht eigentlich umgekehrt?; treffen sich nicht immer mehr Deutsche bei einem Geschmack?, denn so frei sind wir doch gar nicht.

    Den Bereich von Geschmack und Lebensstil würde ich gerne mit einer Landkarte vergleichen, anhand der man sich immer häufiger "finanztechnisch" orientiert und sich mehr oder weniger zweckdienlich, beheimatet und verortet.

    Im sogen.Geschmack findet sich unser symbolisches Kapital wieder, welches letztlich unsere soziale Position markiert, (kann gerne was mehr sein).
    Sodann entwickelt sich eine gewisse "materielle Auseinandersetzung", die mit dem direkten Umfeld konkurriert.

    Da sich aber im Bereich "Ikea" nicht wirklich Stil und Ästhetik niedergelassen haben, präsentiert sich das Haus über Zweck und Preis.
  4. #4

    so isses

    Was soll man sagen: in der Preisklasse kriegt man nirgendwo besseres Zeug als bei IKEA. Die Schweden sind clever. Genauso wie die von H&M. Und niemand behauptet, daß diese schwedischen Großkonzerne nur edel, hilfreich und gut sind. So is' das nunma im real existierenden Kapitalismus.
  5. #5

    Ikea-Duzerei: welcher Marketing-Anfänger...

    was Ikea hoffentlich nicht so schnell prägen wird,
    ist der Sprachgebrauch.

    Aktuell wird man nämlich, dank des Einfalls eines Marketing-Anfängers, bei Ikea frech geduzt - von den
    Werbeplakatwänden herunter, von Spruchbändern an der Kasse...
    - egal, ob man als Rentner für einen Enkel ein Kinderbett kauft
    oder als Mensch in den "besseren" Jahren eine Lampe dort besorgt.

    Jemand sollte mal nachfragen, bei wem die ihre Übersetzungen
    in Auftrag geben - wenn das kein Marketingpraktikant war,
    dann war es vielleicht eine dieser Billigübersetzungen,
    für die ist das typisch - bei Übersetzungen aus Sprachen,
    in denen es keinen Unterschied zwischen der informellen und
    höflichen Anredeform gibt.

    Auch Apple krankt daran, und zwar merklich.
  6. #6

    Prägt USM und B&O die deutsche Wohn-Arbeitskultur ?

    Selbst in Premium-Haushalten und Kreativ-Büros trifft man immer und ewig auf die gleichen Modele und "Geschmäcker".

    Ob Eames, IPhone, Apple, USM, Corbusier-Liege, B&O, Bulthaupt, Bose, Audi etc...pipi

    Die Masse wird egal auf welchem Niveau mit der gleichen Strategie verführt ;-)

    Anstatt mit eigenem Stil sind die meisten nur dem Trend und Marketing aufgesessen.
  7. #7

    Gemischt sieht man es auch Öffters

    Toll zu sehen das einen Burmester-Anlage auch auf einem IKEA Sideboard gut zur Geltung kommt.

    Und ein Hästens oder VI-Spring Bett zwischen IKEA Tischchen genehm ist.

    Vom IKEA Kleinkinder-Zimmer mit Ralph Lauren Bettwäsche und Prada, Burberry Inhalt ganz zu schweigen.

    Auch Gebraucht, Brockenhausmöbel "Antiquitäten" passen in dieser Liga dazu ;-)
  8. #8

    Vielen Dank!

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Ja, IKEA trifft den Geschmack von immer mehr Deutschen, allerdings sind das solche,
    - die möglichst wenig Geld für Einrichtung ausgeben wollen/können,
    - die keinen Wert auf ewiges Leben von Möbelstücken legen,
    - die auf begrenztem Raum leben müssen/wollen,
    - die ihr Hab und Gut möchlichst offen immer im Blick haben möchten,
    - denen der Inhalt des Schrankes mehr wert ist als das Möbel sebst,
    - die die Dürftigkeit von Gelenken, Wandstärken usw. nicht auffällt,
    - die noch keinen bestimmten Geschmack entwickelt haben,
    - die öfters mal unverhofft umziehen wollen/müssen,
    - die sofort mitnehmen möchten und nicht auf Lieferung warten wollen,
    - die momentan schick und in eingerichtet sein wollen.

    AAber nein, deswegen "prägt IKEA keineswegs unsere gesamte Wohnkultur" - unsere (zu Hause) schon mal gar nicht, und die "gesamte" bestimmt nicht!
    - Die Liebhaber von Stilmöbeln, Antikmöbeln usw. wenden sich schonmal ab mit Grausen; das sind nicht allzu viele, aber immerhin.
    - In wertvollen neuen Häusern werden vorzugsweise auch starke, wertvolle, großdimensionierte, extravagante Einrichtungen, incl. Musikinstrumenten, Arbeitsplätzen usw. bevorzugt.
    - Und dann die vielen Wohnungen, in denen geerbte gut erhaltene Stücke, wie Ausziehtische, Bücherschränke usw. ein dauerhaftes Dasein haben.
    - Und dann die derben Landhausstilmöbel, die riesigen Wohnküchen in Stein, Metall und Glas, die modernen Formen für repräsentative Zwecke und und und...

    Es ist kein Wunder, dass IKEA mal aus dem ostdeutschen Brettl-Land beliefert worden ist. Mögen Formen und Farben heute anders sein - viel besser als damals sind sie nicht.
    Wie herablassend Sie über andere Mitmenschen, ja Bürger des BRD, sprechen, die (höchstwahrscheinlich) einfach kein Geld haben um sich die schicken Möbel in erlesenen Geschäften zu kaufen. Schämen Sie sich, wie posaunend und selbstdarstellend Ihre "Analyse" klingt!
  9. #9

    In dem Zusammenhang:
    Glückwunsch der SPIEGEL-Redaktion zum Titelthema in dieser Woche.

    Den Redakteuren Susanne Amann, Markus Brauck und Janko Tietz ist es gelungen, die IKEA-Geschichte sachlich und offen darzulegen, so dass man sich (besser: ich mir) vorurteilsfrei einen guten Überblick über IKEA verschaffen konnte.