Machtkampf in Ägypten: Demonstranten durchbrechen Barrikaden vor Mursis Palast

DPAHunderttausende Ägypter protestieren in Kairo erneut gegen Präsident Mursi, Demonstranten haben die Absperrung der republikanischen Garden vor dem Palast des Präsidenten überwunden. Bisher ist die Situation friedlich.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-871679.html
  1. #30

    Ich schließe mich "heidi1-preiss" in dem Punkt an, dass die Großmächte unserer Welt leider nur an einem stabilen, kooperativen Ägypten interessiert sind - ob Demokratie oder Diktatur. Umso mehr ist doch aber unsere Aufgabe im Netz und allgemein in Deutschland darauf aufmerksam zu machen, was in Ägypten gerade passiert. Die Machtübernahme der Muslimbruderschaft ist für mich relativ einfach zu begründen: 56% aller Ägypter (vor allem im Süden) sind Analphabeten - für sie zählt nur, dass die Existenz ihrer Familie gesichert ist. Der Mangel an Bildung bildet ein Fundament für jegliche Ideologien, sofern jene, die diesen Bevölkerungsschichten ihre Ideologie (/Religion) aufzwängen wollen, dafür Sorgen, dass niemand hungerleiden muss und alle Arbeit haben. Das ist kein Problem für die sehr gut organisierte, international agierende Muslimbruderschaft. Es ist traurig, wie eine Revolution wieder einmal "ihre Kinder frisst", aber um einem Analphabeten, der das Wort Demokratie noch nie gehört hat diese näherzubringen braucht es mehr gebildete, demokratisch Orientierte Menschen, welche die Probleme der Menschen in Ägypten lösen: die Wirtschaft liegt am Boden, der Tourismus ist eingebrochen, ein gerade arbeitslos gewordener Städter mag sich sagen: "Von Menschenrechten werden meine Kinder nicht satt!" Ich habe mich kürzlich mit mehreren Personen aus Ägypten über ihr Land unterhalten (ein Student, eine Professorin,...) - sie sind besorgt und beunruhigt, glauben jedoch, dass die liberalen, jungen ägyptischen Bürger, welche die Revolution erst angefacht haben, sich mit einer Diktatur des Islam nicht zufrieden geben werden. Lasst uns alle hoffen, dass das Blutvergießen ein baldiges Ende nimmt...
  2. #31

    Zitat von britneyspierss Beitrag anzeigen
    Erst jubeln wir 2011 den "arabischen Frühling" zu,dann ---Pllllooppp---haben wir die Muslimbrueder an der Wange und jetzt feixen wir im Westen uns heimlich ab und freuen uns dass die weltlich-liberalen Kräfte des Landes Herrn Mursi vertreiben wollen.Der Westen muss endlich lernen diese Völker ihren eigenen Weg zur Rechtstaatlichkeit und Aufklärung und Induviduation jedes einzelnen Buergers zu entdecken.
    Das ist eine feige und ignorante Haltung. Die freiheitlichen Kräfte brauchen die moralische Unterstützung aus dem Ausland. Die Selbstwahrnehmung einer Gesellschaft spiegelt sich auch immer darin, wie sie von außen gesehen wird.
  3. #32

    ich hoffe mit ihnen

    Zitat von randomhumanbeing Beitrag anzeigen
    Ich schließe mich "heidi1-preiss" in dem Punkt an, dass die Großmächte unserer Welt leider nur an einem stabilen, kooperativen Ägypten interessiert sind - ob Demokratie oder Diktatur. Umso mehr ist doch aber unsere Aufgabe im Netz und allgemein in Deutschland darauf aufmerksam zu machen, was in Ägypten gerade passiert. Die Machtübernahme der Muslimbruderschaft ist für mich relativ einfach zu begründen: 56% aller Ägypter (vor allem im Süden) sind Analphabeten - für sie zählt nur, dass die Existenz ihrer Familie gesichert ist. Der Mangel an Bildung bildet ein Fundament für jegliche Ideologien, sofern jene, die diesen Bevölkerungsschichten ihre Ideologie (/Religion) aufzwängen wollen, dafür Sorgen, dass niemand hungerleiden muss und alle Arbeit haben. Das ist kein Problem für die sehr gut organisierte, international agierende Muslimbruderschaft. Es ist traurig, wie eine Revolution wieder einmal "ihre Kinder frisst", aber um einem Analphabeten, der das Wort Demokratie noch nie gehört hat diese näherzubringen braucht es mehr gebildete, demokratisch Orientierte Menschen, welche die Probleme der Menschen in Ägypten lösen: die Wirtschaft liegt am Boden, der Tourismus ist eingebrochen, ein gerade arbeitslos gewordener Städter mag sich sagen: "Von Menschenrechten werden meine Kinder nicht satt!" Ich habe mich kürzlich mit mehreren Personen aus Ägypten über ihr Land unterhalten (ein Student, eine Professorin,...) - sie sind besorgt und beunruhigt, glauben jedoch, dass die liberalen, jungen ägyptischen Bürger, welche die Revolution erst angefacht haben, sich mit einer Diktatur des Islam nicht zufrieden geben werden. Lasst uns alle hoffen, dass das Blutvergießen ein baldiges Ende nimmt...
    ich habe hier im zimmer meines sohnes ein plakat von der revolution 2011. "vom tahrir-platz mit liebe" steht in etwas ungelenktem deutsch darauf; dazu eine friedenstaube und ein selbstbewusst dreinblickender junger ägypter, einer, der in eine scheinbar goldene zukunft schaut.eine zukunft ohne gewalt und unterdrückung in einem friedlichen und demokratischen land. ich drücke diesem jungen ägypter fest die daumen, dass es dazu kommen wird. gelitten haben dürfen diese jungen menschen genug.
  4. #33

    Die Revolution gehört nicht den Muslim-Brüdern, ...

    sondern zum grössten Teil den Menschen die zu erst demonstriet haben. Zu der Zeit waren nirgens Islamisten oder Moslems zu sehen. Unter den Umgebrachten am Anfang der Revolution waren auch keine Muslim-Brüder. Erst als die Tücher so ziemlich im Trockenen waren kamen die Muslim-Brüder dazu. Das was jetzt passiert ist wieder eine typische Machtergreifung. Deswegen auch die Geschwindigkeit mit der Mursi und Anhänger schnell einen islamistischen Staat der Scharia ausrufen wollen.
    Den Grund der Gegendemonstrationen auf ausländische Kräfte und Mubaraktreuen zu schieben ist das Verhalten eines Diktators, der die wahren Anliegen der Kritiker bewusst übergeht.
  5. #34

    Oha

    Zitat von frank1980 Beitrag anzeigen
    Wenn eine Mehrheit der Menschen in dem Land für den Islam und die Scharia als Staatsgrundlage sind müssen sich die restlichen Menschen (die Vermutlich in Kairo in der Überzahl sind) wohl damit abfinden oder versuchen das Land zu verlassen. Das ist Demokratie Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. In diesem Fall sind die Vorstellungen und Ziele der Minderheit wohl weit von denen der Mehrheit entfernt.
    So macht man das also. Man erklärt kurzerhand die protestierenden Massen zu Minderheiten und zu stellt ihr Tun einer Diktatur gleich. Die Beweggründe, die diese Menschen zum Protest treibt, werden dabei geflissentlich ignoriert. Herr Mursi und seine Muslimbruderschaft wären stolz auf Sie ;-)
  6. #35

    Zitat von randomhumanbeing Beitrag anzeigen
    Ich schließe mich "heidi1-preiss" in dem Punkt an, dass die Großmächte unserer Welt leider nur an einem stabilen, kooperativen Ägypten interessiert sind - ob Demokratie oder Diktatur. Umso mehr ist doch aber unsere Aufgabe im Netz und allgemein in Deutschland darauf aufmerksam zu machen, was in Ägypten gerade passiert. Die Machtübernahme der Muslimbruderschaft ist für mich relativ einfach zu begründen: 56% aller Ägypter (vor allem im Süden) sind Analphabeten - für sie zählt nur, dass die Existenz ihrer Familie gesichert ist. Der Mangel an Bildung bildet ein Fundament für jegliche Ideologien, sofern jene, die diesen Bevölkerungsschichten ihre Ideologie (/Religion) aufzwängen wollen, dafür Sorgen, dass niemand hungerleiden muss und alle Arbeit haben. Das ist kein Problem für die sehr gut organisierte, international agierende Muslimbruderschaft. Es ist traurig, wie eine Revolution wieder einmal "ihre Kinder frisst", aber um einem Analphabeten, der das Wort Demokratie noch nie gehört hat diese näherzubringen braucht es mehr gebildete, demokratisch Orientierte Menschen, welche die Probleme der Menschen in Ägypten lösen: die Wirtschaft liegt am Boden, der Tourismus ist eingebrochen, ein gerade arbeitslos gewordener Städter mag sich sagen: "Von Menschenrechten werden meine Kinder nicht satt!" Ich habe mich kürzlich mit mehreren Personen aus Ägypten über ihr Land unterhalten (ein Student, eine Professorin,...) - sie sind besorgt und beunruhigt, glauben jedoch, dass die liberalen, jungen ägyptischen Bürger, welche die Revolution erst angefacht haben, sich mit einer Diktatur des Islam nicht zufrieden geben werden. Lasst uns alle hoffen, dass das Blutvergießen ein baldiges Ende nimmt...
    Bei einer solch hohen Analphabetenrate, ist es doch umso erstaunlicher, wie politisch Alert die Ägypter sind, und sich von dem Islamlistengeschwätz nicht beeindrucken lassen. Im Übrigen zeigten die Analysen nach den Wahlen, dass viele Ägypter aus taktischen Gründen die Moslembrüder gewählt haben , quasi als das kleinere Übel, und nicht deswegen, weil sie sich einen islamistischen Gottesstaat herbeisehnen. Diese Wählergruppe hat mittlerweile ganz offensichtlich verstanden, dass sie ein Fehler gemacht hat. Das was sich zur Zeit in Ägypten abspielt, könnte man als das Ziehen der Konsequenzen aus diesem Fehler bezeichnen.
  7. #36

    genau so ist es

    Zitat von .freedom. Beitrag anzeigen
    sondern zum grössten Teil den Menschen die zu erst demonstriet haben. Zu der Zeit waren nirgens Islamisten oder Moslems zu sehen. Unter den Umgebrachten am Anfang der Revolution waren auch keine Muslim-Brüder. Erst als die Tücher so ziemlich im Trockenen waren kamen die Muslim-Brüder dazu. Das was jetzt passiert ist wieder eine typische Machtergreifung. Deswegen auch die Geschwindigkeit mit der Mursi und Anhänger schnell einen islamistischen Staat der Scharia ausrufen wollen.
    Den Grund der Gegendemonstrationen auf ausländische Kräfte und Mubaraktreuen zu schieben ist das Verhalten eines Diktators, der die wahren Anliegen der Kritiker bewusst übergeht.
    aber, denkste - die bilanz, zwei jahre nach beginn des "arabischen frühlings" fällt doch mehr als gemischt aus. ägypten, eines der ersten länder, in denen es große politische veränderungen gab, droht gerade zum negativbeispiel zu werden. der konflikt spaltet nicht nur das land, sondern hat das potential, die ganze region instabil werden zu lassen. aber wer weiß - vielleicht muss es so kommen, damit endlich mal seitens der - auch westlichen - regierungen, klartext geredet wird. das heißt: entweder - oder....
  8. #37

    Überzeugungsarbeit

    Gestern noch Diktatur und heute müssen die Ägypter Superdemokraten sein, einschließlich voll durchorganisierter Mülltrennung versteht sich. Alles andere ist Gottesstaat.
    Die Deutschen mussten nach ihrer Diktatur zur Demokratie geprügelt werden und dann 1968 noch mal und mit der Gründung der Grünen noch mal, nach 1989 wollten die Linken die untergehende DDR-Diktatur lieber sich selbst überlassen und mussten vom Rechten Kohl eines demokratischen Besseren belehrt werden, und gerade zeigen die Piraten, das möglicherweise die nächste Runde Demokratieprügel ansteht. Die eigene jüngste Vergangenheit sollte doch zumindest zu denken geben.
    Ägypten ist ein unterentwickeltes Land ohne Demokratieerfahrung und ohne Streitkultur. Die tollen Liberalen rennen aus der Verfassung gebenden Versammlung raus, verweigern den Dialog, es sei denn, die andere Seite gibt nach, rotten sich vor dem Präsidentenpalast zusammen, weil sie trotz Wahlniederlage „eigentlich“ das Volk vertreten. Lasst das Volk doch im Referendum entscheiden! Schließlich ist keine Verfassung in Stein gesetzt. (Schaut auf die konservativen Franzosen, die haben schon ihre 5. Republik - LOL.)
    Man sollte bei aller Gemütswallung auch nicht vergessen, dass Mursi mehr Legitimation besitzt als alle seine Vorgänger zusammen.
  9. #38

    Zitat von dilinger Beitrag anzeigen
    ...Das was sich zur Zeit in Ägypten abspielt, könnte man als das Ziehen der Konsequenzen aus diesem Fehler bezeichnen.
    Genau. Die Muslimbrüder wissen nur zu genau, dass ihr Coup d'État keine zweite Chance bekommt. Das lässt leider Böses ahnen.
  10. #39

    Zitat von frank1980 Beitrag anzeigen
    Wenn eine Mehrheit der Menschen in dem Land für den Islam und die Scharia als Staatsgrundlage sind müssen sich die restlichen Menschen (die Vermutlich in Kairo in der Überzahl sind) wohl damit abfinden oder versuchen das Land zu verlassen. Das ist Demokratie Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. In diesem Fall sind die Vorstellungen und Ziele der Minderheit wohl weit von denen der Mehrheit entfernt.
    Nee.

    Die Vorstellungen sahen zu Zeiten der Wahl einfach anders aus, viele von Mursis Wählern hätten wohl nicht damit gerechnet das sie den nächsten (Möchtegern) Diktator vorgesetzt bekommen