Machtkampf in Ägypten: Tausende marschieren gegen Mursi

DPADen regierenden Islamisten in Ägypten schlägt erneut die geballte Wut der Straße entgegen. Am Nachmittag protestierten wieder Tausende Menschen gegen Präsident Mursi. Auch international gerät der Staatschef immer schärfer in die Kritik.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-871641.html
  1. #1

    Aegyten = Islamisten Verfassung

    Der Westen hat mit offenen Augen die Veraenderungen in Aegypten zur Kenntnis genommen, und die Beteuerungen der Muslim Brotherhood wurden ohne viele Kommentare als wahre Muenze akzeptiert. Nun soll die Ueberraschung da sein??? Amerika hat leider auch noch finanzielle Unterstuetzung geleistet. Ich empfehle, dass der westen einen gewissen Abstand haelt, und insbesonders Israel unterstuetzt, denn alleine kann Israel gegen Islamisten von Iran, Iraq, Syrien, Lebanon, Hamas und jetzt auch Aegypten nicht leicht ueberleben. Karl
  2. #2

    Die da marschieren sind leider eine kleine aufgeklärte, gebildete Minderheit. Die Mehrheit der Ägypter sind aber leider unaufgeklärt und ungebildet und daher einer islamistischen Verfassung sehr zugeneigt.

    Eine westliche Intervention ist insofern nicht angebracht, aber der Westen muss ein solches Unwesen auch nicht durch Entwicklungshilfe, Militärhilfe und Tourismus unterstützen.
    Dann werden auch die Ägypter merken, dass die Scharia niemanden satt macht.
  3. #3

    ...

    Zitat von eks2040 Beitrag anzeigen
    Ich empfehle, dass der westen einen gewissen Abstand haelt, und insbesonders Israel unterstuetzt, denn alleine kann Israel gegen Islamisten von Iran, Iraq, Syrien, Lebanon, Hamas und jetzt auch Aegypten nicht leicht ueberleben.
    Wenn der Westen einen Fehler macht, dann den, daß er seit Jahrzehnten einseitig Israel unterstützt und noch jede israelische Verfehlung ignoriert. Das Messen mit zweierlei Maß macht den Westen an sich nicht glaubhaft, die moralische Beliebigkeit aus wirtschaftlichen Erwägungen tut ihr übriges. Wir sollten mal realisieren, daß wir selbst sehr flexibel mit den Menschenrechten umgehen, sobald finanzielle Interessen eine Rolle spielen. Belehrungen sind daher unangebracht.

    Außerdem werfen Sie ziemlich viel durcheinander. In allen den von Ihnen genannten Staaten gibt es sicherlich Islamisten, aber es macht schon einen gewaltigen Unterschied, ob es sich dabei um staatliche unterstützte oder nur geduldete Gruppen handelt, welches Ausmaß und welchen Einfluß diese Gruppierungen haben, welcher Strömung des Islams sie angehören und wie die restlichen innenpolitischen Details aussehen. In dieser Hinsicht ist jedes der genannten Länder sehr speziell.
  4. #4

    islamismus und demokratie ...

    ... schließen einander aus. das primat religiöser dogmen eines glaubens, der den anspruch erhebt, das gesellschaftliche leben (mit) zu regeln und unveräußerliche individuelle grundrechte sind nicht vereinbar, bzw. nur dann, wenn sie letztere die religiöse sphäre nicht berühren. das grundrecht auf freie entfaltung der persönlichkeit etwa kann man unter den bedingungen nicht haben.

    mMn wird es aus genau diesem grund in der islamischen welt bis zu einer 'arabischen aufklärung' keine demokratien geben: in nationen ohne trennung von staat und religion stellen die regierungen wesentliche grundrechte aus überzeugung unter vorbehalt, alle säkularen staaten werden dauerhaft gewalttätigen versuchen gegenüberstehen, den laizismus aufzuheben, und daher demokratische grundrechte versagen.

    schade.

    mfg, carsten
  5. #5

    Der Weg ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Den regierenden Islamisten in Ägypten schlägt erneut die geballte Wut der Straße entgegen. Am Nachmittag protestierten wieder Tausende Menschen gegen Präsident Mursi. Auch international gerät der Staatschef immer schärfer in die Kritik.

    Ägypten: Tausende Anhänger der Opposition demonstrieren gegen Mursi - SPIEGEL ONLINE
    ... zu demokratischen Verhältnissen und zu wirtschaftlichem Erfolg, an dem die Mehrheit der Menschen teilhgaben kann, ist weder einfach noch kurz. Dies ist vielmehr ein zeitraubender und schwieriger Weg mit einer Unzahl von Gegnern verschiedener Farbe und Prägung, ein Weg voller Auseinandersetzungen. Der Sturz Mubaraks war nur ein Anfang. Die Muslimbrüderschaften und Mursi versuchen, die Uhren zurückzustellen und die gestürzte Diktatur mit einer neuen Diktatur zu ersetzen. Wer ein bisschen in die Geschichte schaut, weiß, dass solche Revolutionen durch verschiedene Phasen von Konterrevolutionen führen, was gerne mal ein oder zwei Jahrzente dauert. Dennoch ist es so, dass die Menschen in Ägypten diese Auseinandersetzung selbst führen müssen. Und das tun sie. Das braucht Zeit und viel, sehr viel Kraft und Mut und Geduld. In anderen Ländern, wie Tunesien, Lybien u.a. ist das nicht anders. Anderswo wiederum, wie in Syrien, muß erst der Diktator gestürzt werden, bevor man an die Arbeit gehen kann. Soetwas ist nie ohne Risiken. Und nie kurzfristig lösbar. Es dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert, bis Westeuropa halbwegs demokratische und menschenwürdige Strukturen gewonnen hatte.
  6. #6

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Den regierenden Islamisten in Ägypten schlägt erneut die geballte Wut der Straße entgegen. Am Nachmittag protestierten wieder Tausende Menschen gegen Präsident Mursi. Auch international gerät der Staatschef immer schärfer in die Kritik.

    Ägypten: Tausende Anhänger der Opposition demonstrieren gegen Mursi - SPIEGEL ONLINE
    Was Ägypten angeht, erscheint die Berichterstattung auf SpOn permanent auf Ballhöhe. Sehr gut.

    Ein fundamentales Problem hat der Präsident bei seiner Rede erkennen lassen. Obwohl ich nur wenige Ausschnitte gesehen habe, hat er angezeigt, wie viele Menschen im Mittleren Osten - und keineswegs nur die Muslimbruderschaft - Demokratie verstehen. Für sie ist es nicht eine Staatsform aller, in welcher die Richtung durch Wahlen bestimmt wird, sondern die Diktatur der Mehrheit, beruhend auf einer "Basis", welche für die Muslimbruderschaft nun einmal nicht die Verfassung, sondern der Quran wäre.

    Aus dieser Perspektive kommt viel des Unverständnisses für Andersdenkende und Regierungskritiker. Gepaart mit der Erfahrung langer Unterdrückung entstehen so Auswüchse, wie die Dekrete Mursis oder beim Ergenekon-Prozess in der Türkei.

    Jahrzehntelang waren Agitation und Propaganda die einzigen Mittel, welche den Islamisten blieben, um den verhassten Staat zu stürzen. Heute sehen sie diese Mittel in der Hand der Opposition und erwarten, dass sie den selben Zweck erfüllen sollen.
  7. #7

    Doppelmoral

    Ich versteh den Westen auch nicht so ganz. Saudi Arabien z.B. ist doch auch ein Gottesstaat und pflegt aber trotzdem die besten Beziehungen zu Deutschland und den USA. Die bekommen doch sogar Waffen geliefert.
  8. #8

    Ist gut aber geht nicht

    Zitat von trallala34 Beitrag anzeigen
    Die da marschieren sind leider eine kleine aufgeklärte, gebildete Minderheit. Die Mehrheit der Ägypter sind aber leider unaufgeklärt und ungebildet und daher einer islamistischen Verfassung sehr zugeneigt.

    Eine westliche Intervention ist insofern nicht angebracht, aber der Westen muss ein solches Unwesen auch nicht durch Entwicklungshilfe, Militärhilfe und Tourismus unterstützen.
    Dann werden auch die Ägypter merken, dass die Scharia niemanden satt macht.
    Der Analyse kann ich nur zustimmen. Auch Ihre Schlussfolgerung stimmt, ist aber völlig illusorisch.

    Es liegt nicht in der Macht zumindest europäischer Regierungen, Reisen nach Ä. zu verbieten. Auf die gerade für unsere Konzerne äusserst lukrative Militärhilfe werden besonders D. und F. kaum verzichten wollen. Und in der Entwicklungshilfe würden wahlweise Saudi-Arabien, diverse Emirate oder gar China einspringen.
  9. #9

    Zitat von Guillermo Emmark Beitrag anzeigen
    Der Analyse kann ich nur zustimmen. Auch Ihre Schlussfolgerung stimmt, ist aber völlig illusorisch.

    Es liegt nicht in der Macht zumindest europäischer Regierungen, Reisen nach Ä. zu verbieten. Auf die gerade für unsere Konzerne äusserst lukrative Militärhilfe werden besonders D. und F. kaum verzichten wollen. Und in der Entwicklungshilfe würden wahlweise Saudi-Arabien, diverse Emirate oder gar China einspringen.
    Reisen werden doch nicht verboten.
    Eine eindringliche Reisewarnung wäre aber der Situation durchaus angemessen. Ich würde niemandem empfehlen mit seiner Familie dort Urlaub zu machen.

    Ich war beispielsweise letztes Jahr zum Tauchen in Ägypten. Wird bei den jetzigen Zuständen so schnell aber nicht mehr vorkommen.

    Das mit den Waffen lohnt sich nur, wenn das Land auch bezahlen kann. Aber wo soll das Geld denn herkommen?

    Und dass China in Ägypten erhebliche Entwicklungshilfe leistet, kann ich mir nicht vorstellen. Die "helfen" nur Ländern mit interessanten Rohstoffen.
    Mit den Saudis könnten Sie erstmal recht haben, aber dass die langfristig Lust haben die gesamte Region mit hunderten Millionen Menschen durchzufüttern glaub ich nicht.