Drohnenkrieg: Staatlich sanktionierter Totschlag

APWo verläuft die Grenze zwischen Militäreinsatz und Attentat? In seinem Essay "Gezielte Tötung" setzt sich der Wissenschaftler Armin Krishnan mit dem Drohnenkrieg auseinander - und erliegt allzu oft Verschwörungstheorien. Dabei wäre allein sein Thema brisant genug.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-869952.html
  1. #1

    Kill Decision

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wo verläuft die Grenze zwischen Militäreinsatz und Attentat? In seinem Essay "Gezielte Tötung" setzt sich der Wissenschaftler Armin Krishnan mit dem Drohnenkrieg auseinander - und erliegt allzu oft Verschwörungstheorien. Dabei wäre allein sein Thema brisant genug.

    Armin Krishnan: Gezielte Tötung - SPIEGEL ONLINE
    Zum Thema hat David Suarez einen guten Roman geschrieben: Kill Decision.
  2. #2

    Alles halb so schlimm! -- Bisher!

    Zum Glück haben ja nur wir, also der "freie Westen", die Hüter von Demokratie und Menschenrechten, mit einem Wort "die Guten", solche Waffen. Wir tun damit, was getan werden muss, und die kolateral durch diese Waffen Geschädigten sehen im Allgemeinen von selber ein, dass nicht ein blasshäutiger US-Soldat in einem Bunker irgendwo in Nebraska die Schuld am Tod ihrer Kinder trägt, sondern ein pöser, pöser Taliban-Fürst, der die Hinterhältigkeit besitzt, im selben Dorf zu leben.
    Die Diskussion um sanktionierten Totschlag wird wohl an Lebhaftigkeit zunehmen, wenn die erste "sanktionierte" Tötung in Heidelberg, oder Nashville vorgenommen wird. Wer wird das dann wohl gewesen sein? Taliban?, Iran?, die Nordkoreaner?, die russische Mafia? Und werden die dann "kolateral" Geschädigten (etwa die anderen Leute an der Bushaltestelle, die zusammen mit dem Pösen gestorben sind) auch so einfach Einsehen, dass ihre Kinder für eine Gute Sache gestorben sind?
  3. #3

    Ausgewogener Artikel

    Beunruhigend ist das offensichtliche Meinungsvakuum zum Thema.
  4. #4

    Totschlag?

    Totschlag - wohlmöglich noch im Affekt? s ist Mord! Hinterhältig und heimtückisch...
  5. #5

    Verschwörungen nur theoretisch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Armin Krishnans verschwörungstheoretische Anwandlung ist bedauerlich - und ebenso überflüssig wie seine spekulativen Exkurse in eine Zukunft, in der jeder Bürger durch implantierte Mikrochips von den Geheimdiensten geortet und präventiv per Laser oder Nanowaffe getötet werden kann. Das Thema von "Gezielte Tötung" hat es nicht nötig, durch Science-Fiction-Elemente aufgepimpt zu werden. .
    Der SPIEGEL macht es sich mit dem Totschlagwort "Verschwörungstheorie" gelegentlich etwas einfach.

    Wenn die Nachrichten uns im Fernsehen erzählen, daß sich einige Extremisten unter Führung eines saudischen Milliardärs in staubigen Wüstenhöhlen zusammenfinden um globale Anschläge mit tausenden Toten zu planen ist das schlicht "internationaler Terrorismus".

    Wenn man aber anmerkt, das sich postenschachernde Bürokraten, lobbyhörige Regierungsmitglieder und Großindustrielle zusammenfinden um global einsetzbare, fliegende Tötungsroboter basteln zu lassen, und auszusenden, dann handelt es sich um "Verschwörungstheorien".
    Und die sind ja bekanntlich immer falsch...
    Auch die einfache Feststellung, das Regierungen, Geheimdienste (und alle die es sich leisten können), erfahrungsgemäß letztendlich alles für ihre Zwecke einsetzen, was technisch realisierbar ist, wird dann zur "Verschwörungstheorie".
  6. #6

    optional

    Wohl ist mir auch nicht mit den gezielten Tötungen. Das muss noch ausdiskutiert werden in der Welt.

    Allerdings verstehe ich die Aufregung der Kritiker auch nicht. Denn eines ist doch klar Terrorismus im Ausmass der Islamisten ist eine Kriegserklärung. Wenn der Staat in den diese Leute sich zurück ziehen, das nicht unterbindet ist es völlig legitim sich gegen dieses Terror zu wehren. Auf welche Art dies sinnvoll ist ist für das Recht zweitrangig.

    Und weiter ist doch ganz klar, dass ein konventioneller Krieg auf beiden Seiten ganz erheblich mehr Opfer fordert als die gezielte Gegenwehr gegen Feinde (Terroristen) die einem den Krieg erklärt haben.

    Natürlich sind alle Opfer zu bedauern. Aber was soll man denn sonst machen. In wie weit zB Verhandlungen mit Mullah Omar etwas bringen würden kann ich nicht beurteilen.
  7. #7

    Nichts Neues

    Generell muss man sagen, dass gezielte Tötungen in Kriegen nichts Neues sind.
    Zum Beispiel wurde der japanische Admiral Yamamoto - der Hauptplaner des Angriffs auf Pearl Harbor und Oberbefehlshaber der kaiserlich japanischen Marine - 1943 gezielt abgeschossen, als er sich auf einer Inspektionsreise zu seinen Truppen befand (Operation Vengeance).
    Auch ist aus Sicht des Völkerrechts gegen einen Kriegseinsatz der Drohnen nichts einzuwenden.
    Die entscheidende Frage - und in dieser Hinsicht interessiert mich das Buch brennend - ist doch, was man als Krieg definiert. Und ob diese Definition völkerrechtlich gedeckt ist.
    So wurde Osama bin Laden deswegen nicht polizeilich wegen 9/11 gesucht, weil die USA ihn als Kriegsgegner, nicht als Kriminellen, einstuften.
    Auch für Hirohito oder Hitler gab es nie Steckbriefe oder Haftbefehle.

    Eine juristische Aufarbeitung gab es erst nach dem Krieg, nicht währenddessen.
    Die entscheidende Frage ist also:
    WAS ist Krieg (bzw. kriegerische Auseinandersetzung), der den Einsatz derartiger Waffensysteme erlaubt, und WAS nicht.
    Und dies vor Allem vor dem Hintergrund von Kriegsparteien/Kombattanten, die sich nicht an das Völkerrecht halten.
  8. #8

    An der Stelle...

    Zitat von beschwingt Beitrag anzeigen
    Der SPIEGEL macht es sich mit dem Totschlagwort "Verschwörungstheorie" gelegentlich etwas einfach.

    ....
    aber eher nicht, denn es geht um den Herzinfarkt eines Tea-Party-Politikers, was die Verschwörungstheorie betrifft und nicht um den Einsatz der Drohnen. Dieser ist kaum wegzudiskutieren.
    Die wichtige Frage stellt sich, inwiefern bestimmte Personen getötet werden dürfen. Wer für diesen Einsatz ist, sollte dann bitte nicht mehr erklären, er sei gegen die Todesstrafe.
    Was hier angesprochen wird, macht ja auch nachdenklich, denn es gibt keine Kriegserklärung von der USA gegen ein Land wie Pakistan.
    Warum also werden dort Personen gezielt getötet, die noch nicht einmal juristisch in Erscheinung getreten sind?
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wo verläuft die Grenze zwischen Militäreinsatz und Attentat? In seinem Essay "Gezielte Tötung" setzt sich der Wissenschaftler Armin Krishnan mit dem Drohnenkrieg auseinander - und erliegt allzu oft Verschwörungstheorien. Dabei wäre allein sein Thema brisant genug.

    Armin Krishnan: Gezielte Tötung - SPIEGEL ONLINE
    Worüber sich Leute so ihre Gedanken machen...

    Wenn man damit gefährliche Irre loswerden kann, ohne eigenes Personal zu gefährden, dann ist das doch eine feine Sache.

    Man sollte sich viel weniger Gedanken um die Probleme des Abschaums der Menschheit machen.