Schwarzgeld: Warum Steuerfahnder die Wirtschaft schwächen

Getty ImagesEuropas Staaten haben der Steuerhinterziehung den Kampf angesagt. Was moralisch richtig ist, könnte sich ökonomisch als großes Problem entpuppen. Denn der Trend zu mehr Ehrlichkeit wirkt wie eine Steuererhöhung - und die ist Gift für eine ohnehin schwache Wirtschaft.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/wol...-a-871136.html
  1. #480

    Wir nützen schon bei der Notdurft öffentliche Leistungen

    Zitat von rabenkrähe Beitrag anzeigen
    ......

    Das Problem ist doch, daß ich beim niedergelassenen Handwerksbetrieb das Vier- bis Fünffache dessen für handwerkliche Leistungen zahlen muß, was ich auf dem Graumarkt zahlen müßte.
    Gehen wir einfach mal davon aus, es würde sachlich die gleiche Arbeit abgeliefert, wie soll dann der Ausgleich aussehen. Mal ganz davon abgesehen, daß sich kaum ein Rentner oder Normaleinkömmler die Handwerkerrechnung für eine mittelgroße Aufgabe leisten kann.
    Da stimmt einfach etwas nicht im System.
    rabenkrähe
    Ob es wirklich das 4 bis 5 fache ist mage ich bezweifeln, aber selbstversändlich ist der Graumarkt scheinbar billiger, deshalb will ich nicht über die Zahlen streiten.

    Zunächst würde es uns gelingen von allen die Steuern einzutreiben, so könnte man die Steuersätze geringer halten. Schon alleine deswegen ist es richtig Steuerhinterziehung zu verfolgen.

    Der andere Aspekt ist dass wir nicht nur Steuern zahlen, sondern auch von den öffentlichen Leistungen profitieren. Uns ist gar nicht bewusst wie sehr wir von öffentlichen Leistungen profitieren. Das sind nicht nur die armen Menschen.

    Ich persönlich bin in einem städtischen Krankenhaus geboren, habe Kindergarten Schule und Hochschule besucht. Schon als Baby bis als junger Erwachsener bin ich von öffentlichen Leistungen gefördert worden. Momentan vermute ich dass ich in einer Lebensphase bin in der ich mehr Steuern zahle als ich vom Staat an Leistungen erhalte. Das ist schwer abzuschätzen, denn selbstverständlich benutze ich auch als Erwachsener die öffentlichen Infrastrukturen. Sollte ich alt werden wird es sich sicherlich wieder umdrehen.

    Bei einem normalen Leben von ca. 80 Jahren wird ein Mensch in den ersten und lezten 20 Jahren überwiegend von staatlichen Leistungen profitieren und in den mittleren 40 Jahren durch Steuern den Staat finanzieren. Es ärgert mich sehr, wenn man so tut, als ob der Staat seinen Bürgern das Geld stehlen würde.

    Würden sich alle auf dem Graumarkt bedienen, so müssten wir für vieles, was scheinbar kostenlos ist, bezahlen. Die armen Menschen könnten z.B. die Schule ihrer Kinder nicht mehr leisten, sie würden bei Verbrechen nicht die Polizei bezahlen können usw. und eine einfache Krankheit kann schon existenzvernichtend sein.

    Und viele Menschen müssten, ihre Notdurft wie im Mittelalter wieder auf die Strasse werfen, weil die Kosten der Kanalisation enorm sind. Wenn wir keine Steuern mehr zahlen würden, müssten wir uns wieder an einen unerträglichen Gestank gewöhnen - denn die Ärmeren würden sich an die Kosten der (dann privaten) Kanalisation nicht beteiligen können.
  2. #481

    Aufstockmöglichkeit

    Zitat von huggi Beitrag anzeigen
    ... bei den Aufstockern müssen Sie ausschliesslich diejenigen betrachten welche trotz einer Vollzeitbeschäftigung aufstocken müssen. Das ist eine verschwindend kleine Minderheit von etwa 300.000 Menschen wenn man den Bezug zu den Vollzeitbeschäftigten sieht.
    Das Problem ist dass durch Teilzeitarbeit die Aufstockmöglichkeiten schon ausgeschöpft sind.

    Wenn man mit seiner Arbeit durch Vollzeitarbeit nicht aus Hartz IV herauskommt, dann arbeitet man gerade so lange dass man die maximal mögliche Aufstockung erhält. Sie unterstellen, dass die Teilzeitarbeiter nicht aufstocken müssten, wenn sie Vollzeit arbeiten würden. Das trifft auf einige zu, aber nicht auf alle.

    Übrigens bedeudet in vielen Fällen Teilzeit, dass man Vollzeit arbeitet aber nur die Hälfte der Stunden bezahlt bekommt.
  3. #482

    Vergleichen Sie mal die Notdurft mit ....

    Zitat von klaus meucht Beitrag anzeigen
    ....Bei einem normalen Leben von ca. 80 Jahren wird ein Mensch in den ersten und lezten 20 Jahren überwiegend von staatlichen Leistungen profitieren und in den mittleren 40 Jahren durch Steuern den Staat finanzieren. Es ärgert mich sehr, wenn man so tut, als ob der Staat seinen Bürgern das Geld stehlen würde....
    Das ist sicher richtig. Wenn der Staat aber immer mehr wegnimmt und in solchen Mengen, dass der Bürger Probleme im normalen Leben hat, dann wirkt es schon wie Diebstahl. Man sollte auch nicht jedes Argument als absolut korrekt betrachten. Es tritt hier der gleiche Effekt wie bei den Politikern ein. Die übertreiben und sind der Meinung alles korrekt zu wissen, also übertreibt die Gegenseite auf die gleiche Art. Dazu kommt, dass Politiker dem Bürger überhaupt nicht zuhören, es sei denn, dass es bereits ihrer Meinung entspricht. Eine sachliche Diskussion gibt es nicht mehr.


    Zitat von klaus meucht Beitrag anzeigen
    ...
    Und viele Menschen müssten, ihre Notdurft wie im Mittelalter wieder auf die Strasse werfen, weil die Kosten der Kanalisation enorm sind. Wenn wir keine Steuern mehr zahlen würden, müssten wir uns wieder an einen unerträglichen Gestank gewöhnen - denn die Ärmeren würden sich an die Kosten der (dann privaten) Kanalisation nicht beteiligen können.
    Versuchen Sie mal an dieser Stelle die Begriffe zu ersetzen. Nehmen Sie Energiewende, Stromverbrauch, Kerzenlicht.

    Auch hier beschließt der Staat ohne über die ärmeren Schichten nachzudenken. Nehmen Sie Solaranlagen anstelle der privaten Kanalisation. Da wird gefordert, dass die kommunales Eigentum sein sollen und dadurch würde der Strom billiger werden. Der Effekt ist der Gleiche. Der eine Teil der Bevölkerung (mit Geld) kriegt seine garantierte(!) Rendite von 30% und der andere Teil muss zahlen.

    Es ist gleichgültig geworden ob es privat ist oder nicht. Sieht man genauer hin, stellt man fest, dass bei privaten Firmen die Kostensenkung eine der "Aufgaben" ist. Bei staatlichen oder kommunalen Versorgern werden einfach der Preis die Steuern erhöht.

    Man zieht fleißig über die Energieversorger her. Dass es da keinen Wettbewerb gibt, ist schon nachteilig. Die Kostensteigerungen wurden in den vergangenen 13 Jahren durch den Staat verursacht, nicht durch irgendeinen Konzern. Ganz im Gegenteil. Deren Preisanteil ist vor etwa 10 jahren gefallen. Der Strompreis ist trotzdem gestiegen. Wie kann das ein, wenn ein Konzern daran schuld wäre. Und warum haben vor etwa 7 Jahren massenhaft Reparaturwerkstätten dicht gemacht? Wurden die durch Konzerne wegen der geplanten Obsoleszenz bestochen? Nein. Der Staat hat denen damals mehr als ein Monatseinkommen abgezogen. Das hat nur keinen Politiker interessiert. Die wussten auch nichts. Und einer ist auch noch vor mir weggelaufen.
  4. #483

    Das soll Martin Luther dereinst geraten haben. Im Grunde sollten dies auch unsere verehrten Volksvertreter endlich einmal tun. Die gesamte Aufregung ließe sich doch dämpfen, wenn man über entsprechend hohe und für alle Tätigkeiten verbindliche Mindestlöhne die Basis der Steuerzahler verbreitern würde. Die Arbeitgeber würden dann zwar weniger Gewinn erzielen aber da man Lohnkosten steuerlich geltend macht auch weniger Steuern zahlen. Auf dieser Basis könnte man dann einmal berechnen ob eventuell sogat Steuersenkungen mögkich sein könnten. Der augenblickliche Steuerfrust aller Gesellschaftsschichten führt doch im Extremfall zu griechischen Verhältnissen. Also ist die Steuerfahndung zunächst einmal unumgänglich. Kurz gesagt "Gebt dem König (oder Vater Staat) was des Königs ist".
  5. #484

    Gewinne werden berechnet nicht erzeugt...

    Zitat von grauwolf1949 Beitrag anzeigen
    ...Die gesamte Aufregung ließe sich doch dämpfen, wenn man über entsprechend hohe und für alle Tätigkeiten verbindliche Mindestlöhne die Basis der Steuerzahler verbreitern würde. Die Arbeitgeber würden dann zwar weniger Gewinn erzielen aber da man Lohnkosten steuerlich geltend macht auch weniger Steuern zahlen. .....
    Die Gewinn enstehen auf Basis der Bilanzrechnung. Die Berechnungsgrundlagen hat der Staat festgelegt. Der Staat hat vor einigen Jahren die Berechnungsgrundlagen geändert, sodass ohne höheren Umsatz die berechneten Gewinne gestiegen sind. Also haben die Firmen mehr Steuern zu zahlen. Große Firmen haben jedoch Chancen die Gewinne wiederum rechnerisch zu reduzieren oder, falls es nicht geht, ins Ausland abzuwandern. Kleine und mittelständische Firmen haben diese Möglichkeiten nicht. Alle Firmen haben aber die Möglichkeiten die Gewinne zu erhöhen, wenn sie an anderer Stelle sparen. Würde der Gewinn sinken, hätten sie ein echtes Problem und würden innerhalb kürzester Zeit pleite gehen. Dann würden nämlich gleichzeitig Kredite reduziert (oder gestrichen) und Zinsen erhöht. Höhere Zinsen, die man an Banken zahlt, werden seit einigen jahren als Zusatzgewinn bewertet und sind zusätzlich zu versteuern (obwohl es eine Ausgabe ist). Noch dämlicher ist das Reverse Charge Verfahren seit vergangenem Jahr. Das hat bei vielen Formen die Kosten explodieren lassen.

    Anderes Beispiel: RWE zahlt, soweit bekannt ist, gute Löhne. Im vergangenen Jahr lag der Verlust bei einigen Mrd. Euro. Dieses Jahr machen sie wieder Gewinn. Dabei mussten sie nicht einmal die Löhne reduzieren. Nein, sie sparen nur 10000 Arbeitsplätze ein.

    Externe Beispiele sind Sony und Sharp. Die machen Milliarden Verluste, weil die Steuern, vor allem in den USA, zu hoch sind. Man kann die Firmen retten. Kein Problem. Dann müssen eben hedgefonds einsteigen. Die Löhne werden dann reduziert und die Zahl der Arbeitnehmer sinkt. Dafür machen die Hedgefondmanager wieder dicke Gewinne.

    Steuern müssen sich an die Wirtschaftsleistung anpassen. Der Staat sollte sich genauso wenig Steuertricks einfallen lassen wie die Steuerzahler (Bürger und Firmen). Er tut es trotzdem. Dadurch steigen Bürokratie und Kosten. Komisch nur, dass diese staatlichen Tricks nie kritisiert werden. Dafür senkt man dann die Einkommen oder stellt Leiharbeiter ein ....
  6. #485

    Stimmt ...

    Zitat von grauwolf1949 Beitrag anzeigen
    ... Der augenblickliche Steuerfrust aller Gesellschaftsschichten führt doch im Extremfall zu griechischen Verhältnissen. ....
    Stimmt. Da hat ein griechischer Kommunalpolitiker einen Flughafen in der Nähe eines Flughafens bauen lassen. Und weil das Ding so schön ist, hat er sich sein eigenes Denkmal für 300000 Euro davor bauen lassen. Ein Flugzeug war bisher dort noch nicht sehen.

    Vor einigen Jahren wurde hier kritisiert, dass man den Binnenhafen in Frankfurt/Oder gebaut oder vergrößert hat. Nur die Schiffe fehlen noch. Da hätte man von Polen ein Stück Land abkaufen und die Oder verbreitern müssen. Sonst kann kein Schiff von der Ostsee bis nach Frankfurt kommen.

    Und in Halle hat man einen Hafen für 30 Mio. Euro gebaut. Die Schiffe fehlen noch. Wie sollen sie auch dort hin kommen. Dafür plant man für zusätzliche 100 Mio. Euro einen Kanal zu bauen.

    Genießen Sie das Video
    NDR - Extra 3 - Sinnloser Kanalbau an der Saale (100 Mio.
    Wunderschönes Wasser, blanke Natur und kein einziges Schiff.