Krise in Ägypten: Mursi setzt auf die Macht der Straße

AFPIn Ägypten haben Islamisten das Verfassungsgericht blockiert und damit eines bewiesen: Sie können den Machtkampf mit den Säkularen durch schiere Masse entscheiden. Präsident Mursi hat beste Chancen, seine religiös gefärbte Verfassung durchzubekommen - dies würde das Land endgültig spalten.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-870537.html
  1. #10

    Glaube? Eher Hoffnung

    Zitat von matbhmx Beitrag anzeigen
    ... in Ägypten hin zur nächsten, diesmal islamistischen Diktatur wird auch Europa belastet werden. Denn auf Dauer wird man mit drastischer Zunahme der Asylgesuche rechnen müssen. Und dies betrifft nicht nur Ägypten, sondern wird künftig auch Libyen, Syrien und wer weiß welches Land sonst noch betreffen.

    Wer halbwegs den Nahen Osten begriffen hat, musste wissen, dass mit dem Sturz der Diktatoren nicht ein Schritt in Richtung Deomkratien gemacht wurde, sondern sich nur die nächste Diktatur ankündigt.
    Mit dieser Einschätzung könnten Sie Recht haben.

    Zitat von matbhmx Beitrag anzeigen
    Aber die Träumer im Westen wollten ja um jeden Preis was anderes glauben!
    Es gibt sicherlich viele wie mich, die es zwar nichts anderes erwartet, aber eben doch gehofft haben. Letztlich aber sind eben doch die Menschen für Ort für sich selbst verantwortlich und nur sie können einen echten demokratischen Wandel herbeiführen.
  2. #11

    Ihre Ausführungen ...

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Auch in Europa haben die bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts nicht sofort zu demokratischen Verhältnissen geführt. Aber beispielsweise in Deutschland wurde 1848 eine Grundlage geschaffen, die letztlich über 100 Jahre später zum Ziel führte.
    ... sind schlicht absurd. Die Märzrevolution hat zu allem Möglichen geführt, mit Sicherheit nicht zu Demokratie in Deutschland. Wo haben Sie den Geschichte gelernt?

    Irgendwie scheint Ihnen entgangen zu sein, dass Deutschland bis 1918 ein absolutistisch geführtes Kaiserreich war. Die "weich" beginnenden Demokratisierungen Ende des 19. Jahrhunders waren die Antwort auf einen erstarkenden Mittelstand bei gleichzeitiger Zurückdrängung der Großgrundbesitzer, wobei der erstarkende Mittelstand eine Antwort auf die zunehmende technische Revolution war, die aus dem Agrarstaat Deutschland den in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts größten und erfolgreichsten Industriestaat Europas machte.

    Und die nach 1918 entstandene Demokratie - die von vorn bis hinten nicht funktionierte und letztlich beim Gröfaz landete - war Ergebnis des verlorenen 1. Weltkrieges, des in den einfachen Bevölkerungsschichten einschließlich der einfachen Soldaten- und Marineränge erstarkenden Kommunismus (nicht umsonst wurden überall "Räte" gebildet), der schließlich im Sturz des Kaisers endete, sowie des anschließenden Diktats der Siegermächte!

    Und das Erstarken des unteren wie auch des Mittelstandes war Folge der Einführung der Schulpflicht, weil jede verantwortungsvolle Demokratisierung breiter Massen eben jedenfalls ein Grundmaß an Bildung voraussetzt.

    Aber genaue eine breite Basis von Bildung versucht der Islam zu verhindern. Er verweigert es von vornherein dem weiblichen Geschlecht - und beim männlichen jedenfalls überall dort, wo es Religion in Frage stellt. Raten Sie doch Mal, woran es liegt, dass es im gesamten arabischen Raum keine eigenen Automobil-, Software-, sonstige Industrieunternehmen gibt. Die letzte große Erfindung aus dem arabischen Kulturraum war das Papyrus ... ist auch schon mehr als 3.000 Jahre her!
  3. #12

    Es ist leider etwas komplizierter...

    ...als die Schreiber es ihren Lesern zumuten wollen:

    Die MUSLIMBRÜDER sind sowas wie das Bildungsbürgertum in Ägypten und haben mit den Radikalinskis eigentlich nix am Hut.

    Aber ihr Präsident Murksi hockt auf einer sehr wackeligen Koalition und läßt sich - ähnlich wie in Israel - von den religiösen Radikalen, die hier Salafisten heißen - vor sich her treiben.
  4. #13

    Zitat von DerNachfrager Beitrag anzeigen
    ...als die Schreiber es ihren Lesern zumuten wollen:

    Die MUSLIMBRÜDER sind sowas wie das Bildungsbürgertum in Ägypten und haben mit den Radikalinskis eigentlich nix am Hut.

    Aber ihr Präsident Murksi hockt auf einer sehr wackeligen Koalition und läßt sich - ähnlich wie in Israel - von den religiösen Radikalen, die hier Salafisten heißen - vor sich her treiben.
    Nein, auch das ist falsch.

    Das Bildungsbürgertum in Ägypten wird vertreten von el-Baradei. Das sind säkulare, aufgeklärte Bürger, die völlig unauffällig auch hier bei uns ein gutbürgerliches, in unsere Geselslchaft integriertes Leben führen könnten.

    Die Muslimbrüder vertreten die mehrheitlich ungebildeten Schichten bis hin zu den in die Mittelschicht aufgestiegenen neubürgerlichen Schichten der erfolgreichen Handwerker und Händler, die aber noch starke Wurzeln in alten Traditionen haben.

    Die Salafisten machen nur einen kleinen Teil der ägyptischen Geselslchaft aus. Die meisten von ihnen sind durch die saudischen Zahlungen eingekauft. Die wechseln ihr Hemd nach Bedarf schneller, als Sie gucken können.

    Mursi steck in einer Zwickmühle. Die ägyptische Justiz ist nämlich keineswegs unabhängig, sondern ist ein Konfliktteil. Die Justiz als Ganzes steht als letztes Bollwerk der alten Mubarak-Elite. Sie hat keineswegs ein Interesse an einer demokratischen Verfassung, sondern betätigt sich als Bremser. Mursi hat nicht damit gerechnet, dass der Westen diese Justiz gegen ihn verteidigt.
  5. #14

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Sehen Sie sich nur mal den Iran an. Wie lange wird sich die theokratische Diktatur dort noch halten können? Diese Diktatur wird doch nur noch von höchstens 20 bis 30% der Iraner noch ernst genommen. Es war richtig von den Iranern, das faschistisch-diktatorische Joch des Schah-Regimes abzuschütteln, und die Iraner werden auch ihren theokratischen Faschismus überwinden.
    Naja, das die Iranische Diktatur kurz vor dem Fall steht, liest man seit Jahren, und ebenso scheint die Diktatur seit Jahren weiterhin fest im Sattel zu sitzen. Die Frage ist wie viele Iraner die islamische Diktatur wirklich als überwindenswert betrachten ?
  6. #15

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Diese pessimistische Sicht ist durch nichts anders begründet, als durch Kulturchauvinismus.
    Meinen Sie, mit kulturrelativistischer Beliebigkeit kommen wir weiter?
    Freiheit ist nicht selbstverständlich. Man muss sie verteidigen, auch gegen religiös faschistische Ideologien.

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Auch in Europa haben die bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts nicht sofort zu demokratischen Verhältnissen geführt. Aber beispielsweise in Deutschland wurde 1848 eine Grundlage geschaffen, die letztlich über 100 Jahre später zum Ziel führte.
    In Europa hatten wir ZUVOR in jahrhundertelangen Kämpfen den Klerus faktisch kastriert. Dafür war das Zeitalter der Aufklärung zwingend erforderlich.
    Sehen Sie in der arabischen Welt irgendetwas das auf eine Aufklärung hindeutet?

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    In den arabischen Staaten ist das nicht anders. Demokratie verlangt nach einer hinreichenden Bildung eines hinreichenden Anteils der Bürger, die in den arabischen Staaten heute noch nicht überall vorhanden ist. Aber es gibt dort nennenswerte Anteile aufgeklärter Bürger, die jetzt erfahren haben, dass das Volk in der Lage ist, eine Diktatur hinwegzufegen.
    Ob die Welt wirklich noch einige Jahrhunderte Zeit hat, bis die arabische Welt soweit ist? Ich denke nicht.

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Sehen Sie sich nur mal den Iran an. Wie lange wird sich die theokratische Diktatur dort noch halten können? Diese Diktatur wird doch nur noch von höchstens 20 bis 30% der Iraner noch ernst genommen. Es war richtig von den Iranern, das faschistisch-diktatorische Joch des Schah-Regimes abzuschütteln, und die Iraner werden auch ihren theokratischen Faschismus überwinden.
    Mal sehen, ob die Mullahs sich die Macht noch aus den Händen nehmen lassen, wenn sie erstmal die Atombombe haben.
  7. #16

    Da aber doch...

    Zitat von matbhmx Beitrag anzeigen
    ... in Ägypten hin zur nächsten, diesmal islamistischen Diktatur wird auch Europa belastet werden. Denn auf Dauer wird man mit drastischer Zunahme der Asylgesuche rechnen müssen. Und dies betrifft nicht nur Ägypten, sondern wird künftig auch Libyen, Syrien und wer weiß welches Land sonst noch betreffen.

    Wer halbwegs den Nahen Osten begriffen hat, musste wissen, dass mit dem Sturz der Diktatoren nicht ein Schritt in Richtung Deomkratien gemacht wurde, sondern sich nur die nächste Diktatur ankündigt.

    Aber die Träumer im Westen wollten ja um jeden Preis was anderes glauben!
    des Islam bereits zu Deutschland gehört, wie man besonders aus der linken ecke immer hört, machen wir demnächst die Schleusen auf, für alle Flüchtlinge, die aber in letzter Konsequenz ihre Muslimparteien wählen werden.

    Ägypten ohne Tourismus, ohne Geld aus Eu und USA kann sich beerdigen lassen, einschließlich seiner Bartgesichter. Diese Leute werden nicht einen neuen Arbeitsplatz bringen können, es sei den die Singer der Moscheen.
  8. #17

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Ägypten haben Islamisten das Verfassungsgericht blockiert und damit eines bewiesen: Sie können den Machtkampf mit den Säkularen durch schiere Masse entscheiden. Präsident Mursi hat beste Chancen, seine religiös gefärbte Verfassung durchzubekommen - dies würde das Land endgültig spalten.

    Ägypten: Mursi setzt auf die Macht der islamistischen Demonstranten - SPIEGEL ONLINE
    "religiös gefärbte Verfassung"? Wie weit will der SPON die Lage in Ägypten relativieren? Mursi und Co. haben Scharia zum Grundgesetz erhoben! DAS ist religiös gefärbt? Das ist knallharter religiöser Fundamentalismus. Wie dumm wollen die "Journalisten" uns noch halten?
  9. #18

    Demokratie

    Man sollte sich daran erinnern, dass in einer Demokratie alle Bevölkerungsgruppen, Religionen respektiert werden müssen. Was die Weltgemeinschaft lange versäumt hat, auch Muslimbrüder, die sich an Gesetz und Ordnung halten, an der Demokratie teilnehmen zu lassen, findet seine Fortsetzung. Lassen wir die Wahlurnen entscheiden und nicht die Macht der Straße. Zugegebenerweise ist die neu ausarbeitete Verfassung als eine hervorragende Arbeit von unabhängigen juristen und Menschenrechtsaktivisten bezeichnet worden.Christen und Juden können somit gleichberechtigt neben der Mehrheit der Muslime leben. Außerdem schränkt die neue Verfassung Mursis Befugnisse stark ein
  10. #19

    Das ist sicher...

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Diese pessimistische Sicht ist durch nichts anders begründet, als durch Kulturchauvinismus.

    Auch in Europa haben die bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts nicht sofort zu demokratischen Verhältnissen geführt. Aber beispielsweise in Deutschland wurde 1848 eine Grundlage geschaffen, die letztlich über 100 Jahre später zum Ziel führte.

    In den arabischen Staaten ist das nicht anders. Demokratie verlangt nach einer hinreichenden Bildung eines hinreichenden Anteils der Bürger, die in den arabischen Staaten heute noch nicht überall vorhanden ist. Aber es gibt dort nennenswerte Anteile aufgeklärter Bürger, die jetzt erfahren haben, dass das Volk in der Lage ist, eine Diktatur hinwegzufegen.

    Diese Erfahrung wird alle zukünftigen Generationen in diesen Staaten beeinflussen. Selbst wenn jetzt hie und da - eventuell sogar auf durchaus demokratischem Wege - islamistische Diktaturen installiert werden, so wurde mit den jetzigen Rebellionen auch die Grundlage dafür gelegt, dass diese ebenfalls irgend wann mal hinweggefegt werden.

    Sehen Sie sich nur mal den Iran an. Wie lange wird sich die theokratische Diktatur dort noch halten können? Diese Diktatur wird doch nur noch von höchstens 20 bis 30% der Iraner noch ernst genommen. Es war richtig von den Iranern, das faschistisch-diktatorische Joch des Schah-Regimes abzuschütteln, und die Iraner werden auch ihren theokratischen Faschismus überwinden.
    nicht verkehrt, aber man darf die Brandstifter aus Saudi arabien nicht vergessen, die derzeit mit allem zur Verfügung stehenden Geld Salafisten und Islamisten dafür bezahlen, dass sie Unfrieden in der welt stiften.
    Wenn dort das Königsregime, was sicherlich zwanzig Mal morscher ist, alle Iran etc., weg ist, dürfte sich vieles beruhigen.
    Die einschätzung zum IRAn ist richtig, nach meinen Erfahrungen mit vielen iranischen Bekannten sind es eher 10% oder weniger, die sich dem Mullah Regime und deren Pasderan zugehörig fühlen. Noch ist es lebensgefährlich, sich laut oder leise zu äußern. Aber.... wenn der nächste Sturm losbricht, bleibt den Mullahs nur noch, wacker nach Afghanistan zu rennen.... da warten dann die lieben US Boys....