S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Lob der Ineffizienz

Die Theaterlandschaft wird mal wieder umgewälzt, alles muss irgendwie neu werden. Aber die wirklich wichtigen Dinge werden nicht angepackt. Denn viele Theater sind erstarrt und bieten ein austauschbares Programm. Das Schlimmste aber ist: Alles muss immer billiger werden.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-870329.html
  1. #1

    Lassen wir es sterben!

    Oder die neuen Theaterautoren. Immer das Gleiche in Variationen. Vater Alkoholiker, Mutter Prostituierte, Sohn kriminell, Tochter drogensüchtig. Oder andersherum. Andersherum? Ach ja, schwul nicht zu vergessen. Also schwuler Vater, Mutter lesbische Kleptomanin, Sohn drogensüchtiger Sodomit, Tochter Flatrate-Alkoholikerin aus Berufung. Egal, ist alles so ähnlich dämlich. Und das Stück ist zur Entspannung stets voller lichtem Frohsinn und heller Heiterkeit eines Ingmar Bergman. Man ist jedenfalls zum Schluß immer derartig deprimiert, daß man am liebsten im Foyer freudig lachend in eine Kreissäge rennen möchte.
    Und wenn man dann noch die Kommentare von lebensecht und wirklichkeitsgetreu hört, fragt man sich ratlos: Nanu? Warum kenne ich nicht auch so eine Familie? Weiß der Geier, wo sich diese modernen Autoren immer rumtreiben!
  2. #2

    Hallo Frau Sibylle

    Theater interessiert nur dort,wo das Angebot sehr spaerlich ist,an kulturellen Veranstaltungen.Hier,am Ort,in dem wir leben,gab es den Sommer ueber mehrere Auffuehrungen vom Feinsten.Laientheater.Es werden Stuecke aufgefuehrt,deren Ideen von den Leuten aus dem Dorf sind,teilweise handelt es sich um wahre Begebenheiten.Die Auffuehrungen sind gut besucht.Hier stirbt das Theater nicht.Liebe Gruesse aus Portugal.
  3. #3

    Mousonturm Frankurt: Fragen Sie lieber einmal, warum sich dessen Leiter

    vor einigen Wochen umgebracht hat....

    Und publizieren Sie bitte die Antwort. Danke.
  4. #4

    Weniger Staat - mehr Einsatz und Niveau

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Theaterlandschaft wird mal wieder umgewälzt, alles muss irgendwie neu werden. Aber die wirklich wichtigen Dinge werden nicht angepackt. Denn viele Theater sind erstarrt und bieten ein austauschbares Programm. Das Schlimmste aber ist: Alles muss immer billiger werden.

    Sibylle Berg über Theater: Alles muss immer billiger werden - SPIEGEL ONLINE
    Obwohl ich das Regietheater hasse, und daher nur selten ins Theater gehe, ... um dann wieder sagen zu können, warum ich dagegen bin. Hier hat Frau Sybille einen schönen Punkt angeschnitten:

    Die fünfzig Männer ließen pünktlich zum Feierabend den Hammer fallen. Nichts war beendet, aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Die Macht der staatlich subventionierten, apparatisierten Verwaltungswut, der sich ein künstlerischer Prozess unterzuordnen hat.
    Genau an so etwas muss ich oft denken, da wir in der Wissenschaft mit ähnlichen Phänomenen zu kämpfen haben. Die Kreativen, die am Wochenende bis in die Nacht Projektanträge, Reports, Publikationen schreiben müssen, verzweifeln in der Woche an Mitarbeitern, die selbst 3 Minuten nach um Fünf gewerkschaftskonform nichts mehr machen wollen, auch wenn am nächsten Tag eine lebenswichtige Deadline droht.

    Pech gehabt, Problem ist nur, dass wir diesen Leuten die Arbeitsplätze sichern.
  5. #5

    Frau Sibylle, das ist natürlich sehr zentriert aus der Sicht einer Kunstliebhaberin geschrieben. Wer einfach mal ins Theater gehen will, der wartet wohl eher auf Godot oder macht einen Osterspaziergang in die Spielstätte seiner Wahl, anstatt hypermodernes Schauspiel erdulden (sic!) zu müssen.

    Man sagt den Betreffenden dann besser nicht, dass sein Eintrittsgeld locker mit 100-200 Euro subventioniert wird. Aber so ist es mit Kultur. Sie ist sozusagen ein Abfallprodukt einer weitgehend intakten Gesellschaft, die sich Verschwendung zugunsten von Amüsement leisten kann. Ineffezient? Sicher! Notwendig? Vermutlich auch.
  6. #6

    Theater noch zeitgemäß?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Theaterlandschaft wird mal wieder umgewälzt, alles muss irgendwie neu werden. Aber die wirklich wichtigen Dinge werden nicht angepackt. Denn viele Theater sind erstarrt und bieten ein austauschbares Programm. Das Schlimmste aber ist: Alles muss immer billiger werden.

    Sibylle Berg über Theater: Alles muss immer billiger werden - SPIEGEL ONLINE
    Das Kleinbürgertum welches diese Kultur subventioniert oder
    subventionieren muss wird ärmer und kritischer gegenüber dieser
    Art von Kultur.

    Egal welche Meinung dieser Kulturpöbel hat, es wird munter
    weiter an teuren Kulturstätten gebaut sieh Elbphilharmonie.

    Autoren verarbeiten in ihren "modernen" Stücken die Art von
    Realität die keiner braucht und auch keiner sehen will.

    Das Theater ist eher die Öl-Lampe der Unterhaltung.
    Sie bringt ein schönes warmes Licht in das Herz
    von ein paar Kulturliebhabern. Ähnlich wie die Oper.

    Man kann seine Abendgarderobe vorführen und
    dies in einem kleinen elitären Kreis.
    Bezahlt vom Pöbel den man verachtet.

    Die Masse der Menschheit lebt scheinbar lieber mit der Kultur der
    Neuzeit, wie banal sie auch immer sein mag für die
    echten Kulturliebhaber.
  7. #7

    Zeitmanagement

    Zitat von kannmanauchsosehen Beitrag anzeigen
    Obwohl ich das Regietheater hasse, und daher nur selten ins Theater gehe, ... um dann wieder sagen zu können, warum ich dagegen bin. Hier hat Frau Sybille einen schönen Punkt angeschnitten:



    Genau an so etwas muss ich oft denken, da wir in der Wissenschaft mit ähnlichen Phänomenen zu kämpfen haben. Die Kreativen, die am Wochenende bis in die Nacht Projektanträge, Reports, Publikationen schreiben müssen, verzweifeln in der Woche an Mitarbeitern, die selbst 3 Minuten nach um Fünf gewerkschaftskonform nichts mehr machen wollen, auch wenn am nächsten Tag eine lebenswichtige Deadline droht.

    Pech gehabt, Problem ist nur, dass wir diesen Leuten die Arbeitsplätze sichern.
    Na...man könnte diesen "Kreativen" auch schlichweg mangelndes Timemanagement vorwerfen, für welches Otto-Normal nun also mehr "Einsatz" bzw. Vertständnis aufbringen soll!? Würde ich nicht aushalten und genau so machen. Um 5 Uhr ist Schluss, alles andere halt Verhandlungssache aber bestimmt kein Gefallen! ;-)
  8. #8

    Starkes Thema, mal wieder schwach umgesetzt

    Es ist traurig zu lesen wie inhalts- und gedankenlos man einem Thema wie der Zukunft des Theaters begegnen kann. Außer ein paar unspezifischen Allgemeinplätzen (Patriarchismus, übertriebene Sparprogramme, aufgeblähte Verwaltungsapparate und daraus resultierender Effizienzialismus) wird der Artikel nur von Anekdoten und Sentimentalität getragen. Sehr viele, wenn nicht alle Bereiche der Kunst, aber auch der Wirtschaft und des Privatlebens sind von den genannten Problemfeldern betroffen, das Wort "Theater" kann ohne weiteren Aufwand "replaced" werden, und der Artikel würde immer noch "funktionieren", was nicht besonders für dessen Funktionalität spricht.

    Dass beispielsweise deutsche Verwaltungsapparate sehr starr sind und wenig Kreativität zulassen ist nun wirklich nichts Neues - vor allem aber nicht erst seit gestern! Damit müssen Staatstheater doch seit jeher leben (am Rande: Wir können froh sein Staatstheater zu haben, wenn Sie mich fragen). Die wirklichen Probleme anzusprechen wird tunlichst vermieden, sodass man sich wirklch fragen muss was hier eigenltich vermittelt werden soll.

    Symptomatisch: "Auch darüber könnte man reden. Aber nicht hier. Nicht heute." - Frau Sybille macht es sich zum Zwecke der Effekthascherei mal wieder schön einfach.

    P.s.: Hier noch ein kleiner Intensivkurs der deutschen Sprache: Anders als im Artikel vermittelt sind Effektivität und Effizienz keineswegs Synonyme. Am besten sieht man das am Beispiel des Artikels selbst, dem es sowohl an Effektivität (wie gerade beschrieben) als auch Effizienz (unstrukturiertes Gezeter) nicht zu knapp mangelt.
  9. #9

    Das Theater ist ein Vergnügen der gut verdienenden Oberschicht

    Die soll es auch bezahlen. Steuergelder sollten dazu nicht verwendet werden. Kinos und Zirkusse bekommen ja auch keine Subventionen. In England hat man den Theatern alle Subventionen gestrichen und seitdem spielen sie nur noch das was das Publikum will und die Veranstaltungen sind wieder gut besucht.