Straftat Gotteslästerung: Niederlande wollen Blasphemie-Gesetz streichen

APBisher haben Götter in den Niederlanden eines mit Königin Beatrix gemeinsam: Sie sind vor Beleidigungen gesetzlich geschützt. Das Parlament hat sich nun aber für das Ende des Blasphemie-Gesetzes ausgesprochen. Eine Seltenheit im internationalen Vergleich.

Gotteslästerung: Niederlande wollen Blasphemiegesetz abschaffen - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bisher haben Götter in den Niederlanden eines mit Königin Beatrix gemeinsam: Sie sind vor Beleidigungen gesetzlich geschützt. Das Parlament hat sich nun aber für das Ende des Blasphemie-Gesetzes ausgesprochen. Eine Seltenheit im internationalen Vergleich.

    Gotteslästerung: Niederlande wollen Blasphemiegesetz abschaffen - SPIEGEL ONLINE
    Man sollte Blasphemie auch im EU Recht Streichen bzw es als
    straffrei erklären. Religionsanhänger sollen akzeptieren, dass man
    Glauben nicht einfach anderen Menschen ob direkt oder indirekt
    aufzwingen kann. Dieses Prinzip muss verankert werden.
  2. #2

    na Horrido mich beisst ein Floh

    dann können sich die Holländer ja schon auf allerlei "Aktionskunst" gefasst machen.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bisher haben Götter in den Niederlanden eines mit Königin Beatrix gemeinsam: Sie sind vor Beleidigungen gesetzlich geschützt. Das Parlament hat sich nun aber für das Ende des Blasphemie-Gesetzes ausgesprochen. Eine Seltenheit im internationalen Vergleich.

    Gotteslästerung: Niederlande wollen Blasphemiegesetz abschaffen - SPIEGEL ONLINE
    Stellen sie sich mal vor, es wäre als Begleitbild ein brennender Koran, anstatt eine Maria mit eingeschlagenem Schädel zu sehen gewesen...

    Ist ja schön wenn der Blasphemie-Garagraph entfernt wird, doch werden dann auch die Gläubigen jeder colour toleranter?
  4. #4

    Straftat Gotteslästerung

    Keine Strafe bei Gotteslästerung? Bislang gab es in den
    Niederlanden die Todesstrafe für Blasphemie - allerdings
    nur bei einem Gott bzw. Propheten. Hat allerdings auch Nichts
    mit der niederländischen Rechtssprechung zu tun.

    Theo van Gogh ( R.I.P. )
  5. #5

    Was mir im Artikel vollkommen fehlt, ist der historische Zusammenhang des "Blasphemie"-Artikels in vielen europäischen Verfassungen, und insbesondere in Deutschland.

    Letztlich sind diese Gesetze Überbleibsel aus den Zeiten der Religionskriege bis und insbesondere im 17. Jahrhundert. Sie sind die zweite Aspekt der Gesetze für die Religionsfreiheit und der Erfahrung der gewaltsamen Konflikte geschuldet. Fortan sollte also der religiöse Frieden dergestalt gesichert werden, dass einerseits das religiöse Bekenntnis frei sei, andererseits aber die Beleidigung anderer Bekenntnisse strafbar. Jeder hat das Recht, sein religiöses Bekenntnis zu wählen (oder eben auch gar keines), andererseits andere aber deswegen nicht zu beleidigen oder gar anzugreifen.

    Es lag nahe, dies im 20. Jahrhundert auch auf weltanschauliche Bekenntnisse auszudehnen. So ist es übrigens im selben Sinne strafbar, wenn ein christlicher Prediger Atheisten mit der ewigen Hölle droht - selbst wenn es für den Atheisten keine Drohung ist, weil er nicht an die Hölle glaubt. Da die Umsetzung des Gesetzes aber praktisch immer ausbleibt, würde eine Klage wohl wie das Hornberger Schießen ausgehen.

    Insofern ist es durchaus denkbar, den Paragrafen abzuschaffen - aber zugleich auch von höchstens symbolischem Wert. Für einige, die Deutschland schon für einen Gottesstaat halten, weil der Bundespräsident einst Pfarrer war, mag es ein groß gefeierter Sieg sein, aber realistisch betrachtet hat es kaum Auswirkungen. Zumal persönliche Beleidigungen natürlich trotzdem strafbar bleiben: Wer allen Katholiken vorwirft, Kinderschändung zu befürworten, macht sich nach wie vor der üblen Nachrede schuldig.

    An sich stehe ich der Sache relativ neutral gegenüber, eben aufgrund ihrer Belanglosigkeit in Europa. Bedenklich finde ich lediglich, dass von atheistischer Seite teils aggressiv versucht wird, auch die Religionsfreiheit durch ein Religionsverbot (bzw. die Absicht, Religion nur noch in den eigenen Wänden zu erlauben, was einem Verbot gleichkommt) abzuschaffen. Und diese Absicht sehe ich in einer pluralistischen Gesellschaft durchaus als Rückschritt an.

    Im übrigen ist es natürlich eine Frage des Respektes gegenüber anderen Menschen, nicht einfach auf dem herumzutrampeln, was ihnen wichtig ist. Da muss man nicht immer ein Gesetz haben, ein wenig Rücksichtnahme genügt auch.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Deutschland regelt Paragraf 166 des Strafgesetzbuches die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen. Demnach kann bestraft werden, "wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer beschimpft" - aber nur dann, wenn damit der öffentliche Frieden gefährdet wird. Es drohen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.
    Man könnte jetzt argumentieren, dass der öffentliche Frieden eher von denjenigen gefährdet wird, die wegen einer Beleidigung ihres imaginären Freundes Menschen verletzen oder gar töten.

    Das ist so eine Sache, die ich bei religiösen Menschen nie verstanden habe. Wenn man von einem allmächtigen und allwissenden Gott ausgeht, sollte man meinen, dass er sich selbst darum kümmern würde, wenn er sich beleidigt fühlt. Wenn er wirklich so weit über den menschen steht, dann sollte man doch annehmen, er verhält sich wie ein Erwachsener der von einem Kind beleidigt wird; ignoriert ihn lächeln und denkt sich "Das kannst Du gar nicht ernst meinen" oder "Du weißt es halt nicht besser.".
    Aber vielleicht ist es diese Inaktion, die die Leute aufbringt. Als Gläubiger muss man nicht nur viele Dinge die passieren als Gottes Willen sehen, sondern auch sehr, sehr viele Dinge die nicht passieren. Vielleicht ist diese Inaktion gegen Gotteslästerungen der letzte Strohhalm, bevor der eigene Glaube in Frage gestellt wird. Da ist es vielleicht einfach eine Erleichterung wenn dann jemand kommt und den Gotteslästerer einfach umbringt. Dann war es nicht bloß ein sinnloser Mord, sondern Gottes Rache, mit diesem Sterblichen als Werkzeug. Und dann kann man sich wieder gut fühlen. Immerhin hatte das Opfer ja selbst Schuld. Es hätte ja keine Gotteslästerung begehen müssen.

    Achja... erklären wir Religion doch einfach zu völkerrechtswidrigen Massenvernichtungswaffe und schicken die Leute zur Entwaffnung nochmal in die Schule.
  7. #7

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    Ist ja schön wenn der Blasphemie-Garagraph entfernt wird, doch werden dann auch die Gläubigen jeder colour toleranter?
    In Pakistan oder dem Iran mag das anders sein, aber in Deutschland sind die Gläubigen nicht intoleranter als die Nichtgläubigen. Tatsächlich dürfte sich da wenig Unterschied messen lassen. Natürlich gibt es auch hier tiefreligiöse Fanatiker, die keine Kritik dulden, aber wer schon einmal mit einem überzeugten Marxisten oder einem Libertären diskutiert hat, weiß, dass da ebenso beinhart und kompromisslos argumentiert und gehandelt wird.
  8. #8

    Gut so

    Schließlich bleibt die Beleidigung der niederländischen Königin Beatrix strafbar.
    Die gibt es ja auch wirklich. Gott sollte aber keinen besseren Schutz als der Weihnachtsmann, der Osterhase oder andere Fabelwesen genießen dürfen.
  9. #9

    Wie wäre es, wenn SPON mal zwischen »Gotteslästerung« und »Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses« unterscheiden würde?

    Mit einem Gotteslästerungs-Paragraphen, so haben irgendwann ein paar helle Köpfe unter den Religionsapologeten erkannt, könnte man auf die Schnauze fallen, denn wo bitte schön ist der Gelästerte? Persönlich Strafantrag stellen kann er ja nicht. Um sich also aus dem Dilemma »man kann nichts gelästert haben, was es nicht gibt« herauszuwinden, kam man auf den Trick mit der »Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses«. Wenn man also sagt, dass der Christengott ein fanatischer, rachsüchtiger, völkermordender Frauenfeind ist, dann dürfen sich diejenigen beschimpft fühlen, die an diesen eingebildeten Kranken glauben, und - schwupps - hat man eine juristische Handhabe gegen Atheisten.