Sexualkunde: Österreich streitet über Aufklärungs-Heft

bm:ukk"Ganz schön intim": Eine Broschüre für den Aufklärungsunterricht verärgert konservative Politiker und Eltern in Österreich. Das Heft enthält Spiele und Aufgaben, mit denen Lehrer Sechs- bis Zwölfjährigen die Sexualität vermitteln sollen. Zeitgemäß oder "verstörend"?

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-870051.html
  1. #1

    Die wirklichen Fanatiker sitzen dieses Mal auf der anderen Seite

    Ich bin nicht verklemmt oder fundamentalistisch, um diesem Totschlagargument gleich zu entgegnen. Aber nur weil man nicht auf der Linie des Papstes ist, muss man nicht gleich jeden Blödsinn mitmachen.
    6-jährigen Kindern Gesprächen über Selbstbefriedigung und alle möglichen Spielarten der Sexualität aufzudrücken deucht mir doch arg abwegig.

    Da habe ich schon stark den Verdacht dass es da nicht um den Bedarf der Kinder geht, mit jener Phase ihres Lebens klar zu kommen sondern um den Bedarf der Autoren und Auftraggeber ihr Weltbild zu propagieren.
  2. #2

    Probleme

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Ganz schön intim": Eine Broschüre für den Aufklärungsunterricht verärgert konservative Politiker und Eltern in Österreich. Das Heft enthält Spiele und Aufgaben, mit denen Lehrer Sechs- bis Zwölfjährigen die Sexualität vermitteln sollen. Zeitgemäß oder "verstörend"?

    Sexualität im Unterricht: Streit um Aufklärung in Österreich - SPIEGEL ONLINE
    Das sind mal wieder Probleme... verursacht durch Jahrtausende der christlichen Sozialisation, in der Sex etwas schlimmeres als Gewalt darstellt. Für mich ist vielmehr "verstörend", dass jeder 6-jährige schon im Vorabendprogramm Mord und Totschlag mitbekommen darf, aber ein in der Schule gezeigtes onanierendes Strichmännchen Aufschreie erzeugt. Was würde erst passieren, wenn man im Fernsehen mal einen echten erregierten Penis zeigt? Dann doch lieber zerfetzte Leichen im nahen Osten... weil das anscheinend weniger obszön ist. Werde ich nie verstehen.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Ganz schön intim": Eine Broschüre für den Aufklärungsunterricht verärgert konservative Politiker und Eltern in Österreich. Das Heft enthält Spiele und Aufgaben, mit denen Lehrer Sechs- bis Zwölfjährigen die Sexualität vermitteln sollen. Zeitgemäß oder "verstörend"?

    Sexualität im Unterricht: Streit um Aufklärung in Österreich - SPIEGEL ONLINE
    "Der Aufschrei um die Broschüre zeigt umso mehr, dass viele Menschen mit Sexualität überfordert sind", sagte der Sexualpädagoge Wolfgang Kostenwein im "Kurier".

    Sicher. Wenn denen keiner das aufgewärmte 68er-Gewäsch zur Sexualität abkaufen will, dann ist nicht der Sender schuld, sondern der Empfänger. Und damit müssen die Zweifler erst recht bekehrt werden, denn der Überforderung kann nur der "Fachmann" begegnen. Genauso gut könnte ein Gebrauchtwagenhändler mit diesem Zirkelschluss behaupten, der Käufer wäre mit dem Wagen überfordert. Oder Hegel würde sagen: "Wenn die Theorie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, umso schlimmer für die Wirklichkeit".

    Was eigentlich spricht dagegen, Kindern nur die Fragen zu beantworten, die sich Kindern je nach Alter stellen? Stattdessen fühlen sich Sexual-Missionare dazu berufen, für Masturbation oder Klitoris zu werben und schon sechsjährige Kinder mit einem Wissen kollektiv, wie staatlich organisiert, zu belästigen, das diese ratlos und fragender zurück lässt als hätte der Philosoph geschwiegen?

    Der Verdacht ist da schon naheliegend, dass die angeblichen Aufklärer eine latente Neigung zum Schweinepriestertum haben. Ein normaler Erwachsener interessiert sich in dem Zusammenhang nicht für Fügchen und Zäpfchen, sondern lebt die eigene Sexualität, ohne damit die gesamte Kinderschar belästigen zu wollen.
  4. #4

    Material anschauen!

    Zitat von MARX MUDDER Beitrag anzeigen
    6-jährigen Kindern Gesprächen über Selbstbefriedigung und alle möglichen Spielarten der Sexualität aufzudrücken deucht mir doch arg abwegig.
    Haben Sie sich die Materialien angeschaut? Sie sind im Artikel verlinkt. Von "Aufdrücken" kann da keine Rede sein (S. 87/152)! Es geht dabei darum "was ich mit meinem Körper alles machen kann", im weiteren Sinne darum, wo es okay ist, sich (und andere!) anzufassen (ein wichtiger Lernschritt - nicht nur in der Geistigbehindertenpädagogik) und im weitesten Sinne um Selbstbefriedigung. Die kann thematisiert werden, muss aber nicht. Und nicht jede Einheit ist für Sechsjährige gedacht, sondern das ganze Heft dient dem "Einsatz in der Volksschule/Grundschule", mit Erweiterung auf bis 12-Jährige (z.T. noch älter, siehe Material).

    Ich finde das Material sehr gelungen. Vor allem, weil es Kinder auffordert, über sich und ihre Gefühle nachzudenken und zu sprechen.
  5. #5

    Zitat von MARX MUDDER Beitrag anzeigen
    Ich bin nicht verklemmt oder fundamentalistisch, um diesem Totschlagargument gleich zu entgegnen. Aber nur weil man nicht auf der Linie des Papstes ist, muss man nicht gleich jeden Blödsinn mitmachen.
    6-jährigen Kindern Gesprächen über Selbstbefriedigung und alle möglichen Spielarten der Sexualität aufzudrücken deucht mir doch arg abwegig.
    Auch in Deutschland beginnt die Sexualerziehung in der Grundschule. Im Übrigen handelt es sich um eine Materialiensammlung für einen Altersbereich, das Material für 12jährige werden die 6jährigen also eher nicht vorgesetzt bekommen.
  6. #6

    Was soll man dazu sagen?

    Ekelerregend.
    Der Zeitgeist eben.
  7. #7

    Preisfrage

    Wie erzieht man Kinder so, dass sie möglichst nicht als Teenager schwanger werden und nicht Opfer sexuellen Missbrauchs werden ?

    a) Bloss nicht mit ihnen über Sexualität reden.
    b) Ihnen erklären, wie Sexualität funktioniert.
  8. #8

    Wer lesen kann ...

    Zitat von MARX MUDDER Beitrag anzeigen
    Ich bin nicht verklemmt oder fundamentalistisch, um diesem Totschlagargument gleich zu entgegnen. Aber nur weil man nicht auf der Linie des Papstes ist, muss man nicht gleich jeden Blödsinn mitmachen.
    6-jährigen Kindern Gesprächen über Selbstbefriedigung und alle möglichen Spielarten der Sexualität aufzudrücken deucht mir doch arg abwegig.

    Da habe ich schon stark den Verdacht dass es da nicht um den Bedarf der Kinder geht, mit jener Phase ihres Lebens klar zu kommen sondern um den Bedarf der Autoren und Auftraggeber ihr Weltbild zu propagieren.
    Der Artikel spricht von 6 bis 12-Jährigen. Analog zu vielen anderen Unterrichtsmedien gehe ich auch hier davon aus, dass es in den Aufgaben, Abbildungen und Themen altersgemäße Abstufungen geben wird.

    Aber es ist natürlich einfacher, mit dem Totschlagargument "6-jährigen Kindern Gesprächen über Selbstbefriedigung und alle möglichen Spielarten der Sexualität aufzudrücken" alles in Bausch und Bogen abzulehnen.
    Und dann noch die mit der anderen Meinung der weltanschaulichen Propaganda bezichtigen. Echt peinlich.
  9. #9

    welches Weltbild?

    Zitat von MARX MUDDER Beitrag anzeigen
    Ich bin nicht verklemmt oder fundamentalistisch, um diesem Totschlagargument gleich zu entgegnen. Aber nur weil man nicht auf der Linie des Papstes ist, muss man nicht gleich jeden Blödsinn mitmachen.
    6-jährigen Kindern Gesprächen über Selbstbefriedigung und alle möglichen Spielarten der Sexualität aufzudrücken deucht mir doch arg abwegig.

    Da habe ich schon stark den Verdacht dass es da nicht um den Bedarf der Kinder geht, mit jener Phase ihres Lebens klar zu kommen sondern um den Bedarf der Autoren und Auftraggeber ihr Weltbild zu propagieren.
    Welches Weltbild wird denn propagiert, das ihnen so Angst macht? Ich halte die katholische sexualethik für weitaus unnatürlicher, verstörender und auch verlogener als dieses Heft. Gut es gibt sicher einige Stellen mit denen ich nicht absolut übereinstimme, aber im Großen und Ganzen ist das Ding OK.
    Die Leute die so schrecklich aufschreien wollen auch nur ihr Weltbild erhalten, welches aber auf einem viel schlechterem Fundament aufbaut. Angst, Pessimismus, Depressivität, Mißgunst und Enttäuschungen spielen dabei sicher eine Rolle. So funktioniert Konservatismus. Das ist nichts böses, aber man sollte aufhören die kommenden Generationen von Anfang an in das geistige Gefängnis zu stecken, in welches man sich selbst zurückgezogen hat. Es sollte jedem frei stehen seine eigenen Erfahrungen zu machen, solange er die Verantwortung dafür tragen kann. Gerade deshalb ist es auch wichtig vorher ausführlich über die bekannten Risiken und Nebenwirkungen zu informieren. Und das macht dieses Heft mehr recht als schlecht. Was da drinnen steht ist größtenteils ziemlich vernünftig. Oder wollen sie lieber das Sexualkunde von irgendwelchen Klerikern übernommen wird?