Stammzellen-Forschung: BGH erlaubt Embryo-Patente mit Einschränkung

dapdMethoden zur Nutzung embryonaler Stammzellen können patentiert werden, wenn dafür keine menschlichen Embryonen sterben müssen. Dieses Urteil des Bundesgerichtshofs ist ein Teilerfolg für den Bonner Neurobiologen Oliver Brüstle - gegen Greenpeace.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-869515.html
  1. #1

    Dann hat

    dieser Verzicht jeden Bundesbürger rund € 9 gekostet! Dafür könnte mir der Grieche im Urlaubsparadies doch mal ein Gyros spendieren!
  2. #2

    Kein Patent auf Leben!

    Unsere Gene sind, finde ich, ein Erbe der Menschheit, Sie sind ein Produkt von 3,8 Milliarden Jahren Evolution, und man kann Funktionsweisen finden, aber sie nicht neu erfinden. Gene als "geistiges Eigentum" zu beanspruchen, finde ich vermessen, mag die Forschung auch noch so anspruchsvoll und mühselig sein. Dazu kommt, dass die Stammzellforschung eben ganz erhebliche ethische Probleme mit sich bringt, und im übrigen mit einem hochkomplexen System arbeitet, in dem Manipulationen schwer berechenbar sind. Wäre es nicht besser, wenn so etwas vom Anfang bis zum Ende, in jeder Phase, im Lichte der Öffentlichkeit stünde, und nicht vor allem in den Händen derjenigen bliebe, die damit Geld verdienen wollen?
  3. #3

    @strixaluco Welche Gene?

    Man, Leute, man kann ja gerne zu allem eine Meinung haben. Man sollte sie aber nicht in jedem Fall öffentlich präsentieren. Hier geht es nicht um ein Patent auf Gene, sondern um die Patentierung eines Verfahrens, bei dem (bereits seit 15 Jahren etablierte) humane Stammzellen durch sehr aufwendige Methoden in Nervenzellen umgewandelt werden. Natürlich haben die Zellen auch Gene. Es ist aber weder ein Patent auf Gene, noch ein Patent auf Zellen (es ist also kein Stoffpatent), sondern lediglich ein Verfahrenspatent. Wenn es verboten wird, Verfahren und Vorgehensweisen zu patentieren, wie die Damen und Herren von Greenpeace es wünschen, dann gute Nacht, deutsche Wirtschaft. Wir treffen uns dann in 30 Jahren alle auf Drittweltniveau. Und was das Licht Öffentlichkeit betrifft, können Sie ja mal gerne nach den Publikationen von Herrn Brüstle recherchieren. Da steht alles drin, was sie für geheim halten. Zudem wird gerade dann etwas öffentlich, wenn es patentiert wird (dann muss es nämlich binnen Jahresfrist offengelegt werden). Patentverbote führen dazu, dass keiner mehr preisgibt, was er erfunden hat. Also genau das Gegenteil Ihrer irrigen Annahmen ist der Fall.
  4. #4

    Zitat von strixaluco Beitrag anzeigen
    Wäre es nicht besser, wenn so etwas vom Anfang bis zum Ende, in jeder Phase, im Lichte der Öffentlichkeit stünde, und nicht vor allem in den Händen derjenigen bliebe, die damit Geld verdienen wollen?
    Wenn Sie wüssten, wie viel schon für die Forschungseinrichtung von Herr Prof. Dr. Brüstle, dem "Life & Brain" investiert wurde, dann könnten Sie nachvollziehen, dass man diese Investition wieder erwirtschaften will.

    Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wird am Standort Bonn weiterhin ausgeweitet. Eine moderne Forschungseinrichtung wie das "cesar" in Bonn kostet allein schon über 300 Millionen Euro.
  5. #5

    Wer in moderne Biotechnologie zu investieren plant, sollte das nicht in einem Land tun, das für seine ökologische Hysterie berüchtigt ist - sondern auf einen Standort setzen, der langfristige Perspektiven und Rechtssicherheit bietet. Warum auch nur ein fähiger Stammzellforscher noch in Deutschland tätig ist will sich mir nicht erschließen. Als Wissenschaftler, Unternehmen oder Ministerium sollte man einfach Schwerpunkte setzen, die mit dem Standort kompatibel sind...
  6. #6

    Patente sind eine Fortschrittsbremse!

    - und zwar weil eben der nächste, der die Entwicklung benutzen will (viel) Geld dafür bezahlen muss, sie zu verwenden - der, der die beste Idee zur Weiterentwicklung hat, hat aber das Geld vielleicht nicht. Mit Patenten und Copyright allgemein kann man auch wunderbar Konkurrenten für ein Bein stellen, wenn man sich wahllos irgendwelche Zwischenschritte schützen lässt, wie manche bekannten Softwarefirmen (Fortschrittsbalken, flache Handcomputer - im SciFi Bereich geisterte die Idee schon seit 25 Jahren herum...)
    Zweitens: Das Recht an der Idee ist verkäuflich und spekulierbar, sobald es ein Patent gibt. Das nützt selten dem am meisten, der die Idee wirklich hatte.
    Drittens: ich weiß, dass es nicht um die direkte Patentierung von Genen geht, aber es geht um grundlegende zelluläre Prozesse, die nun einmal auf Genen beruhen. Die hat die Natur erfunden.
    Viertens: Den Ansatz, körpereigene statt embryonale Stammzellen zu verwenden, finde ich auch in Sachen Erfolgsaussichten wesentlich vielversprechender, da keine Abstoßungsreaktionen zu erwarten sind. Ich würde kein Geld in diese Forschung an embryonalen Stammzellen stecken - das könnte gut eine Sackgasse sein.
    Fünftens: Mit Greenpeace habe ich nichts am Hut, das ist eine Showveranstaltung.
    Sechstens: Die Technik ist generell hochriskant. Je mehr Leute die Ansätze verschieden testen können, desto besser. Das wird mit Patenten verhindert.
  7. #7

    ganz o.k.

    Also, ich finde diese Entscheidung vom BGH eigentlich ganz gut. Zum ersten Mal, so scheint mir, unterscheiden Richter hierzulande zwischen Embryonen und Stammzellen - und differenzieren dann auch weiter zwischen aus Embryonen abgeleiteten Stammzellen und solchen, die ohne Zerstörung von Embryonen erzeugt wurden. Natürlich geht es hier so oder so nicht um die Patentierung von Zellen, von Genen geschweige denn von menschlichen Embryonen. Aber immerhin! Zumindest in dieser Pressemitteilung wird das endlich mal ein bischen differenziert! Bleibt zu hoffen, dass sich auch die Medien mal ein bischen mehr Mühe geben bei ihrer Berichterstattung, auf dass diese elendigen, standortschädigenden, scheiß Ökokampagnien einfach mal ein Ende nehmen.
  8. #8

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Wenn Sie wüssten, wie viel schon für die Forschungseinrichtung von Herr Prof. Dr. Brüstle, dem "Life & Brain" investiert wurde, dann könnten Sie nachvollziehen, dass man diese Investition wieder erwirtschaften will.

    Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wird am Standort Bonn weiterhin ausgeweitet. Eine moderne Forschungseinrichtung wie das "cesar" in Bonn kostet allein schon über 300 Millionen Euro.
    Dann sollten die Patente aber auch der Gesellschaft gehören, die die Einrichtungen finanziert, also der Helmholtz-Gesellschaft und damit zu 70% der öffentlichen Hand (cesar wurde z.B. über öffentliche Mittel finanziert).
    Ich finde die Praxis von Professoren suspekt, sich Forschungsergebnisse selbst patentieren zu lassen. Wenn der Staat die Forschung und die Professorengehälte bezahlt und die Forschungseinrichtungen zur Verfügung stellt, gehören ihm auch die daraus resultierenden Patente. Und der Staat sollte entscheiden, ob die Patente als Grundlagenforschung allgemein zugänglich gemacht werden oder eine Vermarktung sinnvoll wäre. Vielleicht käme dann auch etwas Geld in die Kassen zurück.
  9. #9

    Trotz des Urteils wohl keine Perspektive

    Zitat von konstantin.hauser Beitrag anzeigen
    Man, Leute, man kann ja gerne zu allem eine Meinung haben. Man sollte sie aber nicht in jedem Fall öffentlich präsentieren. Hier geht es nicht um ein Patent auf Gene, sondern um die Patentierung eines Verfahrens, bei dem (bereits seit 15 Jahren etablierte) humane Stammzellen durch sehr aufwendige Methoden in Nervenzellen umgewandelt werden. Natürlich haben die Zellen auch Gene. Es ist aber weder ein Patent auf Gene, noch ein Patent auf Zellen (es ist also kein Stoffpatent), sondern lediglich ein Verfahrenspatent. Wenn es verboten wird, Verfahren und Vorgehensweisen zu patentieren, wie die Damen und Herren von Greenpeace es wünschen, dann gute Nacht, deutsche Wirtschaft. Wir treffen uns dann in 30 Jahren alle auf Drittweltniveau. Und was das Licht Öffentlichkeit betrifft, können Sie ja mal gerne nach den Publikationen von Herrn Brüstle recherchieren. Da steht alles drin, was sie für geheim halten. Zudem wird gerade dann etwas öffentlich, wenn es patentiert wird (dann muss es nämlich binnen Jahresfrist offengelegt werden). Patentverbote führen dazu, dass keiner mehr preisgibt, was er erfunden hat. Also genau das Gegenteil Ihrer irrigen Annahmen ist der Fall.
    Stimmt vollkommen, man koennte solche Techniken viel effektiver als Firmengeheimnis statt als Patent schuetzen, und dann hat die Allgemeinheit auch nach Patentablauf nichts dazugewonnen.
    Zwar sagt man, die Patentschrift ist der letzte Ort wo man Details nachguckt, aber trotzdem ist es nunmal der etablierte Weg, geistiges Eigentum zu sichern.
    Zum Glueck wird hier endlich mal zwischen Stoffpatent und Verfahrenspatent unterschieden, und das Verfahrenspatent ist das intellektuelle Eigentum des Entwicklers und/oder Sponsors.
    Die Zellen lassen sich ja vielleicht auch anders gewinnen, mal von den ethischen Problemen ganz abgesehen, deswegen sollte das Stoffpatent auf embryonale Stammzellen nicht anwendbar sein. Man kann sich ja vielleicht mit Verwertungslizenzvertraegen bzgl. Zelllinien behelfen, um die Kosten und zukuenftige Forschung zu decken und zu sichern.

    Ich prognostiziere einfach, dass die deutsche (und europaeische) Wirtschaft immer weiter zurueckfaellt (die derzeitige LSR-Debatte ist symptomatisch). Der Boom bei Stammzelltherapien wird in Nordamerika, Korea oder vielleicht sogar China oder Japan stattfinden. Das gleiche passiert doch derzeit bei Second Entry Biologics (Korea), so war es mit der Solarzellentechnologie (China), ist es nach wie vor bei Hybridfahrzeugen (Japan), Internetdienstleist (USA) oder schon laenger her Unterhaltungselektronik (Taiwan u.a.).