Feuer in Textilfabrik: Ablasshandel mit dubiosen Zertifikaten

APBangladesch trauert an diesem Dienstag um 110 Textilarbeiter, die bei einem Fabrikfeuer starben. Der Fall zeigt, wie katastrophal die Arbeitsbedingungen in den Nähereien sind - und wie sich westliche Auftraggeber mit fragwürdigen Zertifikaten ein gutes Gewissen kaufen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...-a-869547.html
  1. #1

    Schuld

    Schuld ist nicht der Kunde, Schuld ist die Regierung, deren Beamte sich bestechen lassen, Schuld ist die Gewerkschaft, falls sie überhaupt existiert, Schuld ist die Gesellschaft, die wie im Frühkapitalismus solche Zustände toleriert.
    Unsere eigene Textilindustrie ist von diesen Staaten zugrunde gerichtet worden da wir nicht unter solchen Umständen konkurenzfähig sind.
    Nein, die Kunden müssen sich schon auf Prüfzeugnisse verlassen können, schlimm genug, dass diese benötigt werden.
  2. #2

    Gesetzliche Regelung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bangladesch trauert an diesem Dienstag um 110 Textilarbeiter, die bei einem Fabrikfeuer starben. Der Fall zeigt, wie katastrophal die Arbeitsbedingungen in den Nähereien sind - und wie sich westliche Auftraggeber mit fragwürdigen Zertifikaten ein gutes Gewissen kaufen.

    Bangladesch: Feuer in Textilfabrik stellt Sozial-Zertifikate in Frage - SPIEGEL ONLINE
    Solange es keine weltweiten Standards für die Produktion von Waren und Gütern gibt, deren Umsetzung richtig mit Strafen versehen ist, solange Länder, Regierungen und die herrschende Klasse weiter diese Produktionsmethoden dulden, fördern oder davon profitieren, solange werden sich die Zustände nicht ändern. Globale Probleme müssen mit globaler Regulierung angepackt werden. Das mag naiv klingen, ist es letzendlich auch, weil keiner ein wirkliches Interesse daran hat.

    Und hört mit der Macht des Verbrauchers auf. Die Macht des Verbrauchers kann nur in ganz geringem Umfang die Arbeitsbedingungen verbessern. Fair Trade ist immer noch ein viel zu geringer Markt, als dass er ins Gewicht fällt.

    Und wir brauchen auch nicht so weit weg zu schau'n. Discount Klamotten, verkauft von Verkäuferinnen mit Discout löhnen, Beschäftigung, die mit HIV aufgestockt werden muss, um zu leben.

    Die Vision ist Arbeit, die den Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Davon sind wir m.E. heute weiter weg den je!
  3. #3

    die Frage

    ist, ob man ist, ob man dieser Sache auf den Grund gehen wird oder nach einer Weile in Vergessenheit geraten wird. Ich würde sagen 2. Option.
  4. #4

    Nicht alles ist dubios

    Frau Burckhardt irrt. Bei ordentlichen Audits wird sehr viel kontolliert und verbessert. Diese Kontrollen waren und sind nur deshalb notwendig, weil sich sie Aufsichtsbehoerden um nichts kuemmern und die weltverbessernden Regierungsorganisationen nur reden. Insgesamt gibt es durchaus vorzeigbare Erfolge. Man sollte nicht das Kind mit dem Bade ausschuetten, nur weil es - wie ueberall - auch hier schwarze Schafe gibt.
  5. #5

    faz234de

    C&A = Capitalismus und Armut
    H&M = Hungern und malochen
    KIK = Knechten in Karatschi
  6. #6

    Dubios

    Seltsamer Artikel, der die Ansichten von Clean Clothes & Co. unreflektiert wiedergibt. Was haben die Kunden dieser Hersteller mit zu engen Strassen zu tun, oder mit angeblich illegal aufgestockten Fabriken? Welche "Zertifikate" sind denn nun dubious, wie der Teaser suggeriert? Sind Prüfberichte nicht immer nur für Momentaufnahmen, selbst wenn sie systemische Aspekte im geprüften Betrieb beleuchten? Hat sich der Autor mal die Mühe gemacht die Jahresberichte von BSCI, H&M, Adidas oder C&A zu lesen, in denen sehr wohl von teils erheblichen Mängeln bei den Herstellern die Rede ist, und in denen von entsprechenden Maßnahmen der Kunden ausführlich berichtet wird?
    Wenn sich der Autor mal die Mühe machen würde zu prüfen, was die Ministerpräsidentin von Bangladesch zu dieser Tragödie gestern gesagt hatte (sie behauptet es habe sich um Sabotage von "anti liberalen" gehandelt), würde er vermutlich eher verstehen, dass die Probleme in Bangladesch nicht allein von den westlichen Textilhändlern gelöst werden können. Dieses Land leidet unter dem Regime einer saturierten Schicht reicher Familien, die Parteien, Parlament, Wirtschaft und Behörden als Eigentum betrachten, und der grassierenden Korruption und Ineffizienz nichts entgegensetzen. Darüber zu berichten würde dem Land gerecht werden, aber immer nur Frau Burkhardt anzurufen ist natürlich einfacher.
  7. #7

    .

    Zitat von darthmax Beitrag anzeigen
    Schuld ist nicht der Kunde, Schuld ist die Regierung, deren Beamte sich bestechen lassen, Schuld ist die Gewerkschaft, falls sie überhaupt existiert, Schuld ist die Gesellschaft, die wie im Frühkapitalismus solche Zustände toleriert.
    Unsere eigene Textilindustrie ist von diesen Staaten zugrunde gerichtet worden da wir nicht unter solchen Umständen konkurenzfähig sind.
    Nein, die Kunden müssen sich schon auf Prüfzeugnisse verlassen können, schlimm genug, dass diese benötigt werden.
    Schuld ist auch der Kunde. Auch wenn ich mir nicht anmaßen möchte, die Verhälltnisse von Familien aus der Unterschicht zu bewerten aber viele Leute kaufen sich halt lieber 4 T-shirt für 10 € anstatt 1 T-Shirt für 12 €. Wobei es ja oftmals so ist, dass das 12 € T-Shirt in der selben Fabrik wie das 2,50 € T-Shirt produziert wird. Aber der Kunde kann dennoch überprüfen, aus welcher Region der Artikel kommt. Notfalls sucht man sich eben einen in Deutschland prozierenden Hersteller.
  8. #8

    Was ist mit deren Regierungen ?

    Warum kümmern sich eigentlich die Regierungen in Bangladesch, Indien usw nicht um die Arbeitsbedingungen ihrer Bürger. Ist es nicht in erster Linie deren Aufgabe sich um ihre Bürger zu kümmern. Es kann doch nicht sein, dass ausländische Auftraggeber den Firmen vorschreiben müssen wie sie zu arbeiten haben. Ist es überhaupt richtig anderen Völkern unsere westlichen Standards aufzuzwingen wenn diese es offensichtlich gar nicht wollen ?
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bangladesch trauert an diesem Dienstag um 110 Textilarbeiter, die bei einem Fabrikfeuer starben. Der Fall zeigt, wie katastrophal die Arbeitsbedingungen in den Nähereien sind - und wie sich westliche Auftraggeber mit fragwürdigen Zertifikaten ein gutes Gewissen kaufen.

    Bangladesch: Feuer in Textilfabrik stellt Sozial-Zertifikate in Frage - SPIEGEL ONLINE
    Wir können ganz einfach etwas tun: Zölle. Der Freihandel ist es, der es dem reichen Westen erlaubt, billige Arbeitskraft in Asien auszunutzen. Und der gleichzeitig auch die traditionellen Textilindustrien in Europa kaputt macht.

    Dann wird aber das T-Shirt ein wenig teurer. 25 statt 10 Euro müssen dann schon sein. Mir wäre es das wert. Ich kenne Leute, die Sachen kaufen und nie, oder nur 1-2 Mal anziehen, bevor sie weggeworfen werden. "Kaufen statt waschen" scheint da die Devise. Nachhaltigkeit sollte die Devise sein!