Manager von Morgen: "Geld oder Titel ziehen kaum"

CorbisDie "Generation Y", die kühn ein Privatleben neben dem Job fordert, gibt Unternehmen Rätsel auf. Als forsch und gewandt im Auftritt, aber wenig ehrgeizig beschreibt sie Peter Herrendorf. Im Interview spricht der Personalberater über Ausbildung, Chancen und Motivation junger Akademiker.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-869420.html
  1. #1

    optional

    Zutreffender Artikel, habe gerade meine Diplomarbeit zu dem Thema verfasst und kann das nur bestätigen. Im übrigen bin ich so ein Y, und bei mir wie auch bei vielen Kommilitonen habe ich genau diese Einstellung gesehen. Ich würde durchaus in eine Führungsposition gehen und bin auch bereit über die übliche Arbeitszeit hinaus zu arbeiten, aber es hat eben seine Grenzen. Eine Grenze die die ältere Generation eben nicht so gezogen hat. Fakt ist: man wird sich auf beiden Seiten anpassen müssen. Dass wir alle unglaublich unreflektiert und kritikresistent sind möchte ich jedoch (wenigstens von mir persönlich) abweisen. Ich glaube einfach dass eine große Verwirrung herrscht über diese Arbeitskraft 2.0.
  2. #2

    Geschwätz

    "Geld" gibt es heute in Deutschland nicht mehr. Dafür muss man schon in andere Länder auswandern, in denen das neoliberale Barbarentum noch nicht so wie in Deutschland gewütet hat. Und um sich für einen Witzlohn krummlegen, wie es der Oligarchie so vorschwebt, hat man zum Glück noch etwas Restwürde behalten.
    Ansonsten ist die Generation Y diejenige, die in kürzester Zeit ALLES verspielt hat, was ihre Eltern in mühsamem Kampf gewonnen hatten.
  3. #3

    Warum Generation Y?

    Besser und passender wäre Generation I. I steht dann für Improtheater.
  4. #4

    verantwortung übernehmen...

    ...ist für viele noch so gut ausgebildete absolventen eine unüberwindliche hürde. potenziale in soziale kompetenzen und die fehlende erkenntnis das eine führungskraft sich durchaus als dienstleister für die mitarbeiter definieren sollte, trägt sicher zur diskussion bei. die generation y ist im übrigen ein produkt der x'er. es gibt also keinen grund sich zu beschweren...!
  5. #5

    optional

    Die heutigen Absolventen sind z.T. deutlich jünger als die der neunziger Jahre. Es braucht also nicht zu verwundern, dass z.B. die Bereitschaft, Führungsaufgaben zu übernehmen, so schwach ausgeprägt ist. Die sind einfach noch nicht so weit.

    All in all bekommt die Wirtschaft gemau das, was sie immer gefordert hat: junge Fachleute. Dass das Fachwissen schlechter geworden ist, hängt unmittelbar mit der Forderung zusammen, und dass jüngere Menschen eben noch nicht wirklich reif für Führungsansprüche sind, auch.
    Die Wirtschaft wollte junges Gemüse, jetzt haben sie es. Kein Grund zum Jammern. Es gab ja genügend warnende Stimmen vor der undemokratischen Durchsetzung der Bologna-"Reformen".
  6. #6

    Die richtige Einstellung

    Ich bin Jurist und gehöre der Generation Y an. Ich hatte die Entscheidung entweder

    1) in ein Angestelltenverhältnis einer großen Sozietät zu gehen mit ca. EUR 80.000,00 brutto = ca. EUR 3.500,00 netto bei 70 Wochenarbeitsstunden und Bereitschaft zur absoluten Unterwerfung oder

    2) mit selbständig zu machen bei ca. EUR 2.500,00 netto, 50 Wochenarbeitsstunden, freier Zeiteinteilung, Unabhängigkeit...

    Ihr dürft raten, für welche Option ich mich entschieden habe, und das hat nichts mit Generation Y zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand.

    Wenn heutzutage von qualifizierten AN's die Käferstellung auf dem Rücken erwartet wird bei Lohndrückerei, dann mag das mit Generation X noch funktioniert haben, heute zählen aber ebenso alternative Lebensmodelle... ich habe meine Entscheidung noch keine Sekunde bereut.
  7. #7

    Tolle Meldung

    Ist doch ne tolle Meldung: endlich keine Arschkriecher mehr. Und die Umschreibung, dass man "Autoritäten auf Augenhöhe begegnet" ist doch wirklich sehr putzig, aber zutreffend. Bisher haben die Titelschleimer und das Führungspersonal doch immer widerspruchslosen Gehorsam von ihren Untergegebenen erwartet. Und das Führungspersonal hat nicht geführt, sondern herumkommandiert, was ein großes Missverständnis von Führung war. Das scheint nun vorbei zu sein, die jungen Leute lassen sich das nicht mehr gefallen: eine wirklich tolle Meldung.

    Denn es war doch schon immer die Lebenslüge der Leistungsgesellschaft: Dass man durch Leistung nach oben kommt. Nein, es war Arschkriecherei, oder vornehm ausgedrückt Beziehungsarbeit. Wenn nun endlich das scheiß patriarchalische Weltbild der Bosse zusammengekracht, mit ihrer Forderung nach Buckelei und Kritiklosigkeit, dann ist das sehr gut, nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Wirtschaft. Denn kritisches Denken ist heute mehr denn je gefordert, um technologisch am Ball zu bleiben. Alles in allem eine gute Meldung, dass der Führungstyrann im Lodenmantel langsam ausstirbt. Er wird schlicht keine guten Mitarbeiter mehr kriegen.

    Und was soll diese Verachtung, dass man "kühn" ein Privatleben fordert. Was ist daran kühn? Kühn ist, dass die Chefs von ihren Miratbeitern erwarten, sinnlos Stunden abzureißen, die zu nichts taugen außer dem Qualitätsnachweis "Ist bereit, sich von mir herumkommandieren zu lassen." Kühn ist, von seinen Mitarbeitern zu erwarten, dass sie stundlenlang auf arschlangweiligen Meetings rumhängen, die zu nichts führen, außer dass sich der Chef produziert und alltäglich seine Duftmarke "Macht" an die Belegschaft absondern kann.

    Und der Krawattenheini Herrendorf sieht genauso aus, als würde er diese neue selbstbewusste Jugend, die sich nicht mehr ausbeuten lässt, nicht verstehen. Sieht aus wie so ein ausgestorbener Arbeitszombie von vorgestern, der immer noch den verlogenen Sermon von der Leistungsgesellschaft absondert, nur hat er noch nicht gemerkt, das ihm keiner mehr zuhört ...

    Und hinter einer vermeintlichen Leistungsverweigerung der Jugend steckt einzig und allein die Erkenntnis und der Wille, sich nicht mehr von den Chefs mit niedrigen Löhnen für 60 Stunden Arbeit, von denen 30 sinnlos sind, verarschen zu lassen ... dann doch lieber abends im Hallenbad einige Runden Schwimmen als Ausgleich für den Quatsch, den man den ganzen Tag ertragen musste ... oder sich politisch engagieren ... oder sich um den Nachwuchs kümmern, dass er nicht zu einem dieser neurotischen neokapitalistischen Geisterfahrer wird, die mit ihrer "Leistung" die ganze Welt in den Abgrund reißen ...
  8. #8

    optional

    Kann ich bestätigen. Bin selbst Ypsiloner, Bachelorabsolvent und denke nicht im Traum daran mein Leben zu opfern, nur um mich Manager nennen zu können und ein Haufen Kohle heimzuschleppen, von der ich dann sowieso nichts habe.

    Reinhard Mey hat das doch schon früher ganz treffend besungen: "Manchmal wünscht ich mir, es wär noch mal viertel vor Sieben." Ich will ganz bestimmt nicht mit 70 merken, dass das einzige was ich in meinem Leben erreicht habe, eine erfolgreiche Karriere war.

    Mir egal was andere davon halten :)
  9. #9

    Zitat von a|rik Beitrag anzeigen
    ...ist für viele noch so gut ausgebildete absolventen eine unüberwindliche hürde. potenziale in soziale kompetenzen und die fehlende erkenntnis das eine führungskraft sich durchaus als dienstleister für die mitarbeiter definieren sollte, trägt sicher zur diskussion bei. die generation y ist im übrigen ein produkt der x'er. es gibt also keinen grund sich zu beschweren...!
    Sie sprechen mir aus der Seele! Danke!
    Was bei all dem ganzen "die jungen Leute heute sind faul/können nichts/schlecht ausgebildet/..." (früher war eben alles sowieso besser) vergessen wird sind z.B. folgende Aspekte:
    - Unsere Studienabschlüsse (Bachelor/Master) werden von "Alt-Diplomern" (sehr gern Dipl.Ing.) zerredet - eine Wahl hatten wir nicht, das Diplom war 2008 in meinem Abijahr schon Geschichte. Eingeführt hat den Kram Generation X.
    - Familie und Beruf vereinbaren ist schwerer als "früher": Beide müssen arbeiten, Frau ist nicht mehr automatisch Hausfrau, wenn die Kinder da sind.
    - Um die ohnehin geringe Rente nicht zu vermindern, darf man so wenig Fehlzeiten (Kinder...) wie möglich haben.
    - Nebenbei soll man bitte privat vorsorgen, wir bekommen später und weniger Rente als noch die X.

    Wenn meine Generation Y sich also "erdreistet" Forderungen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf etc. zu stellen, steckt da ein bisschen mehr hinter als Egoismus/Leistungsverweigerung/was-auch-mmer-die-Personaler-darin-sehen...