Staatskrise in Ägypten: Muslimbrüder sagen Pro-Mursi-Kundgebung ab

REUTERSDie ägyptischen Islamisten verschieben ihre für Dienstag geplante Massenkundgebung für Mohammed Mursi - "um Blutvergießen zu verhindern", sagen die Muslimbrüder. Der Präsident zeigt sich im Streit mit der Justiz kompromissbereit, die Proteste seiner Gegner werden dennoch weitergehen.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-869426.html
  1. #1

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    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die ägyptischen Islamisten verschieben ihre für Dienstag geplante Massenkundgebung für Mohammed Mursi - "um Blutvergießen zu verhindern", sagen die Muslimbrüder. Der Präsident zeigt sich im Streit mit der Justiz kompromissbereit, die Proteste seiner Gegner werden dennoch weitergehen.

    Muslimbrüder und Salafisten sagen Kundgebung für Mursi in Ägypten ab - SPIEGEL ONLINE
    Es ist schon fast überraschend, dass der Versuch Mursis, eine islamische Republik nach dem Vorbild der IRI - nur auf sunnitischer Grundlage - zu schaffen zu scheitern scheint. Der dazu notwendige Putsch von oben stößt tatsächlich auf ähnlich erbitterten Widerstand, wie die Konterrevolution in der ehemaligen Sovietunion. Es wäre wohl weise vom ägyptischen Staatschef, die Ablehnung der Diktatur durch zwar nicht alle, aber doch einen großen Teil des ägyptischen Volkes zu akzeptieren.

    Mursi hat zwar einige Kader des Militärs gechasst, die Armee bleibt aber immer noch die Armee. Bei bürgerkriegsähnlichen Unruhen könnte sie sich auf die Seite der Liberalen schlagen. Das Ergebnis wäre vermutlich eine Übergangsjunta unter ziviler Führung, welche rasche Neuwahlen anstrebt, aber die Muslimbruderschaft zuvor wieder verbietet.

    Die linken und liberalen, welche die Diktatur in Ägypten gestürzt haben scheinen nicht bereit zu sein ihren Traum von Freiheit aufzugeben. Das ist ein überraschend positives Signal aus Kairo, selbst, wenn die Begleiterscheinungen - lästig - sind.
  2. #2

    Partei für Freiheit und Gerechtigkeit

    Jaja, genau! Und schon wird diskutiert, ob Frauen den Männern unterzuordnen sind. Der Name ist Schall und Rauch und täuscht darüber hinweg, dass im Innern radikale Islamisten ihr Handwerk tun.
  3. #3

    es sollte ein wenig differenzierter diskutiert werden

    Ob es uns im Westen gefällt oder nicht: Mursi wurde demokratisch gewählt und ist aktuell derjenige, der Gewalt nicht eskalieren lassen will. Er hat einen Kompromiß mit den Richtern gesucht und rief seine Anhänger dazu auf, nicht zu demonstrieren. Ich halte Mursi nicht für einen Islamisten, sondern einen Politiker, der Politik und Religion in der Staatsführung vereint. Das ist zunächst einmal neutral und bedeutet: keine Demokratie in unserem Sinne. Warum müssen wir anderen Kulturen unsere Werte aufzwingen? Vielleicht sollten wir lieber abwarten und nicht sofort lautstark die Opposition unterstützen. Das fördert nur die Gewaltbereitschaft. Aber wir müssen ja nicht im Bürgerkrieg leben.
  4. #4

    Zitat von tjivi Beitrag anzeigen
    Ob es uns im Westen gefällt oder nicht: Mursi wurde demokratisch gewählt und ist aktuell derjenige, der Gewalt nicht eskalieren lassen will. Er hat einen Kompromiß mit den Richtern gesucht und rief seine Anhänger dazu auf, nicht zu demonstrieren. Ich halte Mursi nicht für einen Islamisten, sondern einen Politiker, der Politik und Religion in der Staatsführung vereint. Das ist zunächst einmal neutral und bedeutet: keine Demokratie in unserem Sinne. Warum müssen wir anderen Kulturen unsere Werte aufzwingen? Vielleicht sollten wir lieber abwarten und nicht sofort lautstark die Opposition unterstützen. Das fördert nur die Gewaltbereitschaft. Aber wir müssen ja nicht im Bürgerkrieg leben.
    Sorry, aber ich kann es nicht mehr hören, dieses Argument: WIR DÜRFTEN ANDEREN KULTUREN NICHT DIE DEMOKRATIE AUFZWINGEN und sollten es respektieren, wenn die Menschen in anderen Ländern andere Systeme wollten, z.B. "keine Demokratie in unserem Sinne". Neuerdings wird alles relativiert, warum nicht auch Demokratie. Die Werte, die eine Demokratie ausmachen, die Einhaltung der Menschenrechte, das ist nicht relativierbar. Ich wünschte mir, dass die Menschen in den westlichen Ländern wieder wissen, welch kostbares Gut die Demokratie ist und dass es sie IMMER und ÜBERALL zu verteidigen gilt.
    Wir haben das Privileg, unter dem Schutz der Demokratie zu leben. Wenn Sie meinen, dass andere politische Systeme auch gut sind und unsere Anerkennung verdienten, dann sagen Sie doch bitte, welche das sein sollen. Olligarchie? Monarchie? Militärdiktatur? Scharia? Oder schwebt Ihnen sowas vor, wie eine halbe oder viertel Demokratie? Wer meint, dass wir uns in die Demokratiebestrebungen in anderen Ländern nicht einzumischen hätten und die dortigen Systeme achten sollten, der hat nicht verstanden, welcher Luxus es ist, in Freiheit zu leben.
  5. #5

    Respekt vor diesen Menschen,

    die sich für Freiheit und Demokratie einsetzen und die Errichtung eines weiteren islamischen Unrechtstaates zu verhindern suchen. Man muss sich vor Augen führen, was diese Menschen riskieren, denn wenn die Islamisten gewinnen, rechnen sie gnadenlos mit ihren Gegnern ab. Ich hoffe, dass die Welt die Verfolgten dann nicht im Stich läßt. Vor allem wünscht man ihnen Erfolg.
    Ich denke oft an die einzige Rock-Band Kabuls und was aus ihnen wird, wenn die Taliban zurückkehren, sobald der Westen sich aus dem Land verabschiedet hat.
  6. #6

    Feiglinge

    eben. Man merke sich : Feiglinge alle zusammen ! Bei genügend Gegendruck werden sie schnell friedlich.
  7. #7

    @dokuti

    Da Sie die Monarchie schon mal nennen: In Buthan wollte der Monarch eine Demokratie einführen. Das Volk war vehement dagegen, da es ihnen in der Monarchie gut ging. Sie wollten Buthan nicht wie ihr König langsam einer westlichen Demokratie annähern.
    @Diktatur: das will sicher niemand hören, aber es ist wahr: Gaddafi galt allen immr nur als Unterdrücker. Es gab aber auch freien Zugang zur Bildung und zur Krankenversorgung für alle. Die Folge bzgl. der Bildung: 60 % der Libyer haben studiert. Ein gebildetes Volk ist für eine Demokratie gefährlicher als ein dummes, ja für jedes Herrschaftssystem. Übrigens herrscht in Libyen immer noch Krieg. Nur zur Information.
    Ich bin sehr lange in verschiedenen Ländern Afrikas gewesen und Politik und Wirtschaft des Kontinents waren mein Studienschwerpunkt. In Gesprächen mit vielen Muslimen, Männern wie Frauen, wurde mir deutlich vermittelt, dass nur eine islamische Regierung, nicht islamistisch radikal, für sie denkbar ist. Ist es nicht undemokratisch, wenn der Westen eine demokratisch gewählte Regierung ablehnt. Das Recht haben die ägyptischen Gegner Mursis, nicht wir.
  8. #8

    Ganz schön naïv.

    Zitat von tjivi Beitrag anzeigen
    Ich halte Mursi nicht für einen Islamisten, sondern einen Politiker, der Politik und Religion in der Staatsführung vereint. Das ist zunächst einmal neutral
    Ein Mitglied der Muslimbrüderschaft soll kein Islamist sein?
    Jemand, der einer Religion in der Staatsführung den Vorzug gibt und angekündigt hat, alle seine ägyptischen Bürger auf islamistische Art zu erziehen, jemand das Verfassungskomitee mit Salafisten und seiner eigenen Bruderschaft besetzt, kann man doch ganz sicher nicht als neutral bezeichnen.
  9. #9

    @explicator

    ...ein ehemaliges Mitglied