Amr Mussa zur Staatskrise in Ägypten: "Der Westen soll sich zurückhalten"

AFPKurzfristig musste Amr Mussa eine Einladung zum SPIEGEL nach Hamburg absagen: Noch nie in seinem Leben war die Lage in Ägypten so kritisch, sagt der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga im Interview. Aber sein Land werde die Krise alleine und ohne Hilfe von außen entschärfen.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-869404.html
  1. #1

    Spiegel-Leser wissen mehr oder sollten es zumindest

    Amr Mussa lässt im Interview mit Volkhard Windfuhr keinen Zweifel daran, dass er den noch jungen Strukturwandel Ägyptens hin zur Demokratie voll und ganz unterstützt. Der Spiegel darf seine Leser aber schon auch darüber informieren, dass Mussa in der Vergangenheit nicht nur zehn Jahre lang Generalsekretär der Arabischen Liga war (2001 – 2011). Sondern auch zehn Jahre lang Außenminister Ägyptens (1991 – 2001) unter dem autokratischen Präsidenten bzw. Quasi-Diktator Husni Mubarak. In dieser Zeit galt er als Kritiker der USA und deren Beziehungen zu Israel. Laut Wikipedia ist Mussa innerhalb der ägyptischen Opposition aufgrund seiner Verbindungen zum alten Regime nicht unumstritten. Aktuell amtiert er als Vorsitzender der erst am 18. September dieses Jahres gegründeten Konferenzpartei, eines Zusammenschlusses 25 vormaliger ägyptischer Parteien. Die Ausrichtung der Konferenzpartei ist laut Wikipedia liberal, links und säkular.
  2. #2

    Ohne Unterstützung des Militärs ist ein Aufbegehren gegen Machtmissbrauch zwecklos

    Der friedliche Weg den die Opposition in Ägypten beschreiten möchte, wird beim gegenwärtigen despotischen Schaulauf der
    Muslimbruderschaft mit ihrem Oberbruder Mursi wahrscheinlich nur als ein zu belächelndes und demütiges Aufbegehren wahrgenommen, das dem sich etablierenden Autokraten umringt von seinen Parteigängern ziemlich gleichgültig ist, solange er die Opposition als einen zerworfenen Haufen wahrnehmen kann. Was könnte denn der Westen außer sich zurückzuhalten in dieser Krise ausrichten - protestieren auf allen Ebenen, um sich über die Zwecklosigkeit solcher Anstrengungen permanent selbst ein schlechtes Zeugnis auszustellen? Durch die Überschreitung seiner Machtbefugnisse hat Mursi eine Zäsur herbeigeführt, die nur die Frage offen lässt, inwieweit die Bevölkerung Ägyptens nach der Entmachtung des Despoten Mubarak bereit ist, sich erneut einem Despoten zu beugen, der möglicherweise schmerzhaftere Repressionen zumindest gegen unliebsame Schichten der Bevölkerung durchsetzt und sich gleichzeitig eine Machtbasis schafft, die jedes nachfolgende Aufbegehren gewaltsam beseitigen kann.
  3. #3

    Ambivalente Besorgnis.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kurzfristig musste Amr Mussa eine Einladung zum SPIEGEL nach Hamburg absagen: Noch nie in seinem Leben war die Lage in Ägypten so kritisch, sagt der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga im Interview. Aber sein Land werde die Krise alleine und ohne Hilfe von außen entschärfen.

    Amr Mussa zur Staatskrise in Ägypten: Der Westen soll sich zurückhalten - SPIEGEL ONLINE
    Amr Mussa ist ein Vertrauter Mubaraks gewesen. Offensichtlich möchte er in Ägypten bleiben, da die alte Mubarak-Elite hofft wieder an die Macht zu kommen. Aber im Ernst Mursi hat den Fehler gemacht, dass er kein Gespräch mit den anderen Oppositionsparteien gesucht hat. Sein Ziel ist es nicht eine neue Diktatur aufzubauen sondern das völlig korrupte Justizwesen auszutauschen. Die Justiz hat bisher den Demokratiesierungsprozess verhindert, indem sie wegen "Formfehlern" die gewählten Organe nicht anerkennen will. Mursi ist kein Engel und auch kein Sympathieträger, aber ein Diktator in spe ist er auch nicht.

    Das die Ägypter auf die Straße gehen und protestieren ist richtig. Damit zeigen sie der gesamten Regierung das sich das Volk nicht mehr veralbern lässt.
  4. #4

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    Zitat von stefan-göbelsmann Beitrag anzeigen
    ...... Laut Wikipedia ist Mussa innerhalb der ägyptischen Opposition aufgrund seiner Verbindungen zum alten Regime nicht unumstritten.
    Amr Mussa kann es - so wie El Baradei - immer noch nicht verschmerzen, dass er bei den Wahlen haushoch rausgeworfen wurde. Mussa sowie auch Baradei sind vielleicht bei ausländischen Regierungen beliebt aber nicht beim ägyptischen Volk. Sie können sich solche Interviews wie das obrige vielleicht beim Spiegel erlauben, in ägyptischer Presse hätten sie keine Chance auch nur annähernd solche Verdrehungen zu behaupten ohne dass der letzte Rest an Sympathie ganz den Bach runter gehen würde. Gegner von Mursi zu sein bedeutet nämlich noch lange nicht für Mussa oder Bardei zu stehen so wie diese beiden das gerne in ausländischer Presse darzustellen versuchen.

    Ebenso wird in deutscher Presse viel hochgespielt und verdreht was sich so nicht zuträgt. Alles , absolut alles was Mursi oder Parlament die letzten Monate beantragt oder beschlossen haben wurde von den obersten Richtern und Staatsanwälten abgelehnt. Es ging einfach nur um innere Machtkämpfe welche darauf hinausliefen, dass jede Entscheidung vom Parlament sabotiert wurde um Mursi als unfähiger Präsident hinzustellen. Dass Präsident Mursi jetzt ein Machtwort (auf Zeit) gesprochen hat wird von der Allgemeinheit stark begrüßt. Nur so kann endlich mit Ausräumungsarbeiten der letzten dreissig Jahre begonnen und vorwärts gearbeitet werden. Natürlich war vorauszusehen, dass gegen diesen Schritt von Mursi demonstriert werden wird. Doch diese paar tausend Leute - von denen ein großer Teil auch noch einfach auf Krawall aus sind - wiegen nicht die Millionen auf welche hinter Musri stehen und morgen und auch weiterhin dafür auf die Strasse gehen werden. Diese paar tausend Leute stehen nicht für die ägyptische Meinung so wie das in ausländischer Presse hochgepuscht wird. Und schon gar nicht stehen sie hinter Amr Mussa oder El Baradei. Gerade diese beiden Politiker sind beim Volk sehr unbeliebt auch wenn das der Westen gerne anders sehen würde.
  5. #5

    Nur zur Info.....

    Zitat von franzdenker Beitrag anzeigen

    Das die Ägypter auf die Straße gehen und protestieren ist richtig. Damit zeigen sie der gesamten Regierung das sich das Volk nicht mehr veralbern lässt.
    Es sind nicht DIE Ägypter welche auf der Strasse sind. Es ist ein sehr sehr sehr kleiner Teil von einigen Tausend Leuten. Diese vertreten noch lange nicht die Meinung des ägyptischen Volkes.
  6. #6

    Man kann doch nicht...

    Zitat von stefan-göbelsmann Beitrag anzeigen
    Amr Mussa lässt im Interview mit Volkhard Windfuhr keinen Zweifel daran, dass er den noch jungen Strukturwandel Ägyptens hin zur Demokratie voll und ganz unterstützt. Der Spiegel darf seine Leser aber schon auch darüber informieren, dass Mussa in der Vergangenheit nicht nur zehn Jahre lang Generalsekretär der Arabischen Liga war (2001 – 2011). Sondern auch zehn Jahre lang Außenminister Ägyptens (1991 – 2001) unter dem autokratischen Präsidenten bzw. Quasi-Diktator Husni Mubarak. In dieser Zeit galt er als Kritiker der USA und deren Beziehungen zu Israel. Laut Wikipedia ist Mussa innerhalb der ägyptischen Opposition aufgrund seiner Verbindungen zum alten Regime nicht unumstritten. Aktuell amtiert er als Vorsitzender der erst am 18. September dieses Jahres gegründeten Konferenzpartei, eines Zusammenschlusses 25 vormaliger ägyptischer Parteien. Die Ausrichtung der Konferenzpartei ist laut Wikipedia liberal, links und säkular.
    den Leuten, die sich für Demokratie und Liberalismus einsetzen, immer mit der Vergangenheit drohen. Sicherlich haben viele Eliten mit dem Regime Mubarak zu´sammengearbeitet. Viele auch aus ehrenwerten Gründen.

    Hätte man alle Stalinisten, die mit dem Massenmörder aus Georgien zusammengearbeitet haben, politisch kaltgestellt, hätte es weder die DDR noch andere WP Staaten je gegeben. Auch Modrow, Gysi, Bisky, und ehemalige DKP Mitglieder sitzen im Bundestag.... und sind demokratisch geworden..... ,mehr oder weniger...

    In Agypten gilt es, eine geschlossene Front der Demokraten und Koservativen zu bilden, um Gesetze gegen Frauen, für Scharia oder ähnliches zu verhindern.
    Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass eine religiös ausgerichtete Politiker keine neuen Arbeitsplätze schafft und weiteres ständiges Blutvergießen erzeugt.

    Demokratie und Religion MUSS Privatsache sein...
    Keine Kompromisse in dieser Hinsicht.... hat in Europa lange genug gedauert.
  7. #7

    @marifu

    Sie sprechen mir aus der Seele. Eine Frage: Sind Sie Ägypter, Araber oder Einfach Moslem. Ich versuche in mehreren Kommentaren darauf aufmerksam zu machen, dass man den Westen nicht überll in die Welt transportieren kann und soll. Andere Kulturen andere Werte. Und das sage ich als deutsche Frau. Ich erkenne die demokratische Wahl Mursis an. Sein Handeln habe ich als Versuch verstanden, Reformen zügiger durchführen zu können. Ich kann mich täuschen.: mein Eindruck bisher: besonnen, intelligent und nicht radikal. Auch viele ägyptische Frauen haben ihn gewählt. Wir im Westen müssen lernen, andere Kulturen zu schätzen und zu akzeptieren. Eine Demokrtie nach unserem Verständnis wird auch die Opposition nicht liefern.
  8. #8

    Das erste was dem Krieg zum Opfer fällt ist die Wahrheit. Wer bitte schön weiß, welche Motive die einzelnen Spieler dort unten haben? Weder der Spiegel noch der, der hier pseudo-interlektuelle Kommentare schreibt.
  9. #9

    Zitat von franzdenker Beitrag anzeigen
    Amr Mussa ist ein Vertrauter Mubaraks gewesen. Offensichtlich möchte er in Ägypten bleiben, da die alte Mubarak-Elite hofft wieder an die Macht zu kommen. Aber im Ernst Mursi hat den Fehler gemacht, dass er kein Gespräch mit den anderen .......
    Die Artikel im Zuge des arabischen Frühlings mit Überschriften wie, " Der letzte Pharao ist gestürzt " , habe ich damals als Unsinn kommentiert , denn wie Udo Lindenberg singt " hinter dem Horizont geht's (der Weltabsolutismus) weiter", obwohl ich mehr an den Faschismus denke , der seine Fortsetzung und Weiterführung im Ostblocksozialismus erfahren hatte , da wir hier direkt betroffen sind .