Kataloniens Separatisten: Unabhängigkeit über alles

APSie wählen eigentlich nur ein neues Regionalparlament, aber es geht den Katalanen vor allem um das "Entscheidungsrecht" - ein Referendum über die Abspaltung von Spanien. Brennende Themen wie Arbeitslosigkeit, Bildung oder Gesundheit blendet der Wahlkampf völlig aus.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-869029.html
  1. #1

    Soziale Verantwortung?

    Die Menschen sind eben doch egoistisch.

    Sobald man arm ist, haben alle anderen eine "soziale Verantwortung und historische Bindung" - und verlangt Geld. Sobald man selber genug hat, ist plötzlich Unabhängigkeit im Gespräch.
  2. #2

    Zitat von spongie2000 Beitrag anzeigen
    Sobald man arm ist, haben alle anderen eine "soziale Verantwortung und historische Bindung" - und verlangt Geld. Sobald man selber genug hat, ist plötzlich Unabhängigkeit im Gespräch.
    Wohl wahr, denn auch hier in Katalonien fordern die Separatisten ja, dass man ein unabhängiger Staat - in Europa sei. Wenn ich das mal übersetzen darf: Wie wollen kein Geld an Madrid abgeben, hätten aber durchaus gern welches aus Brüssel.

    Was aber auch nicht ganz ohne Charme, ist, ist die maßlose Überheblichkeit, mit der die Katalanen glauben, irgendjemand da draußen in der wirklichen Welt, würde sich für sie und ihre Probleme wirklich interessieren. Dass Katalonien für den Rest der Welt schlicht eine Region Spaniens ist - wenn überhaupt bekannt - ist ihnen gar nicht klar. Und dass ihre regionalen Anliegen gegenüber Weltwirtschaftskrise, Dollar-Verfall oder dem meiner Information nach noch immer andauernden Hunger in der Welt vollkommen bedeutungslos ist, kann einfach keiner glauben. Denn tatsächlich werden die Katalanen immer wieder von Ausländern gefragt, worin zum Teufel denn hier der Konflikt bestünde. Dass auf dem Grund dieses Interesses einfach nur Unverständnis und Bestürzung liegt, übersehen sie. Ich halte es also für eine krasse Missinterpretation, wenn Ihr Autor schreibt

    Es sieht ganz so aus, als ob das Thema, über das am Sonntag abgestimmt wird, auf der Tagesordnung des Weißen Hauses, des Kremls und des Volkspalasts in Peking stehen würde. Paris, London und Berlin hängen an unseren Lippen und verfolgen gespannt unser Thema.
  3. #3

    Ablenkung

    Die Zeitung El Mundo (rechts angesiedelt, das war das Problem) veröffentlichte ein “Informe” über angebliche Konten von Mas und Pujol in der Schweiz. Pujol soll 137 Millionen beiseit geschafft haben, der Vater von Mas 2,5 Millionen, über die er eine Steuernachzahlung akzeptiert hatte. Der Skandal, den ich erwartet hatte, kam nicht! Mas und Pujol verklagten die Zeitung, dass der Bericht nicht autorisiert war. Aufklärung, woher das Geld kommt? Keine! Demokratie? Unabhängigkeit, na klar, damit die Rechtssprechung katalanisch wird und noch mehr unter den Teppich gekehrt werden kann.
  4. #4

    Kataloniens egozentrischer Wahn

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie wählen eigentlich nur ein neues Regionalparlament, aber es geht den Katalanen vor allem um das "Entscheidungsrecht" - ein Referendum über die Abspaltung von Spanien. Brennende Themen wie Arbeitslosigkeit, Bildung oder Gesundheit blendet der Wahlkampf völlig aus.

    Kataloniens Separatisten: Unabhängigkeit über alles - SPIEGEL ONLINE
    Was hätte Catalunyas Wirtschaft erreicht, OHNE die innere Migration: die Millionen Arbeiter aus Andalusien und Extremadura, zum Beispiel.
  5. #5

    Einseitig

    Als Kontrapunkt zu diesem Artikel
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-09/leserartikel-katalonien-unabhaengigkeit
  6. #6

    Wo ist das Problem..? Freies/Unabhängiges Katalonien

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie wählen eigentlich nur ein neues Regionalparlament, aber es geht den Katalanen vor allem um das "Entscheidungsrecht" - ein Referendum über die Abspaltung von Spanien. Brennende Themen wie Arbeitslosigkeit, Bildung oder Gesundheit blendet der Wahlkampf völlig aus.

    Kataloniens Separatisten: Unabhängigkeit über alles - SPIEGEL ONLINE
    Ich verstehe nicht, wo das Problem besteht. Wenn die Katalonen sich mehrheitlich für die Eigenständigkeit aussprechen, ist es ihr gutes Recht. Madrid sollte hier konstruktiv bleiben, selbst wenn man auf Katalonien angewiesen ist, und dem englischen Beispiel im Bezug auf Schottland folgen.
  7. #7

    Wahlen in Katalonien

    Als jemand der in Katalonien wohnt kann ich nur bestätigen, dass dieses Thema im Moment allgegenwärtig ist. Allerdings wurde es auch durch die Medien bewusst (allen voran dem regionalen, öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TV3 und der größten Tageszeitung La Vanguardia; beide der regierenden CiU-Partei recht nah) stark ins Blickfeld gerückt. Umfragen haben ergeben, dass selbst die Mehrheit der Katalanen denkt, dass diese ganze Unabhängigkeitswelle eine Taktik der katalanischen Regierung ist um von ihrer Sparpolitik abzulenken. Zudem ergaben diese Umfragen, dass den meisten Leuten Themen wie Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftslage und Korruption eigentlich wichtiger seien, als dieses Thema.

    Aber, wie Herr Fox richtig schreibt, die CiU hat es geschickt vermocht die Unabhängig quasi zum alleinigen Wahlkampfthema zu machen und alle anderen Parteien mussten da wohl oder übel da mitziehen. Einigen anderen Parteien kam das auch ganz gut aus, wie z.B. den „pro-Spanischen“ Parteien Partido Popular und vor allem Ciutadans, die den Umfragen zufolge wohl auch Stimmen gewinnen werden . Aber vor allem die moderaten Sozialdemokraten, die für eine Spanische Bundesrepublik werben, werden wohl zwischen den Blöcken zerrieben werden und stark verlieren.

    Allerdings deuteten die letzten Umfragen darauf hin, dass die Taktik der CiU nicht völlig aufgeht. Das Ziel war eine absolute Mehrheit, aber davon waren sie jedesmal weiter entfernt. Ein Grund war die anscheinend leicht nachlassende Unterstützung für die Unabhängigkeit (durch alle Diskussionen sind sich viele Leute zum ersten mal wirklich der möglichen Konsequenzen klar geworden), zum anderen wählen Befürwörter der Unabhängigkeit dann lieber gleich die Esquerra-Partei, die dieses Thema noch energischer vertritt. Nichtsdestotrotz wird die CiU, aller Voraussicht nach, heute wohl eine deutliche Mehrheit gewinnen.
  8. #8

    Zitat von carlos33 Beitrag anzeigen
    Die Zeitung El Mundo (rechts angesiedelt, das war das Problem) veröffentlichte ein “Informe” über angebliche Konten von Mas und Pujol in der Schweiz. Pujol soll 137 Millionen beiseit geschafft haben, der Vater von Mas 2,5 Millionen, über die er eine Steuernachzahlung akzeptiert hatte. Der Skandal, den ich erwartet hatte, kam nicht! Mas und Pujol verklagten die Zeitung, dass der Bericht nicht autorisiert war. Aufklärung, woher das Geld kommt? Keine! Demokratie? Unabhängigkeit, na klar, damit die Rechtssprechung katalanisch wird und noch mehr unter den Teppich gekehrt werden kann.
    Na ja, El Mundo es ziemlich rechtslastig und die Veröffentlichung fällt in einen kritischen Moment des Wahlkampfes. Und Mas und Pujol haben die Zeitung nicht verklagt, weil der Artikel nicht autorisiert war, sondern weil sie die Vorwürfe als falsch zurückweisen. Es ist nicht mal klar, dass das Geld existiert, insofern kann man den Ursprung auch schlecht erklären. Und ja, weder die katalanische noch die spanische Justiz ist wirklich unabhängig und würde eine Überarbeitung benötigen.
    Die Situation ist sogar noch komplizierter. El Mundo hat dieses Dokument, aber die Polizei scheint es nicht zu haben, obwohl sie überall gesucht haben. Sie haben 4 Dokumente gefunden, die nichts mit Mas zu tun hatten, und von denen Teile des publizierten Dokuments zu stammen scheinen. Um die Verwirrung komplett zu machen, hat eine Regierungspolitikerin der PP, nach der Veröffentlichung der Stellungnahme der Polizei, gefordert, dass man die Anschuldigungen des scheinbar nicht-existenten Dokuments untersuchen müsste.

    Willkommen in der Bananenrepublik Spanien/Katalonien ...
  9. #9

    Reiner Populismus

    Eines der Hauptargumente, dass von den Separatisten ins Feld geführt wird ist immer wieder der, dass Katalonien im Rahmen des Länderfinanzausgleichs ca. 10 Millarden weniger erhält als es einzahlt. Dieses Geld, das in die ärmeren Regionen fließt will man schlicht behalten.(mit dem selben Argument könnte Bayern sich auch für unabhängig erklären)
    Und es sind dieselben Politiker, die lautstark Solidarität von Europa einfordern und sich zu Hause aber selbst unsolidarisch zeigen.
    Und ihre Anhänger applaudieren. Einfach widerlich.