S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Und ich dachte, jetzt kann ich endlich sterben

Warum bekommt man einen Literaturpreis? Es hat mit Glück, der Jury und mit dem Wetter zu tun - und verursacht ein Gefühl der Abhängigkeit: Statt Künstler grundsätzlich zu unterstützen, füttert man sie lieber. Wird man tatsächlich nominiert, ist das ein befremdliches Erlebnis.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-868672.html
  1. #1

    Würden Sie kommen?

    Liebe Frau Berg,
    erst machen Sie mich süchtig nach Ihren Büchern, dann nach den Kommentaren und nun frage ich mich nur noch:
    Würden Sie zu mir zum Essen kommen, wenn ich ein ansehnliches, mehrgängiges Menü zaubere?
    Sie sind eine excellente Autorin - ganz am Rande!
  2. #2

    Eine nette kleine Kolumne zum Thema Literaturbetrieb, die sich auf so ziemlich alle Preise runterbrechen lässt.

    Wer mal in so einer Situation war, der weiß, wovon Frau Berg da schreibt.

    Danke, hat mich Schmunzeln lassen.
  3. #3

    Es geht durchaus noch schlimmer

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Warum bekommt man einen Literaturpreis? Es hat mit Glück, der Jury und mit dem Wetter zu tun - und verursacht ein Gefühl der Abhängigkeit: Statt Künstler grundsätzlich zu unterstützen, füttert man sie lieber. Wird man tatsächlich nominiert, ist das ein befremdliches Erlebnis.

    S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle - SPIEGEL ONLINE
    Schließlich kommt kaum jemand erst in Ihre Situation. Der Standartsatz, mit dem Manuskripte zurückkommen, und der richtig nervt, lautet: 'Passt nicht ins Verlagsprogramm'. Das der Schreiberling natürlich vorher eifrig studiert hat. Und der lediglich aussagt, dass eine mehr oder weniger höfliche Sekretärin das persönliche Objekt der Liebe gerade ungeöffnet zurückschickt. (Falls überhaupt, und natürlich nur mit beigelegtem Rückporto).

    Und deshalb haben sich dann solche Schönheiten des Literaturbetriebs etabliert, die der Spiegel so trefflich aufs Korn nahm:
    Bezahl-Verlage: Die schönsten Seiten des Schwachsinns - SPIEGEL ONLINE
  4. #4

    Wettbewerbe

    bei denen der Gewinner schon festliegt.Aber ohne diese Scheinwettbewerbe waere es ja kein Spektakel.Sich trotzdem geehrt fuehlen,dass Sie unter den ersten 5 waren.Der damit verbundene Stress hat bestimmt einen Nutzen.
  5. #5

    heldentod

    jawohl, frau berg hat mal wieder recht (wie immer), ich habe auch schon bei verschiedenen gelegenheiten und mehr aus versehen zwei, drei (unwichtigere) preise bekommen, weil halt außer mir keiner da war, um sie abzuholen - und ich muss ergänzen: viel schlimmer als sie nicht zu bekommen, ist plötzlich auf der bühne zu stehen, das mikrofon in der hand, mit fieberschüben vor lauter bühnenaufregung, und dann fällt einem nur noch "vielen dank" ein. das vor versammelter kritikerpresse. einmal habe ich ihn dann doch nicht bekommen, und ungelogen - ich war SO froh, keine spontan improvisiert wirkende rede über die wiederkehr des politischen theaters oder was halt sonst gerade so gepasst hätte, halten zu müssen. allein bei der vorstellung ich bin auf der stelle gestorben, wirklich.
    natürlich liegt der fiebertod sensibler naturen daran, dass dieser ganze preiszirkus letztlich ein demütigungszirkus ist. eine institution, ein verlag, eine literatursendung schmückt sich mit einem preis. und der autor, in vollstem missverstehen, glaubt, es ging um ihn. da kann er gar nicht angemessen reagieren außer sofort den peinlichkeitstod zu erleiden.
    er stirbt sozusagen in vorauseilendem fremdschämen mit sich selbst daran, dass
    er in dieser zwickmühlenrollendiffusion zwischen kreativem individuum und schmückendem literaturjurybeiwerk keinesfalls das richtige sagen kann, frau berg sei's geklagt.
    mal was anderes: literaturförderung reformieren, sofort! ich bin dabei.
  6. #6

    Also - ich mag Sie viel lieber als den Matt...

    und nicht vergessen - die Preise sollen immer erstmal den Verleiher ehren..
  7. #7

    Zitat von agua Beitrag anzeigen
    bei denen der Gewinner schon festliegt.Aber ohne diese Scheinwettbewerbe waere es ja kein Spektakel.Sich trotzdem geehrt fuehlen,dass Sie unter den ersten 5 waren.Der damit verbundene Stress hat bestimmt einen Nutzen.
    Natürlich besteht auch (ich weiß: die furchtbar weit entfernte) Möglichkeit, dass der Preisträger die Ehrung zu Recht erhalten hat. Nebenbei: Frau Berg, Sie sind keine gute Verliererin, im Gegenteil.
  8. #8

    Ach, wie menschlich ist Frau Sybille

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Warum bekommt man einen Literaturpreis? Es hat mit Glück, der Jury und mit dem Wetter zu tun - und verursacht ein Gefühl der Abhängigkeit: Statt Künstler grundsätzlich zu unterstützen, füttert man sie lieber. Wird man tatsächlich nominiert, ist das ein befremdliches Erlebnis.

    S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle - SPIEGEL ONLINE
    Mit fällt bei dieser Art von Beiträgen sofort die Fabel: "Der Fuchs und die Trauben" ein. Oder noch besser, Mark Twain: "Kein Breitengrad, der nicht dächte, er wäre Äquator geworden,. wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre"

    Im Moment tiefster Erschöpfung stand auch schon wieder eine Kamera bereit, um zu fragen, ob ich enttäuscht bin. Heute ist das alles längst vergessen.
    Wirklich, warum dann dieser Beitrag?

    Eine prächtige Erfahrung liegt hinter mir, ich bin eine brillante Verliererin, ...
    Schmunzel ....

    ....Enzensberger und von Matt haben alle Preise der Welt verdient.
    Hier ist Frau Sibylle ehrlich ;-)

    Ich frage mich nur, ob so ein Buchpreiswettrennen wirklich sehr würdevoll für alle Beteiligten ist und ob es den SchriftstellerInnen, also den 99 Prozent, die nicht gewinnen, irgendwie weiterhilft.
    Hier käme dann der Fabeldichter Äsop ins Spiel.
  9. #9

    warum?

    warum bitte sollte man "künstler grundsätzlich unterstützen"? es gibt nunmal jede menge künstler, die überaus erfolgreich sind und sehr, sehr, sehr gut davon leben können.

    wenn jemand von seiner kunst nicht leben kann, ist er vielleicht ganz einfach ein nur durchschnittlicher oder gar unterdurchschnittlicher künstler. dann soll er eben eine tätigkeit ausüben, die besser bezahlt wird. schreiben/malen/etc. kann er dann ja noch in seiner freizeit.

    schlimm genug, daß opern, theater und ard/zdf mit steuergeldern geflutet werden. jetzt soll ich noch ein paar euros mehr abdrücken, nur weil jemand keinen bock hat, sein berufsleben in einem büro zu verbringen wie 10 millionen andere?

    am schluß noch ein rat: liebe frau berg, schreiben sie doch was über zauberlehrlinge oder vampire. so was wollen die leute lesen, das verkauft sich.