S.P.O.N. - Der Kritiker: Im Strudel des Strukturwandels

Die Woche der Pressekrise war auch eine Woche der Krise des politischen Journalismus: Medien rackern sich an einer Realität ab, die sie längst abgeschafft haben. Selten zeigte sich das so deutlich wie am Gehechel um eine mögliche schwarz-grüne Koalition.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-868935.html
  1. #1

    Schuld sind immer

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Woche der Pressekrise war auch eine Woche der Krise des politischen Journalismus: Medien rackern sich an einer Realität ab, die sie längst abgeschafft haben. Selten zeigte sich das so deutlich wie am Gehechel um eine mögliche schwarz-grüne Koalition.

    Die Pressekrise ist eine Krise der demokratischen Öffentlichkeit - SPIEGEL ONLINE
    die anderen.
    Es gibt eine Internationale GfK-Studie zum Vertrauen der Bürger in 20 verschiedene Berufsgruppen und Organisationen. Da liegen die Journalisten in Deutschland auf dem 16. Platz, knapp vor den Marketing- und Werbefachleuten. Ich will nicht verhehlen, dass es noch einige Gründe mehr gibt, diese vereinigte Journaille wird sie schon deutlich aufzeigen. Ob das aber verloren gegangenes Vertrauen zurückbringt?
  2. #2

    Bravo Herr Diez!Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Lieber über mögliche Bündnisse von Grün/Schwarz spekulieren,als sich der schnöden Europakriese widmen. Da ist viel Selbstbetrug im Spiel! Aber auch Ablenkungsmöglichkeiten! Viele mißtrauen dem geschriebenen oder gesprochenen Wort der Presse. Mein Nachbar zeichnet die Nachrichten im Fernsehen auf. Es geht ihm dabei nur um den Wetterbericht.der Rest wird im Vorlauf übersprungen.Nur wegen dem Wetterbericht will er sich die Nachrichten von ARD oder ZDF nicht antun. Ich kann das sehr gut verstehen.
  3. #3

    Eine Krise der demokratischen Öffentlichkeit?

    "Einen guten Journalismus erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten." Dieser Satz stammt frei nach Hanns Joachim Friedrichs

    Politiker die nicht mehr in der Lage sind, sich verständlich mit der Öffentlichkeit auseinander zu setzen.
    Die immer stärkere Abgrenzung gegenüber kritischen Berichten.
    Die Politik versuchet die Arbeit der Medien durch gesetzliche Maßnahmen einzuengen, um sie so gefügiger zu machen.
    Beispiele:
    Redaktionsdurchsuchungen bei "Cicero", die Sicherung von Verbindungsdaten wie im Fall der "Dresdner Morgenpost", die Beschattung von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst. Über 150 derartige Fälle registrierte der Deutsche Journalistenverband alleine von 1997 bis ins Jahr 2000.
    Reaktionen waren auch die Nichtberücksichtigung kritischer Journalisten bei Kanzlerreisen und der stetige Vorwurf eines Kampagnenjournalismus, wenn über Entscheidungen der Bundesregierung oder Politiker kritisch berichtet wurde. Merkel und Schröder beherrschen das Spiel mit den Medien besser als Kohl in 16 Jahren.

    Jetzt,Jahre später, muss die Rolle der Medien in Deutschland neu dargestellt werden. Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert einen freien Journalismus. Unbestritten ist, dass die Presse einen wichtigen Stellenwert in unserer demokratischen Gesellschaft hat. Zu ihren Funktionen gehören neben der Beschaffung und Verbreitung von Nachrichten die gerade in einer Demokratie überlebenswichtige Kritik und Kontrolle sowie die Mitwirkung an der Meinungsbildung. Diese kritische Funktion ´´Mitwirkung an der Meinungsbildung´´ ist nicht ohne Grund als Aufgabe in den Landespressegesetzen eindeutig festgeschrieben.

    Skandale wie die Geschäfte mit PR-Beratern, Spendengeldaffäre, , die VW-Affäre, Wulff, Guttenberg und Doktorentitel, der leichtfertige Umgang mit Steuergeldern oder Bestechungen wären ohne Berichterstattung nie in die Öffentlichkeit gekommen. Ziel der Information ist es, Wissen für den demokratischen Meinungs- und Willensbildungsprozess zu vermitteln, auch und gerade in Wahlzeiten.


    Einseitigkeit der Berichterstattung und Parteinahme, der Journalist, der nicht mehr Politiker interviewt, sondern sich von anderen Journalisten interviewen lässt; der Presse-Karrierist, dem zu Kopf gestiegen ist, dass er schon in jungen Jahren eine Führungsposition erklommen hat missachtet jede publizistische Tätigkeit der Presse mit
    der Aufgabe, einen öffentlichen Meinungsmarkt herzustellen.

    "Soll der Bürger politische Entscheidungen treffen, muss er umfassend informiert sein, aber auch die Meinungen kennen und gegeneinander abwägen können, die andere sich gebildet haben."
    So urteilte das Bundesverfassungsgericht im August 1966 ("Spiegel"-Urteil).

    Natürlich ist es nicht der Onlineblogger oder die Onlinepresse alleine die dem gedruckten Papier zu Leibe rückt, aber es ist,
    (und das beweist der SPON eindrucksvoll immer wieder aufs neue wenn er Meinungen von Forenteilnehmern nicht veröffentlicht obwohl diese der Netiquette entsprechen)
    eine wachsende und freiere Alternative.
  4. #4

    Was heißt es denn?

    ...nicht versteht, was es heißt, in der DDR mit einem Vater aufzuwachsen, der "Mein Kampf" las, eingewickelt in das "Neue Deutschland."

    Verstehe ich auch nicht, was ist jetzt daran schlimm? "Mein Kampf" zu lesen oder daß dieses Buch im ND eingewickelt war (und nicht etwa in der BILD)? Oder daß sie in der DDR aufgewachsen ist?
    Alles höchst harmlos und auch ohne käuflichen Ratgeber aus der Frauenliteraturecke zu bewältigen.
  5. #5

    Vierte Macht?

    Die Presse als die vierte Macht im Staat? Was früher als vorsichtiger Vergleich herangezogen wurde, steht heute schon als Tatsache fest.

    Der Unterschied ist, dass Legislative, Judikative und Exekutive unmittelbar an die Grundrechte und an Recht und Gesetz gebunden sind. Eine Einschränkung, die die Presse für sich nicht in diesem Maße erforderlich hält.

    Da kann behauptet werden was will, da werden willkürlich Menschen und Karrieren zerstört. Alles im Namen der Guten Sache, alles ohne wirksame Kontrolle. Oft mit Recht. Leider nicht immer. Dafür ohne Folgen.

    Die daraus erwachsende Arroganz der Journalisten, ihre unverblümte Machtausübung, entrückt in ihrer Folge die Gesellschaft stetig von aller Verbindlichkeit.
  6. #6

    Schön wäre es...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ... Medien rackern sich an einer Realität ab, die sie längst abgeschafft haben. ...
    Die Pressekrise ist eine Krise der demokratischen Öffentlichkeit - SPIEGEL ONLINE
    Es ist noch schlimmer, lieber Herr Diez:

    1. Die Medien wurden von der Realität abgeschafft, so sieht es aus.

    2. Eine Nachricht ist nur dann eine Nachricht, wenn man sich "nach" ihr "richten" muss.

    3. Ihr habt leider keine Ahnung von der Informationsgesellschaft, dies ist auch eine Realität. Das ist gesellschaftliches Analphabetentum mit Abitur und Studium.
  7. #7

    Die Medien

    insgesamt, haben, aus welchen Beweggründen auch immer, die macht, die sie früher hatten, abgegeben. Für ein besseres gemütlicheres Leben? Um eventuell doch nächstes mal mit der Bundeskanzlerin fliegen zu können?? oder, oder.... Ich hab mich schon seit langem von den Medien abgewandt, weil sie nicht Ihre Arbeit machen, unsere Machtgeilen Politiker zu kontrollieren, bestimmte Zusammenhänge zu hinterfragen. Kleines Beispiel. Meine KWh Strom erhöht sich um 5 Cent, warum?? Wo ist bitte die Zeitung, die mir das erklärt??? Oder wenigstens danach sucht es herauszufinden?? Nichts, alle schreien, was für eine Abzocke. Das weiss ich selber. Wenn die Zeitungsleute nun endlich Ihren warmen Sessel verlassen und zu den Menschen hingehen, wäre schon mal ein Anfang. Die Welt draussen, ausserhalb der Zeitungsburgen, tickt anders, aber man muss es erleben wollen. Aber ein Redakteur von Spiegel, der mit 10T€ nach Hause zu seiner familie geht, möchte sich sicherlich nicht mit der deutschen Realität befassen. Nach dem Motto, ich bin unantaßbar, ich bin der King, kann die Welt untergehen, ich werde NIE dahin kommen. Wer es klaubt??
  8. #8

    Schwarz-Grün

    oder Gelb-Schwarz oder Rot-Grün oder oder oder.
    Wenn es keine Medien gäbe, würden die, die wählen wollen, wohl trotzdem wählen. Wen die Mehrheit gewählt hat, werden wir erst nach den Wahlen wissen. Rein theoretisch sind alle in der Lage zu prüfen, wo sie zu viel mit den Vätern mitgedacht haben.
    Ein Wort musste ich nachschlagen: Hospitalismus. Man will oder kann nicht alles wissen.
  9. #9

    diese Woche ?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Woche der Pressekrise war auch eine Woche der Krise des politischen Journalismus: Medien rackern sich an einer Realität ab, die sie längst abgeschafft haben. Selten zeigte sich das so deutlich wie am Gehechel um eine mögliche schwarz-grüne Koalition.

    Die Pressekrise ist eine Krise der demokratischen Öffentlichkeit - SPIEGEL ONLINE
    Die "Krise des politischen Journalismus" kam nicht erst diese Woche, die hat sich seit Jahren immer mehr verstärkt. Wobei das "schwarz-grüne Gehechel" gerade mal eine Marginalie darstellt.

    Und die Medien haben auch keine "Realität selbst abgeschafft" - die Realität exisitert munter weiter. Aber sie haben sich eine Parallel-Realität aufgebaut, von der sie glauben sie wäre die echte und die sie gebetsmühlenartig versuchen an den Leser zu bringen.

    Dieser Leser ist - dank breiter online-Information und eigener Beobachtung - aber nicht mehr gewillt, diese papierne Parallelrealität als "Wahrheit" zu schlucken.

    Daran liegts denn auch, wenn sich Journalisten auf den Abstiegsrängen des Ansehens wiederfinden.

    Erst wenn die Herrschaften mal wieder unvoreingenommen in diese Realität eintauchen - weg von blanken dpa-Meldungen und Absonderungen von Parteien und allen möglichen Gruppen und Grüppchen - erst dann können sie wieder ernst genommen werden.