Revolution bei Marvel Comics : Die Macht der Nummer eins

Superhelden wie Spider-Man oder The Avengers sind erfolgreicher denn je - im Kino. Aber wer kauft noch Comic-Hefte? Und wie bindet man ein neues Publikum ans alte Medium? Beim Marktführer Marvel versucht es Chefredakteur Axel Alonso mit digitalen Tricks und riskantem Relaunch.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-866134.html
  1. #1

    Wumm Bam Swooosh

    Sorry, aber dieser ganze Supermenschen-Gedöns ist mitverantwortlich für den schlechten Ruf, den Comics (alleine dieses Wort ist im deutschsprachigen Raum schon dermaßen negativ behaftet, dass ich nach einer Alternative geneigt bin zu suchen) haben.

    Im z.B. frankobelgischem Sprachraum sieht's da ganz anders aus. Die meisten Veröffentlichungen von Trondheim etwa werden von meinen Eltern ebenso gerne gelesen wie von wie meinen Kindern. Tiefsinnig, humorvoll, anspruchsvoll gezeichnet: es muss nicht unbedingt eine "Graphic Novel" (diese Bezeichnung ist ein Krampf, innerhalb der Kunstform "Comic" sich von eben dem ganzen Marvel und sonstigem Schund abzugrenzen) sein, um ernst genommen zu werden.

    Ansonsten empfehle ich immer gern "Comics richtig lesen" von Scott McCloud. Und im Zusammenhang mit diesem Artikel den grandiosen "Pussey!" von Daniel Clowes.
  2. #2

    Eine Lanze für Marvel

    Ja, die Graphic Novel ist eine Verkaufsmasche. Klar sind das alles Comics.
    Da gibt es eben verschieden Ansätze: verkünstelt, intellektuell, Spaß. Ich kann nur über die Marvel-Comics der 80er sprechen: Spider-Man, Daredevil, Fanta 4, sogar Thor. Ja da gab es immer auf die Mütze aber immer auch unterebrochen von stillen und nachdenklichen Momenten und ich fand sie stellenweise durchaus tiefsinnig. Tiefsinniger als die zugehörigen Filme jedenfalls.
    Der klassische Donald von Barks ist ebenfalls eine alterslose Freude und in welchen Kinderbüchern kommen schon Worte wie Mäzen oder Dividende vor? Natürlich in der Übersetzung von Erika Fuchs, RIP.

    Spaß schließt Tiefsinn nicht aus und nicht nur Art Spiegelman ist Kunst. Neil Gaymans monolithisches Hauptwerk "Sandman" sei hier zu empfehlen. (Er schreibt jetzt Bücher und für Hollywood aber das bleibt trotzdem sein Hauptwerk)

    Soviel nur zu den geringgeschätzten "US-Comics".
  3. #3

    Blut, Wut und Gewalt,

    das ist was einem beim lesen der neuen Marvel-Comics auffällt. Die neue Superhelden sind eigentlich negativ eingestellt, sie sehen immer richtig fies, schelcht gelaunt, gewaltbereit, hasserfüllt gegen den Rest der Welt, skrupellos, unfähig zu handeln, kurz: sie sehen so aus, wie die US-Gesellschaft geworden ist: martialisch.
    In den 70ern, 80ern haqtten sie noch menschliche Züge, konnten über sich lachen und ein wenig philosophieren. Aber das wichtigste war, das sie nie Blut vergossen.
  4. #4

    Schund

    ...sind Marvel Comics schon mal nicht, sehr geehrter Pierre.

    bloß weil man eine Sache nicht mag oder mit ihr klarkommt, heißt das noch lange nicht, dass es Schund und Schuld an dem Interesse ivon Comics in Deutshcland hat.
    zitat:" aber dieser ganze Supermenschen-Gedöns ist mitverantwortlich für den schlechten Ruf, den Comics"
    und " ...sich von eben dem ganzen Marvel und sonstigem Schund abzugrenzen" Zitat Ende
    es gibt wohl sehr gute amerikanische Comics, die nicht nur eine Graphic Novel oder Dang-ding-dong heissen müssen.
    entweder es gibt gute Autoren und Zeichner oder nicht.
    Natürlich sind Europäische Comics auch gut. Aber sie sind anders einzuordnen. Allein das Format ist schon anderes und die Erscheinungsweise. (22 vs 48 Seiten) etc etc etc.

    Schund ist es (so meine Meinung) etwas zu behaupten von dem man(n) keine Ahnung hat (oder wussten Sie, dass ein Möbius auch für Marvel gezeichnet hat?) oder mit Halbwissen prahlt, bzw etwas schlechter macht, ohne es zu kennen.
    durch "comics" haben sehr viele Kinder auch deutsch gelernt (und nicht nur zack, bumm, bäng), mit Migrationshintergrund, schneller als durch schulbücher(ergänzenderweise).

    tschüß und excelsior
  5. #5

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die digitale Revolution und mit ihr die Piraterie hat auch die Comic-Branche schwer getroffen
    Die klassischen Medien machen es sich sehr leicht alle Verluste immer nur auf das Internet zu schieben anstatt sich mal an die eigene Nase zu fassen. In diesem Fall wird es besonders deutlich, weil Comics ganz sicher nur zu verschwindend geringen Teilen Opfer von Piraterie sind - Bücher können Piraten auf dem eReader lesen, Musik auch als mp3 abspielen, aber Comics als riesige Bilddateien am Computer? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendjemand will. Klar, da gibt es mittlerweile Apps für, aber sind das nicht eher geschlossene Systeme und wäre es nicht mühsam gescannte Comics dort einzupflegen? Selbst die gekauften sind auf dem Tablet kaum tolerabel.

    Comics sind aus der Mode gekommen, im Vergleich zu den Anfängen noch seichter geworden, irre teuer und man kommt als Neueinsteiger kaum rein. Die sinkenden Verkaufszahlen haben viele Gründe, und Piraterie ist nur ein kleiner Teil des Problem.
  6. #6

    Besser als ihr

    Wenn ich die Kommentare von Pierre, larry oder cargath lese muss ich mich wundern inwieweit man sich tatsächlich mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Superhelden waren schon immer ein anderes Genre aber nicht zwangsweise von schlechterer Qualität als andere Comics. Superman gar, hat in seinem ersten Auftreten als eher sozialistisch angehauchter Held gegen Unterdrückung und Willkür der Mächtigen gekämpft und auch bei den Superhelden gibt es unzählige Beispiele von tiefsinnigen und literarischen Werken. Sicher sind sie anders als die franko-belgischen Werke, aber deshalb nicht automatisch schlechter.
    Man muss nicht erst zu solch unbestrittenen Meisterwerken wie Alan Moores Watchmen oder Denny O'Neil und Neal Adams an Green Lantern / Green Arrow greifen um gute Superhelden Comics zu finden. Zwei aktuelle Beispiele von Marvel wären da Iron Man von Matt Fraction der einen Tony Stark zeigt der zwar dem aus den Filmen ähnelt aber dennoch sehr viel komplexer ist. Ein Iron Man das zwar ebenfalls einen Kampf zwischen Gut und Böse zeigt, aber viel mehr in Welt der Geschäftsleute und Politik verankert ist. Ein Mann der ein Kontrollfreak ist und lernen muss jegliche Kontrolle aufzugeben. Oder man schaut sich Kieron Gillens Journey into Mystery an, welches eine Geschichte über eine Geschichte ist. Es erzählt vom erzählen, Es ist leicht und beschwingt, melancholisch und hat vor allem mit Loki einen Protagonisten der keinen Konventionen entspricht.
    Das zeigt auch schon das die modernen Helden eben nicht fies aussehen, gewaltbereit sind, genau das war eigentlich Vorrecht der 80er, wo die Waffen mit den Schulterpolstern um Größenrekorde wetteiferten, und die Lösung fast immer in noch mehr Gewalt lag. In den oben beschriebenen Beispielen ist der Geist bzw. die Feder eine sehr viel mächtigere Waffe als ein Laser oder ein Schwert.
    Zu dem Problem der "Piraterie" (ich werde mich hier nicht auf eine semantische Diskussion einlassen) kann ich nur sagen das das Problem schon lange ein sehr großes ist. Wie im Artikel beschrieben liegen die durchschnittlichen Verkaufszahlen um die 50.000. Man kann aber schon am Tag der Veröffentlichung diverse Comics auf Torrentseiten runterladen wobei die Zahlen dort schon sehr erschreckend sind. Vorsichtige Rechnungen gehen von ca. der doppelten Anzahl an Downloads wie der Verkäufe aus (also im Durchschnitt 100.000) andere schon in Richtung des 5fachen. Die entsprechenden Formate sind schon lange im Umlauf (cbr, cbz ...) und es gibt eine Vielzahl an Programmen die diese darstellen können. Die sinkenden Verkaufszahlen freilich sind nicht alleine darauf zu begründen, sie hängen sicher mit dem Preis zusammen und mit dem vermeintlich schweren Einstieg weil auf dem Heft ja eine Nummer 698 steht. Gerade letzteres ist es aber was die Verlage ja gerade angehen. Wobei der Einstieg in z.B. eine Spider-Man Serie auch nicht komplexer ist als sich ein neues Asterix Heft anzuschauen.
  7. #7

    Geschmack

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Jeder darf lesen, was er will. Ich lästere auch nicht über Fans von Dan Brown und brüste mich damit, dass ich nur Fachbücher lese. Also bitte ein bisschen Respekt.

    Cargath, ihrem Beitrag nach zu schliessen tummeln sie sich nicht so häufig im Netz wie ich.
    Comics sind sehr einfach gratis zu lesen. Es gibt viele Menschen die der Meinung sind, geistiges Eigentum sollte jedem frei zugänglich sein, auch einige Comicleser denken so. So lassen sich digitalisierte Comics bei Filesharing-Platformen runterladen oder, ungefährlicher für den Konsumenten, auf YouTube "schauen". Die im Artikel angesprochene "Avengers vs. X-Men"-Serie war komplett hochgeladen, ich weiss nicht, ob die Filmchen noch online sind.
    Und natürlich lassen sich digitalisierte Comics genau wie Bücher auf dem eReader lesen, es gibt viele Menschen, die das tun. Zum Beispiel bringt DC einige Serien inzwischen nur noch digital raus, mit einigem Erfolg.

    Sie scheinen sich ausserdem auch nicht wirklich mit Comics auszukennen. Ein Einstige ist gar nicht so schwer wie es sich einige Leute vorstellen, gehen Sie einfach einmal in das nächste Comicgeschäft und lassen Sie sich beraten. Irre teuer sind sie auch nicht. Bedenken Sie, dass es sich um Seiten voll mit meist bunten Bildern handelt. Was zahlen Sie für ein Bilderbuch mit 22 Seiten? Wahrscheinlich mehr als fünf Euro.
    Und als Aushilfskraft in einem Comicladen kann ich Ihnen garantieren, dass Comics nicht aus der Mode gekommen sind.

    Ich denke, der Rückgang liegt auch an der Verbreitung von Videospielen. Früher war die Comiclektüre eine seltene Gelegenheit, in eine Welt voller Action einzutauchen. Heute hat man dafür mehr als nur eine Möglichkeit, vor allem mit PlayStation u.ä. kann man das Geschehen direkt beeinflussen und ist nicht nur passiver Zuseher. Das zieht Kinder und Jugendliche vermutlich mehr an.

    Wie auch immer, ich mag Comics und ich hoffe, dass es irgendwann einmal soweit ist dass auch die Menschen in Deutschland begreifen, dass es sich dabei nicht um Kinderheftchen handelt, sondern Comics eine eigene Kunstform sind.
    Deshalb habe ich mich sehr über diesen informativen Artikel gefreut.

    "The Amazing Spider-Man" ist im Moment, glaube ich, eine zweimal pro Monat erscheinende Serie, nicht monatlich.
  8. #8

    Nett

    Ein Reset war, ganz ehrlich, auch dringend nötig. Das konnte man schon in den 90ern absehen, als Verlage wie Image, Dark Horse oder Maximum Press ordentlich bei DC und Marvel gewildert haben.
    Nachdem nun allerdings Disney bei Marvel das Sagen hat, kann ich mich nicht wirklich freuen.
  9. #9

    @Pierre, @larry

    Ich möchte Ihnen jetzt nicht auf den Schlips treten, und finde es ja auch schön, dass in der heutigen Zeit noch Comics gelesen werden.

    Aber wir sind doch mittlerweile alle erwachsen, oder? Warum nicht mal erwachsene (sprich ernsthaften) Themen und Charactere? In meinen Augen gibt es genug Autoren und Serien, sowohl internationale als auch frankobelgische:

    - The Boys von Garth Ennis (Garth Ennis - typische Superheldensatire)
    - So ziemlich alles vom Salleck-Verlag
    - DMZ von Brian Wood (Was wäre, wenn es einen zweiten amerikanischen Bürgerkrieg gibt?)
    - Fell von Warren Ellis (experimenteller Comic über einen Cop der um jeden Preis das Verbrechen bekämpft)

    Ich habe das Problem, dass viele in meinem Unkreis denken, Comics sind was für kleine Kinder. Das ist traurig, da es genug fähige Autoren, Zeichner, Übersetzer, Tuscher,... gibt, die alle zeigen, dass Comics erwachsener, ernster und trotzdem fesselnder sein können, als so manches Buch oder mancher Film.