Zeitungssterben: Der Anfang vom Ende fürs bedruckte Papier

DPAErst die "Frankfurter Rundschau", nun die "Financial Times Deutschland": Zwei überregionale Tageszeitungen fallen binnen kurzem dem Medienwandel zum Opfer. Warum haben es Zeitungen eigentlich nicht geschafft, den Online-Journalismus für sich zu erobern?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/wol...-a-868508.html
  1. #1

    Verlust der Glaubwürdigkeit

    Wenn es reicht gerade mal 3 Monate zurückzublättern, um festzustellen, dass die Zeitung sich selbst widerspricht, dann überlegt der Leser, ob er noch bereit ist 20 bis 100 Euro im Monat auszugeben, um eine Zeitung zu lesen, der er nicht mehr vertraut. Wenn als Quelle immer öfter Google oder Wikipedia herangezogen wird, dann wird sich auch der letzte Leser abwenden. Zynisch von den Tageszeitungen lese ich nur noch den Lokalteil und die Witze, alles andere ist morgen schon wieder überholt
  2. #2

    optional

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erst die "Frankfurter Rundschau", nun die "Financial Times Deutschland": Zwei überregionale Tageszeitungen fallen binnen kurzem dem Medienwandel zum Opfer. Warum haben es Zeitungen eigentlich nicht geschafft, den Online-Journalismus für sich zu erobern?
    In einer gleichgeschalteten Presselandschaft der dpa-CopyCats und Einheits-Stimmungsmache, wo Hintergrundrecherche und Investigativ-Journalismus längst NoGos der Shareholder sind, brauchen wir:

    Genau eine solche Zeitung, genau ein solches Online Medium.
    Die Zeitung von einst schafft sich selbst ab wie man so schön sagt.
    Zum Glück gibt es noch andere Medien. Statt mir eine solch nutzlose Kopie zu kaufen, investiere ich lieber in eine Abo der Titanic. Da kriegt man wenigstens was zu lachen fürs Geld.
  3. #3

    Zukunft der Demokratie

    Was der Autor nicht anspricht sind die Auswirkungen, die dieser Trend auf unsere Demokratie hat. Wenn die Pressefreiheit der Grundpfeiler der Demokratie ist, dann wird es schwierig, wenn es keine Presse mehr gibt. Blogs und werbefinanzierte News-Seiten sind kein Ersatz für überregionale, meinungsbildende Zeitungen mit Auslandsbüros, investigativen Journalisten und vertrauenswürdigen Berichten.
  4. #4

    optional

    Und da ist wieder dieser Mythos der "bösen" News-Aggregatoren, die alle Zugriffe von den Zeitungen klauen.
    Der interessierte Leser möge doch bitte einmal auf Google News surfen und feststellen, wieviele Artikel er dort im Volltext lesen kann, und wieviele Artikel nur einen Vorgeschmack bieten und auf den eigentlichen Artikel auf der Seite der Zeitung verweisen.

    Aber davon abgesehen, ist es heute natürlich viel einfach zu merken, wenn Zeitungen A, B und C jeweils die gleiche DPA-Meldung übernehmen und nichts, aber auch gar nichts an Eigenleistung dazu erbringen, auch bei den "Topmeldungen" eines Tages. Da fühlt man sich als Leser dann natürlich schon top informiert, und zahlt gerne sein Abo..
  5. #5

    Werter Herr Wolfgang Münchau,
    Sie als Meinungskontraindikator waren "einer der Mitbegründer der "Financial Times Deutschland" und später einer ihrer Chefredakteure."

    Das ist toll!
    Könnte aber auch die Erklärung sein.
    Ich mag Ihre Kolumnen, weil zielsicher das Gegenteil eintrifft oder die Wahrheit unsichtbar wird.

    Weiter so! Sie helfen damit Vielen.
    Beste Grüße
  6. #6

    Sehr guter Artikel!

    Alle wissen um die Veränderungen, können aber nicht angemessen reagieren.
  7. #7

    Herr Münchau schreibt:

    [QUOTE;11397292]Das Internet bietet mittlerweile so viel an Gratis-Informationen hoher Qualität, dass nicht spezialisierten Tageszeitungen mittlerer Größe mit geringen redaktionellen Ressourcen der Markt wegbricht. [/QUOTE]

    Das Internet bietet mittlerweile so viel an Gratis-Schreibtipps, dass nichteindeutige Formulierungen auch von Hobbypublizisten locker ausgemerzt werden können sollten ("Rechtschreibreform" hin oder her): Wenn der Markt für spezialisierte Tageszeitungen (...) dank Internet nicht wegbricht, sollte ja jeder seine Nische finden können...
  8. #8

    Das war nur der Anfang, es werden noch weitere unnütze Blätter von der Bildfläche verschwinden und das ist auch gut so!
  9. #9

    Daseinsberechtigung

    Es gibt noch zwei Bereiche, in denen die klassische Zeitung ihre Daseinsberechtigung auch in der Zukunft haben wird. Das ist zum einen die regionale Tageszeitung - für regionale Belange taugt das Internet als Informationsmedium zu wenig, da die Zielgruppe zu klein ist.
    Der zweite Bereich, und das ist bereits fraglich, ist die Zeitung mit überdurchschnittlich gutem Recherche-Angebot, die sich von der Masse abhebt, wie z.B. die Zeit. Leider werden vor allem in den Online-Medien oder auch bei manchen Tageszeitungen zunehmend schlecht bezahlte und schlecht ausgebildete Praktikanten oder Volontäre eingesetzt. Das merkt man dann an der Qualität. Da eine Zeitung aber richtig Geld kostet, muß sie sich durch Qualtiät und sprachliche Vielfalt vom Internet-Massenangebot abheben.