Museumsbau in Lens: Ein Louvre für die Hinterwändler

Cyrille Thomas/ SANAA/ Imrey Culbert/ Catherine Mosbach In Lens ist tote Hose. Die Stadt in Nordfrankreich gilt als Metropole der Tristesse. Ausgerechnet dort eröffnet das Louvre-Museum jetzt einen Ableger. Bringt das Projekt den Sch'tis die erhofften wirtschaftlichen Impulse? Es könnte klappen: Die Fritterie gegenüber hat ihren Umsatz schon vervielfacht.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-866719.html
  1. #1

    Klischees

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Stadt mit gut 30.000 Einwohnern im Departement Pas-de-Calais ist, vom Fußballclub abgesehen, vor allem bekannt für das, was sie früher einmal war: Ein Zentrum des Kohleabbaus, der industriellen Produktion und Eisenbahnknotenpunkt in Frankreichs Norden. Davon ist wenig gebliebenLouvre-Lens: Museumsneubau - SPIEGEL ONLINE
    Davon ist wenig geblieben? Komisch! Natürlich steht - wie im Ruhrgebiet oder im Harz - längst nicht mehr jede Anlage. Aber die immer noch existierende Bergbau-Kulturlandschaft des Nord-Pas de Calais ist von der UNESCO immerhin zum Weltkulturerbe erklärt worden. Lens liegt mitten drin. Mag sein, dass Lens noch schlimmere Strukturprobleme hat als Gelsenkirchen. Aber was sind Hinterwändler? Egal: Wie im Ruhrgebiet trifft man dort auf sehr viel Gastfreundschaft, raue Herzlichkeit und auch eine Universität. Dumm ist man nicht. Übrigens trifft man wie im Ruhrgebiet nicht selten auch auf polnisch-stämmige Ex-Bergleute, die sogar immer noch beherzt das Steigerlied singen können. Wenig geblieben?

    Dieses ständige Rumreiten auf Klischees und Verunglimpfen von Einwohnern bestimmter Regionen (wie in Deutschland ja auch heute noch bei Berichten über das längst grüne Ruhrgebiet anzutreffen) macht in einem Qualitäts-Medium keinen guten Eindruck. Wenn dann noch die Tatsachen zu Gunsten der eigenen süffisanten Schreibe zurechtgebogen werden (s.o.), wirds heikel. Ich finde: Das geht bestimmt auch besser. So wird es übrigens auch Lens mit dem Museum gehen. Deshalb kommt es auch nicht "ausgerechnet" dort hin, sondern mit Sinn und Verstand. Das ist bemerkenswert für einen Zentralstaat wie Frankreich, überlässt Deutschland doch seinen Westen sich selbst und fördert stur in den Osten. Wie das eigentlich noch mindestens bis 2020 sein kann, wäre eine Titelstory wert.
  2. #2

    Klasse wie hier wieder das Bild vom widerlichen Deutschen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Lens ist tote Hose. Die Stadt in Nordfrankreich gilt als Metropole der Tristesse. Ausgerechnet dort eröffnet das Louvre-Museum jetzt einen Ableger. Bringt das Projekt den Sch'tis die erhofften wirtschaftlichen Impulse? Es könnte klappen: Die Fritterie gegenüber hat ihren Umsatz schon vervielfacht.

    Louvre-Lens: Museumsneubau - SPIEGEL ONLINE
    von SPON genährt wird.
    So viel dümmliche Überheblichkeit ist mir selten untergekommen.
  3. #3

    »Lens gewann den Zuschlag, vor allem wegen eines Areals von 20 Quadratkilometern«

    Es sind 20 Hektar. Kleiner Unterschied.

    Und Friterie schreibt sich mit einem t. Jedenfalls in Frankreich, wo es Frites sind und weder Fritten noch Pommes.
  4. #4

    Touristen anlocken?

    Bei mir klappt es zumindest: ich werde es mir garantiert bald ansehen!
  5. #5

    Egal

    Was für ein Unsinn. Weder ist es Aufgabe der Kunst, Wirtschaftsförderung zu betreiben noch Erbauung zu spenden. Aber selbstverständlich ist es opportun, seinen Namen zu vernichten, indem man sich wie eine Marke aufführt. Hatten wir nicht erst neulich einen Ableger des Centre Pompidou im lothringischen Metz?

    Der Kunst ist das ja gottlob egal. Die erträgt auch eine Präsenz in den Schraubenmuseen hohenlohischer Milliardäre.
  6. #6

    So grausam ist es nicht

    Ich schließe mich meinem Vorredner Dr. Wimmer an und stimme mit ihm überein, dass die Bezeichnung „Hinterwäldler“ für die Einwohner der Region Nord-Pas-de-Calais, im Speziellen Lens schon ziemlich tendenziös und überheblich für ein Medium wie „Der Spiegel“ ist. Natürlich herrscht in Deutschland das Bild vor, die Nordfranzosen seien beschränkt, starke Trinker und ansonsten kaum interessant – doch dieses Bild wurde durch einen Film heraufbeschworen, der ganz und gar durch seinen Umgang mit Klischees überzeugt. Das dieses Bild dann mehr oder weniger kritiklos in einen Artikel übertragen wird, halte ich für wenig gelungen. Natürlich ist es richtig, dass im Zuge der kulturellen Dezentralisation in Frankreich eher benachteiligte Regionen im Auswahlprozess zu finden waren. Natürlich ist es richtig, dass die „kulturelle Neuansiedlung das angeschlagene Image der Krisenregion aufbessern und eine ökonomische Renaissance der gesamten Region mit anschieben“ soll. Auch in anderen Medien wird suggeriert, dass die Auswahl der Stadt Lens als Standort für die Zweigstelle mehr oder weniger aus Erbarmen seitens der Politik erfolgte. Erbarmen für eine Region, in der es sich nicht zu leben lohnt. Dem möchte ich aber entschieden widersprechen! Ähnlich wie im Ruhrgebiet findet man in der Region Nord-Pas-de-Calais eine Mentalität vor, die ihresgleichen sucht. Fremde werden mit offenen Armen empfangen, die Gastfreundschaft ist für europäische und speziell deutsche Maßstäbe außerordentlich hoch. Die vergleichsweise junge Universität des Artois ist in der Region an vielen Standorten verteilt und bietet am Standort Lens Studiengänge wie u.a. Informatik und Gesundheitswissenschaften und lockt damit knapp 1200 Studenten nach Lens. Was die positiven Effekte der Eröffnung der Zweigstelle für die Stadt Lens betrifft, bin ich etwas zurückhaltender, die lokale Tourismusbranche wird kaum angekurbelt werden, denn entweder kommen die Leute mit dem TGV direkt aus Paris oder aus Lille. Hotels wurden jedenfalls keine gebaut. Doch trotz allem ist es nicht so grausam, hier leben zu müssen!