Jüdisches Leo-Baeck-Archiv: Jeder Klick ein Schicksal

SPIEGEL ONLINE10.000 Briefe, 25.000 Fotos, 80.000 Bücher: Das Leo-Baeck-Institut birgt einen unschätzbaren Nachlass deutschsprachiger Juden. In der New Yorker Zentrale lagern Dokumente aus mehr als 500 Jahren - Goethe, Mendelsson und Einstein inklusive. Jetzt wurde die einmalige Sammlung digitalisiert.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-867039.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    10.000 Briefe, 25.000 Fotos, 80.000 Bücher: Das Leo-Baeck-Institut birgt einen unschätzbaren Nachlass deutschsprachiger Juden. In der New Yorker Zentrale lagern Dokumente aus mehr als 500 Jahren - Goethe, Mendelsson und Einstein inklusive. Jetzt wurde die einmalige Sammlung digitalisiert.

    Das Leo-Baeck-Archiv in New York wird digitalisiert - SPIEGEL ONLINE
    ich kann der Dame nicht verdenken, dass die Akten nach 1939 nicht lesen möchte, ich bin kein Holocaust Überlebender aber auch mir wurde übel beim lesen von Finanzakten von Juden und Geschäften die Juden gehörten, schon der zynische Schreibstil der Finanzbeamten hat mir gereicht. Teilweise verfolgen mich die Schicksale bis heute, da möchte ich mir nicht vorstellen was in persönlichen Briefen über Repressalien, Ängste und Terror gegen Juden so alles drin steht.
  2. #2

    Eine gewisse Ahnung

    Es dauert eine Zeitlang, sich in die Website einzuarbeiten, erst allmählich bekommt man eine gewisse eine Ahnung davon, welch ein riesiger und schrecklicher Fundus hier vorliegt. Eigentlich egal, welche Beziehung man zu seinem eigenen Land hat, auf jeden Fall ist eine da – die reicht schon, um es für einen Deutschen zu einer gleichermaßen autodestruktiven Beschäftigung werden zu lassen, wenn man in das Leo-Baeck-Archiv eintaucht. Ich habe die Adresse trotzdem gespeichert und werde gelegentlich in dem Archiv lesen – man fühlt sich irgendwie dazu verpflichtet.
  3. #3

    Glück hat, wer Unterstützung findet

    Wunderschöner Artikel, auch die Digitalisierung des Archivs klingt sehr spannend. Diese Arbeit ist sehr wichtig, da die echten Zeitzeugen immer weniger werden, sowie um einem Wiederaufleben mancher Ansichten möglichst Einhalt zu gebieten.

    Wir versuchen seit vier Jahren Zeitzeugen zu finden, die uns per Video von damals berichten. Memoro - Die Bank der Erinnerungen e.V. ist ein gemeinnütziges Projekt, welches inzwischen in 14 Ländern online ist und von der Thematik etwas weiter gestreut ist, da es versucht die verschiedenen Aspekte des Lebens aufzuzeichnen und an Jüngere weiter zu geben. Memoro wurde in Italien als Banca della Memoria gegründet, siehe die Länderübersicht auf memoro.org bzw. die deutsche Seite auf: http://www.memoro.org/de-de/

    Wir bekamen jedoch bis jetzt keinerlei Unterstützung in Deutschland, entweder ist es Desinteresse und/oder es hagelt Absagen; natürlich möchte manche auch nicht namentlich ins Internet, was durchaus zu verstehen ist, aber auf diesem Wege sind die Berichte authentischer. Die einzige Unterstützung bekommen wir nun durch ein kleines EU-Projekt im Rahmen des Lifelong Learning Programms nach Grundtvig, bei dem wir "Senioren" mit der modernen Technik vertrauter machen dürfen. Dank dafür.
  4. #4

    Danke für diesen Artikel!

    Großartig! Toll, daß so etwas existiert. Ich bin froh, daß die Bundesregierung bereits so viel Geld gibt und es dürfte gerne noch mehr sein.
    Unabhängig davon: Hat eigentlich schon mal jemand an einen Umzug nach Deutschland gedacht? Oder wenigstens die Gründung einer Niederlassung des Archivs?
  5. #5

    Zitat von FranzHans Beitrag anzeigen
    Großartig! Toll, daß so etwas existiert. Ich bin froh, daß die Bundesregierung bereits so viel Geld gibt und es dürfte gerne noch mehr sein.
    Unabhängig davon: Hat eigentlich schon mal jemand an einen Umzug nach Deutschland gedacht? Oder wenigstens die Gründung einer Niederlassung des Archivs?
    laut Wikipedia gibt es sowas schon

    Daneben gibt es die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in der Bundesrepublik Deutschland. Vorsitzende ist Stefanie Schüler-Springorum, Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin und ehemalige Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Überdies befindet sich seit 2001 im Jüdischen Museum Berlin eine Dependance des Archivs des New Yorker Leo Baeck Instituts. Nahezu die gesamten Bestände dieses wichtigsten Archivs zur deutsch-jüdischen Geschichte sollen, zumeist mikroverfilmt, auch in Berlin zugänglich gemacht werden.
  6. #6

    Meine Stiefmutter ist als 13-jährige noch 1937 mit der Familie nach USA ausgewandert. Ihr Vater war 1934 als Jude von den Nationalsozialisten aus dem Amt des Professors (Hamburg) entlassen worden.

    Der Cousin des Vaters war ein erfolgreicher Fotograf - auch ausgerechnet der Nazi-Größen. Er war der erste Fotograf, der im Weißen Haus in Washington fotografieren durfte. Er ist zwar rechtzeitig emigriert, aber die Nazis haben ihn in Holland dann eingeholt. Er starb 1944 in Auschwitz.

    Mein Vater konnte erst 1953 auswandern – als „Mischling ersten Grades“ hat er mit viel Glück (aber mit Arbeitslager) die Zeit in Deutschland überstanden.

    Meine Eltern haben sich viel Mühe gemacht, ihre Geschichte sowie die ihrer Verwandtschaft zu dokumentieren und dem Leo-Baeck-Institut zur Verfügung zu stellen. Etwas enttäuschend stelle ich fest, dass diese umfangreiche Dokumentation wohl nicht digitalisiert wurde.
  7. #7

    Zitat von Softship Beitrag anzeigen
    Meine Stiefmutter ist als 13-jährige noch 1937 mit der Familie nach USA ausgewandert. Ihr Vater war 1934 als Jude von den Nationalsozialisten aus dem Amt des Professors (Hamburg) entlassen worden.

    Der Cousin des Vaters war ein erfolgreicher Fotograf - auch ausgerechnet der Nazi-Größen. Er war der erste Fotograf, der im Weißen Haus in Washington fotografieren durfte. Er ist zwar rechtzeitig emigriert, aber die Nazis haben ihn in Holland dann eingeholt. Er starb 1944 in Auschwitz.

    Mein Vater konnte erst 1953 auswandern – als „Mischling ersten Grades“ hat er mit viel Glück (aber mit Arbeitslager) die Zeit in Deutschland überstanden.

    Meine Eltern haben sich viel Mühe gemacht, ihre Geschichte sowie die ihrer Verwandtschaft zu dokumentieren und dem Leo-Baeck-Institut zur Verfügung zu stellen. Etwas enttäuschend stelle ich fest, dass diese umfangreiche Dokumentation wohl nicht digitalisiert wurde.
    erstmal danke fürs erzählen, ich finde solche Erzählungen immer beklemmend aber interessieren tun sie mich sehr.

    Zu ihren Familiendokumenten, ich weiß nicht wann ihre Familie die Dokumente eingereicht hat aber auch im Artikel steht, dass man fast fertig ist aber nur fast evtl. wird ihre Familiengeschichte noch digitalisiert. Nachfragen beim Leo-Baeck Institut könnte ebenfalls nicht schaden.
  8. #8

    Zitat von boeseHelene Beitrag anzeigen
    erstmal danke fürs erzählen, ich finde solche Erzählungen immer beklemmend aber interessieren tun sie mich sehr.
    Mein Vater hat die Zeit in Deutschland besser verkraftet als viele der Juden, die rechtzeit weg gekommen sind. Gerade weil er hier die Zeit überlebt hat, und es viele Leute gegeben hat, die ihm geholfen haben, hat er nie einen Greuel gehegt. Er hat mir auch nie übel genommen, dass ich zurück nach Deutschland gekommen bin, hat mich auch häufig hier besucht.

    Zitat von boeseHelene Beitrag anzeigen
    Zu ihren Familiendokumenten, ich weiß nicht wann ihre Familie die Dokumente eingereicht hat aber auch im Artikel steht, dass man fast fertig ist aber nur fast evtl. wird ihre Familiengeschichte noch digitalisiert. Nachfragen beim Leo-Baeck Institut könnte ebenfalls nicht schaden.
    Mein Vater ist 2004 gestorben, meine Stiefmutter ein Jahr danach. Also spätestens 2004 haben sie die Unterlagen eingereicht.

    Ich habe von meinem Vater auch 6 Stunden auf Englisch besprochene Tonkassetten, die ich inzwischen zu Papier gebracht habe, die eben die vierzig Jahre seines deutschen Lebens beschreiben. Und dann geschriebene Aufzeichnungen sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Was er immer wieder betonte - wie sehr ihm geholfen wurde. Es gab eben in der Zeit auch Menschen mit Mut und einer eigenen Meinung. Allerdings denke ich auch, dass sein Glück etwas damit zu tun hatte, dass er groß, gutaussehend, blauäugig und Arzt war.