Trotzphase bei Kindern: Stampfen, schreien, wüten

CorbisEin schreiendes Kind auf dem Supermarkt-Boden? Schlecht erzogen, meinen Außenstehende. Doch so sehr der tägliche Ausnahmezustand Eltern nervt - Wüten ist für das Kind unverzichtbar.

http://www.spiegel.de/gesundheit/ern...-a-866897.html
  1. #20

    Blaue Fee, ich halte es grundsätzlich auch für wichtig Kinder vor potentiell lebensgefährlichen Gefahren zu schützen. Wo aber fängt "Gefahr" an? Wenn ich meinem Kind allzuoft vor vermeintlich gefährlichen Situationen schützen will und ihm Angst mache, wird es ihm wahrscheinlich schwer fallen ein gesundest Selbstvertrauen zu entwickeln. Das ist eine schwierige Gradwanderung.

    Kinder reagieren dann mit Trotz, Protest, etc., wenn sie Erfahrungen sammeln wollen, diese aber aus Sicht ihrer Eltern oder anderen nicht machen dürfen oder sollen. "Trotz" ist eine natürliche Reaktion, die weder in eine Mülltonne noch sonst wo hin verbannt gehört. Das Stichwort lautet Empathie. Einige Eltern neigen leider dazu, ihre Kinder für ihre natürliche Reaktion zu bestrafen, sie "runter zu machen". Dieses Verhalten verstärkt die (Trotz-) Reaktion oftmals nur :-(

    Hier ein interessanter Link zum Thema "Trotzalter":

    http://www.familylab.de/files/Artikel_PDFs/familylab-Artikel/Trotzstrategie.pdf
  2. #21

    der Knabe

    Zitat von kalumeth Beitrag anzeigen
    In der Tat gibt es nun mal die verschiedensten Temperamente und somit auch kein pädagogisch-allgemeingültiges Rezept zur Erziehung der eigenen Kinder. (Mir selbst verhalf immer mal wieder ein Blick ins Kinderhoroskop, um die Unterschiedlichkeit meines Sprößlings zu begreifen - wenn ich's schon nicht direkt kapierte)
    war etwa 10 Jahre alt, wollte von der Mama 10€ für Unkraut Ex um eine
    Rakete zu bauen. Bekam er natürlich nicht, pflanzte sich vor ihr auf und trat sie mir aller Wucht gegen das Schienbein. Mama gab ihm das Geld und humpelte fast 4 Wochen umher. " Ich habe ja nur den einen"
  3. #22

    richtig, da kann man eben nichts machen

    bei den Prolls geht es in etwa so: "Dennis, komm ma weg von die Bonbontruhe, sonst setzts was"

    Bei den Bionades dagegen: "Finn-Maximilian, kannst du das bitte lassen?"

    Beides scheint aber irgendwie nicht zu wirken.
  4. #23

    ....

    Zitat von kalumeth Beitrag anzeigen
    Quatsch, Eltern machen doch auch so oft, was s i e wollen - warum bekommt das Kind nicht auch seinen Willen? : die Ballerinas anziehen, aber die Filzstiefel im Rucksack mitnehmen. Nach 10 Minuten sind die Füße kalt, aha, wir haben ein kleines Praktikum über Wintertemperaturen gemacht und ziehen jetzt freiillig im Supermarkt die Stiefel um. Ohne Geschrei. Auch mit der Schokolade geht es so. Zuerst Schokolade und dann "für die Zähne" ein Stück Babybel hinterher. Meistens schreien nur die Kinder, die sich auch zu Hause ständig nach den Eltern richten müssen, anstatt liebevoll ausprobierend in dieses Leben hereingeführt zu werden. - Ich weiß wovon ich rede: Mein Kind hat viele seiner Wünsche bekommen, auch genug Taschengeld. Jetzt im Studium setzt der Sättigungseffekt von "ich habe genug bekommen" ein: f r e i w i l l i g kommt es mit dem Bafög-Satzt aus und weist höhere Geldzahlungen zurück! Langfristig die erfolgreichere Methode, mündig-verantwortliche und zufriedene Menschen zu erziehen..
    Ach so, Trotzphase also nur das Resultat einer nicht liebevollen Erziehung?
    Ballerina und kalte Füsse geht dann so, Mama ist Schuld das ich kalte Füsse habe und ich mir die Winterstiefel nicht anziehen wollte, kleines
    Praktikum anderen die Schuld an eigener Misere zu geben.
    Unsere Tochter bekam ihren Schokoriegel, aber nur zuhause, am Abend vor dem Zähneputzen. Macht sie heute mit ihrem Sohn auch so und der kleine Hosenscheisser ist damit zufrieden!
  5. #24

    Was falsch gemacht!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein schreiendes Kind auf dem Supermarkt-Boden? Schlecht erzogen, meinen Außenstehende. Doch so sehr der tägliche Ausnahmezustand Eltern nervt - Wüten ist für das Kind unverzichtbar.

    Trotzphase: Wütende Kinder stellen Eltern auf Geduldsprobe - SPIEGEL ONLINE
    Wir haben bei der Bestellung unserer Töchter vergessen, die Bedienungsanleitung für die Programmierung (auf der Rückseite der Kinder) zu lesen. Wie bei Windows haben wir daher des öfteren einen blauen Bildschirm und den ein oder anderen Systemabsturz gehabt. Wir haben unsere Töchter (und gelegentlich uns) dann ausgeschaltet und neu gestartet. Und oh Wunder, die Kinder liefen wieder halbwegs normal.

    Ratgeber haben wir zwar auch gelesen, aber eher wegen der interessanten Fallbeispiele und zur eigenen Belustigung.

    Die Trotzphase haben wir ohne großartige Beschädigung des Bodens überstanden, da Hartboden einfach zu stabil ist, um sich ständig hinzuwerfen oder wütend aufzustampfen.

    Wir stehen in der Pubertätsphase und werden auch das mit Anstand und Fehlern über die Bühne bringen. Nobody is perfect!!
  6. #25

    Besonders interessant ist, dass

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein schreiendes Kind auf dem Supermarkt-Boden? Schlecht erzogen, meinen Außenstehende. Doch so sehr der tägliche Ausnahmezustand Eltern nervt - Wüten ist für das Kind unverzichtbar.

    Trotzphase: Wütende Kinder stellen Eltern auf Geduldsprobe - SPIEGEL ONLINE
    die von spiegel-online auserwählte "Erziehungsweissagende" mit dem Hinweis schon mal ihr Produkt verkauft und dabei spielt sogar noch ein männlicher Name ne Rolle (vermutlich ihr Ehemann)

    "Franz Petermann, Ulrike Petermann
    Training mit aggressiven Kindern" 44,95€ kostet das übrigens und das finde ich schon sehr merkwürdig, weil es geht hier überhaupt nicht um einen nachweisbaren Sachverstand der Autoren, sondern einzig um einfach gut Werbung für eins der Millionen umsonst gekauften Bücher
    zu machen.

    Das ist doch unglaublich, sowas. Also wenn ein 2 1/2 jähriges Kind bockt und tobt, dann scheint das definitiv mit seinem übersteigernden Gefühl seines eigenen Selbstschutzes zu sein, wobei er eben nicht verstanden verstehen kann, dass er die Ballerinas im Winter nicht unbedingt anziehen sollte, aber laut ihrer Autorin sollte man so einem Kind dann vermitteln dass es in eine Mülltonne schreit. Mal ganz ehrlich, aber ich könnt so einen Schwachsinn nicht glauben, wenn ich ein mediales Fachblatt wie den Spiegel produziere.

    "Socken die der Mutter im Zorn vom Kleinkind hinterhergeworfen wurden?" Ich kenn Glasflaschen die durchs Auto flogen von Kleinkindern im Zorn, über SOCKEN hätt ich geschmunzelt.

    Lächerlicher gehts gar nicht mehr.

    Im Übrigen waren von meinen ganz (recht beträchtlich vielen Kindern) nur 2 Mädchen die da extrem bockig waren, während die Jungs kaum solcher Leistung fähig waren. Ich halte die Bockigsten für die Überlebensfähigsten und ganz klar bei mir brauchten die keine Mülltonne in die sie schreien, sondern ich "entsorgte" sie kurzerhand einfach aus meinem gefühlten Lautstärkemaximalbereich meiner Ohren und dann war eine Gleichberechtigung hergestellt und wenn sie sich wieder eingekriegt haben, war alles wie vorher und das funktionierte, sozusagen im gegenseitige Respekt.

    MFG
  7. #26

    Oh da kenn ich ein Kind

    Zitat von han26 Beitrag anzeigen
    war etwa 10 Jahre alt, wollte von der Mama 10€ für Unkraut Ex um eine
    Rakete zu bauen. Bekam er natürlich nicht, pflanzte sich vor ihr auf und trat sie mir aller Wucht gegen das Schienbein. Mama gab ihm das Geld und humpelte fast 4 Wochen umher. " Ich habe ja nur den einen"
    was noch nicht mal 10 Jahre war und mit Chemieversuchskoffern für Kinder fast die Bude in Brand steckte, worauf die Mutter ihn auf den Balkon verbannte, weil das ungefährlicher ihr schien. Der Junge ist heute ca. 40 Jahre und Dr. der Chemie.

    MFG
  8. #27

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie zu bestrafen, sei kontraproduktiv: "Das Kind bekommt dann Schuldgefühle, unterdrückt zukünftig die Wut, statt zu lernen, mit ihr umzugehen."

    Trotzphase: Wütende Kinder stellen Eltern auf Geduldsprobe - SPIEGEL ONLINE
    "Strafe" scheint mit Blick auf die Erziehung langsam zum Tabuthema zu werden. Strafen im Sinne von "Konsequenzen und Grenzen aufzeigen" muss aber nichts Negatives sein. Auch nicht für ein Kleinkind.

    Und schon gar nicht ist es per se negativ, zu lernen, seine Wut auch mal unterdrücken zu können. Auch das kann schließlich eine in manchen Situationen durchaus angemessene Art und Weise sein mit Wut "umzugehen".
  9. #28

    Tjanu...

    ... Wut unterdrücken halte ich nicht für das Mittel der Wahl. Unterdrückte Wut kommt nur an anderer Stelle wieder hoch, mit all ihren Konsequenzen.

    Warum Strafen falsch sind? Ganz einfach. Sie erzeugen Angst (vor der Strafe) und keinen Respekt (vor dem, der sie verhängt). Das wiederum fördert Wut, Hass und Unverständnis. Lösungsansätze bei Konflikten siehe Juul bzw. Familylab (kann es irgendwie nicht oft genug sagen ;-) ).

    Zwischen Strafen und Konsequenzen besteht übrigens ein Unterschied. Strafe ist eine Form von (Macht)missbrauch durch die Bezugsperson. Konsequenzen sind Vorgänge, die logischer Weise passieren. Beispiel: Kind wird zum Essen an den Tisch gerufen, spielt aber erst noch zu Ende und kommt nach 20 Minuten hinzu. Konsequenz: das Essen ist kalt.
  10. #29

    Kinder haben kein Trotzalter

    Ohhhh, Jesper Juul ist einfach sooo viel geiler als die in diesem Artikel bemühten Experten:

    "Kinder haben kein Trotzalter. Es ist eine natürliche
    Entwicklung, dass sich das zwei* bis dreijährige Kind
    aus der kompletten Abhängigkeit von den Eltern zu
    einem teilweise unabhängigen Individuum
    entwickelt. Diese Entwicklung wiederholt sich in der
    Pubertät. Wenn die Eltern versuchen, diese
    Entwicklung des Kindes zu verhindern, zu
    beeinträchtigen oder darüber zu bestimmen, dann
    wird das Kind trotzen. In diesem Alter brauchen
    Kinder Eltern, die sie wertschätzen und anleiten. Je
    mehr die Eltern versuchen, einzugreifen und
    Grenzen zu setzen, desto mehr Machtkämpfe wird
    es geben.
    Diese Phase ist entscheidend für das Kind, um neue
    Fertigkeiten, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
    zu entwickeln. Sie ist auch wichtig für die
    Herausbildung des Charakters und die Qualität der
    Beziehung zwischen Eltern und Kind. Betrachten Sie
    die wachsende Unabhängigkeit Ihres Kindes als
    Geschenk * nicht als Problem. Es ist ziemlich
    einfach, ein zweijähriges Kind zu "brechen", um es
    nett, sanft und gehorsam zu machen, aber den Preis zahlen alle. In der "Trotzphase" wie in der
    Pubertät sollte die Botschaft der Eltern sein: "Du bist okay, so wie du bist, und wir lieben dich."
    Die Phase, in der das Kind sagt: "Ich kann es selber!", und auf Versuche, sein Verhalten zu regulieren,
    mit "Nein" antwortet, dauert ungefähr ein Jahr. Als Eltern haben Sie zwei konstruktive Möglichkeiten,
    darauf zu reagieren, um Konflikte zu reduzieren und gleichzeitig das Vertrauen des Kindes in die
    Führung der Eltern und anderer Erwachsener zu steigern: Wenn das Kind sagt: "Ich kann es selber",
    ist die Antwort: "Oh, wie wunderbar! Lass mich wissen, wenn du Hilfe brauchst." Wenn das Kind "Nein"
    sagt, dann geben Sie ihm/ihr eine Minute oder zwei, und Sie werden erleben, dass es seine Meinung
    ändert. Wenn Kinder nicht "Nein" sagen dürfen, dann bleibt ihnen nur übrig, "Jawohl" zu sagen, und so
    verlieren sie ihre Würde.Ob ältere Geschwister das trotzige Kind positiv beeinflussen können, hängt davon ab, was Eltern unter
    "positiv" verstehen. Wenn das ältere Geschwisterkind in dieser Phase "gebrochen" oder still gemacht
    wurde, kann das Jüngere das kopieren. Lebt das Ältere seine/ihre eigenen Fähigkeiten aus, dann ist
    das eine Inspiration für das jüngere Kind.
    Auf keinen Fall sollte man das Kind zu Hause und in der Öffentlichkeit anders behandeln. Sonst verliert
    es das Vertrauen in die Eltern. Es ist nicht verboten, das Kind manchmal anzuschreien. Kinder
    brauchen echte und emotionale Menschen um sich. Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie überreagiert
    haben, und übernehmen Sie die Verantwortung dafür. Und dann vergeben Sie sich selber."