Streit um italienisches Stahlwerk: Lieber Krebs kriegen als arbeitslos werden

APIn Süditalien tobt ein dramatischer Streit um ein Stahlwerk: Es vergifte Arbeiter und Anwohner, befand eine Richterin und stoppte die Produktion. Doch die Beschäftigten wollen ihre Jobs nicht verlieren. Nun greift die Politik ein.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...-a-866964.html
  1. #1

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    Hier scheint auch massiv gegen EU-Recht verstossen zu werden. Aber dass man in Europas Süden EU-Recht als grobe Leitlinie sieht, ist ja wirklich nichts neues. Nur kann es eben nicht sein, dass sich einige Wettbewerbsvorteil auf Kosten der Umwelt verschaffen.
  2. #2

    Vor 20 Jahren gab es im Osten auch Stahlwerke mit vielen tausend Beschäftigen. Wo ist das Problem hier? Im Osten blühen auch wieder die Landschaften. Wird auch auf Sizilien funktionieren.
  3. #3

    Zitat von gowild Beitrag anzeigen
    Vor 20 Jahren gab es im Osten auch Stahlwerke mit vielen tausend Beschäftigen. Wo ist das Problem hier? Im Osten blühen auch wieder die Landschaften. Wird auch auf Sizilien funktionieren.
    Sind die Norditaliener auch bereit, Jahr für Jahr Milliarden von Euros in den Süden zu pumpen, wie es in D unter den Namen "Solidarpakt" immer noch passiert?
  4. #4

    Wer dumm wählt, den bestraft das Leben

    "pfiff die Regierung Silvio Berlusconis die Kontrolleure des Umweltministeriums zurück"

    Die Italiener habe Berlusconi gewählt, obwohl sie genau wussten, dass er ein Blender war und sich einen Dreck um das Gesetz kümmert. Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen.

    Für Mitleid ist da kein Platz, schliesslich haben die Deutschen auch zu recht kein Mitleid mit jenen, die die Zeche für 'unsere' Landesbanken, den Nürburgring, die Elbphilamonie, den Flughafen Berlin oder die NRW-Schuldenorgie bezahlen müssen.
    Jeder ist seines Glückes Schmied und wer dem Beamtenadel vorauseilend-gehorsam Vertrauen schenkt, wird eben beschissen. Ganz legitim !
  5. #5

    Zitat von antilobby Beitrag anzeigen
    Sind die Norditaliener auch bereit, Jahr für Jahr Milliarden von Euros in den Süden zu pumpen, wie es in D unter den Namen "Solidarpakt" immer noch passiert?
    Bis jetzt: ja. Aber die Bereitschaft sinkt.

    Die Norditaliener subventionieren den Süden schon extrem viel länger, als die West- die Ostdeutschen. Leider ohne nennenswerte Erfolge, wenn man von reich gewordenen Mafiosi mal absieht. Dem Süden Italiens fehlt nicht Geld, sondern es fehlt Vertrauen in die Institutionen, und es fehlt an Institutionen, die Vertrauen verdienen. Der Staat wird als fremder Usurpator betrachtet, und oft genug führt er sich auch so auf.
  6. #6

    ISO 14000 zertifiziert

    Das Werk ist seit 2004 ISO 14000 zertifiziert. Ist unter www.ilvagroup.com nachzulesen. Der TÜV bescheinigt seit 2006, dass die Produktion CE konform ist. Man muss sich schon noch tiefer Graben betreffend der EU-Regelierungen.
  7. #7

    Taranto libera

    Schön dass es Taranto endlich in den SPON geschafft hat. Die Zustände dort sind schon seit länger zu kritisieren aber in eine strukturschwache Gegend im Süden Europas ist von geringerem medialem Interesse. Dort wird übrigens der Stahl für Nordeuropa produziert.
    Ich bin seit Jahren mit meiner Frau einer gebürtigen Tarantina vor Ort und möchte gern ein paar Sachen richtigstellen.
    1. Europäische Richtlinien werden seit Jahren nicht eingehalten. Und die (nicht sichtbare Verschmutzung) führt zu einer höheren Krebsrate nicht nur der Beschäftigten sondern in der Bevölkerung.
    2. Die Besitzerfamilie wohnt natürlich nicht neben der Industrie sondern in Varese in Norditalien und der Firmensitz ist in Mailand. D.h. Gewinne und Steuern werden so in den Norden abgeleitet und bleiben nicht vor Ort.
    3. In einer strukturschwachen Gegend wollen natürlich viele ihre Arbeit behalten wenn sie schon einmal eine gefunden haben. Aber die Beschäftigen der ILVA kommen hauptsächlich aus dem Umland und nicht aus Taranto selbst.
    4. Die Schließung von Teilen der ILVA hat große Teile der Bevölkerung mobilisiert sich endlich aktiv für eine Änderung der Situation einzusetzen. Die Mehrzahl der Tarantini will eine Schließung der ILVA und formiert sich unter dem Slogan TARANTO LIBERA.
    Hier einige links:
    Musiker aus Taranto haben einen Protestsong aufgenommen der zurzeit in ganz Italien gehöht wird.
    Taranto Libera - Artisti Uniti x Taranto
    http://www.youtube.com/watch?v=NRbWPIA5EWw
    BLOG der ILVA kritischen Bevölkerung
    http://tarantolibera.wordpress.com/
    darüber hinaus gibt es einige facebookgruppen zur Unterstützung von Patrizia Todisco und Taranto Libera.
    Apulien ist eine Reise allemal wert und dann könnten Sie auch einen Abstecher nach Taranto einplanen und eine Stadt besuchen die älter als Rom ist.