Achilles' Ferse: "Laufen ist wie ein kleiner Urlaub von Zuhause"

DDPDie Berliner Psychotherapeutin Marieta Erkelens läuft mit Depressiven: Der Sport kann die Krankheit vertreiben helfen. Im Interview mit achim-achilles.de erklärt Erkelens, wie sie Depressive motiviert und weshalb Gruppenzwang auch helfen kann.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-867265.html
  1. #1

    Antidepressiva machen nicht süchtig

    Interessant ist, dass der Dame in diesem Interview nicht mal bekannt ist, dass Antidepressiva nicht süchtig machen. Setzen, 6!
  2. #2

    Selber setzen.

    Zitat von _____ Beitrag anzeigen
    Interessant ist, dass der Dame in diesem Interview nicht mal bekannt ist, dass Antidepressiva nicht süchtig machen. Setzen, 6!
    Die Dame sprach davon, dass Tabletten "abhängig" machen, das ist schon der medizinischen Definition nach etwas anderes als "süchtig". Vielleicht meinte sie nur das subjektive Gefühl, von Medikamenten abhängig zu sein - in dem Sinne, ohne diese nicht auskommen zu können.

    Übrigens: Laufen kann, wie andere Sportarten auch, sehr wohl "süchtig" machen (nehmen Sie dies bitte mit einem Augenzwinkern).
  3. #3

    Zwischenruf

    Wer das ständige und nicht direkt zweckgebundene Laufen zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Lebensführung macht und diese Tätigkeit darüber hinaus Dritten gegenüber moralisch überhöht, hat ein Problem. Entweder hetzt er permanent etwas hinterher, das er nicht hat aber gerne hätte, oder er rennt vor etwas weg das er fürchtet oder los sein will. In beiden Fällen ist das als Begründung vorgebrachte körperliche und psychische Wohlbefinden lediglich eine "Schmerzstillung" für den tiefer gelegenen Missstand. Lässt diese zeitlich begrenzte Betäubung nach, entsteht der Drang zum Laufen erneut. Wie bei einem Drogensüchtigen rechtfertigt der Abhängige seine Tätigkeit mit zahlreichen Ausflüchten und konstuierten Gründen, um in seiner Umwelt eine Akzeptanz seiner Sucht zu erreichen. Der Teufelskreis kann nur durch Entzug und einer gleichzeitigen Therapie durchbrochen werden, die das psychische Defizit aufzuarbeiten hilft.
  4. #4

    optional

    naja, die Dame hat vmtl. in den 70ern studiert, da waren Medizin und Psychologie sich noch ziemlich feindlich gesinnt, vielleicht übernimmt sie noch die alten Vorurteile ;) Für wahrscheinlicher halte ich aber, dass sie mit "abhängig" einfach meinte, dass man das Gefühl hat, sich nicht selbst helfen/stützen zu können, sondern auf Hilfe von außen, von einer Tablette angewiesen ist. Das Gefühl sich "selbst da raus zu ziehen", wenn auch mit etwas Unterstützung, ist ein Vorteil aller aktiv betriebenen Psychotherapien und Bewegungstherapien.
  5. #5

    Zitat von artusdanielhoerfeld Beitrag anzeigen
    Wer das ständige und nicht direkt zweckgebundene Laufen zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Lebensführung macht und diese Tätigkeit darüber hinaus Dritten gegenüber moralisch überhöht, hat ein Problem. Entweder hetzt er permanent etwas hinterher, das er .....
    Das beste Antidepressivum ist und bleibt das Lachen.
    Danke!
  6. #6

    Erwähnenswert ...

    ... wären auch noch die Endorphine, die so genannten "Glückshormone", die der Körper nach ca. 25 bis 30 Minuten Ausdauersport ausschüttet. Ihre Wirkung ist nicht zu unterschätzen! Plötzlich wird alles ganz leicht und angenehm ...
  7. #7

    Nicht Leistungs-orientierte körperliche Betätigung hilft allgemein..

    Ich könnte an dieser Stelle das Radeln anführen - dieses Jahr haben wir ein großes Projekt mit 31 Depressions-erfahrenen Menschen gemacht: 55 km täglich Radeln. Aber ich möchte lieber allgemeiner werden und die hinter unserem Projekt stehenden Doktoren Deimel (Sporthochschule Köln) und Freyer (Uniklinikum Freiburg) rezietieren: jedwede körperliche Betätigung wirkt anti-depressiv und sei es nur das ambitionierte Fensterputzen im Alltag. Der große Vorteil vom Radeln oder eben besonders vom Laufen ist sicher, dass es auf der einen Seite eine abgeschlossene Handlung darstellt - die man unter Umständen um ihrer selbst Willen macht (Joggen im Vgl. zum Alltagsradlen). Auf der anderen Seite ist Laufen/Radeln super-niedrigschwellig. Einfach Schuhe an und los. Um den Block oder eben weiter...alles was gut tut ist gut... und immer fein auf sich, auf den eigenen Körper hören ist die Devise. Achtsam mit sich sein.
    Grüße, Sebastian von der Mood Tour - Stimmung machen: Unterwegs für mehr Akzeptanz Depressiver
  8. #8

    Es geht gar nicht ums Laufen.

    Auch wenn entspanntes Laufen ohne Druck und in frischer Luft sehr, sehr gut ist.

    Aber hier geht es um "Selbst-Tun" - um die Umkehr von Passivität in Aktivität. Das kann genau so durch Singen im Chor geleistet werden. Durch Töpfern, Gedichte schreiben. Durch KungFu oder TaiChi in der Gruppe.
    Hauptsache Tun.

    So wird schnell klar, dass "Depression" keine Krankheit ist - die Betroffenen also nicht stigmatisiert werden müssen -, sondern dass es ein Gefangensein in Abhängigkeit (von sich selbst, vom Leben, vom Schicksal, von Ängsten, vom Tod, von der Familie .....) ist. Den Schlüssel zu finden: das ist Aufgabe der Psychotherapeuten.
    Laufen ist - noch einmal betont - wunderbar. Auch "nur" atmen ist wunderbar. Es gibt viel Wunderbares, das man den Menschen zeigen kann, damit sie wieder ins Tun kommen und sich nicht von allem im Leben abhängig fühlen.
    Vor allem müssen sie wissen, dass sie nicht "krank" sind, sondern eine seelische Störung haben, die eine Ursache hat. Auf diese Ursache zu stoßen: das sollte ihre Aufgabe bzw. die ihrer Helfer sein.
  9. #9

    Laufsucht

    Zitat von artusdanielhoerfeld Beitrag anzeigen
    Wer das ständige und nicht direkt zweckgebundene Laufen zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Lebensführung macht und diese Tätigkeit darüber hinaus Dritten gegenüber moralisch überhöht, hat ein Problem.
    Das war hier nur nicht Thema. Es ging nicht um Moral, sondern um Gesundheit.

    Zitat von artusdanielhoerfeld Beitrag anzeigen
    Entweder hetzt er permanent etwas hinterher, das er nicht hat aber gerne hätte, oder er rennt vor etwas weg das er fürchtet oder los sein will.
    Oder er schwebt einfach durch den Wald, genießt beim Laufen das Fehlen von Müdigkeit, die frische Luft, Sonne und Wind auf der Haut, und das Pulsieren des Blutes.

    Zitat von artusdanielhoerfeld Beitrag anzeigen
    In beiden Fällen ist das als Begründung vorgebrachte körperliche und psychische Wohlbefinden lediglich eine "Schmerzstillung" für den tiefer gelegenen Missstand. Lässt diese zeitlich begrenzte Betäubung nach, entsteht der Drang zum Laufen erneut.
    Beim Atmen und beim Essen ist das genauso. Egel wieviel man davon zu sich nimmt, irgendwann braucht man es wieder erneut.

    Zitat von artusdanielhoerfeld Beitrag anzeigen
    Wie bei einem Drogensüchtigen rechtfertigt der Abhängige seine Tätigkeit mit zahlreichen Ausflüchten und konstuierten Gründen, um in seiner Umwelt eine Akzeptanz seiner Sucht zu erreichen. Der Teufelskreis kann nur durch Entzug und einer gleichzeitigen Therapie durchbrochen werden, die das psychische Defizit aufzuarbeiten hilft.
    Der Mensch ist von seiner biologischen Veranlagung her ein Ausdauerjäger. Er kann die meisten anderen Säugetiere zu Tode jagen, wenn es ihnen nicht gelingt, sich zu verstecken. Daß diese Veranlagung einfach nur deswegen verschwunden sein soll, weil der Mensch Massentierhaltung und Automobil erfunden hat, ist unwahrscheinlich. Der Mensch lebt weiterhin mit seinem biologischen Erbe - und dieses Erbe besagt: der Stoffwechsel und der Kreislauf brauchen regelmäßige Belastung, damit es ihnen gut geht, weil sie es nicht anders kennen. Es mag Menschen geben, die dieses Bedürfnis nicht empfinden, andere aber schon. Mit Sucht hat das nichts zu tun, denn Sucht impliziert immer Schädigung seiner selbst oder Dritter.