Massenrückrufe bei Toyota: Der Fluch des Gleichteile-Dogmas

Getty ImagesIn der Autoindustrie grassiert der Sparwahn. Das Zauberwort heißt Gleichteilestrategie - um die Kosten immer weiter zu drücken, entwickelt man immer mehr Modelle mit identischen Fahrzeugteilen. Die Kehrseite: Schleicht sich in der Produktion ein Fehler ein, sind die Auswirkungen fatal.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/m...-a-867216.html
  1. #1

    Toyota tut wenigstens was und behebt den Schaden.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der Autoindustrie grassiert der Sparwahn. Das Zauberwort heißt Gleichteilestrategie - um die Kosten immer weiter zu drücken, entwickelt man immer mehr Modelle mit identischen Fahrzeugteilen. Die Kehrseite: Schleicht sich in der Produktion ein Fehler ein, sind die Auswirkungen fatal.

    Mit zunehmender Standardisierung steigt das Risiko von Massenrückrufen - SPIEGEL ONLINE
    Bei VW und anderen wird einfach abgewimmelt und der blöde Käufer ist der Tester. Auf seine Kosten natürlich.
  2. #2

    Gleichteilestrategie ist richtig

    Die Qualität eines Produktes steigt deutlich mit der Produktionsstückzahl und auch die Produktionskosten sinken. Diese Vorteile überwiegen bei weitem das Kostenrisiko bei einem Qualitätsproblem. Gleichteile sind weder ein Fluch noch ein Dogma sondern der Weg zu einer effizienten und kostengünstigen Produktion.
  3. #3

    Übertriebene Kostenfixierung im Einkauf....

    führt zu diesen Debakeln. Der Einkauf solcher Megakonzerne kann seine Kompetenz nur in € unter Beweis stellen. Folglich werden die Lieferanten unter extremen Preisdruck gesetzt und Abstriche in der Haltbarkeit billigend in Kauf genommen. Könnte ja funktionieren.... Wenn nicht, wird's richtig teuer.

    Mercedes hatte früher (bis Anfang der 1990er Jahre) bei vielen Lieferanten Sonderlösungen von herausragender Qualität. Viele Komponenten überlebten die enorme Lebensdauer des gesamten Fahrzeugs ohne negativ in Erscheinung zu treten. Das war sicher nicht wirtschaftlich, tat aber dem Ruf der Marke gut. Heute wird der billigste Mist verbaut, der geschätzte 3 Jahre durchhält. Nach Ablauf dieser Leasingdauer wird das Fahrzeug in den Sekundärmarkt gedrückt und auftretende Mängel über Kulanz abgewickelt. Danach bricht die Sintflut über den Besitzer herein, weil die Komponenten massenweise versagen. Wenn dieser dann etwas Neues will, ist das Ziel erreicht.

    Diese Strategie entwertet gebrauchte Fahrzeuge in nie dagewesenem Maße. Vor allem leidet aber das Ansehen der Marke. Wenn dazu noch teure Serienfehler mit Rückrufpflicht kommen, werden die gesparten Euros teuer.
  4. #4

    Man kann eben nicht alles haben!

    Immer niedrigere Preise bei den Zulieferern durchzusetzen, erweist sich mehr und mehr als Bummerang für die Autohersteller. Gleichzeitig billiger und besser geht nicht. Und die modernen Autos sind keinesfalls von besserer Qualität als das früher der Fall war. Selbst BMW musste jüngst einräumen, dass nach interner Kalkulation ein Wagen nach 150.000 km nichts mehr wert ist. Aber das ist heute Teil des Geschäftsmodells. Früher hatte man da noch andere Ansprüche.
  5. #5

    Knapp daneben ist auch vorbei

    Zitat von lennybruce Beitrag anzeigen
    Selbst BMW musste jüngst einräumen, dass nach interner Kalkulation ein Wagen nach 150.000 km nichts mehr wert ist.
    Definitiv falsch. Das war nicht BMW, sondern die BMW-Bank. Und diese Einschätzung hat in keiner Weise etwas mit den realistischen Laufleistungen zu tun, sondern dient einzig und allein der Optimierung der Leasing-Konditionen.
  6. #6

    Sparen an der falschen Stelle!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der Autoindustrie grassiert der Sparwahn. Das Zauberwort heißt Gleichteilestrategie - um die Kosten immer weiter zu drücken, entwickelt man immer mehr Modelle mit identischen Fahrzeugteilen. Die Kehrseite: Schleicht sich in der Produktion ein Fehler ein, sind die Auswirkungen fatal.

    Mit zunehmender Standardisierung steigt das Risiko von Massenrückrufen - SPIEGEL ONLINE
    Entdeckt man einen Fehler in der Konstruktion und beseitigt ihn kostet es 10 Cent.
    Wird dieser Fehler in der Arbeitsvorbereitung entdeckt, kostet es bereits einen Euro.
    Wurde er auch dort nicht entdeckt, sondern in der Produktion sind 10 Euro fällig.
    Gelangt ein fehlerhaftes Teil zum Kunden kostet es 100 Euro.

    Das ist schon sehr lange bekannt, trotzdem wird in der Konstruktion und bei TQM gespart.
    An der falschen Stelle, wie man sieht.

    Und was die Gleichteilstrategie betrifft. Nach meiner Erinnerung hatten die deutschen Autobauer insgesamt 72 Lichtmaschinen, die japanischen Autobauer hatten nur insgesamt 12. Das war so um 1990 herum.

    Diese Art von Vielfalt hat zu noch mehr Fehlern geführt. Man bedenke, 72 Lichtmaschinen benötigen von der Konstruktionszeichnung bis zum Prüfplan 72 verschiedene Unterlagen.
  7. #7

    Spektakulär, aber kein echtes Problem

    Weder wirtschaftlich, noch vom PR-Standpunkt aus, ist eine Rückrufaktion über 2.700.000 Autos schlimmer als 27 Rückrufaktionen von je 100.000 Autos. Der einzige echte Nachteil ist die Innovationshemmende Wirkung. Man kommt von einer Plattform schlecht wieder runter. Aber bei 30% Kostenersparnis ist selbst das ein Luxusproblem. Es gibt halt immer mehr Innovation die nur im Rechner oder höchstens in einigen Prototypen stattfindet.
  8. #8

    Zitat von die-dicke-aus-der-uckerm. Beitrag anzeigen
    Bei VW und anderen wird einfach abgewimmelt und der blöde Käufer ist der Tester. Auf seine Kosten natürlich.
    Haben Sie irgendwelche Belege für Ihre Behauptungen?
  9. #9

    Ein MQB hat nichts mit Gleichteilen zu tun!

    Das Konzept der Baukästen besteht darin VERSCHIEDENE TEILE so zu konstruieren das sie in WECHSELNDER KOMBINATORIK zusammenfügbar sind. Sprich, alle Schnittstellen zu anderen Einheiten, alle Befestigungen, Abstände und Einbauwinkel etc. sind immer gleich. Grob kann man sich das so vorstellen wie bei Lego oder Fischertechnik - eben Baukästen bei denen die Teile in bestimmten vorgegebenen Bauvarianten immer passen. Einfach so!